Urheberrechtsklage: Loriot-Biografie wird vom Markt genommen

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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Seshmosis
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Urheberrechtsklage: Loriot-Biografie wird vom Markt genommen

von Seshmosis (16.01.2013, 16:18)
Urheberrechtsklage: Loriot-Biografie wird vom Markt genommen

http://unterhaltung.t-online.de/loriot- ... 1736/index

Einfach zitieren geht nicht!
"Das Zitatrecht hat ein Autor nur dann, wenn er sich mit dem Zitat auseinandersetzt, nicht aber um sein eigenes Buch mit den Gedanken eines anderen zu schmücken."

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mtg
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Re:

von mtg (16.01.2013, 16:27)
Interessant sind die Kommentare zum Artikel. Man merkt deutlich, dass das Rechtsempfinden in der Gesellschaft deutlich gelitten hat. Hier wird u.a. das Argument »Geld« eingeführt, obwohl es in der Verhandlung gerade nicht darum ging: Die Kosten werden geteilt - Schadenersatzforderungen oder dergl. gibt es nicht.

Der Artikel - und damit auch das Urteil - ist eine Wohltat, denn die Begründung für die Entscheidung steht im Vordergrund. Das ist ausgesprochen selten ...

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (16.01.2013, 17:24)
Damit dürfte für viele Leute jetzt auch der Fall geklärt sein, ob man ein Zitat über den Beginn eines Kapitels stellen darf.

Nach Lage der Dinge - und der Aussage des Richters - ist das eine Urheberrechtsverletzung.

Was mich jetzt aber noch interessiert: Wie sieht das urheberrechtsmäßig mit Zitat-Sammlungen aus? :shock::

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mtg
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Re:

von mtg (16.01.2013, 17:26)
Siegfried hat geschrieben:
Damit dürfte für viele Leute jetzt auch der Fall geklärt sein, ob man ein Zitat über den Beginn eines Kapitels stellen darf.

So pauschal würde ich das nicht sagen. Wenn man sich in dem Kapitel mit dem Zitat inhaltlich auseinandersetzt, müsste man es nach meinem Verständnis dürfen. Nur eben nicht, »weil es so schön« ist ...

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (16.01.2013, 17:41)
Ich denke, es kommt immer auf den Sinnzusammenhang an.

Beispiel der Anfang meines Romans "Der Nomadengott":

Vorrede: Götter an und für sich
„Wo keine Götter sind, herrschen die Gespenster“, Novalis


Obwohl ich mich im Folgenden nicht mit Novalis' Zitat direkt beschäftige, ist es im Sinnzusammenhang sicher gerechtfertigt.
Ganz davon abgesehen, dass das Zitat so alt ist, dass das Urheberrecht nicht mehr greift.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (16.01.2013, 17:50)
Das Urheberrecht endet in Deutschland 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Mit älteren Texten ist man also auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Aus dem wissenschaftlichen Bereich kenne ich diese Regelung bezüglich Einbindung von Zitaten eigentlich schon immer in dieser Form. Dort würden reine Zitate auch überhaupt keinen Sinn ergeben. Zumindest schlägt es sich angeblich in der Note nieder, wenn in einer Bachelor-Thesis nur fremde Texte aneinandergereiht werden - ohne eigene Leistung.

edit:
Hatte der Riva-Verlag nicht letzten Sommer schon einmal Ärger mit Urheberrechtsverletzungen in einer Twitter-Sprüche-Sammlung? Mal recherchieren... book:

edit:
Ich wurde fündig:
http://www.tagesspiegel.de/medien/riva- ... 88788.html
Zuletzt geändert von Monika K. am 16.01.2013, 17:55, insgesamt 2-mal geändert.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

holz
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Re:

von holz (16.01.2013, 17:52)
Siegfried hat geschrieben:

Was mich jetzt aber noch interessiert: Wie sieht das urheberrechtsmäßig mit Zitat-Sammlungen aus? :shock::


Dazu wird meist verwiesen auf
Bundesgerichtshof, Urteil vom 22. September 1972 – I ZR 6/71 (OLG Hamburg)
Amtlicher Leitsatz:
Für die Aufnahme urheberrechtlich geschützter Textstellen in eine sogenannte Zitatensammlung, bei der sich der eigenpersönliche Beitrag des Herausgebers einer solchen Zusammenstellung im wesentlichen in der Auswahl und Gliederung des Entlehnten erschöpft, bedarf es der Erlaubnis der Inhaber des Urheberrechts an den entlehnten Textstellen.

http://de.wikisource.org/wiki/Bundesger ... ner_Zitate

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hawepe
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Re:

von hawepe (18.01.2013, 18:58)
Hallo,

mich überrascht eigentlich nur, wie man über das Urteil überrascht sein kann. Wenn alle Gesetze so klar formuliert wären wie das Gesetz über das Urheberrecht, wäre das Leben viel einfacher.

Aber vermutlich hat der Verlag das von vorneherein einkalkuliert. Werbeanzeigen wären vermutlich teurer und weniger öffentlichkeitswirksam gewesen. Mich würde nicht wundern, wenn die erste Auflage nach der Veröffentlichung der Entscheidung sehr schnell ausverkauft war.

Beste Grüße

Heinz

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