Rechtschreibung - alt und neu mischen?

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yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (10.12.2012, 16:31)
@owaki: Das kann ich bestätigen! Ich selber spreche leidlich schwedisch, aber selbst mir graust, wenn ich schwedische Schriftstücke sehe! Mit Schul-Schwedisch hat das wenig zu tun!

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hawepe
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Re: Rechtschreibung - alt und neu mischen?

von hawepe (10.12.2012, 18:26)
Hallo Rico,

ricochet hat geschrieben:
Wenn du nichts erklären möchtest, oder dich nicht gegen den Vorwurtf, fehlerhaft getextet zu haben wehren möchtest, dann schreib einfach nach der neuen Rechtschreibung.


Wenn man das konsequent zu Ende denkt, wäre z.B. ein Arno Schmidt nicht möglich gewesen oder als ein absolut unfähiger Möchtegern-Schriftsteller verteufelt worden.

Allerdings gebe ich gerne zu, dass die meisten Book-on-Demand-Autoren sich nicht über Regeln hinwegsetzen, weil sie diese bewusst brechen wollen, sondern weil sie diese nicht beherrschen und ihr fehlendes Wissen als Ausdruck ihrer Kreativität ausgeben.

Beste Grüße

Heinz

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (10.12.2012, 18:42)
owaki hat geschrieben:
Und schwedische Kommaregeln braucht es eigentlich gar nicht, denn Kommata werden im Prinzip nie gesetzt ...


Glückliche Schweden?
Oder doch unglückliche Schweden?
Oder nur missverständliche Schweden?

Greifen wir in den Fundus der praktischen Anwendung und verzichten dabei schwedengerecht auf die Kommas:

Ich rate ihm zu helfen.

Wie ist der Satz zu verstehen? Soll diesem "ihm" geholfen werden oder fordere ich diesen "ihm" auf, selbst anzupacken und zu helfen?

Ich rate, ihm zu helfen.
Ich rate ihm, zu helfen.


Ein anderer Satz ohne Komma:

Die Bankräuber sind trotz sofortiger Fahndung der Polizei mit einem Hubschrauber entkommen.

Selbst einfache Verbrecher sind heute offenbar hochtechnologisiert und können der Polizei durch die Luft entkommen. Mit Komma wäre die Polizei vermutlich erfolgreicher:

Die Bankräuber sind, trotz sofortiger Fahndung der Polizei mit einem Hubschrauber, entkommen.

Kommas können im Ernstfall sogar Leben retten:

Komm wir essen Opa!

Wenn Opa wüsste, dass er ohne Komma als Hauptmahlzeit verplant ist, würde er vermutlich sehr gerne Satzzeichen setzen:

Komm, wir essen, Opa!

Mitunter macht ein Komma aus einem beliebten Mitmenschen plötzlich einen fiesen Egoisten:

Er dachte an sich selbst zuletzt.

Nun stellen wir die Weltanschauung dieses "Er" mit einem einzigen Komma auf den Kopf:

Er dachte an sich, selbst zuletzt.

Jetzt frage ich mich natürlich, was davon die Schweden halten. cheezygrin

Nachtrag (für die Verheirateten unter uns):

Sie fragt ihn: "Was willst du schon wieder?"

Sie fragt ihn: "Was, willst du schon wieder?"

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Monika K.
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Re: Rechtschreibung - alt und neu mischen?

von Monika K. (10.12.2012, 19:27)
@Siegfried
Knapp vorbei ist auch daneben. cheezygrin Vielen Dank für die Auflösung. Falls du noch Beispiele für deine Kuriositätensammlung brauchst: Papppferd und Teeei.

hawepe hat geschrieben:
Da aber auch nach den alten Regeln dort ein Komma hingehörte, wenn die wörtliche Rede mit einem Fragezeichen oder Ausrufezeichen endete, finde ich es nur konsequent, immer ein Komma zu setzen.


Danke. Darüber habe ich die ganze Zeit nachgedacht. Ich kann mich zwar nur noch schlecht an die alten Regeln erinnern, wie Siegfrieds Test bestätigt, aber mir war so, als gehörte da schon immer ein Komma hin.

-------------

Wie bei allen Dingen, die lange genug zurückliegen, wird auch bei der alten Rechtschreibung inzwischen fleißig an Mythen gestrickt. Da trauert so mancher Regeln nach, die es in Wirklichkeit gar nicht gab.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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ricochet
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Re:

von ricochet (10.12.2012, 19:33)
Anderes Beispiel für die Nützlichkeit von Kommas:

Der Delinquent steht vor dem Galgen. Er hat allerdings ein Gnadengesuch beim Herrscher eingereicht und man erwartet den Boten mit der schriftlichen Nachricht. Der kommt auch und bringt folgende Botschaft:

"Begnadigt ihn, nicht hängen!" Der Delinquent freut sich.
Hätte es geheißen: "Begnadigt ihn nicht, hängen!" wäre es eng für ihn geworden.

LG


rico
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yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (10.12.2012, 21:05)
Zehn Finger habe ich an jeder Hand,
fünf und zwanzig an Händen und Füßen.

Zehn Finger habe ich,
an jeder Hand fünf,
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