Nun werden schon die Tische lauter

Präsentiert euren Roman, Thriller, Fantasy-, Science-Fiction-, Romance-Titel oder euer Kinderbuch.


FraRa
Beiträge: 410
Registriert: 27.10.2008, 21:55

Nun werden schon die Tische lauter

von FraRa (11.05.2012, 15:54)
Titel: Nun werden schon die Tische lauter
Autor: Frank Rawel

Verlag: kindle self publishing
Seiten: 140
Preis: 2,68

Der Autor über das Buch:

Für ein ergiebiges Digitalbuch habe ich schöne Blogglossen aus acht Jahren zusammengekramt.
Da ich genug gewinnlose Bücher unterwegs habe, ist es diesmal nur als Kindle-E-Book raus. Dafür konnte ich es schön preisgünstig machen.
*
http://www.amazon.de/gp/product/B0081SO ... B0081SONQK

Klappentext:

Knabberzeug aus gepfefferten Blogs.
Blog-Miniaturen aus acht Jahren befummeln pointiert nörgelnd die Welt von gestern, heute, morgen und niemals.
Des Weiteren gibt es Gedankenspiele darüber, wie sich das Leben abspielen würde, sollte man in einem Hollywood-Film leben müssen.
In nicht erzählten Geschichten erzählt der Autor ganz, ganz kurze Geschichten, die man mal ausführlich erzählen müsste, wenn mal Zeit ist (und Publikum). In so genannten invertierten Geschichten wiederum stellt sich die Sprache auf den Kopf und es geht auch.
Es gibt außerdem eine kleine, hübsche Sammlung persönlicher Plagen und eine kleine Nabelschau.
Wer sich laut über leisen Humor freuen kann, sollte von diesem Digitalbuch mehr haben als er bezahlen musste. Der Preis ist schließlich vom darbenden Autor selbst gedrückt!

Inhalt:

Paradiesische Misstände

Des Öfteren verstört mich die Vorbeifahrt an einem so genannten "Taschenparadies" semantisch.
In logischer Konsequenz, denke ich jedes Mal, muss doch ein "Taschenparadies" ein jenseitiger Ort sein, an welchem tugendhafte Taschen (die nichts zu verbergen haben?) ein angenehmes Dasein in Ewigkeit fristen.
Komplementär dazu müsste es übrigens auch eine Taschenhölle geben, einen Orkus bösartiger Börsen, handgreiflicher Hand- oder Reisetaschen, ewig büßend für klemmende Reißverschlüsse und dergleichen.
Hölle wie Paradies mit dem Vorsatz "Taschen-" bringen mich kurz auf den Abzweig, es handele sich beim "Taschenparadies" nur um ein Paradies für gewöhnliche Menschenseelen im allerdings handlichen Kleinformat. Das Paradies für unterwegs, das in jede Tasche passt. Paradise to go. Sollte ich doch mal anhalten?
Aber nein, ich weiß natürlich, dass die Bezeichnung "Taschenparadies" von semiotisch neurasthenischen Kleingewerbetreibenden im Zustand höchster Kreativität erdacht wurde, um Kunden zu blenden. Taschen sterben ja nicht, vom Känguru abgesehen. So sehr Pflegemittel auch dies die Wirklichkeit höhnend versprechen.
Es sollen sich vielmehr die Kunden wie in einem erträumten Garten Eden fühlen, wenn sie durch die nach Gerbstoffen duftenden Regalreihen drängeln. Aber selbst stark fetischisierten Vieltaschnern traue ich nicht zu, von einem ewigen Dasein in der Hochparterre eines heruntergekommenen Plattenbaus zu träumen, allseits umgeben von der Losung "Alles muss raus".
Das Wort "Taschenparadies" ist also so irreführend wie das ebenfalls einmal von mir erspähte "Schnitzelparadies". Zwar tritt hier das Postmortale deutlicher hervor, doch dürfte sich buchstäblich kein Schwein sonderlich danach sehnen, tranchiert in die Pfanne gehauen zu werden.
Ist je ein Paradies verheißen worden, dass die Vorfreude darauf verdient?
Mit meinen Zweifeln schließe ich mich Taschen und Schweinen an.
Und man sollte es nicht überlesen, denn alles muss raus.


Nachlässige Wirkung

Nachlässige Menschen wirken oft unverdient subversiv.
Verwegen trotzig scheint, wer ohne Regenschirm durch den Regen schreitet. Als biete da einer den Elementen die Stirn.
Dabei hat er keinen Schirm und ist morgen krank.
Mit einem Auto zu fahren, an welchem nur auf einer Seite der Scheinwerfer strahlt, sieht nach Revolte aus gegen die Ordnungsmacht.
Aber es ist nur bedenkliche Faulheit.
Es kann auch nicht anders sein, denn so viel sichtbares Aufbegehren entspräche nicht dessen durchschnittlicher Verteilung. Im Verhältnis zur Nachlässigkeit ist dessen Vorkommen verschwindend gering.
Verschwindend, leider, aber dabei hoffentlich nie verschwunden.
Man muss nur daran glauben können, subversiver Weise, dass es sie noch gibt, die Revolte, wenn man wen sieht, der den Kaffee mit der Gabel umrührt.


Was bleibt

Berlins Kurzzeit-Senator nach den Wahlen 2011 Michael Braun (elf Tage Rodeo) hatte mich immerhin bereichert. Um das schöne, mir jedenfalls bis dato nicht geläufige Wort vom "Mitternachtsnotar". Ein Wort voller Spuk und Geheimnis! Als ob sich zur Geisterstunde der Vampir aus dem Sarge hebt - und die Notarkosten entkräften den Vergleich kaum.
"Mitternachtsnotar" ist vielleicht überhaupt das einzige schöne, poetische Wort im ganzen Justizwesen überhaupt!
Als ich davon las, wie zu später Stunde einfältigen Gemütern Schrottimmobilien zugeeignet werden, registrierte ich natürlich erleichtert, dass mein einziger Notartermin am hellichten Tage stattfand. Die Nacht, welche sich damals dennoch auf mich senkte, war die gewöhnliche Finsternis des juristischen Ausdrucks.
Unvorbereitet darauf, den Grundstückskaufvertrag vollständig vorgelesen zu bekommen, war ich darüber zunächst entsetzt, dann, von Seite zu Seite, zunehmend im Schrecken paralysiert.
Ab Seite dreißig etwa hätte der Notar, ohne dass ich aus meiner Sedierung aufgeschreckt wäre, auch Sätze wie "Der Käufer wird morgen fünf Uhr hingerichtet" einflechten können.
Ich weiß noch, wie während seines kabbalistischen Gebrabbels alle Farbe aus allen Gesichtern wich. Ich sah mich (in einer Wachphase) um: hier ließ eine Handvoll erwachsener Menschen sich stümperhaft hypnotisieren, während draußen das Leben wogte, wie es freilich eben noch so wogt in Potsdam, aber immerhin. Hier beschwor ein merkwürdiger Kult, was die Natur eigentlich nicht vorgesehen hat: die Aneignung von Grund und Boden, beziehungsweise der dünnen Oberfläche. Das ganze Land, dachte ich mir in dieser Dämmerstunde der Spitzfindigkeit, ist in solchen Kanzleien durchgequasselt worden, jeder Quadratmeter auf künstlerisch minderwertigen Lesungen zerquatscht für Geld.
Es muss sich freilich, wie das fürstliche Ambiente der Kanzlei verriet, durchaus lohnen, solche ausdrucksschwachen Vorträge zu geben. Doch bleibt mir unbegreiflich, wie Menschen, die Dichterlesungen grundsätzlich meiden, massenhaft klaglos durch diesen klanglichen Nebel reiten, der in juristischen Verträgen Busch und Tal füllt.
Welch trauriges Los des Notars mithin, nach beträchtlichen Jura-Studienzeiten als ein Rezitator des Ausdruckslosen zu enden! Allzu verständlich ist es, dass er dieser Tristesse nicht anders zu entkommen weiß, als sich an den dünnen Halm einer politischen Karriere zu klammern.
Wahrscheinlich hat er dort mit der gleichen apathischen Teilnahmslosigkeit des Publikums gerechnet. Weit ist es ja auch nicht mehr bis dahin.
Aber irgendwie wollen die Leute wohl generell nicht mehr Notar haben als nötig.
Fürs erste aber danke für das schöne Wort "Mitternachtsnotar". Und wünsche gute Nacht!


Nun werden schon die Tische lauter

Mich deucht es seit kurzem in Gaststätten lauter von den Nebentischen zu kommen als früher, wo viel mehr getuschelt wurde und auf dezent gemacht. Heute trennen Tischentfernungen nicht mehr.
Es hat bestimmt mit der sozialen Vernetzung zu tun. Die Leute wollen nicht mehr mit dürftigen Freundeskreisen für sich sein. Sie bloggen nun auch in der Echtwelt.
Das würde ich nicht tun. Ich habe Respekt vor der Freiwilligkeit der Zuwendung.
Ich habe ja gar keinen Tisch angeklickt und gucke wieder wie Daumenrunter.
Die Tischgespräche springen mir auf wie Popups.
Beziehungskrisen, Arbeitskrisen, Weltkrisen. Man spricht ja, wenn man nett zusammen sitzt, gern über Krisen.
Alle zusammen bilden die Zwangszuhörkrise. Vor allem, wenn noch ein Handy dazwischenfunkt. In ein solches wird gerufen wie einst in das erste Transatlantikkabel.
Wie schön, fällt mir ein, dass das Internet doch meistens stumm ist. Natürlich kann man dort Musik und Podcasts und Stöhnen hören, aber nur, wenn man die Lautsprecher einschaltet. Ansonsten ist die vielbeklagte Datenflut stumm. Wie ein Tsunami draußen auf hoher See.
"Wie bitte?", fragt mein Gegenüber.
"Wie ein Tsu-na-mi!!! Auf hoher Sehee!"
Dieses Profil bitte löschen.

FraRa
Beiträge: 410
Registriert: 27.10.2008, 21:55

Re:

von FraRa (15.05.2012, 10:12)
Für ein paar Stunden gibt es heute (15. Mai 2012) mein amazon-E-Buch "Nun werden schon die Tische lauter" gratis! Klick hier:
http://www.amazon.de/gp/product/B0081SO ... B0081SONQK
Dieses Profil bitte löschen.

FraRa
Beiträge: 410
Registriert: 27.10.2008, 21:55

Re:

von FraRa (15.05.2012, 22:23)
Wenn's was umsonst gibt, ist das Publikum nach wie vor nicht zu halten!
Das Angebot von amazon, das self publishing e-Book mal einen Tag lang gratis anzubieten, brachte mir seit heute vormittag (amazon-Tage beginnen an der Pazifikküste) mehr als 201 Downloads und Platz 30 in den "Top100 gratis Belletristik" bei amazon. Die Werbemaßnahme könnte immerhin durchaus wenigstens so etwas wie Wahrnehmung einbringen, was ja auch was wert ist, vielleicht.
und wenn wenigstens einer von den während ich dies schreibe auf 204 angewachsenen Gratisdownloadern eine nette Rezension schriebe!
Dieses Profil bitte löschen.

Benutzeravatar
Anke Höhl-Kayser
Beiträge: 4984
Registriert: 18.04.2010, 00:08
Wohnort: Wuppertal

Re:

von Anke Höhl-Kayser (15.05.2012, 22:28)
Ich drück dir die Daumen, Frank! Mir gefällt, was ich von deinen Geschichten gelesen habe. Leider habe ich keinen Reader.

Ich muss mir wohl irgendwann doch mal so ein verdammtes Dingens anschaffen. blink3

FraRa
Beiträge: 410
Registriert: 27.10.2008, 21:55

Re:

von FraRa (15.05.2012, 22:50)
Zum Lesen reicht schon die Freeware "Kindle für PC":
http://www.amazon.de/gp/feature.html/re ... 1000487353
Dieses Profil bitte löschen.

Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re:

von hawepe (16.05.2012, 08:01)
Hallo Frank,

FraRa hat geschrieben:
Wenn's was umsonst gibt, ist das Publikum nach wie vor nicht zu halten!


Klar, an Gratisangeboten ist jeder interessiert. Das sieht man auf jeder Messe, wo alles, was beweglich ist, abzuschleppen versucht wird. Vielleicht kann man es ja gebrauchen. Und wenn nicht, dann eben in die Mülltonne damit.

Wenn ich denke, dass mich ein Ebook interessieren könnte, lade ich es auch herunter. 99 Prozent lösche ich allerdings nach ein paar Seiten probelesen gleich wieder. Für den Rest nehme ich mir dann vor, ihn irgendwann mal zu lesen. Selbst bei Ebooks, die ich bezahlt habe, kann das aber dauern, weil mich leider niemand für das Lesen bezahlt.

und wenn wenigstens einer von den während ich dies schreibe auf 204 angewachsenen Gratisdownloadern eine nette Rezension schriebe!


Nur dass man kostenlose Angebote vermutlich meistens nutzt, ohne das Ebook sofort oder möglicherweise überhaupt lesen zu wollen. Und wenn man dann auch noch mehr als ein paar Labersätze schreiben oder nur den Klappentext etwas umformulieren will, macht es richtige Arbeit und kann dauern.

Meine Liste der Bücher, die ich rezensieren will, hat jedenfalls längst eine Länge erreicht, dass ich mir keine Illusion mehr mache, sie jemals abarbeiten zu können.

Beste Grüße

Heinz

Benutzeravatar
MarleneGeselle
Beiträge: 981
Registriert: 09.02.2009, 13:27
Wohnort: Hettingen

Re:

von MarleneGeselle (16.05.2012, 08:44)
Verstehe, was Du damit meinst, Heinz. :D

Selber packe ich mir immer nur ein Buch auf den Couchtisch, und alle anderen beiseite, damit ich noch über den Stapel gucken kann. Klappt ganz gut, lese immer nur in diesem Buch, schaffe dann auch die Rezi.

Aber der Rückstau wird dadurch nur unwesentlich kleiner. :(
Es gibt kein größeres Laster als Tugend im Übermaß.
www.marlenegeselle.de

Zurück zu „Buchvorstellung: Belletristik“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.