Gut gelaufen, Thisbe! – Ida Obersteyns Tagebuch 2011

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Peter-Pitsch
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Das Tagebuch des „Grauens“!

von Peter-Pitsch (21.01.2013, 15:24)
Ei der Daus, Dus un Düwel, das Grauen auf Erden hat sich manifestiert. In Gestalt der Ida Obersteyn, Berichterstatterin dieser in Tagebuchform konzipierten Satire, versteht die Autorin Monika Kubach bis ins kleinste unerträgliche Detail die Essenz prolliger Gesinnung aufzuzeigen. „Ich persönlich finde ja, dass Taschenbücher im Regal nicht viel hermachen, und man braucht auch so viele von ihnen, bis es voll ist.“
Dementsprechend war meine Gegenreaktion gewissermaßen vorprogrammiert. Sowie ich die ersten Auszüge aus Obersteyns „geistloser Haltung“ (das Pendant zu „Geisteshaltung“) ins Auge gefasst hatte, rebellierte mein Intellekt gegen ihren horizontlosen Weltentwurf und ich musste zu Lasten der Prinzipien einen inneren Kampf ausfechten. Danach erst sah ich mich befähigt, dieses an und für sich gelungene geistige Armutszeugnis erneut zur Hand zu nehmen und mit der Lektüre fortzufahren. Denn eine Satire nach solch einem Konzept – so extrem nah an der Wirklichkeit – erweist sich auf längere Sicht als äußerst schwer verdaulich, und einzig der Unterstrom der Ironie, den die Autorin sämtlichen Eintragungen zugrunde legt, vermag die Klumpen aus geballter Ignoranz und das darin enthaltene „Unwesen“ zu zersetzen. Indem Monika Kubach die in Obersteyns Oberstübchen – und parallel dazu in vielen deutschen Wohnstuben – Verblödung als Reigen überaus banaler Alltagssituationen festhält, möchte sie den Konsumenten von Fertigpizza, RTL2 und Doppelkorn keineswegs einen Spiegel vorhalten oder ihnen gar ein Denkmal setzen. Weit gefehlt. Zu einer ernstzunehmenden Reflexion ob der eigenen Beschränktheit wären per se die wenigsten imstande, vielmehr führt Kubach via Ida Obersteyn Buch über Zustände und Missstände an den Gemeinplätzen der sozialen Unterschicht. Sie dringt mit ironischer, doppeldeutiger Belichtung treffsicher in die Dunkelkammern der Republik, und was dabei portionsweise zutage gefördert wird, bereitet gleichermaßen eine Menge Spaß und ein Übermaß an Abscheu. Denn das Niveau der Texte ist umso niedriger, je abrupter das Grauen der darin innewohnenden Wahrheit dem Leser hochkommt. Somit muss ich augenzwinkernd eine abschließende Warnung meiner Kritik hintanstellen: Lesen auf eigene Gefahr – der Intellekt haftet für seine Aussetzer!

Peter Pitsch

Das Tagebuch des „Grauens“!
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (21.01.2013, 16:24)
Lieber Peter,

herzlichen Dank für die wohlwollende und großzügige Beurteilung meines Machwerks. Ich habe mit einer wesentlich schlechteren Bewertung gerechnet und bin deshalb hocherfreut und fühle mich sehr geehrt! Du hast das Buch (trotz meiner eindringlichen Warnung) tatsächlich gelesen und offensichtlich nicht nach zehn Seiten aus dem Fenster geworfen und damit Passanten gefährdet. Im Nachhinein habe ich den Verdacht, dass mir die Parodie zu gut gelungen ist, so dass sie leicht mit einem Original verwechselt werden kann. Dadurch überschreite ich zu oft die Schmerzgrenze der Leser und mute ihnen viel – vielleicht zu viel – zu. Mein nächstes Buch soll deshalb kundenfreundlicher werden. Ich hoffe, du hast die Lektüre unbeschadet überstanden, und ich bedanke mich ganz herzlich dafür, dass du meinem Buch eine Chance gegeben hast.

Viele Grüße,
Monika
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Peter-Pitsch
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Re:

von Peter-Pitsch (21.01.2013, 16:45)
Im Nachhinein habe ich den Verdacht, dass mir die Parodie zu gut gelungen ist, so dass sie leicht mit einem Original verwechselt werden kann.


Liebe Monika, die angesprochene Gefahr besteht einzig und allein jenseits der Spiegelperspektive ... sozusagen. :lol:
Wer das wahre Grauen nicht erkennt, hat die echte Ironie verpennt.

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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (21.01.2013, 17:12)
Lieber Peter, ich wünschte, manche Autoren würden ihre Werke mit so großer Sorgfalt, Kenntnis und Sprachgewandtheit schreiben wie du deine Rezensionen.

Wie immer ein Lesegenuss!!!! thumbbup

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (21.01.2013, 17:24)
Anke Höhl-Kayser hat geschrieben:
Lieber Peter, ich wünschte, manche Autoren würden ihre Werke mit so großer Sorgfalt, Kenntnis und Sprachgewandtheit schreiben wie du deine Rezensionen.

Wie immer ein Lesegenuss!!!! thumbbup


Jetzt bin ich deprimiert!
cry:: zwinker::
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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (21.01.2013, 17:29)
Waaaaaaaaaaaaaaaaah! Du warst doch gar nicht gemeint!!!! :shock::

Du machst das so wie ich, oder? Du beziehst auch immer alles auf dich. cheezygrin
Hab mir sagen lassen, das sei unpraktisch. angle:

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (16.04.2013, 21:42)
Den aktuellen Verkaufsrang dieses Buchs verschweige ich lieber, obwohl er wunderbar in diesen Thread passen würde, da sein Unterhaltungswert nicht zu verachten ist. Aber ich möchte nicht, dass irgendjemand durch einen unkontrollierbaren Heiterkeitsausbruch zu Schaden kommt. angle: Obwohl... cool1

Aber ich freue mich sehr über eine hervorragend geschriebene Rezension bei Autorenfreiheit.de:

http://www.autorenfreiheit.de/rezension ... ebuch-2011
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Isautor
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Re:

von Isautor (16.04.2013, 22:30)
Deine Verkaufsränge sind natürlich und friedlich, Monika. Sie sind ehrlich, aufrichtig und haben gute Manieren. Außerdem schaden Sie nicht der Gesundheit und machen nicht abhängig. Höflich sind sie außerdem und im richtigen Moment diskret bis diplomatisch. Und du hältst sie in einem ausreichend großen Gehege.
Ich persönlich kann sie nur weiterempfehlen, obwohl es April ist. Und die Rezi auch. thumbbup
Seid gegrüßt,

Isautor

Eines Tages ich Profi sein.
Status: Heftchenromanschreiberin im Nebenberuf.

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Prof. Elsenbrink
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Re:

von Prof. Elsenbrink (17.04.2013, 00:34)
Hallo Monika,

die Rezension ist wirklich außergewöhnlich gut geschrieben – gratuliere! thumbbup

Ich wünsche dir außerdem, dass dein Buch mal wieder ein paar Ränge hochrutscht. Das hätte es verdient.


LG
Thomas

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (17.04.2013, 19:02)
Vielen Dank für die wohlwollende Einschätzung, Isa. Der siebenstellige Verkaufsrang beim Taschenbuch ist das Ergebnis langer Werbeuntätigkeit und hartnäckiger Beratungsresistenz und verdient es, hin und wieder einmal gewürdigt zu werden. angle:

Vielen Dank für die guten Wünsche, Thomas. Da mein Buch nicht unbedingt das ist, was es auf den ersten Blick zu sein scheint, freue ich mich immer sehr, wenn ihm Leser, die mich nicht persönlich kennen, eine Chance geben. thumbbup
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