Kapitellänge: Zwei Seiten sind mir zu wenig

Stellt euren Text vor und holt euch Feedback der BoD Community.


Benutzeravatar
ZeroEnna
Beiträge: 96
Registriert: 06.10.2011, 13:58
Wohnort: Bielefeld

Kapitellänge: Zwei Seiten sind mir zu wenig

von ZeroEnna (01.08.2012, 11:22)
Hallo zusammen,

bei einem Manuksript, dass ich schon lange vor der Fertigstellung des ersten Romans in der Mache hatte, bin ich auf ein Problem gestoßen.
Kurze Hintergrundinfo:

Meiner Frau standen beim Lesen zu viele Fragezeichen im Gesicht, sodass ich mich dazu entschied, einfach die Vorgeschichte mit einzubringen (welche ich mir jetzt mühsam aus den Fingern sauge).

Dabei stehe ich vor folgendem Dilemma. Meine Protagonistin unterhält sich mit einer Freundin und verlässt anschließend die Szene, um ein Gebäude zu betreten. Die "Sicht" bleibt währenddessen die ganze Zeit auf der Protagonistin, sodass sie nicht mitbekommt, wie ihre Freundin einen Telefonanruf tätigt. Hier habe ich bisher immer ein neues Kapitel begonnen, und die Sicht auf die Freundin geschaltet.

Problematisch ist hierbei aber, dass diese nur das Telefonat führt und dann der Protagonistin folgt. Das Kapitel hat eine Länge von etwa einer Viertel-DIN-A4-Seite.

Hierbei habe ich jetzt zwei Möglichkeiten.

Ich könnte diese Teile mit einem Zeichen, wie einem Sternchen (*) abtrennen. Die Sternchen habe ich jedoch bisher immer für Zeitsprünge genutzt, um zwei Kapitel à 4 Seiten zu einem Kapitel à 8 Seiten zusammenzufassen.

Möglichkeit Nummer zwei habe ich mal in einem anderen Buch gelesen (Ich glaube es war Engelsfluch von Jörg Kästner).
Dabei wurden den Hauptkapitel, Kapitel zwischen geschoben, die mit "EINSCHUB" gekennzeichnet waren.


Welche Möglichkeiten hätte ich noch, um die Kapitellänge auf einem "angemessenen" Niveau von wenigstens 6 Seiten zu halten?

Danke im Voraus.


Grüße


Zero

Benutzeravatar
chris_master
Beiträge: 32
Registriert: 30.12.2008, 00:25
Wohnort: Erfurt

AW: Kapitellänge: Zwei Seiten sind mir zu wenig

von chris_master (15.12.2012, 20:49)
Hallo ZeroEnna,

die Definition eines Kapitels ist in deinem Fall einfach eine Ebene zu weit oben angesiedelt.


1.) Was spräche dagegen eine neue, kurze Szene einzubinden, die lediglich das Telefonat beinhaltet?

In diesem Fall würde deine 1. Szene damit enden, dass deine Protagonistin die Szene verlässt und das Gebäude betritt.

Dann baust du die 2. Szene ein, die des Telefonats.

Und in der 3. Szene nimmst du wieder Bezug auf das Betreten des Gebäudes deiner Protagonistin.

Du bleibst die ganze Zeit über in Kapitel 1, das bis dahin lediglich aus drei verschiedenen Szenen besteht, die durch eine Leerzeile voneinander getrennt werden.

Viele Bücher haben solche kurzen Szenen.

2.) Alternativ hättest du die Möglichkeit bei der ersten Szene nicht der Protagonistin zu folgen. Lass sie das Gebäude betreten und dann ihre Freundin das Telefonat führen. Sobald das Telefonat beendet ist, beginnst du deine neue Szene mit deiner Protagonistin im Gebäude.

---

Die Variante mit *** würde ich in diesem Fall nicht verwenden, weil es wohl verwirrend für den Leser wäre, wenn du diese Zeichen sonst nur bei Zeitsprüngen verwendest.

Benutzeravatar
ricochet
Beiträge: 806
Registriert: 13.12.2009, 16:58
Wohnort: Graz

Re:

von ricochet (16.12.2012, 09:12)
Man fängt doch nicht wegen eines Perspektivenwechsels gleich ein neues Kapitel an. Es spricht nichts dagegen, wenn ein Kapitel in sich wieder in einzelne Szenen untergliedert ist. Kapitel ist ohnehin ein Überbegriff, wie chris master sehr richtig schreibt.

LG


rico
PS: Fast hätte ich es vergessen: Hüte dich vor dem Herumgehopse in der Chronologie. Die Leser finden das selten unterhaltsam, sondern einfach nur - meistens unnötig! - schwer zu lesen. Was zuerst geschieht, sollte zuerst erzählt werden. Alles andere sind Albernheiten.
Ich schreibe, also bin ich.

Benutzeravatar
Manu
Beiträge: 1099
Registriert: 08.12.2009, 17:35
Wohnort: die Mords-Eifel

Re:

von Manu (16.12.2012, 12:34)
Dem muss ich widersprechen Rico. Es ist sehr wohl üblich, zwischen zwei Erzählebenen (zeitlich oder lokal) zu wechseln. Und Leser können sehr schnell umschalten und merken, wo sie gerade sind. Ich bin der Meinung, es erhöht nur die Spannung.

Benutzeravatar
ricochet
Beiträge: 806
Registriert: 13.12.2009, 16:58
Wohnort: Graz

Re:

von ricochet (16.12.2012, 16:40)
@ Manu,


ich spreche vom Grundsatz des chronologischen Erzählens, nicht von Orten oder Perpsektivenwechsel. Klar, Abwechslung muss sein. Vor- und besonders Rückblenden lassen sich ohnehin kaum vermeiden, aber man soll sie nicht übertreiben. Ich habe einen Bekannten, der diesen Herbst seinen ersten Roman veröffentlicht hat. Er hat mir gegenüber eingeräumt, dass er mit den vielen, fälschlich als besondere literarische Rafinesse gemeinten Rückblenden zuviel des Guten getan hat. Er würde es nicht mehr tun.

LG


rico
Ich schreibe, also bin ich.

Benutzeravatar
Manu
Beiträge: 1099
Registriert: 08.12.2009, 17:35
Wohnort: die Mords-Eifel

Re:

von Manu (16.12.2012, 19:33)
Ich bin anderer Meinung. Ich habe gerade den neuen Krimi von Elke Pistor gelesen "Eifler Zorn". Dort wechseln zwei Zeitebenen, eine zu Beginn des 20. Jhd. und eine in der Gegenwart ab. In beiden Ebenen wurden Verbrechen begangen, die sich ähneln. Es stört überhaupt nicht, wenn der Zeitabschnitt plötzlich wechselt.
Aber ich nehme mal an, wenn Du darüber 5 Leute befragst, bekommst Du 10 Meinungen zurück.

Benutzeravatar
ZeroEnna
Beiträge: 96
Registriert: 06.10.2011, 13:58
Wohnort: Bielefeld

Re:

von ZeroEnna (04.01.2013, 11:32)
Hallo zusammen,

erstmal danke für Eure Antworten.

Ich habe es jetzt so gemacht, dass ich einen Perspektivenwechsel mit einem zentrierten Asterisk angekündigt habe, also etwa

*

so. (Wie kann man hier zentrieren cheezygrin )

So kenne ich es z.B. auch von Büchern von Wolfgang Hohlbein.

Grüße

Zero

Benutzeravatar
Richard Bercanay
Beiträge: 1491
Registriert: 27.02.2011, 19:36
Wohnort: Bielefeld

Re:

von Richard Bercanay (04.01.2013, 12:39)
Bei mir haben die Kapitel eine »Grundlänge« von fünf DIN-A-5-Seiten. Das ist so meine Grenze, die ich nicht zu unterschreiten versuche. Legt sich ein neues Kapitel nach vier Seiten nahe, zerre ich allerdings nicht krampfhaft an dem Inhalt herum, damit es fünf Seiten werden...

Zurück zu „Textfeedback“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.