Zweiter Versuch

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Isautor
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Re:

von Isautor (12.11.2012, 12:39)
An euren Bemerkungen sehe ich, dass ich wirklich eine ganz andere Arbeitsweise habe. Ich grübele nicht über Dialogen und ich vergesse auch niemals den Plot, denn den habe ich schon vorher von vorn bis hinten durchdacht, bevor ich anfange. Das Buch ist quasi fertig im Kopf, bevor ich eine Zeile geschrieben habe. Auch die Dialoge habe ich zum großen Teil schon im Kopf. Ich kann mir keine Zahlen merken, nicht mal die Nummer von dem Gericht, das ich im Restaurant bestelle, aber Dialoge kann ich. Deshalb muss ich sie nicht vorher aufschreiben.

Deine Erfahrung, mtg, ist nachvollziehbar, aber mir noch nicht passiert. Ich habe mir noch nie an einer Stelle nen Wolf formuliert und dann die Lust verloren, weiterzumachen. Ich bin ein Typ, der auch den zweiten Pulloverärmel geduldig zu Ende strickt und am Schluss noch hundert Perlchen draufnäht. Das macht mir nichts aus.

@Nicolas: Ich glaube, dass Bestsellerautoren sehr unter Druck stehen. Sie müssen immer wieder was noch Besseres liefern und das regelmäßig. Ich kann mir vorstellen, dass die Motivation und auch die Kreativität manchmal leidet, wenn man dem Verlag wieder was liefern soll.
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (12.11.2012, 13:08)
Isautor hat geschrieben:
Ich grübele nicht über Dialogen und ich vergesse auch niemals den Plot, denn den habe ich schon vorher von vorn bis hinten durchdacht, bevor ich anfange. Das Buch ist quasi fertig im Kopf, bevor ich eine Zeile geschrieben habe.


Bei meinem noch nicht veröffentlichten Roman war das auch so. Allerdings traue ich meinem Gedächtnis nicht und mache mir zusätzlich Notizen.

Bei mir wechseln sich "kreative Schübe" mit reinen "Handwerkstagen" ab. Wenn ich eine Idee für die Gestaltung eines Kapitels habe, schreibe ich wie wild drauf los und verbessere höchstens Tippfehler, die mir die Rechtschreibprüfung anzeigt. An anderen Tagen überarbeite ich das Geschriebene. Was ich bei meiner Arbeitsweise noch verbessern muss, ist die "Endabnahme" des Werks. Ich sollte nach Beendigung des Buchs eine Weile warten und es dann noch einmal kritisch in die Hand nehmen. Mir hängt das dann allerdings schon ganz furchtbar zum Hals raus, und ich fange lieber etwas Neues an.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

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Nicolas Fayé
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Re:

von Nicolas Fayé (12.11.2012, 15:06)
Ich mache es eigentlich wie Isautor. Ein Roman muß in meinem Kopf wie ein Film ablaufen, dann beginne ich zu schreiben. Das heißt aber nicht, dass dann nicht noch überarbeitet werden muß.
Viele Grüße von Nicolas

Geduld ist eine Tugend
http://www.romanzeit.de
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Perchta
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Re:

von Perchta (12.11.2012, 18:13)
Das sind schon wieder so viele verschiedene Sachen, auf die ich antworten möchte ...

Weswegen mir die "verkaufstechnische" Verbesserung gegenüber der "schreibtechnischen" erwähnenswert erschien.
1.) Ich sehe da bei mir das größere Potential :wink: . Nicht, weil ich so gut schreibe, sondern weil ich so schlecht verkaufe
2.) Wenn sich tatsächlich nicht sagen läßt, was "handwerklich gutes Schreiben" bedeutet und wie man dorthin kommt, man also weder über das Ziel der Verbesserung noch über die konkrete Verfahrensweise Einigung erzielen kann, dann ist eine Diskussion darüber müßig oder zumindest äußerst schwierig. Dann läuft es letztlich immer raus auf: Mußt du selber schauen, was dir taugt. Demgegenüber wären konkrete verkaufsfördernde Maßnahmen, für die man sich Anregungen aus Frau Neuhaus Interview holen kann, vielleicht das einfachere Thema. (Und nein, an die Anschaffung von Ehemännern, deren Ausfahrer man für die Verbreitung der eigenen Bücher einspannen könnte, hatte ich eher nicht gedacht :lol: .)
3.) Verbessern, verbessern und verbessern ist ja gut und schön. Aber was bringt's, wenn's keiner merkt?

(Boah, ich bin richtig stolz auf mich. Das ist alles völlig wider meine Natur geschrieben ... :D )

Zum Thema Inhalt und Plot: ich vermute, da werden die Meinungen ebenso weit auseinandergehen wie beim "handwerklich guten Schreiben". Ich neige zum Beispiel dazu, Dinge entsetzlich langweilig zu finden, deretwegen andere Leute sich das Buch überhaupt kaufen (Sexszenen!). Es gibt zwei Fantasy-Reihen, die ich lese, obwohl ich Fantasy nicht ausstehen kann. Eine davon ist ... hm, aus meiner Sicht jetzt auch nicht so unbedingt anspruchsvoll geschrieben. Trotzdem, wenn die richtigen Figuren dabei sind, hole ich mir das nächste Buch über kurz oder lang. Viele Leute lesen diese Reihe wegen der Fecht- und Kampfszenen. Ich überblättere die. - Ich bin auch jemand, der in einem Buch fast immer irgendwann vorblättert bis um Schluß und nachschaut, wie's ausgeht. Sonst kann ich das Buch nicht genießen. Ich will mich nicht die ganze Zeit fragen müssen, was passiert. Ich will lesen, wie es passiert. - Dafür kann ich ein Buch aber problemlos mehrmals lesen und freue mich an bestimmten Stellen auch beim zwanzigsten Mal noch.

Zur Vorgehensweise beim Schreiben und zur Frage, Weiterschreiben oder gleich Überarbeiten: Dialoge sehe ich da nicht als das größte Problem, an denen muß sowieso immer im Detail nachgebessert werden. Das finde ich aber vergleichsweise leicht. Viel schwieriger ist es bei Erläuterungen und Erklärungen, die man irgendwie einfließen lassen muß. Wenn ich da eine Stelle gefunden habe, an der ich diese Information halbwegs unauffällig oder sogar unterhaltsam übermitteln kann, einen Anlaß, durch den diese Erklärung gerechtfertigt erscheint, will ich mir das nicht später kaputt machen müssen, indem ich gezwungen bin, das ganze Kapitel umzuschreiben.

Ähnlich wie Isa habe ich, bevor ich den ersten Satz schreibe, zumindest einen groben Plan im Kopf. Ich weiß wo ich anfange, wer die wichtigsten Figuren sind, wo ich am Ende rauskommen will und was dafür unterwegs notwendig ist. Für die letzten, sehr kurzen Texte habe ich mir sogar eine detaillierte Gliederung gemacht, immer zwei, drei Sätze oder Stichpunkte pro Szene. Bei längeren Arbeiten bin ich großzügiger (oder fauler ^_^), aber zumindest für die demnächst anfallenden Kapitel weiß ich ganz genau, was passiert und warum.
Das hat mit "Schreiben" noch nichts zu tun. Das ist "Geschichtenerfinden". Wenn ich ehrlich bin, ist es auch das, was mir am meisten Spaß macht: Figuren zu entwerfen und einzukleiden, mir zu überlegen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten würden und wie manche ihrer Charakterzüge sich in ihrem Äußeren, ihrer Mimik und Gestik niederschlagen. Großartige Ideen für Handlung habe ich selten, leider. Das ist meistens alles sehr bieder bei mir.
Die Geschichte "steht" also längst, bevor ich mit Schreiben anfange. "Kreativitätsschübe" kenne ich nicht wirklich. Ich bin stinkfaul und muß mich immer überwinden, Wörter aneinander zu reihen und die Geschichte festzuhalten. Das empfinde ich tatsächlich als leidige Arbeit. Insofern ist es auch nur der Spaß am Basteln mit Wörtern, am Hin- und Herschieben von Satzteilen, der mich halbwegs bei der Stange hält.

Wenn ich eine Geschichte einmal beendet habe, ist sie für mich zunächst mal tot und widert mich an. Ich will mich damit dann nicht mehr beschäftigen. Füllwörtersuche ist schon viel verlangt. Müßte ich jetzt noch anfangen, großartig zu überarbeiten, würde ich die Datei schließen und nicht mehr öffnen.

So, das war jetzt wirklich ein kunterbuntes Durcheinander. :roll:
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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AngelikaL
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Registriert: 17.03.2013, 14:03

Re:

von AngelikaL (07.04.2013, 19:43)
Siegfried hat geschrieben:
Was mich wirklich fasziniert hat, das ist die Beharrlichkeit, mit der Nele Neuhaus an sich gearbeitet hat. Und eben jene Erkenntnisse:

- Man muss an sich selbst glauben
- Schreiben ist zu einem Großteil erlernbares Handwerk
- Schreiben braucht Zeit - Vieles wird zu früh veröffentlicht
- Man muss für seinen Erfolg hart arbeiten
- Selbstkritisch werden / sein / bleiben
- Kritische und vor allem ehrliche Probeleser suchen
- Den eigenen Text wieder und wieder überarbeiten


Ich habe einen Traum. Und dies hört sich wie das richtige Rezept für mich an, um meine Traum verwirklichen zu können. cool5
LG Angelika

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