An der Sprachgrenze

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Arno Abendschön
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An der Sprachgrenze

von Arno Abendschön (02.05.2012, 10:26)
Zwischen Hamburg und Berlin liegt eine Sprachgrenze – ich nenne sie die Bechergrenze. Gehst du an der Elbe in eine Bäckerei und wünschst eine Tasse Kaffee von mehr als Normalgröße, dann bestellst du einen Becher Kaffee – und bekommst eine große Tasse mit dem Heißtrunk. An der Spree vermeide diesen Ausdruck besser - sie mögen das nicht, sie wollen es nicht hören, die Bäckereifachverkäufer und –fachverkäuferinnen. Einen Becher? wiederholen sie sehr befremdet. Oder sie korrigieren dich, mehr barsch als freundlich, fahren dir über den Mund: Also einen großen Kaffee?!

Ach, es rutscht mir immer wieder heraus … Wie leicht fällt es mir dagegen, mich bei den Wochentagen umzustellen – Sonnabend zu sagen statt dem mir, dem gebürtigen Süddeutschen, so gewohnten Samstag. Aber ein Tag ist doch kein Abend … Gewiss, auch in Hamburg ist Sonnabend der bevorzugte Ausdruck, nur scheint mir, man ist dort sprachlich toleranter. In Berlin gilt das Territorialitätsprinzip insoweit absolut.

Das Körnerbrötchen mit Käse da … und einen Becher Kaffee, für hier … Ich bemerke meinen Fehler sofort und berichtige mich: einen großen Kaffee, natürlich. Aber diese Verkäuferin gehört zu jener Sorte, die dir ihr Ohr nur einmal leiht. Sie verarbeitet, was sie schon gehört hat - und Schluss! Sie stellt mir also aufs Tablett: das Käsebrötchen auf weißem Porzellanteller, mit Serviette, und daneben einen Pappbecher: Coffee to go. Damit gehe ich zum Plastikstuhl am nächsten freien Plastiktisch und stelle fest: So abgefüllt schmeckt der Kaffee scheußlich. Ich will es hier nie wieder sagen – einen Becher Kaffee … Großer Kaffee, einen großen …
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (02.05.2012, 10:40)
Umso mehr freut man sich, wenn man in der Fremde plötzlich einen vertrauten Ausdruck hört. Ein Stückchen Heimat flattert einem am Ohr vorbei. Man dreht sich um, aber da ist es bereits verschwunden.

Mich brachte Dein Text zum Lächeln. Danke.

Gruß, Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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mtg
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Re:

von mtg (02.05.2012, 11:13)
Lieber Arno,

leider gibt es diese Urberliner Verkäuferinnen gar nicht mehr so oft ... da freue ich mich immer wieder, wenn ich solch sprachlicher Rechthaberei gewahr werde.

Allerdings passiert das auch andersherum. Im Rheinland muss ich immer wieder aufpassen, dass ich nicht »Schrippe«, »Schusterjunge« oder »Pfannkuchen« sage.

Regionale Ausdrücke sind das Salz im sprachlichen Menü ... und in meiner bescheidenen Auffassung sind die Gralshüter der Regionalausdrücke sprachliche Meisterköche, die kein Gran Gewürz von ihren Rezepten abweichen. Ich persönlich bin froh, dass es wenigstens noch vereinzelt Menschen gibt, die Sprachtradition pflegen. Ein »Becher« oder kein »Becher« bedeutet nicht den Weltuntergang.

Aber ansonsten: Wie immer. Schöner Text ... Ich sah die Situation vor mir und musste (durfte) lächeln ...

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (02.05.2012, 11:22)
thumbbup
Gern gelesen, Arno.
Ein Kaffee aus "Togo" :wink:
Dann doch lieber "ein Pott Kaffee", nich wahr, nich?

FraRa
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Re:

von FraRa (03.05.2012, 11:36)
Im Buchladen kriegst du auf "Einen Becher bitte!" unter Umständen Lyrik.
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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (03.05.2012, 14:02)
Danke an alle Rezensenten meines geringfügigen Versuchs.

Inzwischen klappt das schon ganz gut bei mir mit der "Becher"-Vermeidung, zumal mir in Hamburg auf "Großer Kaffee" anstandslos ein Becher abgefüllt wird (der meistens nicht größer als eine mittlere Tasse ist).

Umgekehrt fiel ich neulich in Berlin herein: ein "großer Kaffee" füllte ein überdimensionales Gefäß, mehr als suppenschüsselgroß, viel zu viel. Sie führen in der Filiale dort nämlich auch mittlere Portionen, was mir entgangen. Man kann nicht genug aufpassen.

Arno Abendschön
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Richymuc
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Re:

von Richymuc (03.05.2012, 15:30)
Also hier in München gibt es nur Semmeln und a Tass Kaffee dazu cheezygrin
www.richymuc.de
Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
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Atlan_Gonozal
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Re:

von Atlan_Gonozal (03.05.2012, 16:45)
Richymuc hat geschrieben:
Also hier in München gibt es nur Semmeln und a Tass Kaffee dazu cheezygrin


... es darf auch gerne a Haferl sein ...

(Bsp.: Gaststätte Hohenpeißenberg)
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H.- P.
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Re:

von H.- P. (03.05.2012, 18:01)
Kommt ein Mann in eine Bäckerei: „Einen Kaffee bitte!“
Die Verkäuferin: „To go?“
Der Mann: „Nein, zum Trinken.“

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