Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazon

ISBN, VLB, Barsortiment, E-Book-Verleih und Buchhandel: Alles rund um den Buchvertrieb.


Benutzeravatar
Udo Ehrich
Beiträge: 230
Registriert: 11.02.2012, 12:05

Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazon

von Udo Ehrich (14.02.2013, 22:11)
Am 24. Februar 2013 kommt im Fernsehen im HR um 18:30 Uhr der Beitrag: »Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazon« Sehr sehenswerter Beitrag. Er lief heute Nacht bereits in der ARD.

http://programm.daserste.de/pages/Recherche/DetailArd.aspx?id=6BDF29B9C8A42400E9B8AB9CA1BCDE01

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5980
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von Siegfried (15.02.2013, 02:06)
Udo Ehrich hat geschrieben:
Am 24. Februar 2013 kommt im Fernsehen im HR um 18:30 Uhr der Beitrag: »Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazon« Sehr sehenswerter Beitrag. Er lief heute Nacht bereits in der ARD.


Warum warten? Hier ist der Film in der ARD Mediathek:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/re ... d=13402260

Der entscheidende Satz kommt ziemlich am Anfang:
"Wie weit darf billig gehen?"

Und das Thema hatten wir vor wenigen Tagen hier im Forum in einem ganz anderen Zusammenhang

Ach ja ... Billig-Lasagne enthält jetzt Rindfleisch, das früher einmal auf der Weide gewiehert hat. :twisted:

Wenn wir nicht bereit sind, für vernünftige Qualität die entsprechenden Preise zu zahlen, dann wird sich da nichts verändern.

Was mich jetzt interessieren würde: Wer von uns hier regt sich über die Verhältnisse bei Amazon so stark auf, dass er Amazon den Verkauf seines E-Books entzieht? :shock:: :twisted: cheezygrin

Benutzeravatar
Atlan_Gonozal
Beiträge: 406
Registriert: 19.03.2008, 17:01
Wohnort: Puchheim

Re:

von Atlan_Gonozal (15.02.2013, 11:29)
Dieses Sendung macht verdammt traurig und wütend. Es ist unbegreiflich, in welchen Verhältnissen wir hier gelandet sind und vermutlich kann man nichts dagegen tun, außer, Amazon bei Bestellungen jeglicher Art in Zukunft außen vor zu lassen.

Amazon spart übrigens noch mit jeder Menge Tricks reichlich Steuern in Deutschland.

Diese Zustände wird es vermutlich in vielen Branchen geben, ich sag nur: Baustellen.

Eine solche Sendung gehört eigentlich groß angekündigt um 20:15 Uhr ins Abendprogramm. Soweit sind dann leider die ARD-Entscheider doch nicht gegangen, aber ich finde es gut, daß sowas überhaupt gesendet wird.
Bücher sind mein Leben - http://www.karsten-heimer.de

Benutzeravatar
chiquitita
Beiträge: 1008
Registriert: 21.09.2007, 14:07
Wohnort: Bayern

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von chiquitita (15.02.2013, 11:48)
Siegfried hat geschrieben:

Was mich jetzt interessieren würde: Wer von uns hier regt sich über die Verhältnisse bei Amazon so stark auf, dass er Amazon den Verkauf seines E-Books entzieht? :shock:: :twisted: cheezygrin


Siegfried, das ist genau die Klemme in der wir stecken. Auf der einen Seite profitieren wir davon, dass Amazon unsere Bücher verkauft, auf der anderen Seite prangern wir deren Umgang mit ihren Mitarbeitern an. Ich weiß nicht, ob ich BoD zwingen kann, dass sie meine Bücher nicht mehr über Amazon verkaufen. Die Sache ist doch viel tiefgreifender. Die Politik wäre gefragt und die tut nichts. Frau von der Leyen wäre als Erste gefragt, diese unwürdigen Umstände abzustellen. Wenn aber deren Arbeitsagenturen da fleißig mitmischen und diese Praktiken sogar noch unterstützen, dann kann man als "kleiner Mann" bzw. "kleine Frau" nur seinen Protest in dem Maße zum Ausdruck bringen, indem man da einfach nichts mehr kauft. Außerdem glaube ich, dass Amazon inzwischen mehr Umsatz durch den Verkauf von Elektronik- und Haushaltsgeräten macht, als durch Bücher. Meinen Laptop habe ich in einem kleinen Laden, der von zwei jungen, pfiffigen Kerlen geführt wird, vor Ort gekauft. Er war zwar 50 Euro teurer, aber als Ansprechpartner sind die Jungs viel mehr wert als 50 Euro.

Atlan_Gonozal hat geschrieben:
Eine solche Sendung gehört eigentlich groß angekündigt um 20:15 Uhr ins Abendprogramm.


ganz Deiner Meinung.

@ Udo - danke für den Hinweis.

Gruß Uschi

Benutzeravatar
Udo Ehrich
Beiträge: 230
Registriert: 11.02.2012, 12:05

Re:

von Udo Ehrich (15.02.2013, 15:03)
Siegfried, ehrlich gesagt rege ich mich darüber auf und wenn es von mir abhinge, würden meine Bücher nicht mehr bei Amazon angeboten. Schöner noch wäre es natürlich, wie chiquitia geschrieben hat, wenn BoD überhaupt oder alle BoD-Autoren ihre Bücher nicht mehr bei Amazon anbieten würden, weil dies Amazon sicherlich deutlich mehr spüren würde als wenn einzelne Autoren das machen. Amazon-Kunde bin ich ohnehin nicht und werde allemal als Konsequenz bei der Bewerbung meiner Bücher andere Buchhändler empfehlen.

Daß die Arbeitsagentur da auch noch kräftig Beihilfe leistet, ist umso trauriger, aber letztlich ist das politisch gewollt, denn die Damen und Herren von der Agentur führen letztlich nur aus, was politisch vorgegeben ist. Genau das ist ja der Konflikt, den chiquitia zutreffend beschrieben hat: Wirksam könnte dagegen eigentlich nur die Politik vorgehen, denn, wie gesagt, wenn es nicht gerade eine Massenbewegung der Verbraucher weg von Amazon gibt, wird alles andere nicht viel bringen. Jedoch: Ich kaufe ohnehin nicht bei Amazon ein und werde es auch künftig unterlassen.

Sir Adrian Fish
Beiträge: 425
Registriert: 30.09.2007, 19:23
Wohnort: Hamburg

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von Sir Adrian Fish (15.02.2013, 15:07)
chiquitita hat geschrieben:
Die Politik wäre gefragt und die tut nichts. Frau von der Leyen wäre als Erste gefragt, diese unwürdigen Umstände abzustellen. Wenn aber deren Arbeitsagenturen da fleißig mitmischen und diese Praktiken sogar noch unterstützen, dann kann man als "kleiner Mann" bzw. "kleine Frau" nur seinen Protest in dem Maße zum Ausdruck bringen, indem man da einfach nichts mehr kauft. (...)


Na ja, es ist halt schön einfach und entlastet das Gewissen, es an die politische Ebene zu deligieren. Aber warum sollte die Politik reagieren, wenn es dem "kleinen Mann" eigentlich egal ist. Und mal ehrlich..., mittlerweile wickle ich persönlich einen Großteil meiner mulitmedialen Käufe (Bücher, CDs, DVDs, EDV-Komponenten, HIFI...) über Amazon ab, da diese schnell, gut und preiswert und einen hervorragenden Service bieten. Diese Betrachtung natürlich immer aus Sicht eines Kunden.

Aber mal ehrlich, ob nun Kik, MediaMarkt, Karstadt, Aldi, Lidl, Penny oder Edeka... was den Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Bezahlung angeht, tun die sich doch inzwischen alle nichts mehr.
Zuletzt geändert von Sir Adrian Fish am 15.02.2013, 19:25, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
chiquitita
Beiträge: 1008
Registriert: 21.09.2007, 14:07
Wohnort: Bayern

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von chiquitita (15.02.2013, 16:47)
Sir Adrian Fish hat geschrieben:
[b]
Na ja, es ist halt schön einfach und entlastet das Gewissen, es an die politische Ebene zu deligieren.

Wohin soll man es denn sonst "deligieren" (sic). Die Herrschaften sind vom Volk gewählt, dass sie entsprechende Gesetze machen, um solche Missstände abzuschaffen. Punkt. basta.

Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Aber warum sollte die Politik reagieren, wenn es dem "kleinen Mann" eigentlich egal ist.


Mir ist es nicht egal !


Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Und mal ehrlich..., mittlerweile wickle ich persönlich einen Großteil meiner mulitmedialen Käufe (Bücher, CDs, DVDs, EDV-Komponenten, HIFI...) über Amazon ab, da diese schnell, gut und preiswert und einen hervorragenden Service bieten. Diese Betrachtung natürlich immer aus Sicht eines Kunden.


mit anderen Worten:Dir ist es egal. Hast Du überhaupt den Fernsehbericht gesehen?

Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Aber mal ehrlich, ob nun Kik, MediaMarkt, Karstadt, Aldi, Lidl, Penny oder Edeka... was den Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Bezahlung angeht, tun die sich doch inzwischen alle nichts mehr.


Auch dafür wären unsere sogenannten "Volksvertreter" zuständig.

Heute erschien übrigens in der FAZ dazu auch ein Artikel. Der im Bericht gezeigte Sicherheitsdienst H.E.S.S (welch bezeichnender Name) war absolut krass. An was hat der mich bloß erinnert ???
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/u ... 80623.html
Die entsprechenden Kommentare sind lesenswert. Da wird sich nichts ändern. :-(

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5980
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von Siegfried (15.02.2013, 17:14)
chiquitita hat geschrieben:
Die Sache ist doch viel tiefgreifender. Die Politik wäre gefragt und die tut nichts.


Das sehe ich ganz anders. Nicht die Politik ist gefragt - wir sind gefragt.

Warum ist Amazon so groß geworden, wie Amazon es ist? Weil wir nicht mehr in den kleinen Laden an der Ecke gehen, sondern bequem und vor allem billig (!!!) vom Sofa aus bestellen.

Amazon ist doch nur ein Symptom für unser Kaufverhalten. Wenn ich einen neuen Fernseher brauche, dann gehe ich zu den Mega-Verkäufern wie "Saturn" oder "MediaMarkt" und nicht zum kleinen Elektronikhändler in der Nebenstraße. Weil bei MediaMarkt der Fernseher 50 Euro billiger ist. Warum ist er billiger? Weil dort Zeitarbeitskräfte für 10 Euro die Stunde beschäftigt werden.

Ein Vielzahl kleiner Fachgeschäfte - zum Beispiel Bäcker oder Metzger- haben zugemacht, weil sie die Preise der großen Supermarktketten nicht unterbieten können. Ein Brötchen darf eben nicht 60 Cent, sondern nur 30 Cent kosten. Dass die Regale in den großen Supermärkten von Zeitarbeitsfirmen mittel Hartz-IV-Empfängern aufgefüllt werden, interessiert uns nicht, wenn wir 30 Cent je Brötchen sparen können.

Wir diskutieren bei Amazon keine Verstöße gegen Recht und Gesetz - da wäre schnell ein entsprechender Gerichtsprozess am Laufen -, wir diskutieren hier moralische Fragen. Und Moral fängt bei uns selbst an und betrifft logischerweise sofort das eigene Portemonnaie. Moral kostet eben Geld. Deshalb müssen wir entscheiden, und nicht die Politik. Wenn die Politiker nichts tun, ist das für uns nichts weiter als die Beruhigung unseres Gewissens, wenn wir unser (Kauf-)Verhalten nicht ändern.

Erinnert sich noch jemand daran, wie Lidl, Aldi oder Schlecker mit ihren Mitarbeitern umgesprungen sind? Und? Die Leute rennen wegen der billigen Preise weiterhin in diese Läden.

In England wird derzeit der E-Book-Buchmarkt preislich aufgerollt. E-Books zu Cent-Preisen - und die Leute finden es gut. Andernorts wird gegen die Buchpreisbindung gewettert und dabei übersehen, dass genau diese Buchpreisbindung verhindert, dass die Großen die Kleinen dann fertigmachen können. Aber im Hintergrund steht immer der gleiche Käufergedanke: Hauptsache billig!

Billig und Moral, das ist ziemlich kompliziert ...

Sir Adrian Fish
Beiträge: 425
Registriert: 30.09.2007, 19:23
Wohnort: Hamburg

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von Sir Adrian Fish (15.02.2013, 19:38)
chiquitita hat geschrieben:
Wohin soll man es denn sonst "deligieren" (sic). Die Herrschaften sind vom Volk gewählt, dass sie entsprechende Gesetze machen, um solche Missstände abzuschaffen. Punkt. basta.


Ja, das mag richtig sein. Aber wir sind das Volk. Und unsere lieben Volksvertreter können nur so gut sein, wie das Volk ist.

chiquitita hat geschrieben:
Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Aber warum sollte die Politik reagieren, wenn es dem "kleinen Mann" eigentlich egal ist.


Mir ist es nicht egal !


Prima! Dann kannst du ja "konsequent" deinen Teil zur Lösung der Problematik beitragen. Dann aber bitte schön auch mal hinter die Kulissen schauen (Bekleidungsherstellende Industrie, Fleischverarbeitende Industrie...). Es gäbe eine Menge zu beachten.


chiquitita hat geschrieben:
Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Und mal ehrlich..., mittlerweile wickle ich persönlich einen Großteil meiner mulitmedialen Käufe (Bücher, CDs, DVDs, EDV-Komponenten, HIFI...) über Amazon ab, da diese schnell, gut und preiswert und einen hervorragenden Service bieten. Diese Betrachtung natürlich immer aus Sicht eines Kunden.


mit anderen Worten:Dir ist es egal. Hast Du überhaupt den Fernsehbericht gesehen?


Das Thema ist nicht neu und ebenso bekannt wie die Themen "LIDL, KIK, H&M, DHL" etc..

chiquitita hat geschrieben:
Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Aber mal ehrlich, ob nun Kik, MediaMarkt, Karstadt, Aldi, Lidl, Penny oder Edeka... was den Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Bezahlung angeht, tun die sich doch inzwischen alle nichts mehr.


Auch dafür wären unsere sogenannten "Volksvertreter" zuständig.


Sobald wir (das Volk!) in größerem Umfang aktiv werden, werden auch unsere Volksvertreter tätig werden (müssen).

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5980
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von Siegfried (15.02.2013, 20:42)
Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Sobald wir (das Volk!) in größerem Umfang aktiv werden, werden auch unsere Volksvertreter tätig werden (müssen).


Mein Reden!

Warum ist das deutsche Privat-Fernsehen so grottig schlecht?
Weil die Leute es sich ansehen. Würden sie es nicht, müssten sich die Fernsehsender ein anderes Programm ausdenken. Brauchen sie aber nicht, weil der deutsche Fernsehzuschauer sich lieber Schrott anschaut statt abzuschalten.

Warum ist die BILD Deutschlands auflagenstärkste Zeitung und nicht etwa DIE ZEIT?
Weil die Leute dieses Hass-Angst-Titten-Wetterbericht-Blatt kaufen. Weil dieses Blatt bekanntermaßen als Erstes mit dem Toten gesprochen hat. Dem deutschen Zeitungsleser reicht eine Zeitung, die gerade einmal über einen Wortschatz von 800 Wörtern verfügt.

Diese Welt ist das, was WIR daraus machen. Nicht die Politiker.

Nachtrag:
Ein Verlag reagiert!

http://www.chsbooks.de/adieu-amazon/

Benutzeravatar
Klopfer
Beiträge: 264
Registriert: 15.01.2011, 02:43
Wohnort: Berlin

Re:

von Klopfer (15.02.2013, 23:08)
Man sollte die Sache etwas nüchterner betrachten und nicht sofort dem Impuls nachgeben und einen Boykott von Amazon fordern.
Es ist klar, dass das Geschäft von Amazon saisonalen Schwankungen unterworfen ist und deswegen nicht alle Mitarbeiter langfristig eingestellt werden können. Insofern wundert es wohl nicht, wenn die Dienste von Zeitarbeitsfirmen in Anspruch genommen werden. Im Endeffekt muss man dann prüfen, welche Missstände tatsächlich von Amazon ausgehen und welche auf das Konto der Zeitarbeitsfirma gehen. Diese Fascho-Sicherheitsfirma ist ja anscheinend nicht direkt von Amazon beauftragt worden; ich bezweifle auch, dass Amazon irgendwo die Anweisung gegeben hat: "Heuert ein paar Nazis an, um auf die Leute aufzupassen."
Kann man Amazon boykottieren? Ja. Aber es ist nicht der einzige Weg. Man kann sich auch beschweren. Einen guten Kunden zu halten, ist Amazon vermutlich wichtiger, als jemanden zurückzuholen, den man schon verloren hat.

Benutzeravatar
Udo Ehrich
Beiträge: 230
Registriert: 11.02.2012, 12:05

Re: Fernsehbericht: Ausgeliefert! Die Leiharbeiter bei Amazo

von Udo Ehrich (15.02.2013, 23:19)
Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Na ja, es ist halt schön einfach und entlastet das Gewissen, es an die politische Ebene zu deligieren. Aber warum sollte die Politik reagieren, wenn es dem "kleinen Mann" eigentlich egal ist. Und mal ehrlich..., mittlerweile wickle ich persönlich einen Großteil meiner mulitmedialen Käufe (Bücher, CDs, DVDs, EDV-Komponenten, HIFI...) über Amazon ab, da diese schnell, gut und preiswert und einen hervorragenden Service bieten. Diese Betrachtung natürlich immer aus Sicht eines Kunden.

Aber mal ehrlich, ob nun Kik, MediaMarkt, Karstadt, Aldi, Lidl, Penny oder Edeka... was den Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Bezahlung angeht, tun die sich doch inzwischen alle nichts mehr.


Also erst mal hat chiquitita nun wirklich Recht, wenn sie sagt, daß die Politik zuständig ist, denn die Politik sollte in einer Demokratie über das Miteinander der gesellschaftlichen Akteure das letzte Wort haben. Im übrigen sind diese ganzen prekären Beschäftigungsverhältnisse, die es gibt, ja auch Ausfluß politischer Entscheidungen: Der Arbeitsmarkt wurde in den letzten zehn Jahren erheblich Dereguliert, was diese ganze Misere überhaupt ermöglichte.

Darüber hinaus ist gerade in Bezug auf Büchern die Frage, ob es bei Amazon preiswert ist, kein Argument, denn Bücher unterliegen der Buchpreisbindung. Es gibt zahlreiche Anbieter, die Bücher inzwischen auch kostenlos versenden (buch.de, buecher.de, thalia.de, ...) und überdies kann man Bücher auch immer noch im stationären Buchhandel kaufen.

Mich stört es auch, wie Amazon handelt, und ich bin absolut der Meinung, daß auch wir als Autoren gut daran tun, uns zu überlegen, welche Schlußfolgerung wir aus solchen Vorgängen ziehen. Und daß andere Geschäfte das auch tun - wird es etwa dadurch besser? Seit wann ist der Tatbestand, daß ein Mißstand bereits um sich gegriffen hat, ein Grund, nichts dagegen tun zu wollen?

Benutzeravatar
Udo Ehrich
Beiträge: 230
Registriert: 11.02.2012, 12:05

Re:

von Udo Ehrich (15.02.2013, 23:26)
Klopfer hat geschrieben:
Diese Fascho-Sicherheitsfirma ist ja anscheinend nicht direkt von Amazon beauftragt worden; ich bezweifle auch, dass Amazon irgendwo die Anweisung gegeben hat: "Heuert ein paar Nazis an, um auf die Leute aufzupassen."


Bei Amazon ist eben alles billig. Auch die Ausreden. Es mag ja sein, daß nicht Amazon direkt diesen Sicherheitsdienst angeheuert hat, aber es passierte in Amazons Namen. Und eigentlich sollte sich das Unternehmen dafür interessieren, was in seinem Namen geschieht. Tut Amazon aber offenbar nicht. Hier ging's nur um billig. Und wer sich nicht für seine Mitarbeiter interessiert, der nimmt auch billigend in Kauf, daß solche Dinge passieren. Warum soll Amazon sich auf diese Weise aus der Verantwortung für das, was in seinem Namen passiert, stehlen dürfen?

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5980
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (16.02.2013, 01:37)
Udo Ehrich hat geschrieben:
Es mag ja sein, daß nicht Amazon direkt diesen Sicherheitsdienst angeheuert hat, aber es passierte in Amazons Namen. Und eigentlich sollte sich das Unternehmen dafür interessieren, was in seinem Namen geschieht. Tut Amazon aber offenbar nicht. Hier ging's nur um billig. Und wer sich nicht für seine Mitarbeiter interessiert, der nimmt auch billigend in Kauf, daß solche Dinge passieren. Warum soll Amazon sich auf diese Weise aus der Verantwortung für das, was in seinem Namen passiert, stehlen dürfen?


Stiehlt Amazon sich aus der Verantwortung? Ist das so?

Ein paar im Internet gefundene Angaben:

Amazon stellt erstmalige Saisonkräfte zu einem Stundensatz von 9,30 Euro brutto ein, wer mehrfach angeheuert wird, erhält über 10 Euro brutto pro Stunde.

Zum Vergleich: Der Stundenlohn beim Spargelstechen lag 2012 bei 6,50 bis 7,00 Euro. Erntehelfer in den Weinregionen bekommen etwa den gleichen Betrag.

Die Arbeit bei Amazon findet u. a. in der Nacht statt. Wenn der Kunde Auslieferungen innerhalb von 24 Stunden erwartet, ist das anders nicht machbar. Die Beschwerden im Film, dass man mitten in der Nacht zur Arbeit muss, kann ich nicht nachvollziehen.

Amazon hat wegen der eigenartigen Kontrollen der Aushilfskräfte eine Überprüfung des Sicherheitsdienstes angekündigt. Zitat Amazon: "Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.“ Weiter: Amazon dulde „keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung“.

Amazon zum ARD-Beitrag: "Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stundenwoche 1400 Euro brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1500 Euro im Monat. Diese Beträge wurden per Vertrag auch dann bezahlt, wenn nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde.“ - Was von diesem Betrag tatsächlich bis zum Mitarbeiter kommt, ist Sache der Zeitarbeitsfirmen.

Dass Aushilfskräfte aus dem Ausland angeheuert werden, hat durchaus etwas mit der Arbeitsmoral der deutschen Bevölkerung zu tun. Wenn angebotene Stellen nicht durch Deutsche besetzt werden können, was soll Amazon dann tun?

Wenn Saisonkräfte aus dem Ausland für zwei oder drei Monate engagiert werden, welche Möglichkeiten bestehen für deren Unterbringung? Sollen die Leute sich für diesen kurzen Zeitraum eine Mietwohnung nehmen? Die Unterbringung von Saisonkräften ist immer ein Problem. Das gilt auch für Spargelstecher oder Wein-Erntehelfer. Verzichtet ihr jetzt auf die nächste Flasche Wein, weil ihr über die Behandlung der Weinlese-Arbeiter empört seid?

Was wirklich falsch ist am ganzen Konzept, das ist der Verstoß gegen die Grundregel "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Prinzipiell müsste in allen Branchen eine Zeitarbeitskraft den gleichen Lohn erhalten wie Festangestellte. Da die Zeitarbeitsfirma Gewinn anstrebt, wären Zeitarbeitskräfte im Endeffekt teurer für Unternehmen als Festangestellte. Für diesen Mehrpreis hat das Unternehmen aber das Recht, den Arbeitsvertrag mit Zeitarbeitskräften kurzfristig und ohne Angaben von Gründen zu kündigen. Da wir in Deutschland aber noch nicht einmal einen generellen Mindestlohn hinbekommen, ist "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" wohl völlig illusorisch.

Was mir persönlich in dieser Angelegenheit sehr viel mehr Gedanken bereitet, ist die in der Gesellschaft um sich greifende Unart des "ShitStorms". Für mich grenzt das an Massenmobbing und Sippenhaft, was da veranstaltet wird. Solche "ShitStorms" greifen um sich. Das betrifft jetzt nicht nur den aktuellen Amazon-Fall, sondern geht in alle möglichen Bereiche, wenn jemand in der Öffentlichkeit eine Meinung vertritt, die nicht mehrheitsfähig ist. Statt sich mit den Argumenten der Minderheitenseite auseinanderzusetzen, wird der Andere niedergebrüllt und konsequent aus der Diskussion ausgegrenzt. "ShitStorm" ist immer Ausgrenzung, niemals Diskussion. Aber das scheint die Kultur der Gegenwart und der Zukunft zu sein. Widerlich!

Lennet

Re:

von Lennet (16.02.2013, 02:30)
Die User-Meinungen bei Golem fand ich ganz informativ:
http://forum.golem.de/kommentare/wirtsc ... ,list.html

Zurück zu „Buchhandel und Vertrieb“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.