Perspektiv-Wechsel in Romanen

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Andreas Adlon
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Perspektiv-Wechsel in Romanen

von Andreas Adlon (09.03.2012, 08:12)
Wie oft darf ich die Perspektive wechseln (Er-Erzähler)?

Ist es zum Beispiel erlaubt, eine Nebenfigur mal eben ein zwei Sachen denken zu lassen, um dann wieder in den Kopf der Hauptfigur zu schlüpfen?

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Moe Teratos
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Re:

von Moe Teratos (09.03.2012, 10:17)
Hi!

Wenn du den Allwissenden Erzähler als Perspektive wählst, darfst du zwischen den Köpfen hin und her springen so oft du willst. Dann solltest du das aber auch konsequent durchziehen und das nicht nur an einer Stelle im Buch machen, das verwirrt sonst nur. Stephen King hat z.B. in "die Arena" diese Perspektive gewählt.

Bei den anderen möglichen Perspektiven sollte man das nicht tun! Entweder den Er-Erzähler nur aus einer Figur (man kann aber auch 2 oder so wählen, dann aber nur nach längeren Erzählphasen wechseln) oder eben den Allwissenden Erzähler, der aus mehreren Personen die Sicht der Dinge erzählen kann und auch in einem Absatz zwischen den Figuren hin und her springen kann :wink: ! Und schon gar nicht geht das bei einem Ich-Erzähler. Der kann keinem anderen in den Kopf gucken cheezygrin !

Vielleicht solltest du dir mal ein Buch darüber kaufen, da wird es einem besser erklärt!

Ich hoffe, ich konnte dir helfen!

LG
Moe

Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (09.03.2012, 11:26)
das ist ja gerade die Frage "nur in längeren Erzählphasen."

Was sind längere Phasen?
Absatz
eine halbe Seite
Seite
2 Seiten

SarahSarah
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Re:

von SarahSarah (09.03.2012, 11:37)
Warum schreibst du nicht ausschließlich in der Form, die du beherrschst? Wäre das nicht einfacher? :twisted:

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SandraR
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Re:

von SandraR (09.03.2012, 11:40)
Perspektivwechsel zieht sich gerne mindestens ein ganzes Kapitel dahin, dann wieder zur anderen Perspektive, und so hin und her. Perspektivwechsel findet ja im Regelfall innerhalb von zB. zwei oder drei Erzählsträngen statt.

Anders schaut es aus wenn der Protagonist als Beispiel Gedanken lesen kann etc. da ist dann wilder Wechsel quasi Usanz.
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Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (09.03.2012, 11:48)
danke für Eure Meinungen.

Ich gebe mal ein Beispiel:

In einem Kapitel wird aus der Sicht eines bösen Chefs (Antagonist) geschrieben. Im letzten Absatz denkt seine Vorzimmerdame "Man hat der heute wieder eine Laune. Da hätte ich besser zu Hause bleiben können.

Nächste Kapitel beginnt aus einer anderen Perspektive

Gehen wir mal vom Nicht-allwissenden Erzähler aus. Ist dieser kleine Ausflug in den Kopf der Sektretärin erlaubt oder nicht?

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Siegfried
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Re: Perspektiv-Wechsel in Romanen

von Siegfried (09.03.2012, 12:07)
Andreas Adlon hat geschrieben:
Wie oft darf ich die Perspektive wechseln (Er-Erzähler)?

Ist es zum Beispiel erlaubt, eine Nebenfigur mal eben ein zwei Sachen denken zu lassen, um dann wieder in den Kopf der Hauptfigur zu schlüpfen?


Du "darfst" so oft, wie du willst. cheezygrin
Die Frage ist, ob es beim Leser positiv ankommt.

Wenn du sauber (im Sinne von: Das würde das Lektorat eines Verlages akzeptieren) schreiben willst, dann wäre es vermutlich am besten, wenn ...

... du die gewählte Erzählperspektive im ganzen Buch durchhältst (durchgängig auktorial oder durchgängig mehrfach-personal oder durchgängig einfach-personal bzw. ich-personal)

... bei mehrfach-personal sollte die Erzählperspektive nicht innerhalb einer abgeschlossenen Szene gewechselt werden. Die Länge der Szene ist dabei unerheblich - das kann eine halbe Seite sein oder 80 Seiten.

Was die von dir geschilderte Reaktion der Sekretärin angeht, wäre zu überlegen, wozu die diese ausdrückliche Reaktion benötigst. Wird dem Leser die Haltung der Sekretärin nicht durch andere Möglichkeiten klar? Ist die Reaktion für spätere Handlungen wichtig? Würde der Text etwas verlieren, wenn es diese Gedanken der Sekretärin nicht gäbe?
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (09.03.2012, 12:21)
Andreas Adlon hat geschrieben:

In einem Kapitel wird aus der Sicht eines bösen Chefs (Antagonist) geschrieben. Im letzten Absatz denkt seine Vorzimmerdame "Man hat der heute wieder eine Laune. Da hätte ich besser zu Hause bleiben können.


Es gibt natürlich auch rhetorische Winkelzüge, wie man Gedanken ohne Perspektivwechsel einbauen kann:

Man konnte der Vorzimmerdame deutlich ansehen, dass sie am liebsten "Leck mich!" gesagt hätte, aber sie zwang sich mühsam zu einem Lächeln und antwortete lediglich:"Ja, Herr Direktor, ich erledige das gerne in meiner Mittagspause."
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (09.03.2012, 13:11)
Siegfried, sauber, schön neue Fragen aufwerfen :D

Wenn ich frage, wo geht bei einem neuen Audi A4 das Licht an?

Wieso fährst Du denn nicht Fahrrad? ;)


Aber Spaß beiseite:

Mir ging es eher darum, ob es den Leser stört (ob da ein Lektor böse wird :twisted: ist mir erstmal Wurst)

Als Leser habe ich mir nie so eine Frage gestellt. Da hätte ich mich nie daran gestört wie bei der genannten Szene: Moment mal, ich stecke doch gar nicht im Kopf vom Chef. Da hätte es mich nicht gestört, meinen Lesefluss auch nicht. Beim Film gibt es doch auch unterschiedliche Kameraeinstellungen. Da fragt sich der "Normalo-Zuschauer" auch nicht. Na wo stand jetzt der Kameramann? (der Sekretärin würde man es vielleicht sogar ansehen, im Film)

Für wen richte ich mich dann nach Perpektiven: Für den Leser und für Lektoren, die gerne auf Pseudo-Regeln schauen?

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (09.03.2012, 13:27)
Andreas Adlon hat geschrieben:

Mir ging es eher darum, ob es den Leser stört (ob da ein Lektor böse wird :twisted: ist mir erstmal Wurst)



Ach so. Entschuldigung. Da habe ich Deine Frage völlig falsch verstanden. Du möchtest also einfach nur eine Umfrage starten.

Also Hand hoch: Wen würde das stören? *Hand heb*
Jetzt Hand hoch: Wen würde das nicht stören?
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Isautor
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Re:

von Isautor (09.03.2012, 13:41)
Man sollte dafür ein Gefühl entwickeln. Ich mache das meistens so, dass ich Abschnitte im Buch habe, die jeweils an einem Ort spielen und aus einer Perspektive erzählt werden. Selten wechselt die Perspektive innerhalb eines Abschnitts, wenn sich mehrere Personen an diesem Ort aufhalten.

Ein einziges Mal habe ich mir in dem Buch gegönnt, den göttlichen Erzähler (so nenne ich den, der alles weiß) sprechen zu lassen, ansonsten gibt es nur die einzelnen Perspektiven der Personen. Das ist zum Beispiel ein Bruch, den ich aber trotzdem an der Stelle gewagt habe. War eben meine Entscheidung.
Die Stelle sieht so aus:

Sam konnte so verdammt stur sein, wenn er etwas wollte oder nicht wollte. Abernathy musste lächeln bei diesem Gedanken und war fast ein wenig stolz auf ihn. Er selbst konnte auch stur sein, wenn er etwas wollte. Er sah im Rückspiegel den Anhänger, in dem er Sam, in triefend nasse Tücher gewickelt, transportierte. Dann schaute er wieder auf die Straße vor sich. Drei Sekunden später, und er hätte den Wagen sehen können, der ihm folgte. Aber er sah ihn nicht.

Die letzten beiden Sätze sind die einzigen im Buch, wie gesagt, die von keiner Figur stammen, aber ich finde, das kann man hier machen.

Manchmal unterbreche ich eine Perspektive, indem ich eine wörtliche Rede einschiebe. So gelingt die Überleitung innerhalb eines Abschnitts an demselben Handlungsort, ohne dass es komisch rüberkommt:

Sam sah George in Laines Zelle umher gehen. Ihn mochte er auch. Sehr sogar. Und George wusste immer, was zu tun war. Sam fühlte sich wohl und sicher in seiner Gegenwart. Trotzdem musste er immer wieder an Greg denken. Wo er wohl war? Vielleicht war er tot, aber das wusste niemand genau. Sam glaubte nicht, dass Greg ihn nur belogen hatte. Da war etwas gewesen, etwas Echtes, Freundliches. Und das vermisste er.
„Da hinten gibt’s alles, was dein Doktorenherz begehrt“, sagte Bill, der eben vom anderen Ende der Halle zurückkam.
„Nimm, was du kriegen kannst. Und gib nichts zurück“, sagte George. „Da erstrahlt deine Praxis bald in neuem Glanz. Abernathy hat wohl keine Kosten gescheut. Bestimmt vermacht er es dir gerne.“
„Das ist ja wie im Schlaraffenland!“ Jerry war bereits unterwegs zu der kleinen Metalltür.
„Und dann rechts!“, rief Bill ihm nach.
„Wie fühlst du dich hier, Schätzchen?“, fragte George seine Tochter. „Möchtest du lieber raus gehen?“
„Nein, ist okay“, sagte Laine. „Er hat mir ja nichts getan. Hab ja kein Trauma oder so.“

Sie suchte Sams Blick. Seit Sam angeschossen worden war, hatten sie kaum ein Wort miteinander geredet. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Es fühlte sich irgendwie festgefahren an.

Rot und Blau sind die Perspektiven von Laine und Sam, die grüne wörtliche Rede bringt eine Überleitung zu Laines Perspektive.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen damit helfen.
Seid gegrüßt,

Isautor

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SandraR
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Re:

von SandraR (09.03.2012, 13:57)
Ein Leser wird sich mit jemandem im Roman identifizieren. Wechselst du nun abrupt andauernd die Perspektiven störst du die Identifikation. Kurz, der Leser kommt aus dem Trott. Ev. so stark, dass er sich nicht mehr identifizieren kann und in dem Moment mag er den Roman nicht mehr. :roll:
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Isautor
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Re:

von Isautor (09.03.2012, 14:02)
Würd ich jetzt nicht pauschal unterschreiben. Im Idealfall indentifiziert man sich mit mehreren Romanpersonen und interessiert sich für jede Perspektive. Schlecht ist es, wenn man denkt, hoffentlich kommt gleich der andere wieder dran, der Typ hier ist langweilig, ein Seitenstrecker.
Zum Beispiel in den Preston Child Romanen nervt mich die Perspektive der Freundin des Detectives. Was die so in ihrem Job treibt, juckt mich nicht. Man will wissen, wie die Story weitergeht.
Seid gegrüßt,



Isautor



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Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (09.03.2012, 14:32)
guter Punkt, Sandra.

Um beim Filmvergleich zu bleiben, die Kamera darf ruhig mal ruckeln, aber wenn es eine ständige Fahrt über Kopfsteinplaster ist, nervt es 8)

Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (09.03.2012, 14:37)
Isa: Dann ist es aber kein Problem der Perspektive, sondern die langweilig zweite Figur!

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