Was ist Wahrheit?

Präsentiert euren Roman, Thriller, Fantasy-, Science-Fiction-, Romance-Titel oder euer Kinderbuch.


Benutzeravatar
Isautor
Beiträge: 1452
Registriert: 29.10.2011, 14:02

Re:

von Isautor (13.04.2013, 17:45)
Diese "wilden" Stämme erziehen ihre Kinder zu seelisch gesunden, sozialen, gemeinschaftsfähigen, rücksichtsvollen Erwachsenen. Und das mit gewaltfreien Methoden. Und ganz ohne Christentum.
Da könnte sich manch einer ne Scheibe von abschneiden.
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

Benutzeravatar
Klonschaf
Beiträge: 532
Registriert: 18.04.2011, 15:35

Re:

von Klonschaf (13.04.2013, 17:47)
Siegfried, ich sehs auch so, so Begriffe wie "Hottentotten" und "Wilde" etc. sind überhaupt nicht fein.

Allerdings wundert mich doch jetzt eines ... du scheinst es mit der Political Correctness ein wenig eklektizistisch und taktisch zu handhaben, wenn ihc mich nämlihc recht erinnere, hattest noch andernorts dich dafür eingesetzt, begriffe wie "Zigeuner" etc in Büchern doch bitte NICHT an die heutigen Erfordernisse (der political Correctness) anzupassen.

Oder hab ich dich da falsch verstanden???

Ach ja,

Die Kickers haben auswärts bei Wacker Burghausen 1:4 GEWONNNEN!!!!

Benutzeravatar
Seshmosis
Beiträge: 644
Registriert: 09.10.2007, 20:49
Wohnort: Binzwangen

Re:

von Seshmosis (13.04.2013, 18:15)
@ Klonschaf

Es ist ein erheblicher Unterschied, ob ich Bücher nachträglich dem Zeitgeist anpasse oder ob ich selbst in der Gegenwart in meinen Postings solch diskriminierenden Begriffe verwende bzw. gar die Herrenmenschen-Mentalität der Vergangenheit postuliere.

Benutzeravatar
Klonschaf
Beiträge: 532
Registriert: 18.04.2011, 15:35

Re:

von Klonschaf (13.04.2013, 18:30)
@Seshmosis

Na ja, Bücher haben ja sehr großen Einfluss auf Kinder und Jugendliche, daher kann man da drüber echt streiten!

Außerdem geht es da meiner Meinung nach um mehr als nur Anpassung an den Zeitgeist - mit der Wahl des Begriff des Zeitgeists (der sich ja bekanntlich immer wieder mal ändert) wird ja sozusagen suggeriert, dass sich die Bewertung von Begriffen wie "Neger", "Zigeuener" wieder verschieben könnte und es eines Tages dann wieder salonfähig werden könnte, solche abwertenden Begriffe zu verwenden.

Womit ich dir jetzt überhaupt nichts unterstellen wollte - meine das mal so allgemein.

Benutzeravatar
Seshmosis
Beiträge: 644
Registriert: 09.10.2007, 20:49
Wohnort: Binzwangen

Re:

von Seshmosis (13.04.2013, 18:43)
@ Klonschaf

Es ist doch ein großer Unterschied, ob Mark Twain in "Tom Sawyer" das Wort "Nigger" verwendet oder ob MichaelHA hier postuliert, er und die Seinen hätten den "Hottentotten" die Kultur gebracht.
Das Eine sind gedruckte Bücher mit einem historischen Kontext, das Andere - na ja, das möge jeder selbst beurteilen.

PS: Meine südafrikanischen (sehr dunkel pigmentierten) Freunde wird es sicher interessieren, wie deutsche Anthroposophen ihre Vorfahren sehen
- sozusagen "Die Neger in anthroposophischen Zusammenhängen".

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5792
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (13.04.2013, 18:52)
Klonschaf hat geschrieben:
Allerdings wundert mich doch jetzt eines ... du scheinst es mit der Political Correctness ein wenig eklektizistisch und taktisch zu handhaben, wenn ihc mich nämlihc recht erinnere, hattest noch andernorts dich dafür eingesetzt, begriffe wie "Zigeuner" etc in Büchern doch bitte NICHT an die heutigen Erfordernisse (der political Correctness) anzupassen.

Oder hab ich dich da falsch verstanden???


Nein, du hast mich da nicht falsch verstanden. Es ging mir bei der Diskussion um "Neger", "Zigeuner", "Hexe" & Co. um den Erhalt der Authentizität des Werkes.

Ein Beispiel (Text aus Harper Lees "Wer die Nachtigall stört"):

Solange Jem und ich klein waren, hatte sich unser Tun und Treiben auf die südliche Nachbarschaft beschränkt. Später aber, gegen Ende meines zweiten Schuljahres, als wir es aufgegeben hatten, Boo Radley herauszulocken, wandte sich unser Interesse den Geschäften von Maycomb zu, und so kamen wir oft an Mrs. Henry Lafayette Duboses Grundstück vorbei.
Nur so konnten wir die Stadt erreichen, ohne einen großen Umweg zu machen. Einige kleinere Zusammenstöße mit Mrs. Dubose hatten in mir kein Verlangen nach weiteren Begegnungen geweckt, aber Jem meinte, ich müsse ja irgendwann einmal erwachsen werden. Mrs. Dubose hatte keine Angehörigen und wurde von einem Negermädchen betreut.
(diese und nachfolgende Hervorhebungen in den Originaltexten von mir)

So, jetzt die Frage an dich: Muss der Roman von Harper Lee umgeschrieben werden, weil da das Unwort "Negermädchen" auftaucht?

Oder das hier (aus Harriet Beecher Stowes "Onkel Toms Hütte"):

»Natürlich hält jeder seine Methode für die beste«, lenkte Haley ein. »Sie dürfen mich nicht für einen hartherzigen Menschen halten, Shelby, ich behandle die Neger auch gut, wenn es sich lohnt! Also, was sagen Sie zu meinem Vorschlag?«


Das Buch "Onkel Toms Hütte" im Sprachgebrauch auf den heutigen Standard setzen ... statt "Neger" nun "Dunkelhäutigen" oder gar "Afro-Amerikaner"?

Oder ein anderes Buch der Weltliteratur - Mark Twains "Huckleberry Finn". Da heißt es u.a.

Im vorliegenden Buch werden eine Anzahl von Dialekten benutzt, nämlich der Negerdialekt von Missouri, die extremste Form des südwestlichen Hinterwäldlerdialekts, der gewöhnliche Pike-County-Dialekt und vier gemilderte Abarten des letzteren.


Auch hier das Unwort "Neger", wenn auch in Verbindung mit einem anderen Begriff. Also ändern?

An Harper Lee und Harriet Beecher Stowe haben sich die Sprachbereiniger noch nicht herangewagt, an Mark Twain schon - da ist das Wort "Neger" getilgt worden. Und damit auch der beschriebene Zeitgeist, in dessen Umfeld das Buch entstanden ist.

Genau das wollte ich in der anderen Diskussion aufzeigen: Es gibt einen Unterschied, ob ein Buch, das jetzt neu entsteht, solche Begriffe verwendet, oder ob ein Buch bereits seit Jahrzehnten existent ist und damit den Geist der Zeit, in der es entstanden ist, transportiert.

Aber das ist eine völlig andere Diskussion. Wir können uns natürlich auch über die Bibel unterhalten und prüfen, ob sie gender-korrekt verfasst ist und evtl. entsprechend angepasst werden muss ... cheezygrin

Benutzeravatar
Klonschaf
Beiträge: 532
Registriert: 18.04.2011, 15:35

Re:

von Klonschaf (13.04.2013, 19:02)
Seshmosis hat geschrieben:
@ Klonschaf

Es ist doch ein großer Unterschied, ob Mark Twain in "Tom Sawyer" das Wort "Nigger" verwendet oder ob MichaelHA hier postuliert, er und die Seinen hätten den "Hottentotten" die Kultur gebracht.
Das Eine sind gedruckte Bücher mit einem historischen Kontext, das Andere - na ja, das möge jeder selbst beurteilen.



Ja, logisch, klar sehe ich da einen Unterschied. Trotzdem ... für mein empfinden darf das Wort "Nigger" NUR in wörtlicher Rede auftauchen, eben dann, wenn ein rassistische Romanfigur es zur Abwertung benutzt.

Aber sicher nicht in erzählenden Passagen. Ich finde halt, in erzählenden Passagen darf so was nicht auftauchen und muss dann auch geändert und angepasst/entschärft werden.

Benutzeravatar
Klonschaf
Beiträge: 532
Registriert: 18.04.2011, 15:35

Re:

von Klonschaf (13.04.2013, 19:19)
Siegfried hat geschrieben:

So, jetzt die Frage an dich: Muss der Roman von Harper Lee umgeschrieben werden, weil da das Unwort "Negermädchen" auftaucht?



Für mein Empfinden grenzwertig. Was halt dafür spricht, es so zu lassen, ist eben, dass alle Alternativen vermutlich ziemlich sperrig wirken, gebe ich zu


Siegfried hat geschrieben:
Oder das hier (aus Harriet Beecher Stowes "Onkel Toms Hütte"):

»Natürlich hält jeder seine Methode für die beste«, lenkte Haley ein. »Sie dürfen mich nicht für einen hartherzigen Menschen halten, Shelby, ich behandle die Neger auch gut, wenn es sich lohnt! Also, was sagen Sie zu meinem Vorschlag?«


Hier, das ist direkte Rede ... die Leute damals haben so gesprochen, kann man lassen, weil's demzufolge historisch authentisch ist.


Siegfried hat geschrieben:
Das Buch "Onkel Toms Hütte" im Sprachgebrauch auf den heutigen Standard setzen ... statt "Neger" nun "Dunkelhäutigen" oder gar "Afro-Amerikaner"?


Na ja, es ist schwierig, gebe ich zu.


.
Siegfried hat geschrieben:
Genau das wollte ich in der anderen Diskussion aufzeigen: Es gibt einen Unterschied, ob ein Buch, das jetzt neu entsteht, solche Begriffe verwendet, oder ob ein Buch bereits seit Jahrzehnten existent ist und damit den Geist der Zeit, in der es entstanden ist, transportiert.


Ja gut, aber wenn ein heutiger Autor in erzählenden passagen abwertende Begriffe wie "Neger" nicht mehr verwendet (und dafür alternative, entschärfte Begriffe finden muss), dann können diese alternativen Begriffe doch genauso in historischen Werken eingesetzt werden?

Siegfried hat geschrieben:
]Aber das ist eine völlig andere Diskussion. Wir können uns natürlich auch über die Bibel unterhalten und prüfen, ob sie gender-korrekt verfasst ist und evtl. entsprechend angepasst werden muss ... cheezygrin


Können wir. Aber ich würde mich lieber über die Stuttgarter Kickers und den fanastischen Sieg heute unterhalten


Zum schluss Mein persönliches FAzit: vielleicht gibt es in dieser Diskussion momentan keine wirklich befriedigende Lösung.

Jaris
Beiträge: 6
Registriert: 13.04.2013, 11:48

Es gibt nur eine Wahrheit

von Jaris (13.04.2013, 19:19)
AngelikaL hat geschrieben:
Ich kann mich Siefried und Nicolas nur anschließen. Es gibt nicht die eine Wahrheit, obwohl einige denken, sie hätten die Wahrheit gepachtet und könnten daher Anspruch darauf erheben, dass die ihrige die einzig wahre ist.


ES gibt nur einen Gott. Somit auch nur eine Wahrheit. Jedes Volk hat eine andere Entwicklungsstufe. Außerdem legen viele Menschen, Völker, die Wahrheit für sich aus, wie sie es gerade brauchen.
Das ist ja das Schlimme an der heutigen Zeit, dass der Weg zur Wahrheit so zugewachsen ist, dass sie kaum mehr gesehen, wahrgenommen werden kann.
Dennoch steckt in jeder Religion auch Wahrheit drin. Diese wird aber leider - je nach Bedarf - nach eigenem Gutdünken ausgelegt. Die verschiedenen Religonen der verschiedenen Völker sind dem jeweiligen Entwicklungsstand angepasst.

Sicher ... soll und kann jeder nach seiner Facion glücklich werden. Die Verantwortung für sein Leben und was er daraus macht trägt ein jeder für sich.

Jaris

Benutzeravatar
AngelikaL
Beiträge: 77
Registriert: 17.03.2013, 14:03

Re: Es gibt nur eine Wahrheit

von AngelikaL (13.04.2013, 19:45)
Jaris hat geschrieben:
ES gibt nur einen Gott. Somit auch nur eine Wahrheit. Jedes Volk hat eine andere Entwicklungsstufe. Außerdem legen viele Menschen, Völker, die Wahrheit für sich aus, wie sie es gerade brauchen.


Sicher gibt es nur einen Gott und Du hast recht, es ist alles eine Frage der Sichtweise und auch der Entwicklungsstufe. Vieleicht gelangen wir es eines Tages, zur Entwicklungsstufe und Erkenntnis, dass der Begriff "Gott" mit den Begriffen "Natur" oder "Kosmos" austauschbar ist. Who knows?
LG Angelika

Benutzeravatar
MichaelHA
Beiträge: 2708
Registriert: 06.05.2010, 20:46
Wohnort: Köln

Re:

von MichaelHA (13.04.2013, 20:01)
Jaris hat geschrieben:
ES gibt nur einen Gott. Somit auch nur eine Wahrheit. Jedes Volk hat eine andere Entwicklungsstufe. Außerdem legen viele Menschen, Völker, die Wahrheit für sich aus, wie sie es gerade brauchen.
Das ist ja das Schlimme an der heutigen Zeit, dass der Weg zur Wahrheit so zugewachsen ist, dass sie kaum mehr gesehen, wahrgenommen werden kann.
Dennoch steckt in jeder Religion auch Wahrheit drin. Diese wird aber leider - je nach Bedarf - nach eigenem Gutdünken ausgelegt. Die verschiedenen Religonen der verschiedenen Völker sind dem jeweiligen Entwicklungsstand angepasst.

Sicher ... soll und kann jeder nach seiner Facion glücklich werden. Die Verantwortung für sein Leben und was er daraus macht trägt ein jeder für sich.


Ich kann mich dem nur anschließen. Das Motto des Faust I + II von J.W. von Goethe ist "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir (die himmlischen Hierarchien und die Dreifaltigkeit) erretten". Jeder Mensch strebt allein nach seinem inneren Vermögen, aber alle Menschen zusammen streben nach den menschheitsnotwendigen Zielen: Wasser, Nahrung, Bildung und Behausungen, die genügend Raum bieten, dass jeder einzelne sich entwickeln kann.

Wer aber nicht mitmachen will, obwohl seine Ressourcen das hergeben, dem muss das Apercu von Joseph Beuys entgegengehalten werden: "Wer nicht denken will, fliegt raus".


Beste Grüße

MichaelHA

Benutzeravatar
MichaelHA
Beiträge: 2708
Registriert: 06.05.2010, 20:46
Wohnort: Köln

Re:

von MichaelHA (13.04.2013, 20:05)
AngelikaL hat geschrieben:
Vieleicht gelangen wir es eines Tages, zur Entwicklungsstufe und Erkenntnis, dass der Begriff "Gott" mit den Begriffen "Natur" oder "Kosmos" austauschbar ist. Who knows?


Das ist schon sehr weit gedacht. Daher will ich hier nochmals auf Pietro Archiati hinweisen:
Dateianhänge
Archiati Weltreligionen.jpg

Benutzeravatar
AngelikaL
Beiträge: 77
Registriert: 17.03.2013, 14:03

Re:

von AngelikaL (13.04.2013, 20:24)
MichaelHA hat geschrieben:
Das ist schon sehr weit gedacht.


Nun gut, wenn das so ist, dann denke ich noch weiter: Gott, der Kosmos, die Natur oder wie man dieses Wunder auch nennen mag, hat die Toleranz, die Liebe und auch den Humor nicht nur erfunden, sondern bringt sich durch diese Eigenschaften zum Ausdruck. Also lieber Micha, seh' die Dinge nicht ganz so verkniffen und entspann' Dich ein bisschen.
LG Angelika

Benutzeravatar
MichaelHA
Beiträge: 2708
Registriert: 06.05.2010, 20:46
Wohnort: Köln

Re:

von MichaelHA (13.04.2013, 20:34)
Tue ich doch schon alles. Ich habe sogar ein Werk auf den Spuren Goethes geschrieben:
Dateianhänge
Cover Dem Teufel auf der Spur.jpg
Cover Dem Teufel auf der Spur.jpg (3.09 KiB)
514 mal betrachtet

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5792
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re: Es gibt nur eine Wahrheit

von Siegfried (13.04.2013, 20:44)
Jaris hat geschrieben:
ES gibt nur einen Gott. Somit auch nur eine Wahrheit.


Woher kommt diese Überzeugung? Der Monotheismus ist eine Erfindung von Menschen aus einer Mangelregion. Ein Wüstenvolk - die Hebräer - hat sich auf einen Gott konzentriert (die Masse der Völker wählte den Polytheismus). Aus dieser monotheistischen Anschauung hat sich die zweite große Religion entwickelt - das Christentum (das genau betrachtet eine polytheistische Version pflegt: Die Trinität). Eine Abspaltung vom hebräischen Monotheismus führte zur dritten großen Religion: Der Islam. Dieser Islam wirft seinen Vorgänger-Religionen Verfälschungen vor. Die bereits erwähnte christliche Trinität wird im Islam als polytheistische Verfehlung angeprangert.

Wenn also die Behauptung gilt, es gäbe nur einen Gott, wären alle anderen Religionen, die mehrere Götter kennen, schon mal abqualifiziert. Und was ist mit jenen Religionen, die gar keinen Gott kennen? Im Buddhismus gibt es keinen Gott, und anders als das Christentum und der Islam betrachtet sich der Religionsbegründer Gautama weder als Gott (oder Abkömmling eines Gottes, wie Jesus von Nazareth) noch als Überbringer einer von einem Gott vermittelten Offenbarung (wie Mohammed).

Wer eine Aussage zu einem Gott (oder mehreren) trifft, von dem erwarte ich eine Definition des Gottesbegriffes. Was ist Gott? Oder glaubt man der Einfachheit halber an einen diffusen Begriff?

Ist Gott tatsächlich der alte Mann mit Rauschebart, der irgendwo über uns schwebt mit seinem unendlich dicken Notizbuch, in dem er all unsere Vergehen notiert, um dann in einem allumfassenden Gerichtsprozess uns zum Aufenthalt im Himmel oder in der Hölle zu verdonnern?

Ist Gott überhaupt ein selbstständig denkendes und handelndes Wesen? Ist Gott belohnend und strafend, ist Gott neidisch und rachsüchtig, ist Gott einsichtig und reuig? Das klingt provokativ, ist aber nichts anderes als die Beschreibung Gottes aus dem Alten Testament.

Ein reuiger Gott - das bedeutet, Gott macht Fehler und sieht diese Fehler ein. Höchst ungewöhnlich für einen Begriff, der eigentlich "Vollkommenheit" darstellt.

Was mich bei der Idee des monotheistischen Gottes der Hebräer grundsätzlich stört: Wenn er tatsächlich der einzige Gott ist, dann ist alles, was sonst außerhalb der Hebräer existiert, ebenfalls sein Werk. Er nimmt Einfluss auf das Leben der Hebräer, aber nicht in gleicher Form auf das der Feinde der Hebräer. Und das führt mich zum entscheidenden Zweifel an diesem Gott: Wenn es nur diesen einen Gott gibt, warum lautet dann das erste Gebot: "Du sollst neben mir keine anderen Götter haben"? Gibt es also doch andere Götter? Warum heißt es nicht schlicht: "Du sollst mich anbeten und keine Gegenstände irgendwelcher Art"? Kennt also Gott doch andere Götter? Und - Schlussfolgerung - ist er auf die anderen Götter eifersüchtig?

Das alles passt nicht. Deshalb halte ich die Idee eines existenten Gottes als selbstständig denkendes und handelndes Wesen für zutiefst unglaubwürdig. Gott existiert nicht, oder anders ausgedrückt: Wir Menschen haben Gott geschaffen. Deshalb ist die Idee von einem Gott so fehlerhaft.

Und noch eine Frage: Warum brauchen wir einen Gott?

Früher hieß es immer, wir haben uns Gott (oder Götter) geschaffen, um die Mysterien des Lebens begründen zu können (ein Gewitter war früher nichts weiter als ein Gott, der grollt). Ich glaube, wir schaffen uns einen Gott aus einem ganz anderen Grund.

Weil wir in unserem Leben mit einer Ur-Angst kämpfen. Dem Verlust unserer Eltern. Als Kinder haben wir gelernt, dass Mutter und Vater uns bedenkenlos schützen. Je älter wir werden, desto weniger suchen wir diesen Schutz. Aber in uns steckt weiterhin dieses Verlangen. Bis wir eines Tages feststellen, dass wir niemandes Kind mehr sind. Und das erschreckt uns zutiefst. Deshalb suchen wir in Krisensituationen nach einem Ersatz, nach jemanden, der uns in genau die Situation zurückversetzt, die wir aus unserer Kindheit kennen. Der uns hilft und rettet. Bedenkenlos und ohne Gegenleistung. Wir suchen jemanden, der uns unsere Ur-Angst vor dem Verlust unserer schützenden Eltern nimmt. Und wie unsere Eltern liebend, lobend, aber auch strafend sind, so bauen wir unseren Gott auf. Er liebt uns, er lobt uns und er straft uns.

Ich persönlich lehne die Idee eines Gottes ab.

Es gibt einen bemerkenswerten Satz über Menschen, die nicht an Gott glauben: "In Schützengräben werden auch Atheisten gläubig!" Darauf hat mal jemand sehr schlau geantwortet: "Das sagt mehr über Schützengräben als über Atheisten aus!" Wer immer diese Antwort geliefert hat - er hat Recht. cheezygrin

Zurück zu „Buchvorstellung: Belletristik“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.