Zweiter Versuch

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.11.2012, 12:08)
Isautor hat geschrieben:
Was Siegfried eigentlich bezweckte, ahne ich, aber ich weiß es nicht.


Mein Anlass zu diesem Thread:

Durch Zufall habe ich im Fernsehen den "Kölner Treff" eingeschaltet. Da saß u. a. eine Frau, die ich vom Gesicht her nicht kannte (die anderen Teilnehmer waren mir durchaus bekannt). Diese unbekannte Frau war Nele Neuhaus.

Die Moderatorin berichtete im Einstieg zum Gespräch, dass das neue Buch von Nele Neuhaus ("Böser Wolf") den Einstieg in die Spiegel-Bestseller-Liste von 0 auf 1 geschafft hat. Während des Gespräches wurde auch der Werdegang der Autorin vorgestellt: Erster Roman bei Monsenstein & Vannerdat (On-Demand-Verlag aus Münster) in einer Auflage von 500 Exemplaren, die "von Hand" verkauft wurden (also Eigeninitiative der Autorin). Der zweite Roman hatte eine Auflage von 1.000 Exemplaren, der dritte bereits 5.000. Zumindest das dritte Buch war somit ein deutlicher kommerzieller Erfolg.

Ob die Neuhaus-Bücher literarisch gehaltvoll sind oder doch lieber über die Mülltonne entsorgt werden sollten (daher mein Link zur Bücherkritik von Dennis Schenk mit seinem ARD-Mediathek-Beitrag "Top Ten Bestseller", wo das Neuhaus-Buch "entsorgt" wird), interessiert mich dabei herzlich wenig. Ihr macht es Freude, diese Bücher zu schreiben, ihren Lesern macht es Spaß, diese Bücher zu lesen. So what? Was mich interessiert hat, ist, wie die Frau es vom On-Demand-Buch zu einer Startauflage von 250.000 Stück bei Ullstein geschafft hat.

Wenn ich alle Kommentare durchlese, dann wohl, weil sie schlecht schreibt, von Literatur keine Ahnung hat, dafür aber einen wohlhabenden Ehemann, der ihr alle Steine aus dem Weg geräumt und vermutlich Millionen an Ullstein oder Literaturagenten gezahlt hat. Was lesen wir:

Nele Neuhaus hat geschrieben:
Schreiben - mittlerweile am PC - blieb ein Hobby, für das mein Gatte überhaupt kein Verständnis aufbrachte. Zeitverschwendung, meinte er kopfschüttelnd.
[...]
Ich kalkulierte sehr genau, welches Risiko ich eingehe. Meinem Mann wollte ich ja beweisen, dass Bücher auch ein Geschäft sein können.
[...]
Schließlich schrieb ich die Bücher nicht nur selbst, ich korrigierte, lektorierte, entwarf Cover, dachte mir den Titel aus, ich war meine eigene Marketingabteilung, mein eigener Vertrieb, meine eigene Buchhaltung.
Mein Mann belächelte das nur und auch viele andere Leute schüttelten den Kopf, denn mir blieb so gut wie keine Zeit für andere Dinge.


So ein Ehemann wird vermutlich selbstverständlich Geld und Zeit ohne Ende einsetzen, weil er vom Hobby seiner Frau gnadenlos überzeugt ist. cheezygrin

Was mich wirklich fasziniert hat, das ist die Beharrlichkeit, mit der Nele Neuhaus an sich gearbeitet hat. Und eben jene Erkenntnisse:

- Man muss an sich selbst glauben
- Schreiben ist zu einem Großteil erlernbares Handwerk
- Schreiben braucht Zeit - Vieles wird zu früh veröffentlicht
- Man muss für seinen Erfolg hart arbeiten
- Selbstkritisch werden / sein / bleiben
- Kritische und vor allem ehrliche Probeleser suchen
- Den eigenen Text wieder und wieder überarbeiten

Das kommt nicht von mir. Das sind die Erkenntnisse einer Frau, die es von einer On-Demand-Autorin zu einer Bestseller-Schriftstellerin geschafft hat. Darüber kann man nachdenken - oder auch nicht.

Wenn die aufgelisteten Ansichten falsch sind, dann kritisiert bitte die Erfolgsautorin und nicht mich. Und schaut euch die Video-Beiträge an aus meinen anderen Posts, insbesondere den "SF-Literaturclub", um die ganze Bandbreite unterschiedlicher Ansichten zu Büchern zu erkennen ... Übrigens interessant, dass hier kein einziger Kommentar zu lesen ist ... cheezygrin

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mtg
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Re:

von mtg (11.11.2012, 12:30)
Siegfried,

es überrascht mich immer wieder, dass Du nach allen Erfahrungen hier im Forum davon ausgehst, es könnten sich User für das »Schreiben« oder die »Kunst des Schreibens« interessieren.

Wir haben hier einige »Kollegen«, ...

... die sich bereits im Schriftstellersein wähnen, nur weil sie erfolgreich zwei oder drei inhaltsleere Posts zu schreiben in der Lage waren ...

... die die Vorstellung von Erfolgsgeschichten als Anreiz zu Neid und Missgunst statt zu Ansporn und Ideenfindung verstehen ...

... die die Weitergabe eigener Erfahrungen als »Selbstverliebtheit« darstellen ...

... die »hintenrum« intrigieren, um Zweitprofile bloßzustellen, obwohl sie mit ihren Erstprofilen weitaus mehr Schaden anrichten und ...

... die es schlicht verlernt haben, dass man sich auch für andere und deren Erfolg freuen kann.

Zum Glück gibt es aber auch noch ein paar Andere, für die das »Schreiben können« wirklich der Anfang ihrer Autorenschaft bedeutet.

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Adriatic
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Re:

von Adriatic (11.11.2012, 15:16)
Siegfried hat geschrieben:
- Man muss an sich selbst glauben
- Schreiben ist zu einem Großteil erlernbares Handwerk
- Schreiben braucht Zeit - Vieles wird zu früh veröffentlicht
- Man muss für seinen Erfolg hart arbeiten
- Selbstkritisch werden / sein / bleiben
- Kritische und vor allem ehrliche Probeleser suchen
- Den eigenen Text wieder und wieder überarbeiten


Eigentlich dürfte darüber nicht zu diskutieren sein. Aber in diesem Forum ist halt alles anders.

Mir fällt dazu ein:

Das Forum macht keinen Spaß mehr.

Das Engagement mancher User ist wie "Perlen vor die Säue schmeißen"
Coccobello (Roman) - Eine Reise in einem alten VW-Bus durch die Toskana

Adria-Express (Roman) - Eine Reise mit der Bahn durch Italien

Autoreninformation:
www.gerritfischer.de

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Isautor
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Re:

von Isautor (11.11.2012, 17:38)
@adriatic: Stimme dir zu.
Wird sich auch nicht ändern, solange diese Säue noch zusätzlich von anderen Usern gebürstet und eingecremt werden.
Seid gegrüßt,

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Perchta
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Re:

von Perchta (11.11.2012, 18:51)
Also gut. Ich entschuldige mich fürs Off-Topic-Gehen. Kommando zurück, alles auf Anfang.

Isa hat die Frage ja vorgegeben: inwiefern hilft das, was Frau Neuhaus sagt, dem einzelnen von uns, erfolgreicher zu werden?

Dazu vielleicht als vorab notwendige Definition: was bedeutet "Erfolg"?

(Und Siegfried: ich habe kurz reingeschaut in die TV-Beiträge, aber da ich so gut wie nie fernsehe, kenne ich kaum jemanden von den Beteiligten, und meine Geduld mit solchen Diskussionen - die ja auch nicht viel anders verlaufen als hier, wenn jeder das Thema von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet - ist begrenzt. Tut mir leid, trotzdem danke fürs Posten.)

Um wenigstens kurz auf die Liste einzugehen:

- Man muss an sich selbst glauben

Den Satz habe ich noch nie verstanden.
- Schreiben ist zu einem Großteil erlernbares Handwerk

Dessen bin ich mir bewußt. In diesem konkreten Fall habe ich eben leider das Problem, daß ich den Satz nicht mit dem Buch der betreffenden Autorin in Einklang bringen kann.
- Schreiben braucht Zeit - Vieles wird zu früh veröffentlicht

Woher weiß ich, wann ein Text "fertig" ist?
- Man muss für seinen Erfolg hart arbeiten

Ja.
- Selbstkritisch werden / sein / bleiben

Das sollte klappen.
- Kritische und vor allem ehrliche Probeleser suchen

Das ist ein Problem.
- Den eigenen Text wieder und wieder überarbeiten

Ja.
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Isautor
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Re:

von Isautor (11.11.2012, 20:42)
@Perchta: das ist eine interessante Bemerkung von dir, insofern, als dass die Aufforderung, man solle an sich selbst glauben, bei vielen Autoren in der Umsetzung zur Kritikunfähigkeit führt.
Zu deutsch: manche finden sich selbst so gut und glauben dermaßen fest an ihr Zeug, dass sie nicht bereit sind, davon abzuweichen. Und wenn jemand einfach nur schlecht ist, wie kann man ihm raten, an sich zu glauben? Man sollte ihm eher raten, an sich zu arbeiten.

Deine andere Bemerkung bezüglich des Stils fand ich witzig. Habe nie etwas von Neuhaus gelesen, weil ich praktisch keine Krimis lese. Ist nicht mein Ding. Die Rezensionen auf Amazon bei dem Buch "Eine unbeliebte Frau" sind zum Beispiel sehr gleichmäßig auf 1-5* verteilt, also recht durchwachsen.
Ich werde mal deinem Link folgen und die von dir verfasste Rezi lesen.
Ich fand deinen Beitrag nicht off-topic.

An sich zu glauben, das ist in meinen Augen eine überbewertete Phrase, die zu leichtfertig ausgesprochen wird.
Sehen heißt glauben, erhabener Prinz!
Wenn ich sehe, dass der Text gut ist, dann glaub ich auch dran. angle:
Seid gegrüßt,



Isautor



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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.11.2012, 21:06)
Isautor hat geschrieben:
An sich zu glauben, das ist in meinen Augen eine überbewertete Phrase, die zu leichtfertig ausgesprochen wird.
Sehen heißt glauben, erhabener Prinz!
Wenn ich sehe, dass der Text gut ist, dann glaub ich auch dran. angle:


An sich glauben, das bedeutet für mich, den inneren Zensor während des Schreibens auszuschalten und sich selbst zu gestatten, den letzten Mist zu produzieren mit dem Wissen, dass man die Fähigkeiten besitzt, aus schlechtem Text guten Text zu machen.

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Isautor
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Re:

von Isautor (11.11.2012, 22:35)
Das wäre wohl nicht meine Methode. Ich will, dass die erste Fassung schon recht gut ist.
Seid gegrüßt,



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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.11.2012, 23:01)
Isautor hat geschrieben:
Das wäre wohl nicht meine Methode. Ich will, dass die erste Fassung schon recht gut ist.


Ich will, dass die erste Fassung fertig wird und ein "Ende" als letztes Wort getippt steht. Und nicht auf Seite 60 oder 80 oder 120 verzweifelt abbrechen.

Der beste Spruch, den ich in den letzten Jahren in Bezug auf Schreiben gehört habe, ist "Schreib das verdammte Buch!" cheezygrin

Überarbeiten und Korrigieren ist dann ein anderes Thema. cheezygrin

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Isautor
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Re:

von Isautor (11.11.2012, 23:13)
Ja, das will ich auch, aber wenn ich mittendrin merken würde, das geht in die falsche Richtung oder klingt nicht, das ändere ich das zuerst und mache dann weiter. Ich kann das nicht gut haben, wenn mittendrin was nicht stimmt.
Und ich krieg das Buch trotzdem fertig. Ich hab da einfach ne andere Methode als du. Dafür muss ich nicht mehr so viel überarbeiten. Das spart dann später Zeit. Das Meiste kann ich dann einfach so lassen.
Seid gegrüßt,



Isautor



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Perchta
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Re:

von Perchta (12.11.2012, 05:52)
Warum ich die Formel "an sich selbst glauben" nicht verstehe: Naja, cogito ergo sum :lol: . "Ich" (in welcher Form auch immer) ist nun wirklich das einzige, was ich schlecht anzweifeln kann. (Weiter reichen meine philosophischen Kenntnisse nicht, keine Bange.)
Was ist dann also mit "ich" in diesem Zusammenhang gemeint? Können? Begabung? Der aktuelle Stand meiner Leistungsfähigkeit oder der zukünftige? - Und: glauben muß ich nur an Dinge, die ich nicht wissen kann. Entzieht sich also das eigene Leistungsvermögen im Schreiben der objektiven Beurteilung?

Daß die beiden Forderungen "an sich selbst glauben" und "selbstkritisch sein" sich in der Praxis zum Teil widersprechen, empfinde ich ähnlich wie Isa.

Mit der "Erst-fertigschreiben-dann-überarbeiten"-Methode habe ich auch Probleme. Wobei ich weiß, daß die von sehr vielen erfolgreichen Schriftstellern empfohlen wird. Auch da geht es mir ähnlich wie Isa (merke ich gerade wieder bei einer Sache, an der ich arbeite). Ich versuche lieber, schon während des Schreibens die optimale Form zu finden. Wenn Sätze inhaltlich und sprachlich aufeinander aufbauen und auseinander hervorgehen, wird es sehr aufwendig, zu einem späteren Zeitpunkt gravierende Änderungen einzufügen. Der Anschluß paßt einfach nicht mehr. Mit solchen Flickstellen werde ich im Endergebnis auch nie mehr glücklich.

Wobei ich feststelle, daß wir uns gerade auf den einen Teil des Interviews versteifen. Aber es hieß darin ja z.B. auch:

Ich steckte sehr viel Energie in die Vermarktung meines Buches und musste dabei auch oft über meinen Schatten springen. Klinkenputzen bei Buchhändlern in der Umgebung, die Erstellung einer eigenen Webseite, Lesungen vor manchmal nur zwei oder drei Leuten, Kontakte zur Presse aufbauen.


Müßte man darauf nicht auch eingehen? Auch das kann (und dürfte meiner Ansicht nach) gemeint sein, wenn es heißt, man müsse "an sich arbeiten". (Und es ist der für mich weit deprimierendere und unangenehmere Teil.) Es dürfte auch, nehme ich an, das gewesen sein, worauf Thomas letztlich hinauswollte: daß jede handwerkliche Verbesserung im Schreiben ins Leere läuft, wenn sie nicht von entsprechenden Verbesserungen im verkaufstechnischen Bereich begleitet ist.

Zumindest dann, wenn man - was ich jetzt impliziert habe - unter "Erfolg" Verkaufserfolge versteht.
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (12.11.2012, 05:59)
Perchta hat geschrieben:
...daß jede handwerkliche Verbesserung im Schreiben ins Leere läuft, wenn sie nicht von entsprechenden Verbesserungen im verkaufstechnischen Bereich begleitet ist.

Zumindest dann, wenn man - was ich jetzt impliziert habe - unter "Erfolg" Verkaufserfolge versteht.


Man muss Erfolg zuweilen auch persönlich definieren. In diesem Sinne bin ich erfolgreich. Im Sinne von Verkaufserfolg aber eher weniger.

Beste Grüße

MichaelHA

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Isautor
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Re:

von Isautor (12.11.2012, 09:10)
@Perchta: sicher muss man auf alles eingehen, aber innerhalb eines Postings ist das wahrscheinlich etwas viel.
Es ist nicht so, dass du den Satz nicht verstehst, sondern du hast erkannt, dass er genau betrachtet unsinnig ist.

Was mich auch davon abhält, den Text erst mal so runterzutippen, ist die Charakter- und Figurenentwicklung. Über die Dialoge charakerisieren sich die Figuren stark und ich kann das nicht erst mal hinschreiben, sondern die Sprüche müssen sitzen, können maximal später noch verfeinert werden.

Was wir oft außen vor lassen bei unseren Diskussionen ist der Inhalt. Wir reden über eine technische Verbesserung und wo welche Füllwörter weg sollen, aber sehr wichtig ist doch auch die Story, die Logik und ob das überhaupt ein interessanter Plot ist. Ob man den Foguren gerne zuhört. Ich hab schon ziemlich perfekte Texte gesehen, ohne ein einziges Füllwort, ohne Adjektive, aber gääääähn ...

Geschichten erstellen ist viel mehr als nur einen sprachlich guten Text abliefern.
Seid gegrüßt,



Isautor



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mtg
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Re:

von mtg (12.11.2012, 10:36)
Isautor hat geschrieben:
Über die Dialoge charakerisieren sich die Figuren stark und ich kann das nicht erst mal hinschreiben, sondern die Sprüche müssen sitzen, können maximal später noch verfeinert werden.

Gegenfrage: Was nützt das Grübeln über perfekte Dialoge im ersten Versuch, wenn darüber vergessen wird, wie sich der Plot weiterentwickelt?

Ich kenne das von mir: Da wird man selbstverliebt und formuliert sich einen Wolf an einem bestimmten Punkt - und darüber vergisst man dann, wie es eigentlich weitergehen soll ... schließlich setzt man sich an dieser einen Stelle eine so hohe Benchmark, dass man - sollten die nächsten Formulierungen nicht so gut »sitzen« - schnell die Lust an der Weiterentwicklung verliert.

Meine erste Fassung ist immer die »frei von der Leber weg«. Wenn man sich dann damit befasst, merkt man schon selbst, wo Unstimmigkeiten, Anschluss- oder/und Logikfehler sind. Das wird in der zweiten Fassung verbessert - und der Feinschliff kommt danach.

Jeder macht es natürlich so, wie er oder sie es am besten kann. Siegfrieds Tipps werden aber trotzdem - meiner Auffassung nach - für das Gros der Autoren oder angehenden Autoren gelten - nicht jeder kann geschliffen aus dem Handgelenk formulieren. Zu viele glauben das aber. Das merkt man on-demand-Büchern auch oft an. Leider. Denn manch' schöne Idee ist schon in der handwerklich schlechten Ausführung verloren gegangen ...

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (12.11.2012, 11:25)
Perchta hat geschrieben:
daß jede handwerkliche Verbesserung im Schreiben ins Leere läuft …


Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht (und das ist jetzt wirklich subjektiv), dass die Qualität der erfolgreichen Schriftsteller eher einer Sinuskurve ähnelt, als einer stetig bergauf zeigenden Linie. Wie gesagt – subjektiv. Das erste Stephen King – Buch „Carrie“ gefällt mir heute noch nicht, dazwischen war ich hellauf begeistert, die letzten Bücher (Love,. Whn, Sunset, Die Arena) markieren meiner Meinung nach einen Tiefpunkt. Mit „ Der Anschlag“ gehts wieder bergauf.
Ähnlich empfinde ich bei den Werken von Andreas Eschbach. Dessen hochgelobter Erstling (Die Haarteppichknüpfer) ist in meinen Augen zusammenhangloses Zeugs.
Handwerklich sind alle Bücher zweifelsohne immer besser geworden, aber das alleine ist es doch nicht. Das gewisse Etwas, die Spannung, die Mitgerissenheit, das „Kopfkino“ gehören ebenso dazu. Eben der Inhalt, wie Isautor sagte. Was übrigens nicht heißt, das man sich nicht ständig verbessern muß.
Viele Grüße von Nicolas

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