Groß- und Kleinschreibung

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tche
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Groß- und Kleinschreibung

von tche (28.11.2012, 09:11)
Hallo zusammen,

ich habe ein Problem mit der Groß- und Kleinschreibung, seht Euch mal bitte folgende 2 Sätze an:
Ehe ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein letztes Mal den Luftdruck der Reifen. Es war das Dritte heute morgen.

Wie ist es richtig: „das Dritte“ oder „das dritte“ – denn eigentlich bezieht es sich ja auf „Mal“?

Und ein ähnliches zweites Beispiel:
»Super Gebiet zum Radwandern hier«, begrüßte uns einer von vier Wanderern, die uns gerade eingeholt hatten. Vier Augenpaare musterten erst uns, dann die Bikes, dann wieder uns und danach die Felsbrocken, die den Weg säumten. Im nächsten Augenblick tuschelten zwei der Wanderer miteinander. Der Dritte bekam den Mund vor […] Die Vier liefen weiter.

Der Bezug liegt auf den Wanderern: schreibt man dann „Der Dritte“ oder „Der dritte“, „Die Vier“ oder Die „vier“?

Danke für Eure Hilfe!
Viele Grüße Thomas

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Isautor
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Re:

von Isautor (28.11.2012, 09:23)
Hallo,

also, wenn du das so machst, wird es klein geschrieben, denn die Wanderer und das Mal sind noch in Sichtweite :wink: , also du beziehst dich darauf und schreibst es deshalb klein.

ABER: am besten schreibst du es so gar nicht, denn das klingt nicht gut. Man kapiert es sogar erst beim zweiten Hingucken.

Ehe ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein letztes Mal den Luftdruck der Reifen. Es war das Dritte heute morgen.

Vorschlag:

Ehe ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein drittes und letztes Mal den Luftdruck der Reifen.

Hier könnte zum Beispiel zusätzlich eine besondere Sorgfalt, Dringlichkeit oder Genervtheit mit ausgedrückt werden. Das mit dem "es war das dritte", das kommt einfach nicht an, bremst den Leser auf der Stelle aus und lässt ihn überlegen, was damit gemeint ist.


Beim zweiten Beispiel könntest du den "dritten" lassen, aber "die vier", das würde ich eh rausnehmen. "Dann liefen sie weiter", das reicht völlig, weil es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie einen davon stehen lassen. Alle Wanderer laufen weiter, weil sie eine Gruppe sind.
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (28.11.2012, 09:47)
"Ehe ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein letztes Mal den Luftdruck der Reifen. Es war das Dritte heute morgen."



So geht das gar nicht! Wenn überhaupt, dann: das dritte Mal.
Ist diese Aussage denn überhaupt relevant für die Story? Geht es um krankhafte Kontrolle?
Die Personenazhl und dann noch die Augenpaare: relevant für die Story? KOmmt dann ein Einäugiger vor?

Haifischfrau
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tche
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Re:

von tche (28.11.2012, 09:51)
Hallo Isa,

danke für die ausführliche Antwort, alles klein also. Und wann wird das denn groß geschrieben (am Beispiel der Wanderer)? Wenn ich dann z.B. später im Dialog sage: „Ey, weißt du noch, die Vier da oben am Berg? Da ham Bauklötzer gestaunt“

Bezüglich des Reifendrucks: Richtig, damit möchte ich Nervosität ausdrücken. Das ist der letzte Satz eines Kapitels vorm Start eines Mountainbike-Rennens. Vorher ziehe ich mich noch zweimal um, renne aufs Klo usw.: „ein drittes und letztes Mal“ wirkt dann auf mich – wie soll ich sagen – zu weich. Um das nachhaltig wirken zu lassen, habe ich ja genau die Formulierung gewählt, dass es das dritte Mal war.

VG
Thomas

noch paar mal um,

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (28.11.2012, 10:10)
Kleine off-topic-Anmerkung von mir:
Wanderer gehen oder wandern. Jogger laufen.
Umgangssprachlich wird zwar "laufen" häufig für den Bewegungsablauf des Gehens verwendet, aber in einem sportlichen Kontext ist es falsch.

Gruß, Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

tche
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Re:

von tche (28.11.2012, 10:10)
Hallo Haifischfrau,

nun sind es schon derer zwei, die den Satz "zerpflücken" :D
Wie könnte man das sonst ausdrücken - wie schon geschrieben, "ein drittes und letztes Mal" finde ich auch nicht so passend.
Wie wärs mit: "Ehe ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein drittes Mal den Luftdruck der Reifen. Hoffentlich zum letzten Mal heute morgen." Das geht doch auch nicht, oder?

Auch der Off-Topic-Hinweis ist super. Ich glaube ich "gehe" erst mal eine Runde Radfahren - für einen kühlen Kopf :-)

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (28.11.2012, 13:29)
Hallo Tche,

So richtig schön finde ich den Satz nicht. Aber um das wirklich zu beurteilen (wobei das "Beruteilen" nicht viel mehr als der Ausdruck der eigenen Empfindung darstellt), müsste ich schon mehr als diesen einsamen Satz zu sehen bekommen.

Für mich ergibt sich aus dem Satz nur dann eine Logik, wenn
1) der Schreiber einer ist, der zwanghaft alles mehrfach kontrollieren muss
oder
2) trotz der häufig durchgeführten Kontrolle kurze Zeit später der Reifen platt ist, und zwar nachweislich ohne neuen äußerlichen Einfluss.

Auch das "ehe" am Anfang stört mich (mich!); ich würde da "bevor" schreiben.

Es scheint mir aber gar nicht (nur) ein Problem der Groß- und Kleinschreibung
(dafür gibt es Duden und andere schlaue Bücher!) vorzuliegen, sondern auch eine sehr stark umgangssprachliche Formulierungsweise.

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NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

tche
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Re:

von tche (28.11.2012, 14:21)
Halle Haifischfrau,

stimmt, ausgangs existierte das Problem der Groß- und Kleinschreibung.

Weder 1) noch 2) treffen zu. Wie schon geschrieben, das Kapitel beschreibt die Situation am Morgen vor einem großen Rennen. Zwischen Frühstück und Start liegt eine Stunde Leerlauf. Die Nervosität greift um sich. Die Rennklamotten werden noch einmal getauscht, die Blase drückt dreimal usw. Und bevor (Danke! – das klingt wirklich besser) ich die Türe schließe, prüfe ich den Luftdruck der Reifen. Dass ich das schon zweimal vorher gemacht habe, soll eine weitere Darstellung der Nervosität sein. Beschäftigungstherapie, nur nicht ins Nachdenken kommen.

Viele Grüße
Thomas

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (28.11.2012, 14:48)
tche hat geschrieben:
Wie wärs mit: "Ehe ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein drittes Mal den Luftdruck der Reifen. Hoffentlich zum letzten Mal heute morgen." Das geht doch auch nicht, oder?


Ich mische mich jetzt auch mal ein ... cheezygrin

Ich finde den Satz

    "Ehe ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein drittes Mal den Luftdruck der Reifen. Hoffentlich zum letzten Mal heute morgen."
ziemlich unschön - vorsichtig ausgedrückt. Das liegt aber nicht am "ehe", denn auch mit "bevor" wird er nicht schöner:

    "Bevor ich die Tür hinter mir schloss, kontrollierte ich ein drittes Mal den Luftdruck der Reifen. Hoffentlich zum letzten Mal heute morgen."

Das Problem liegt in der nicht-chronologischen Reihenfolge der dargestellten Aktivitäten und was sie beim Leser (zumindest bei mir) für Bilder auslösen:

"Ehe/Bevor ich die Tür hinter mir schloss [...]" - damit bin ich in meinem Kopfkino bereits an der Tür und werde nun durch den zweiten Teil des Satzes von der Tür weggerissen und die Vergangenheit katapultiert: Zurück zur Reifenprüfung.

Warum nicht die Ereignisse in der chronologisch korrekten Abfolge schildern?

    "Ich kontrollierte den Reifendruck, mittlerweile zum dritten Mal. Von mir selbst genervt, stürmte ich davon und ließ die Tür hinter mir ins Schloss knallen."


Ist jetzt auf die Schnelle auch nicht das Nonplusultra - aber das "Ehe/Bevor" ist weg, und damit der Zeitkreisel im Satz.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (28.11.2012, 15:18)
Nun Siegfried, wo steht denn, dass man so eng chronologisch schreiben muss?
Ich sehe da im Gegensatz zu dir durchaus einen ganz bestimmten Film:
"Ich" habe die Türklinke schon in der Hand, einen Fuß draußen ABER ich gehe zurück (wohin auch immer - dort wo das Fahrrad steht) oder ich bleibe mit dem Radl buchstäblich zwischen Tür und Angel stehen und befummele dort meinen Reifen zum x-ten Mal.

Wie dem auch sei, ich möchte wissen WARUM dieser Hinweis (zum 3. Mal...) so wichtig ist.
Und doch, mich stört das Wort "Ehe" gewaltig!

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Re:

von tche (28.11.2012, 17:03)
Nun, ganz so wichtig ist das „dritte Mal“ nicht. Es soll übertreiben, nur die Beschäftigungstherapie vorm Wettkampf verdeutlichen. Ich schreibe auch nirgendwo, dass ich den Luftdruck zum ersten (oder zweiten Mal) prüfe.

Haifischfrau sieht den Film so, wie ich es darstellen wollte. Beim (besser: kurz vorm) Verlassen der Wohnung prüfe ich die Reifen. Die Tür fällt ins Schloss, Kapitelende. Das nächste Kapitel beginnt im Startblock.

Siegfrieds Variante übertreibt das Ganze nicht so, obwohl mir „Ich kontrollierte den Reifendruck, mittlerweile zum dritten Mal.“ auch als Alternative gefällt.

VG Thomas

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (28.11.2012, 21:49)
Haifischfrau hat geschrieben:
Nun Siegfried, wo steht denn, dass man so eng chronologisch schreiben muss?


Nirgendwo.

Ich finde den Satz in seiner Konstruktion unschon. Ich mag keine Rücksprünge in der Zeit. Ich bevorzuge die chronologische Erzählweise. Ich tendiere zur einer klaren, kurzen und eindeutigen Erzählweise. Das ist meine Meinung. Niemand muss irgendwas.

Wenn aber schon wieder meine Ansichten als "muss" betrachtet werden, dann muss ich mich aus dieser Diskussion verabschieden. Ich bin es einfach leid!

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (29.11.2012, 10:47)
Nein Siegfried! Wenn es hier überhaupt eine Diskussion sein soll / darf, dann müssen doch unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen dazu führen, dass man sie diskutiert!

In diesem Fall empfinde ich deinen Rückzug als desktruktiv. Du bist doch nicht so einer, der geht, wenn / weil andere seine Auffassung nicht teilen?
(Und das beziehe ich auf sachgerechte Diskussionen, nicht darauf, ob Fehler erlaubt, die Leser klug oder doof ... sind!)

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (29.11.2012, 11:53)
Haifischfrau hat geschrieben:
Nein Siegfried! Wenn es hier überhaupt eine Diskussion sein soll / darf, dann müssen doch unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen dazu führen, dass man sie diskutiert!

In diesem Fall empfinde ich deinen Rückzug als desktruktiv. Du bist doch nicht so einer, der geht, wenn / weil andere seine Auffassung nicht teilen?


Der Punkt ist nicht, dass man hier diskutiert. Der Punkt ist, dass aus meinem Textvorschlag ein "Muss" abgeleitet wird.

Ich habe nirgendwo geschrieben, dass man chronologisch erzählen muss - aber prompt wird mir das unterstellt:

Haifischfrau hat geschrieben:
Nun Siegfried, wo steht denn, dass man so eng chronologisch schreiben muss?
(man achte auf das letzte Wort in diesem Zitat!)

Ständig wird mir hier im Forum unterstellt, was ich ins Forum schreibe, ist quasi Gesetz. Ist es nicht. Absolut nicht.

Dieses "muss" in deinem Zitat treibt mich gerade wieder an die Zimmerdecke!

Nein, kein "muss" - es ist nichts weiter als eine mögliche Variante. Ob es um Dialoggestaltung geht oder einleitende Sätze oder das Prinzip von "Show, don't tell" - das alles sind immer nur mögliche Varianten, von denen ich denke, dass sie funktionieren und einen Text verbessern. Es ist aber kein "muss", nur weil ich es hier ins Forum poste.

Die Variante, die mir stilistisch mehr zusagt als die Formulierung mit "ehe" oder "bevor", ist eine (meine) belanglose Meinung. Warum mir daraus jetzt wieder ein Strick gedreht wird nach dem Muster: "so muss man schreiben", verstehe ich nicht. Und deshalb (!) ist die Diskussion für mich beendet.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (29.11.2012, 12:04)
Siegfried, ich stelle dir nun mal eine gepolsterte Leiter hin, damit du von der Decke wieder runterkommst :wink:

Hinter meinem "muss" steht ein Fragezeichen. Und ich halte das, was du schreibst, keineswegs für Gesetz, habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass du dich ernsthaft mit Fragen befasst und gute Hinweise lieferst. Wenn du mir nun unterstellst, ich hätte deine Aussage als "Gesetz" interpretiert, dann könnte ich dich da oben an der Decke glatt besuchen kommen. Aber mit der Birne am Plafond disktuiert es sich unangenehm - ungemütlich, würde ich sagen.

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