Zahlen ausschreiben

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tche
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Zahlen ausschreiben

von tche (04.10.2012, 11:49)
Hallo zusammen,

Zahlen zwischen 1 und 12 werden ausgeschrieben. Gut, aber wie verhält sich das Ganze bei Streckenlängen, Temperaturangeben, etc.?
Also z.B.: „Der Tacho zeigte ziemlich genau vier Grad Celsius.“
Oder: Der Tacho zeigte ziemlich genau 4 Grad Celsius.“
Ich würde ja die zweite Variante bevorzugen.

Besten Dank
Thomas

holz
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Re:

von holz (04.10.2012, 12:13)
Tachometer zeigt Geschwindigkeit, nicht Temperatur (altgriechisch tachýs = schnell).

Ansonsten:
http://www.duden.de/sprachwissen/sprach ... von-zahlen
"Eine früher gültige Buchdruckerregel, nach der generell die Zahlen von 1 bis 12 in Buchstaben und die Zahlen ab 13 in Ziffern zu schreiben sind, gilt heute nicht mehr!
Es gibt jedoch nach wie vor einige Gepflogenheiten, an die man sich halten kann:
Die Zahlen von 1 bis 12 werden überwiegend dann in Ziffern geschrieben, wenn sie – z. B. in Statistiken oder wissenschaftlichen Texten – zusammen mit dem dazugehörigen Substantiv die Aufmerksamkeit auf sich lenken sollen: Kurbel mit 2 Wellen; Zahnrad mit 2 Spindeln.
Auch vor Zeichen, Abkürzungen von Maßen, Gewichten, Geldsorten usw. ist die Zahl in Ziffern zu schreiben: 3 km; 7,4 kg; 6 EUR.
Steht statt der Abkürzung die entsprechende Vollform, kann man sowohl in Ziffern als auch in Buchstaben schreiben:
11 Kilometer/elf Kilometer; 2 Euro/zwei Euro.
Andererseits können die Zahlen von 13 an, sofern sie übersichtlich sind, auch ausgeschrieben werden, wie es z. B. in erzählenden Texten (Roman, Brief o. Ä.) geschieht:
Sie wurde siebenundsiebzig Jahre alt. Zu Ihrem fünfzigsten Geburtstag gratuliere ich Ihnen herzlich.
Ansonsten werden nur ein- und zweisilbige Zahlwörter ausgeschrieben:
Über hundert Teilnehmer sind schon angemeldet. Sie besitzt fünfzehn Katzen. Hab tausend Dank! "

tche
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Re:

von tche (04.10.2012, 15:22)
Hallo holz,

danke! Das Beispiel von den 6 EUR war einleuchtend.

Und mein (Fahrrad)-Tacho zeigt die Temperatur an. Ich schreibe einen Mountainbike-Roman, aber allein an dem Beispiel - losgelöst aus dem Text - klingt das natürlich blöd - da hast du Recht.

VG
Thomas

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hawepe
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Re:

von hawepe (05.10.2012, 07:56)
Hallo Holz,

lass dich nur nicht von dem Möchtegern-Autor erwischen, der hier und in diversen Facebook-Gruppen herumtrollt. Der sieht es nämlich ganz anders. Die Duden-Redaktion und jene Autoren, die dem Duden folgen, haben nämlich keinerlei Ahnung von der deutschen Sprache :-(

Aber noch eine Ergänzung zu dem Thema. Die Schreibweise mit Einheiten, die dann eine Schreibung mit Ziffern verlangt, gilt selbstverständlich nur, wenn man Größen- und Mengenangaben physikalisch oder mathematisch meint, also in der Regel in Sachbüchern.

In belletristischen Werken sind 5 % oder 4 l nahezu immer falsch, auch wenn viele Autoren meinen, dass das wiederholte Schreiben von "Prozent" oder "Liter" eine unzumutbare Kraftanstrengung darstellt ;-)

Beste Grüße

Heinz

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Isautor
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Re:

von Isautor (05.10.2012, 09:20)
Also erst mal, Heinz, bin ich froh, dass du deine Kommentare so erfrischend süffisant würzt, dass es mir immer wieder die größte Freude bereitet. Unvergessen auch deine Ermahnungen an DerTeetrinker.
off topic Ende

@ tche: ich schreibe so ziemlich alle Zahlen aus. Ich glaube, irgendwo habe ich mal 500 Milliliter geschrieben, weiß aber auch nicht, ob ich da ne Neuauflage starte und das ändere. Könnte falsch sein.
Amazon ist genervt, wenn ich wegen jedem kleinen Fehler ne Neuauflage starte, aber ich würds vielleicht machen.
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

tche
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Re:

von tche (05.10.2012, 10:29)
Hallo Isautor,

alles auszuschreiben, ist natürlich auch eine Idee. Das werde ich mir auf jeden Fall mal durchgeistigen. Ich habe halt ziemlich viele Höhenangaben drin (zB.: auf 2800 Meter, 1000 Höhenmeter etc.). Wie gesagt, es ist ein Mountainbike-Roman.
Und mit dem Titel ("17 vor 4") hätte ich dann auch ein Problem. („Siebzehn vor Vier“ finde ich im ersten Moment nicht so schick, das Cover müsste ich auch wieder umgestalten.)

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hawepe
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Re:

von hawepe (05.10.2012, 11:01)
Hallo Isautor,

Isautor hat geschrieben:
Also erst mal, Heinz, bin ich froh, dass du deine Kommentare so erfrischend süffisant würzt, dass es mir immer wieder die größte Freude bereitet.


Danke cheezygrin

Ich glaube, irgendwo habe ich mal 500 Milliliter geschrieben, weiß aber auch nicht, ob ich da ne Neuauflage starte und das ändere.


Bei solchen Zahlen halte ich es in der Regel doch für sinnvoller, tatsächlich Ziffern zu verwenden. Letztlich hängt es immer vom Gesamtzusammenhang und der Zielgruppe ab.

Beste Grüße

Heinz

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hawepe
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Re:

von hawepe (05.10.2012, 11:09)
Hallo tche,

tche hat geschrieben:
Ich habe halt ziemlich viele Höhenangaben drin (zB.: auf 2800 Meter, 1000 Höhenmeter etc.). Wie gesagt, es ist ein Mountainbike-Roman.


1000 Höhenmeter sind so unspezifisch, dass ich Tausend Höhenmeter schreiben würde, 2800 Meter Höhe sind dagegen doch schon eher eine konkrete Angabe, so dass ich bei den 2800 Meter bleiben würde.

Und mit dem Titel ("17 vor 4") hätte ich dann auch ein Problem. („Siebzehn vor Vier“ finde ich im ersten Moment nicht so schick, das Cover müsste ich auch wieder umgestalten.)


Letzteres wäre allerdings unwichtig, denn wenn das Cover dadurch gewinnen würde, käme das schließlich deinem Buch insgesamt zu gute.

Ich würde vermutlich Siebzehn vor Vier bevorzugen, weil mich das 17 vor 4 allzu sehr an Selfpublishing erinnert. Die meisten Autoren mögen keine Zahlworte, sondern verwenden in ihren Romanen grundsätzlich Ziffern.

Beste Grüße

Heinz

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mtg
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Re:

von mtg (05.10.2012, 11:29)
Hallo Heinz,
hawepe hat geschrieben:
dass ich Tausend Höhenmeter schreiben würde

mich verlässt gerade die düdliche Kenntnis (und er verwirrt mich mehr als dass er nutzt): Schreibt man wirklich »Tausend Höhenmeter«? Ich hätte bislang immer »tausend Höhenmeter« geschrieben ... oder kann man sowohl als auch ...?

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hawepe
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Re:

von hawepe (05.10.2012, 12:01)
Hallo Matthias,

mtg hat geschrieben:
oder kann man sowohl als auch ...?


Nein, du hast natürlich recht, richtig ist nur "tausend" :-)

Beste Grüße

Heinz

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Großstadtpoet
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Re:

von Großstadtpoet (05.10.2012, 17:29)
hawepe hat geschrieben:
Die Schreibweise mit Einheiten, die dann eine Schreibung mit Ziffern verlangt, gilt selbstverständlich nur, wenn man Größen- und Mengenangaben physikalisch oder mathematisch meint, also in der Regel in Sachbüchern.

In belletristischen Werken sind 5 % oder 4 l nahezu immer falsch, (...).

Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Mag daran liegen, dass ich Physiker bin, aber wie kann ich eine Größen- oder Mengenangabe denn sonst meinen, wenn nicht physikalisch? Psychologisch? Philosophisch?
Was meinst Du mit "In belletristischen Werken sind 5 % oder 4 l nahezu immer falsch"?
Ich kann da nicht ganz folgen... :(

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mtg
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Re:

von mtg (06.10.2012, 14:11)
@ Großstadtpoet:

Natürlich stimmt es, dass Größen- oder Mengenangaben letztlich physikalisch sind. Heinz geht es darum, dass in belletristischen Werken Zahlen und Angaben ausgeschrieben werden ... man schreibt also in einem Roman »vier Kilometer« - und nicht »4 km« - oder »hundert Prozent«, aber nicht »100%« (zumindest die, die die Sprache kennen und mit ihr umzugehen wissen, tun es) ...

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hawepe
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Re:

von hawepe (12.10.2012, 10:00)
Hallo Matthias,

mtg hat geschrieben:
Natürlich stimmt es, dass Größen- oder Mengenangaben letztlich physikalisch sind. Heinz geht es darum, dass in belletristischen Werken Zahlen und Angaben ausgeschrieben werden ... man schreibt also in einem Roman »vier Kilometer« - und nicht »4 km« - oder »hundert Prozent«, aber nicht »100%« (zumindest die, die die Sprache kennen und mit ihr umzugehen wissen, tun es) ...


Genau. Dummerweise (oder glücklicherweise?) gibt es dafür keine verbindlichen Regeln.

Manchmal heißt es, wenn der Zahl eine Einheit folgt, wird sie als Ziffer und nicht als Zahlwort geschrieben. Bloß das hilft nur eingeschränkt weiter, weil damit noch nicht gesagt ist, ob besser "3 %" oder "drei Prozent" geschrieben werden sollte.

In Romanen ist allerdings selten die ganz konkrete Größe "3 %" gemeint, sondern eher die Dimension "drei Prozent". In Sachbüchern ist es dagegen eher umgekehrt, doch darf auch dort die Dimension gemeint sein.

Letztlich helfen einen da am besten das Sprachgefühl bzw. ein Gefühl für Ästhetik.

Beste Grüße

Heinz

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WK
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Re:

von WK (12.10.2012, 13:18)
Generell kann man sagen (man bin ich und andere, also nicht unbedingt alle):

Schreiben hat immer etwas mit Gefühl zu tun. (Selbst bei reinen Tabellen.)
Wenn das Gefühl des Schreibers und des Lesers gleich sind, hat es in dieser Richtung generell gepasst. Oder man hat das Gegenteil erreichen wollen.

Zahlen als Ziffern, wenn es auf die präzise Aussage der Zahl ankommt, sozusagen mit dem Finger auf die Zahl gezeigt wird/werden soll (Tabellen, Reportagen, Krimis, Biographien, usw.)

Zahlen als Wort, wenn die Zahl mehr allgemein erklärend gemeint ist und sie lesbar bleibt.
(Zeilenfüllende oder gar mehrzeilige Wörter geben nur in absoluten und beabsichtigten Ausnahmefälle ein gutes Bild). (Als Wort in Romanen, Erzählungen, Gedichten, usw.)

Man schreibt Zahlen so, wie sie der Leser erwartet. Wobei man sich nicht unbedingt nur an dem eigenen Empfinden orientieren sollte.

Will man eine besondere Aufmerksamkeit auf eine Zahl lenken, kann man sie gegenteilig schreiben von dem, was der Leser erwarten würde. Zum Beispiel um auszudrücken: Was? Um siebzehn Uhr fünfundzwanzig ging der Zug. (Geschrieben ohne 'was?') während im Rest des Krimis Uhrzeiten in Ziffern geschrieben sind.

Jahreszahlen in Romanen schreibt man auch heute noch meist in Worten, da es dem Leser egal ist, ob sich ein Vorfall 1921 oder 1922 zugetragen hat. Dem Autor oft nicht. Hier sollte aber der Leser das Sagen haben. Solange die Zahl die Handlung nicht direkt beeinflußt, eher Wort. Bei unabdingbarer Wechselwirkung Zahl und Geschehen wären Ziffern zu bevorzugen.

Zum Beispiel (1.000) (eintausend) Höhenmeter im vorliegenden Buchfall.
1.000 Höhenmeter, wenn ich genau hier stehe oder genau angeben will.
Eintausend Höhenmeter, wenn diese Marke z. B. überschritten oder nicht ereicht worden ist.

Diese Hinweise sind weder vollständig, noch zwingend.

Gruß
WK
Gruß
WK
Wenn mir nichts mehr einfällt, schreibe ich.
http://www.w-portal.de/index.php/buecher-cd-v-w-kursch
Meine Rechtschreibung orientiert sich an der Version nach der nächsten Reform.

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WK
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Re:

von WK (12.10.2012, 13:26)
Übrigens, ich weiß, dass es heißen muss: man sind ich und andere.
Wenn man (ich) aber ausdrücken will, dass ich und gegebenenfalls andere gemeint sind, ist bin vertretbar.

Dies ist zwar schwar zu lesen, aber richtig.

Gruß
WK
Wenn mir nichts mehr einfällt, schreibe ich.

http://www.w-portal.de/index.php/buecher-cd-v-w-kursch

Meine Rechtschreibung orientiert sich an der Version nach der nächsten Reform.

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