Darf ich,geschiedener Vater, über meinen Sohn schreiben?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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mikeminer72
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Darf ich,geschiedener Vater, über meinen Sohn schreiben?

von mikeminer72 (11.12.2012, 09:19)
Hallo zusammen,

wer von Euch kennt sich da aus eigener Erfahrung aus oder weiß so bescheid?
Darf ich als geschiedener Vater mit und über mein Kind schreiben ohne Einwilligung der Mutter; oder hat sie nachher Anrecht auf Teile der Bucheinnahmen oder ggf Vetorecht für die Veröffentlichung?

Es soll ein kindgerechte und leicht biografische Erzählung aus Sicht des 8-jährigen Sohnes werden, wir haben gemeinsames Sorgerecht und in dem Buch wird kein voller Name irgendeiner Person genannt. Außerdem ist das Thema nicht mit der Mutter in Verbindung zu bringen.

Danke und
viele Grüße
Michael
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Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (11.12.2012, 09:58)
Namen ändern... Geschichte etwas ändern..Ort z.B. und schon läuft das :D

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mtg
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Re:

von mtg (11.12.2012, 10:35)
Andreas Adlon hat geschrieben:
Namen ändern... Geschichte etwas ändern..Ort z.B. und schon läuft das :D

Wenn diese Art Rechtsberatung Schule macht, haben die Gerichte wenigstens mal was zu tun ... :roll:

Mein laienhaftes juristisches Bauchgefühl sagt mir Folgendes:

Wenn Du unter Deinem Namen ein Buch veröffentlichst, in dem ein 8-jähriger Junge über biographische Erlebnisse berichtet ... und Du einen 8-jährigen Jungen hast, der dieselbe Biographie hat ... dann dürfte es auch dem Blindesten mit einem Krückstock klar sein, wer hier gemeint ist.

Ist es im Normalfall schon justiziabel, das Persönlichkeitsrecht eines Erwachsenen zu missbrauchen (ich erinnere an Maxim Biller und »Esra«), so liegt der Fall bei einem Kind, dessen (zumindest teilweises) Sorgerecht Du hast, noch anders. Kinder stehen nämlich nicht umsonst in dieser Frage unter besonderem Schutz.

Es steht Dir selbstverständlich frei, eine fiktionale Geschichte zu erzählen - auch aus Sicht eines 8-jährigen Jungen - aber dann ist deutlich zu machen, dass es sich um Fiktion handelt. Nichtsdestotrotz kann es passieren, dass Deine Ex-Frau als Mit-Sorgeberechtigte gegen das Buch und Dich vorgeht ... und das dann auch Auswirkungen auf das Sorgerecht haben kann.

Daher würde ich hier lieber mehr als zu wenig kompetente juristische Beratung einholen.

Und zu Deiner anderen Frage: Ansprüche auf Einnahmen aus den Buchverkäufen hat Deine Ex-Frau natürlich nicht. Aber wenn's ganz schief läuft, musst Du mit evtl. Schadenersatzforderungen Deiner Frau als (Mit-)Sorgeberechtigter Deines Sohnens rechnen ... aber wie gesagt: Hier handelt es sich um mein laienhaftes juristisches Bauchgefühl.

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Klausi
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Re:

von Klausi (11.12.2012, 10:47)
Frage einen Juristen, so bist Du auf der sicheren Seite.
Wer nicht vom Weg abkommt bleibt auf der Strecke

Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (11.12.2012, 11:19)
ich habe eine fiktionale Geschichte mit der Standardklausel

"Handlung und Personen sind frei erfunden, etwaige Übereinstimmung mit realen Person wären rein zufällig und sind nicht beabsichtigt."

einfach mal vorausgesetzt.

MTG:
Du schreibst im ersten Satz "wenn solch eine Rechtsberatung..." (war keine Rechtsberatung, sondern meine Meinung)

und im 2. Satz schreibst du, dass du keine Ahnung hast.

Wie willst du etwas beurteilen, von dem du nichts verstehst?

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mtg
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Re:

von mtg (11.12.2012, 11:29)
Andreas Adlon hat geschrieben:
und im 2. Satz schreibst du, dass du keine Ahnung hast.

Lieber Andreas,

lesen - was Dir ja schwerzufallen scheint - hilft. Genau das habe ich nämlich nicht geschrieben. :P Ich empfahl, kompetente juristische Beratung einzuholen. Die können weder Du noch ich leisten.

Zudem denke ich, der Fragesteller hat eine etwas ausführlichere Antwort mit Pros & Cons verdient, als die von einem Nicht-Juristen - unter »Rechtliches« eingestellte und daher durchaus als »Rechtsberatung« zu verstehende - Freigabe einer Idee.

Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (11.12.2012, 11:34)
also schön

Du und ich können das nicht leisten, weil wir keine Juristen sind: OK

Dem Thread-Eröffner ist, denke ich, bekannt, dass diese Seite nicht

www.frag-einen-anwalt.de

ist.

Also wollte er Meinungen einholen.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (11.12.2012, 11:37)
Ich würde das aus einem ganz anderen Grund nicht tun: Momentan ist der Junge acht Jahre alt und findet wahrscheinlich alles toll, was sein Papa macht. Aber in fünf Jahren kann sich das komplett ändern. Teenager schämen sich sehr schnell für alle möglichen Dinge. Obwohl sie selbst oft sehr viel Privates über sich preisgeben, sind sie sehr empfindlich, wenn Eltern oder Großeltern das tun. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung und hat mit der rechtlichen Frage nichts zu tun. Die würde ich an deiner Stelle ebenfalls mit einem Anwalt besprechen. Der wird sich aber wahrscheinlich auch erst nach Fertigstellung des Buchs dazu äußern können. Es besteht ja auch die Möglichkeit, vor der Veröffentlichung bei der Mutter das schriftliche Einverständnis einzuholen.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.12.2012, 12:03)
Andreas Adlon hat geschrieben:
MTG:
Du schreibst im ersten Satz "wenn solch eine Rechtsberatung..." (war keine Rechtsberatung, sondern meine Meinung)


Laut Gesetz gibt es keine "Meinung zu einem konkreten Rechtsfall".

Ich zitiere einfach mal:

Rechtsdienstleistungsgesetz § 2, Abs. 1

(1) Rechtsdienstleistung ist jede Tätigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten, sobald sie eine rechtliche Prüfung des Einzelfalls erfordert.


Da hier ein konkreter Fall besprochen wird (es geht um den 8-jährigen Sohn von mikeminer72 und die rechtliche Problematik, wenn Wahrheiten aus dessen Leben literarisch verarbeitet werden) und es um Rechtsfragen geht, versteht der Gesetzgeber unter jeder dazu geäußerten "Meinung" eine Rechtsdienstleistung.

In § 2, Abs. 3 schränkt der Gesetzgeber den Begriff die Rechtsdienstleitung ein. Da heißt es unter Punkt 5:

(3) Rechtsdienstleistung ist nicht:
[...]
5. die an die Allgemeinheit gerichtete Darstellung und Erörterung von Rechtsfragen und Rechtsfällen in den Medien,
[...]


Dies bedeutet, dass allgemein formulierte Rechtsfragen diskutiert werden dürfen und nicht als Rechtsdienstleistungen angesehen werden.

Hätte mikeminer72 nicht von "seinem Sohn" und "seiner Scheidung" und den daraus resulutierenden rechtlichen Problemen gesprochen, wäre das alles kein Thema. Hier geht es aber um einen konkreten Fall - also Rechtsdienstleistung!

Unwissenheit schützt vor Abmahnung nicht! cheezygrin

Andreas Adlon
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Re:

von Andreas Adlon (11.12.2012, 14:04)
Siegfried:

konkret geht es um den Sohn von mikeminer72

Ich behaupte, mikeminer72 ist ein nickname, gibt es in der Realität gar nicht, also reden wir hier über Luftschlösser cheezygrin

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mtg
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Re:

von mtg (11.12.2012, 14:53)
Andreas Adlon hat geschrieben:
Ich behaupte, mikeminer72 ist ein nickname, gibt es in der Realität gar nicht, also reden wir hier über Luftschlösser cheezygrin

Si tacuisses ... :roll:

mikeminer ist ein Nickname - aber einer, der sehr dicht am Realnamen ist. Und reale Menschen neigen gelegentlich dazu, Kinder zu haben.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.12.2012, 15:28)
Andreas Adlon hat geschrieben:
konkret geht es um den Sohn von mikeminer72

Ich behaupte, mikeminer72 ist ein nickname, gibt es in der Realität gar nicht, also reden wir hier über Luftschlösser cheezygrin


Wenn ich mir das Profil von mikeminer72 ansehe, steht da ein Name in Klartext. Der Link im Profil führt zu einer Website mit einem Impressum, wo eine postalische Anschrift genannt wird. Das Luftschloss ist sehr konkret.

Und wenn ein Nickname zu Luftschlössern führt, wodurch man sich im rechtsfreien Raum wähnt - wie sieht es dann mit Büchern aus, die gegen Gesetze verstoßen, wo aber der Autorenname ein Pseudo ist? Darf der Autor dann nicht belangt werden?

Oder wenn hier jemand unter erfundenem Nicknamen kinderpornografische Bilder anbietet - deshalb keine Relevanz für rechtliche Belange?

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Klopfer
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Re:

von Klopfer (11.12.2012, 17:05)
Ich teile Monikas Bedenken, ob der Junge die Sache auch in ein paar Jahren noch prima finden wird, vielleicht findet er es dann auch einfach peinlich.
Außerdem stellt sich mir die Frage, warum du das eigentlich als Buch veröffentlichen willst (erst recht, wenn sich dadurch solche rechtlichen Fragen auftun).
Dein Sohn ist für dich sicherlich das Wichtigste auf der Welt. Aber ganz ehrlich: Warum soll jemand außerhalb deiner Familie eine Biografie über einen Achtjährigen lesen wollen? (Schon die meisten Biografien von alten Menschen sind eher unspannend.) Mein Rat wäre, es einfach für dich und deinen Sohn zu schreiben, aber nicht für den Rest der Welt. Dann sparst du dir auch die ganzen rechtlichen Überlegungen.

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