Pay back

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Fabelfreund
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Pay back

von Fabelfreund (24.04.2012, 08:00)
Pay back

Enrique hasste die zerlumpten Gestalten, die durch das Dorf trotteten. Immer auf der Suche nach Arbeit, nach Essen, nach einer Möglichkeit zu überleben. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte man das ganze Pack ins Meer zurückgeworfen und wieder dort hin schwimmen lassen, wo es hergekommen ist. Aber nein, die Politiker hatten beschlossen, aus humanitären Gründen so und so viele von dem Volk aufzunehmen. Das Ende vom Lied war, immer mehr kamen herüber. Bueno, manche hatten Geld und einige von den Frauen sorgten in seiner Bar für einen besseren Umsatz. Er hatte extra die Hinterzimmer ausbauen lassen. Wie hatte er gelacht, als die hochnäsigen Putas ihn um Arbeit angesprochen hatten. Als sie sein Angebot das erste Mal gehört hatten, waren sie frech geworden und hatten ihn beschimpft. Er hatte kein Wort verstanden. Immer noch meinte dieses Gelumpe, jeder müsste ihre Sprache sprechen. Weltsprache, hah. Seine Sprache war schon Weltsprache, als es deren Land noch gar nicht gab.
Wie haben die sich immer aufgespielt. “Gottes Nation” und “Weltpolizei.” Er hielt kurz beim Tische abputzen inne und blickte über den Hafen. Weit draußen sah er die riesigen Kreuzfahrtschiffe, Flugzeugträger und andere Schiffe, mit denen die das Meer überquert hatten. Die Schiffe wurden ständig umkreist von bewaffneten Schnellbooten, die auf jeden schossen, der versuchte illegal an Land zu kommen. Man sagte, dass Tausende von Schiffen über die Meere irrten, auf der Suche nach einer Zuflucht. Enrique musste daran denken, wie schnell doch alles gegangen war. Ein, zwei Bankenkrisen, die Terrorakte der rechten Religiösen, der Bürgerkrieg und schon war “Big Boss” Amerika im Arsch.
„Tschao, Yankee Doodle.” Die Chinesen und Koreaner waren schon in Kalifornien gelandet. Eigentlich schade. Er war vor vielen Jahren in Kalifornien gewesen. Hatte seinen Tio Alfonso besucht. War nicht schlecht da. Hübsche Mädchen. Aber jeder hatte ihn für einen Mex gehalten.
In manchen Bars war er scheel angeschaut worden. Pah, vorbei. Jetzt lungern dort die Hundefresser rum. Trotzdem schade.
Was wohl Alfonso machte?
Enrique stellte die Korbstühle auf und platzierte die Angebotstafel auf dem Bordstein.
Schon komisch, heute schreibe ich auf Chinesisch und Russisch. Früher auf Spanisch und Deutsch. Und morgen? Er sah wieder über das Meer zu den ankernden Schiffen. Es waren kaum Schwarze mit herübergekommen. Naja, die meisten waren in der ersten Welle massakriert worden, als die Bibeltreuen die großen Städte erobert hatten. Jetzt waren die Vereinigten African Nations nach New York geschippert, um sich ein wenig unter den Nagel zu reißen. Dürfte interessant werden. Diese Scheißblumenkübel, jeden Morgen raus, jede Nacht rein.
Aber du kannst auch nichts stehen lassen, ohne das es geklaut wird.
“Ola, Enrique. Que tal?” “Ah Rocco, muy buen.”
“Hast du gehört? Heute haben sie wieder fast zwanzig erschossen. Es ist eine Schande, Maledom.” “Pah, was redest du, Hombre? Hast du vergessen, als hier alles am Arsch war? Sie haben alles aufgekauft, alles kaputtgemacht. Als die Leute am Verhungern waren, auch unsere Ninos, haben sie nur über uns gelacht.” “Verdad, mein Freund. Aber trotzdem. Dios, sogar Kinder.” “Ich weiß, ich weiß. Was willst du trinken?”
“ Si, una cerveza, por favor.” Enrique ging in die kleine Bar und zapfte das Bier. Nachdem er Rocco bedient hatte, bereitete er die Tapas vor und reinigte die Theke. Er dachte an die Zeit, als die Flüchtlinge aus anderen Richtungen auf die Insel gekommen waren. Als jeden Tag ertrunkene und halb ertrunkene Afrikaner an die Strände gespült worden waren. Am Anfang hatte es die Touristen schon verstört. Aber dann hatte es keinen mehr groß interessiert. Dann waren die Boote aus dem Rest von Europa gekommen.
Musste so zwanzig Jahre her sein, während der großen Epidemie und dem anschließenden Chaos. Er dachte an die Schreie der Angespülten. An die Patrouillen mit den Schutzanzügen und den Flammenwerfern. Sein Vater hatte damals oft in der kleinen Küche gesessen und sich mit Mama unterhalten.
Und dann hatten beide geweint. Aber die Bar ging immer. Damals waren es die Amis gewesen, die hier gesessen hatten.
Heute sind es die Schlitzaugen. Eins muss man sagen, die Amis waren großzügiger. Aber am besten sind die Russen. Laut und reich. “He, Enrique todo bien?” „Ah, si Rafael y tu?” “Tambien, ich habe ein paar von diesen reichen Americanos bei mir wohnen.
Haben es vom Schiff geschafft und Schmuck und anderes Zeug mitgebracht. Wird aber nicht lange reichen. Ich zeige dir demnächst schon mal die Tia von denen. Kann bei dir anfangen, wenn sie pleite sind.” “Ich bin voll, Rafa, versuch es bei Angelo.” „Ah, bien, wie du meinst. Bring mir einen cortado, por favor.” Nachdem er serviert hatte, schaute er noch einmal auf das Meer hinaus. Eine ganze Nation schwamm dort draußen, beraubt ihres Landes. Bestraft für ihre Sünden. Sollte ihm recht sein. Sollen sie alle ersaufen. Enrique schaltete den Fernseher ein. Nachdem er einen Kanal gefunden hatte, der noch sendete, begann er an der Theke Gläser zu spülen.

Er war so vertieft in seine Tätigkeit, dass er nicht bemerkte, wie der Bildschirm zu flackern begann und dann langsam dunkel wurde.

yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (24.04.2012, 08:34)
Ja, so kann es kommen, nach Babylon, Atlantis, Rom usw. Die "Ziviklisation" frisst sich selber auf.
Spannend geschrieben.
Yggdrasil

Fabelfreund
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Vielen Dank

von Fabelfreund (24.04.2012, 16:13)
Hi, freut mich das dir die Geschichte gefallen hat.
Ich hatte sie als Aufgabe für meinen Autorenlehrgang geschrieben.
Das Thema ist eine Fabel gewesen die umgewandelt werden sollte.
Also noch mal vielen Dank

P.S.
Woher der Name? Lovecraft?

yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (24.04.2012, 16:21)
Gern geschehen!

Lovecraft? Kenne ich nicht.

Yggdrasil ist die Weltenesche (der Weltenbaum) in der noredischen Mythologie.

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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (24.04.2012, 21:33)
yggdrasil hat geschrieben:
Lovecraft? Kenne ich nicht.

H.P. Lovecraft, amerikanischer Autor, bahnbrechend im Bereich phantastischer Literatur.
Seine meist unterirdisch liegenden Horrorwelten sind einzigartige Fantasien des Grauens.

http://de.wikipedia.org/wiki/Lovecraft

yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (24.04.2012, 21:48)
Aaah ja, es dämmert, ist gar nicht meine Baustelle...

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