Fanfiction und Copyright - ein paar Fragen

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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Stylebreed
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Fanfiction und Copyright - ein paar Fragen

von Stylebreed (22.11.2012, 21:11)
Hallo zusammen,

Ich habe mal eine Frage.
Undzwar gibt es ja die Rubrik Fanfiction.
In wie weit kann man einfach hingehen und eine bereits existierende Figur nehmen und um sie herum eine neue Geschichte basteln?

Gibt es da gewisse Regeln an die man sich halten muss? Wie läuft das mit Copyright?

Als Beispiel würde mir einfallen: Joker, Figur aus Batman...
wurde in Filmen verwendet und wurde als Fanfiction in "Der Joker" von Markus Zusak neu interpretiert.

Kann das jeder einfach so machen?

LG
Sandra
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Klopfer
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Re:

von Klopfer (22.11.2012, 22:38)
Wenn das Urheberrecht an den Figuren noch nicht abgelaufen ist, darf man das im Prinzip nicht. Im Fall von Fanfiction und Fanart ist es allerdings so, dass die Rechteinhaber solche Werke oft tolerieren, solange damit kein Geld verdient wird. Diese Toleranz kann aber blitzschnell enden, sobald jemand auf die Idee kommt, sein Werk zu verkaufen, ohne die entsprechenden Rechte zu erwerben.

Aus diesem Grund hat E.L. James auch die Namen in ihrer Twilight-Fanfiction ausgetauscht, um sie als "Fifty Shades of Grey" veröffentlichen zu können.

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Perchta
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Re:

von Perchta (24.11.2012, 10:14)
Fanfiction bewegt sich immer in einer rechtlichen Grauzone, geduldet nach dem Prinzip "Wo kein Kläger, da kein Richter". Prinzipiell begehst du, sobald du irgendetwas (Figur, Setting, Handlung) verwendest, für das die Rechte nicht bei dir liegen, einen Urheberrechtsverstoß.

Eine kommerzielle Verwendung fällt in jedem Fall flach. Die meisten FF-Schreiber verfassen einen Disclaimer des Inhalts: "Die Figuren gehören nicht mir, sondern XY und dem Verlag/der Filmfirma YZ. Ich schreibe das nur zum Spaß, will niemandem die Rechte streitig machen und mit diesem Text auch kein Geld verdienen." Auf diese Weise versuchen sie sich gegen Klagen abzusichern. Manche Seiten, zum Beispiel Fanfiction.de, setzen diesen Dislaimer schon als Einleitung für die einzelnen Rubriken.

Das wird meistens auch toleriert, aber es gibt Ausnahmen. Einige Autoren waren offenbar schon so entsetzt über das, was da mit ihren Figuren veranstaltet wurde, daß sie keine Fanfiction zu ihren Büchern erlauben. Am bekanntesten ist sicher Anne Rice. (Viele FFs laufen ja wirklich auf schlechte, häufig gewaltüberfrachtete Pornos hinaus.) Und sobald ein Autor ein solches Machtwort gesprochen hat, ist es verbindlich - die Rechte liegen nun einmal bei ihm.

Ich habe beim flüchtigen Googeln diese Liste gefunden, vermutlich gibt es noch weitere: http://www.mediaminer.org/blog/index.php?/archives/23-AuthorsPublishers-Who-Do-Not-Allow-Fan-Fiction.html
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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Isautor
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Re:

von Isautor (24.11.2012, 13:11)
Interessante Liste, Perchta.
Ich habe auch schon oft über das Thema nachgedacht, nachdem Leute aus einem anderen Forum aus einem Musical eine FF machten und bei Epubli zum Verkauf anboten. Sie ließen sich das auch nicht ausreden.

Was auch noch passiert ist: Eins von meinen Büchern wurde in einem Forum als Fanfiction vorgestellt. Als ich darüber aufklärte, stellte sich heraus, dass die gar nicht wussten, was Fanfiction bedeutet. Sie glaubten, Fanfiction seien fiktionale Texte, die bereits Fans gefunden hätten. Ich schaffte es auch nicht, den Irrtum aufzuklären, das wurde nicht verstanden.
Es war ein harter kampf, bis das Buch aus der FF-Ecke gelöscht wurde.

Ich denke, FF ist schön und gut, aber es dient in erster Linie den eigenen Träumereien bezüglich einer verehrten Figur. Und die Schreiberin einer FF ist in der Geschichte nicht nur die Maskenbildnerin von Orlando Bloom, sondern auch noch die Pferdetrainerin am Filmset, was er mit Erstaunen und wachsender Bewunderung zur Kenntnis nimmt ...
YKWIM!

Grundsätzlich interessiert es mich schon, warum Jugendliche das so gerne machen. Ich hatte mal an einen Kurs gedacht, so was wie "Von der FF zur eigenen Geschichte". Das wär doch mal was. Mir kam der Gedanke, als in einem Forum diese Aussage stand: "Also ich schreibe gerade an meinem vierten Harry Potter Fanfiction-Band (!)"
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

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Perchta
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Re:

von Perchta (24.11.2012, 17:22)
Um mal was zur Ehrenrettung der Fanfiction zu sagen: daß die Autoren "entsetzt" gewesen seien, ist meine Interpretation der Sachlage :wink: . Ich habe einmal diesbezüglich eine sehr heftige Diskussion erlebt, an der eine Autorin sich beteiligt hat, kann mich aber nicht mehr an den Namen erinnern. Ansonsten gäbe es natürlich auch andere Gründe, FFs zu verbieten. Bis hin zur Befürchtung, die Fans könnten womöglich besser schreiben als man selbst ... Wichtig ist, daß der Autor keine Begründung braucht. Die Figuren gehören ihm, und basta.

Daß sich jemand selbst in die eigene Geschichte hineinschreibt (sogenannte "Self Inserts), gerne in Form einer Mary Sue, kommt natürlich häufig vor, gilt aber gleichzeitig auch als Zeichen schlechter Fanfiction. Der Ursprung der FFs ist zunächst mal nur die Freude am Weiterdenken und Fortspinnen einer bereits existierenden Geschichte: was passiert als nächstes, oder was wäre passiert, wenn?

Womit dann wohl der Punkt gekommen wäre, mich als langjährige Leserin und gelegentliche Schreiberin von (u.a. "Buffy"-)Fanfiction zu outen. :lol: Ich habe unheimlich gerne FFs gelesen (meist englischsprachige) und tu's ab und zu noch. Ein paar von den Sachen, die auf meinem Rechner schlummern, mag ich bis heute, auch wenn sie sprachlich sicher nicht das Nonplusultra sind. Es gibt sehr begabte FF-Schreiber, die sich weder sprachlich noch inhaltlich vor Romanautoren verstecken müssen. Ziemlich sicher könnten die ihren Text auch als "eigene" Geschichte schreiben - die Namen der Figuren ändern, aus dem Vampir einen Werwolf und aus der Dämonenjägerin eine Elfe machen. Aber darum geht es gar nicht. Man schreibt ja gerade aus Liebe zu einer Serie, einer Figur, einem bestimmten Pairing, und möchte den anderen Fans mit dieser Geschichte eine Freude machen.

Im Falle von "Buffy" war recht witzig, daß die Verantwortlichen das Schreiben von FFs ausdrücklich begrüßt haben, die Schreiber der Drehbücher aber natürlich keinerlei Fanfiction lesen durften - um sich gegen den Vorwurf des Ideenklaus abzusichern. Gelesen haben sie es aber offenbar heimlich sehr wohl; zumindest wußten sie erstaunlich gut Bescheid. Es gab in den Folgen immer wieder mal ein Zwinkern in die Richtung.

In Summe: ich mag FF. Es ist Fabulieren um des Fabulierens willen, ohne kommerzielle Interessen. Wunderschönes Hobby.
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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