HundKatzeGraus: Geschichten aus der Tierarztpraxis

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Bettina Peters
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HundKatzeGraus: Geschichten aus der Tierarztpraxis

von Bettina Peters (10.03.2012, 14:00)
Titel: HundKatzeGraus: Geschichten aus der Tierarztpraxis
Autor: Bettina Peters

Verlag: BoD
ISBN: 978-3-8423-8037-0
Seiten: 152
Preis: 12,95

Der Autor über das Buch:

Zwölf Jahre lang bestand mein Alltag als Tierarzthelferin aus verrückten Begegnungen und unglaublichen Anekdoten. Zwölf Jahre lang gehörte der Satz "Da schreibe ich irgendwann ein Buch drüber", meist begleitet von einem verzweifelten Kopfschütteln oder fassungslosen Augenrollen, zum Standard-Repertoire. Heute, nach einem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften, arbeite ich als Texterin und freischaffende Autorin. Und endlich habe ich das Buch geschrieben, das sich mir zwölf Jahre lang regelrecht aufgedrängt hatte. Viel Spaß mit HundKatzeGraus!

Klappentext:

Annika liebt Tiere – und macht als Tierarzthelferin ihr Hobby zum Beruf. Schnell merkt sie, worauf sie sich da eingelassen hat. Denn dieser Job ist anders als erwartet. Verrückter. Außergewöhnlicher. Und lustiger.
Bizarre Begegnungen und kuriose Fälle fordern das Praxisteam zu menschlichen und fachlichen Höchstleistungen heraus. Ob bergsteigende Kaninchen, verschlagene Degus, fliegende Hamster oder Killer-Katzen im Mülleimer: HundKatzeGraus ist die Chronik eines Alltags, der so gar nicht alltäglich ist. Und allem voran ist es die Spezies Mensch mit ihren skurrilen Eigenarten, die den Traumjob Tierarzthelferin zu einem echten Abenteuer macht.
Mit trockenem Humor, bissiger Ironie und einem liebenswerten Augenzwinkern erzählt Bettina Peters heitere Episoden aus der Tierarztpraxis – inspiriert von ihren Erlebnissen aus zwölf Jahren Praxisalltag.
Gnadenlos komisch und erfrischend anders: ein Buch für alle Tierfreunde, ohne die diese Geschichten nie entstanden wären.

Inhalt:

Seelenverwandte
oder: Wie treibe ich meinen Hund in den Wahnsinn?

Das Grauen hat viele Gesichter. Mir fallen auf Anhieb eine ganze Menge ein. Einige davon waren Kunden in unserer Praxis – so wie Frau Schubert. Und um die soll es hier gehen.
Frau Schubert war um die Sechzig, korpulent und auffallend schlecht dauergewellt. Frau Schubert hatte außerdem einen Hund: einen mittelgroßen Mischling, der eigentlich fast genauso aussah wie seine Besitzerin. Schon bei unserem ersten Zusammentreffen deutete sich zwischen Frau Schubert, Frau Schuberts Hund und mir eine ungewöhnliche Dreiecksbeziehung an, in der nur zwei von drei Beteiligten auf einer Wellenlänge lagen. Nur so viel vorweg: Das waren nicht Frau Schubert und ich!
Bei ihrem ersten Besuch mit dem neuen Hund legte ich wie gewohnt im Computer eine neue Karteikarte an.
„Wie heißt er denn?“, fragte ich mit einem Blick auf den Welpen.
„Schubert“, antwortete Frau Schubert.
„Nein, ich meinte den Hund!“, lächelte ich nachsichtig.
„Ach so!“, sagte Frau Schubert.
Sonst nichts. Vollkommene Stille. Neben ihren Füßen verdrehte der Hund genervt die Augen. Zumindest sah das so aus. Wahrscheinlich passierte ihm so etwas nicht zum ersten Mal.
„Ja, und wie heißt jetzt Ihr Hund?“, fragte ich nochmal.
„Blacky“, antwortete Frau Schubert.
Von seinem Platz neben Frauchens Füßen aus warf Blacky mir einen anklagenden Blick zu. Ich verstand, worauf er hinauswollte. Blacky war braun. Nicht schwarz. Noch nicht einmal dunkelbraun, sondern ganz eindeutig einfach nur braun. Ich fragte nicht, wer Blacky seinen Namen gegeben hatte, und tippte zu Frau Schuberts Gunsten auf ein sehr junges Enkelkind. Die machen ja so was. Sie glauben ja nicht, wie viele Haustiere mit den unmöglichsten oder unpassendsten Namen herumlaufen und dadurch in schwere Depressionen verfallen. Wahrscheinlich.
Blacky war also braun. Noch dazu war Blacky gar kein „Er“, sondern eine „Sie“. Auch wenn Frau Schubert uns das wohl bis heute nicht so ganz geglaubt hat: Die Indizien waren eindeutig. Blacky war ein braunes Hundemädchen. An diesem ersten Tag bekam sie ihre Welpenimpfung und bestand mit Bravour den großen Checkup – die TÜV-Untersuchung nannten wir das. Frau Schubert war glücklich, Blacky eher gleichgültig, ich irgendwo dazwischen. Frauchen bezahlte an der Anmeldung ihre Rechnung und wollte sich schon verabschieden, als ihr Blick auf den Hundenamen auf ihrem Beleg fiel.
„Sie haben ‚Blacky‘ falsch geschrieben“, wies sie mich zurecht. „Das schreibt man B-L-E-C-K-I!“
„Ach so“, rutschte es mir heraus, „kommt das gar nicht von ‚Schwarz‘?“
„Doch“, sagte Frau Schubert, „klar!“
Ich verkniff mir jeden Kommentar über die ungewöhnliche Schreibweise des ungewöhnlichen Namens und korrigierte die Angaben im Computer. Blecki, das braune Hundemädchen. Das konnte ja heiter werden. Und das wurde es auch!
Bei unserem nächsten Treffen war Blecki schon fast erwachsen. Die Locken saßen immer noch miserabel. Bei Blecki genauso wie bei Frau Schubert.
„Ich glaube, Blecki ist zurückgeblieben!“, vertraute mir Frau Schubert an, die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern gesenkt.
An Bleckis fassungslosem Gesichtsausdruck erkannte ich, dass sie jedes Wort verstanden hatte. Wer von uns ist hier wohl zurückgeblieben?, sagte ihr Blick. Ich versuchte, sie zu ignorieren und konzentrierte mich ganz auf Frau Schubert.
„Wie kommen Sie denn darauf?“, fragte ich.
„Jetzt ist der Hund schon fast acht Monate alt und hebt immer noch nicht das Bein!“, beklagte sie sich.
Blecki entspannte sich leicht. Sie hatte wohl erkannt, dass ich mich im Geiste längst auf ihre Seite geschlagen hatte.
„Aber Blecki ist doch ein Mädchen“, erklärte ich vorsichtig, jedes Wort langsam und deutlich artikulierend. „Die heben nicht das Beinchen!“
„Warum nicht?“, fragte Frau Schubert vorwurfsvoll, als wäre das meine Schuld.
„Warum sollten sie?“, entgegnete ich und erläuterte im Schnelldurchgang die Anatomie des Hundes mit besonderer Betonung auf dem entscheidenden Unterschied zwischen Rüde und Hündin.
Frau Schubert schien nicht zu verstehen, worauf ich hinauswollte und warum es als Hündin nicht zurückgeblieben, sondern sogar extrem clever war, sich beim Pillern hinzuhocken. Zu meinem Glück hatte sie aber offenbar beschlossen, sich von solch unnützem Wissen nicht den Tag verderben zu lassen. Immer noch skeptisch kaufte sie die Wurmkur für ihren Hund und verabschiedete sich.
Blecki folgte ihr brav in Richtung Ausgang. Im letzten Moment jedoch zögerte sie. Den Blick fest auf Frau Schubert gerichtet, blieb sie plötzlich stehen – und pieselte demonstrativ auf die Fußmatte. Im Hocken, versteht sich. Wie gerne sie Frauchen dabei wohl den Stinkefinger gezeigt hätte! Schade, dass sie keinen hatte – ich zumindest hätte das Ganze wirklich gern gesehen. So aber wechselten das braune Hundemädchen und ich nur noch einen wissenden Blick. Dann verschwand Blecki mit ihrer schlecht dauergewellten Besitzerin eilig durch die Tür und überließ die Fußmatte ihrem Schicksal. [...]
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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (10.03.2012, 20:19)
Hallo Bettina,

sehr witzige Leseprobe - wirklich aus dem Leben gegriffen! Ich wünsche dir ganz viele begeisterte Leser!

LG, Anke

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Bettina Peters
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Re:

von Bettina Peters (11.03.2012, 11:08)
Vielen Dank für die netten Worte, das tut einer unsicheren Erstlings-Autorin so richtig gut :D . Ich bin sehr gespannt auf eure Werke, werde mir das alles mal ganz in Ruhe ansehen book:

Viele Grüße,

Bettina
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H.- P.
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Re:

von H.- P. (11.03.2012, 18:29)
Wenn alle Geschichten so amüsant rüberkommen, wie die von "Blecki", kann ich nur sagen ... thumbbup

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Bettina Peters
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Re:

von Bettina Peters (11.03.2012, 19:30)
O ja, es gibt noch viele Bleckis und Frau Schuberts in HundKatzeGraus! :lol: Noch mehr Kostproben gibt es hier: www.hundkatzegraus.de
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MarleneGeselle
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Re:

von MarleneGeselle (12.03.2012, 09:16)
Auch von mir viel Glück und viel Erfolg. thumbbup thumbbup thumbbup
Es gibt kein größeres Laster als Tugend im Übermaß.
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Bärentante
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Re:

von Bärentante (25.04.2012, 23:00)
Hallo Bettina,

ich habe Dein Buch mittlerweile gelesen. Sehr unterhaltsam! thumbbup

Manchmal war ich schockiert von der Unwissenheit (um nicht zu sagen Dummheit) einzelner Tierbesitzer.

Was hattest Du doch für einen schönen Beruf. Den ganzen Tag mit lieben Tierchen kuscheln ... :lol:

Bei der Geschichte der Degu-Jagd mit Möbelabbau ist mir unser Hamster-Abenteuer eingefallen, das schon einige Jahre zurückliegt. Nur für Dich habe ich es aufgeschrieben:

Der Springhamster

Bei der Übergabe des Goldhamsters, der drei Wochen bei uns verbringen würde, erwähnte die Nachbarin, dass er schon über zwei Jahre alt sei. Wenn er sterben sollte, müssten wir uns keine Gedanken machen. Die Bäckchen des kleinen Kerlchens waren auch schon ziemlich grau.
Käfigtiere tun mir unendlich leid. Wann immer die Möglichkeit bestand, ließ ich ihn raus. Dann flitzte er durch die Küche, den Flur, das Bad und das Schlafzimmer, dicht an der Wand entlang, auf Entdeckungstour, auf der Suche nach Krümeln. Er schnupperte, richtete sich auf, rannte weiter. Freiheit! Ins Wohnzimmer durfte er nicht, ich hatte Angst, er würde hinter oder unter dem Sofa verschwinden, dass ich ihn nicht mehr so leicht „einsammeln“ könnte. Zurück in seinem Gefängnis, hing er stundenlang am Deckel und versuchte, sich durch die Gitterstäbe zu nagen.
Freitag Abend ging ich nach der Arbeit mit einigen Kollegen kegeln und essen, es wurde spät. Meine Mutter übernahm die abendliche Tierfütterung. Am nächsten Morgen lagen die Leckerli unberührt im Käfig. Hatte ich das kleine Hamsterherzchen durch die ungewohnten und ohne Zweifel aufregenden Ausflüge überbelastet? Mein Vater rannte in den Garten, um ein Grab auszuheben, meine Mutter suchte nach einem Kästchen. Mir blieb die undankbare Aufgabe, die Leiche zu bergen. Die Tränen liefen, als ich den Käfig öffnete. Der linke Haken war nicht eingerastet, da hatte die Mutter geschlampt. Zaghaft griff ich nach dem Schlafhäuschen und hob es vorsichtig an. Ein dicker Wust mit einzelnen Körnern gespickter Hamsterwatte kam zum Vorschein. Was würde ich darin finden? Den kleinen Liebling mit verdrehten Augen? Mit heraushängender Zunge? Haben Hamster überhaupt so lange Zungen? Oder gar Blut? Ich steigerte mich langsam in Horrorvisionen. Genug! Es war ein altes Tier, noch nicht einmal meines. Behutsam untersuchte ich mit zwei spitzen Fingern die Watte. Noch mehr Körner und eingetrocknete Karottenschnitze. Und dann? Wieder liefen die Tränen, diesmal vor Lachen. Der Hamster war nicht tot, er war weg!
Angelockt durch meinen Heiterkeitsausbruch näherten sich die Familienmitglieder. Zu dritt bestaunten wir das leere Behältnis. Da hatte sich dieses Biest doch tatsächlich durch den schmalen Spalt an der nicht befestigten Ecke des Deckels gezwängt. Und wie weiter? Wir hatten ein Wachstuch unter den Käfig gelegt, was die Holzbeine des Tisches für den Hamster unerreichbar machte. Demnach musste er gesprungen sein. Und wo war er jetzt? Mit Taschenlampen robbten wir durch die Wohnung, krochen unter die Betten, verrückten sogar das Sofa. Nichts! Blieben der Unterbau der Küchenzeile, der Wohn- oder Schlafzimmerschrank. Wir stellten den Käfig auf den Boden, das arme Tier hatte ja kein Abendessen und kein Frühstück eingenommen. Vielleicht kam es freiwillig zurück? Nichts da!
Zur Lokalisierung seines Aufenthaltsortes wurde abends in allen Zimmern Futter ausgelegt, die Türen geschlossen. Am nächsten Morgen fehlten die Körner und Apfelstücke im Wohnzimmer. Er musste sich also hinter dem riesigen Schrank befinden bzw. darunter, denn auch dieser hatte einen hohlen Unterbau, vorne eine etwa acht Zentimeter hohe Blende. Das Monstrum ausräumen und abbauen? War das die Sache wert? Wir beschlossen, dem Hamster den Spaß nicht zu verderben, ihm – falls wir ihn nicht zufällig erwischen sollten – noch einige Tage Freilauf zu gewähren.
Mittags kam Besuch. Es wurde recht eng. Zwei herbei geschleppte Stühle und die beiden Sessel waren besetzt, auf dem Sofa drängten sich vier Personen. Meine Mutter gehörte dazu. Sie nahm das geerbte Kissen auf den Schoß. Ich sah, wie sie es immer wieder nachdenklich betrachtete und drehte. Als ich die Besucher an der Tür verabschiedet hatte, rief mich meine Mutter. Sie hielt mir das Kissen hin und fragte: „Sah das schon immer so aus?“
Ich wusste zuerst nicht, was sie meinte, dann fiel es auch mir auf. An der handgewebten Kissenhülle fehlten rechts und links die circa fünf Zentimeter langen Baumwollfransen. Nur die Knoten waren noch vorhanden. Unglaublich! In nur zwei Nächten hatte der Hamster immer wieder das Sofa erklommen, die Fransen abgenagt und komplett abtransportiert. Nicht eine gelbe Fluse konnten wir auf dem Teppich finden. Ein fleißiges und ordentliches Tier. Und ein auf Komfort bedachtes Tier, das Material war schön kuschelig.
Über eine Woche sahen wir nichts von unserem Mitbewohner. Aber das im Käfig platzierte Futter war morgens verschwunden, die Wasserflasche leerte sich. Da die Nachbarn am Folgetag aus dem Urlaub zurückkehren würden, planten wir eine Fangaktion. Freunde wurden eingeladen und wir richteten uns auf eine lange Doppelkopf-Nacht ein. Wir spielten am Esszimmertisch Karten, der Käfig stand in Sichtweite im Halbdunkeln im Wohnzimmer. Kurz vor drei hörten wir, dass er sich an der Wassernuckel zu schaffen machte. Ich stürzte zum Käfig und schloss den Deckel. Höchste Eisenbahn! Seine Backen waren leer, das Futter bereits restlos abtransportiert. Davon hatten wir nichts mitbekommen. Und dann hing der Gefangene wieder an den Stäben und wollte sich durchnagen. Ein trauriger Anblick. Mit neuen Leckerli versorgt, verbrachte er seine letzte Nacht bei uns hinter Gittern.
Das Drama, das sich einige Tage später abspielte, war wohl zum größten Teil meine Schuld. Ich hatte den Nachbarkindern erklärt, dass ein Goldhamster auch einmal laufen möchte. Dabei wurde selbstverständlich erwähnt, dass sie die Zimmertüren geschlossen halten sollten, um genau zu wissen, wo sich der Kleine befindet, wo man ihn gegebenenfalls suchen muss. Von der Balkontür hatte ich leider nicht gesprochen, überhaupt nicht an diese Möglichkeit gedacht. Sie ließen ihn frei, er wuselte durch das Zimmer, rannte auf den Balkon. Bevor sie reagieren konnten, stürzte er sich in die Tiefe. Dass gerade in diesem Moment zufällig eine Katze vorbeikam und sich des Leichnams annahm, hielt ich für unwahrscheinlich. Jedenfalls gab es von dem Hamster, als die Kinder aus dem zweiten Stockwerk die Treppe hinunter gerannt und im Garten angekommen waren, keine Spur. Ich wurde verständigt und wir suchten stundenlang den Garten ab. Ohne Erfolg. Mir blieb nur die Hoffnung, dass der mutige Hamster bis zum Winter seinen Lebensabend genossen hat. In Freiheit!
Zwei Jahre später wurde mir über die Ferien der Nachfolge-Hamster zur Pflege anvertraut. Er hatte seine Macken, u.a. dass er jegliche sportliche Betätigung im Laufrad verweigerte. Ich musste ihn einfach ein wenig durch die Wohnung spazieren lassen. Er würde ja sicherlich nicht gleich den knapp zwei Zentimeter breiten Spalt neben dem Wohnzimmerschrank entdecken. Er tat es – innerhalb von fünf Minuten. :lol:
Liebe Grüße
Christel

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Cornelia
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Re:

von Cornelia (26.04.2012, 00:07)
Hallo,

bei uns lebte auch schon so mancher Hamster. Für mich war Auslauf auch immer wichtig.

Einmal hat sich ein junges Zwerghamsterweibchen unbeobachtet aus seinem Käfig entfernt, weil ein Teil der weitläufigen Röhrenkonstruktion nachgab.
Die ganze Wohnung wurde abgesucht, so ein kleines Tierchen konnte überall sein. In jedem Zimmer wurden leckere Köder ausgelegt und die Zimmertüren verschlossen, weil völlig unklar blieb, seit wann genau am Tag das Tier ausgebüxt war und in welchem Zimmer es sich mittlerweile aufhielt. Es wurde krampfhaft überlegt, ob zwischendurch die Wohnungstür geöffnet wurde.
Ich wollte nicht eher schlafen gehen, bis wir die Hamsterdame gefunden hatten. Ein vielleicht siebter Sinn ließ uns leise Knirschgeräusche unterhalb der Küchenspüle im Küchenfußboden vernehmen.
Wir wohnen in einer Altbauwohnung mit Holzfußboden. Das Wasserrohrsystem liegt dort sichtbar in den Boden hineinverlegt.
Es gab außerdem ein kreisrundes, etwa 2 Euro-Stück großes Loch, in dem scheinbar früher mal ein weiteres Rohr hinabführte, das es aber nun nicht mehr gab.
Aus diesem Loch kamen leise, schabende Geräusche. Es war unklar, ob es Laute aus der Wasserleitung sein könnten oder eben ein Hamster. Die Finger waren bei der Ertastung zu kurz. Mit einer Stricknadel stocherte ich versichtig in das Loch und dann war leise ein typisches Hamsterquengeln zu hören. Nun kam die große Frage, wie den kleinen Hamster wieder aus seinem Gefängnis hervorholen.
Und dabei blieben immer noch Zweifel, ob man tatsächlich das Tier gehört hatte oder nicht.
War es vielleicht nur Einbildung, Ähnlichkeit von knartzenden Geräuschen durch Berühren von Holz, Steinen oder Metall erschienen weiter möglich. Die Küche wurde halb abgebaut, um Platz für größere Gerätschaften zu schaffen. Dabei zerbrach die eine Sockelleiste der Küchenzeile.
Dann wurde mittels einer Flex, die zum Glück zur Hand war, das Loch im Boden vergrößert, immer in der Hoffnung, dass der Hamster sich aus dem Gefahrenbereich bewegen würde.
Als die Flex so heiß lief, dass es nicht nur vom aufgewirblten Holz- und Steinstaub zu qualmen begann, hatte ich echt Sorge, dass die Holzdecke und ihre Füllung evtl. Feuer fangen könnten.
Zwischendurch überlegte ich die Feuerwehr zu rufen, um den Hamster mit deren Hilfe zu befreien. Wir konnten aber immer noch nicht sicher sein, dass der Hamster wirklich dort drin steckte.
Schließlich war das Loch groß genug und man konnte mit Verrenkungen im Schrank unterhalb der Spüle einigermaßen hineinsehen. Zum Glück sind ich und mein Partner dünn genug, um überhaupt in den Schrank hieninzupassen und in der Enge arbeiten zu können.
Sonst hätten wir die komplette Einbauküche inklusive Arbeitsplatte auseinanderreißen müssen (und wir hätten es beide gemacht).
Große Erleichterung als der Hamster an der vergrößerten Öffnung gesehen wurde und er lebte. Verdutzt schaute er uns an und dann verzog er sich meckernd weiter in die Bodenfläche hinein und verschwand irgendwo in den Weiten des Zwischenbodens der Küche (und die ist nicht klein). Da er erst ein paar tage bei uns war, war er überhaupt noch nicht zahm.
Seit dem weiß ich immerhin, das unser Fußboden aus zwei Lagen besteht, die nicht vollständig mit Füllmaterial gefüllt sind, sondern scheinbar ideale Hamstergänge bieten.
Vor dem Loch innerhalb des Küchenschrankes wurde Futter als Köder gelegt. Ein Rohr des Käfigs wurde als Aufstieghilfe im Loch drapiert, da unsicher schien, ob der winzige Hamster die Höhe von Zwischenbodengrund zur Fußbodenoberfläche schaffen könnte.
Ich setzte mich auf den Knien und gebückt halb in und halb vor den Schrank und hielt stundenlang mit einer "Fangschachtel" Wache, um den Hamster abzupassen, sobald er in den Röhren sichtbar würde und festen Fußboden unter seinen Füßchen hätte.
Irgendwann merkte ich hinter und neben mir ein Huschen. Das Tier hatte einen anderen Weg aus seinem Loch gefunden, an den Röhren vorbei und schaute scheinbar schon eine ganze Weile zu, was ich da so trieb.
Als ich ihn endlich neben mir bemerkte, war er schon wieder weggehuscht.
Ich weiß nicht mehr, wann unser Fangmanöver endlich Erfolg hatte. Aber die kleine Hamsterdame gelangte schließlich sicher in ihren Käfig zurück. Sie bekam nur noch Auslauf im hamstersicher vorbereiteten Wohnzimmer (Absperrung an allen Stellen, damit sie nicht hinter den Schrank laufen konnte). Sie erreichte übrigens das Hamsterhöchstalter.
Passend war im Nachhinein ihr Name, sie hieß Murmelchen (schon vor ihrem Küchenabenteuer). Nomen est omen, denn was macht das Tier in den ersten Tagen bei uns, es suchte sich ein Murmelloch. cheezygrin

Das war vermutlich das größte Abenteuer mit kleinen Tieren, das wir hatten.

Viele Grüße
Cornelia

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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (26.04.2012, 08:54)
@ Christel: was für eine wunderbare, lebendig geschilderte Geschichte! Ich habe laut gelacht!

@ Cornelia: und noch so eine nette Story! Ich liebe diese kleinen Wuselviecher.

Ich könnt auch einiges über Hamster erzählen. Wir sollten uns zusammensetzen und ein Buch draus machen! :wink:

Danke, dass ihr Bettinas Thread wieder nach oben geschoben habt. Ich hatte doch völlig vergessen, dass da noch ein Buch auf meiner Wunschliste war... thumbbup

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Bettina Peters
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Danke für eure Beiträge!!!

von Bettina Peters (07.06.2012, 13:35)
@ Christel, Cornelia und Anke:
Vielen Dank für eure netten Beiträge und vor allem die extra für mich verfassten Geschichten :D
Ich sehe schon, wenn es an Teil 2 von HundKatzeGraus geht, gibt es bei euch geschichtentechnisch einiges zu holen! :lol:
Ich Trottel habe schon ewig nicht mehr ins Forum geschaut, deshalb die späte Antwort. Irgendwie habe ich auch keine Benachrichtigungen über die neuen Beiträge bekommen. Nicht böse sein, ich gelobe Besserung. cheezygrin
Wie läuft es denn so mit euren Büchern? Ich stecke im Sommerloch (jetzt schon??!!), aber ich arbeite dran...

Viele Grüße und alles Gute,

Bettina
HundKatzeGraus: Geschichten aus der Tierarztpraxis

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