Schrifttyp und Schriftgröße bei Kinderbüchern

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Sir Adrian Fish
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Schrifttyp und Schriftgröße bei Kinderbüchern

von Sir Adrian Fish (25.05.2013, 23:43)
Haben sich in der Vergangenheit spezielle Schrifttypen und -größen bei illustrierten Kinderbüchern (alter zwischen 5 und 8 Jahren) bewährt?

Wer kann mir hierzu den einen oder anderen Tipp oder eine Hilfestellung geben?

Im konkreten Fall geht es um ein bebildertes (Fotografien) Buch mit kurzen Textpassagen zum Thema Einschulung/erster Schultag.

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SandraR
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Re:

von SandraR (26.05.2013, 07:17)
Da es ab 5 ist, würde ich Garamond 14 Punkt empfehlen und den Zeilenabstand auf 1,4....
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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hawepe
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Re: Schrifttyp und Schriftgröße bei Kinderbüchern

von hawepe (26.05.2013, 14:07)
Hallo,

Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Haben sich in der Vergangenheit spezielle Schrifttypen und -größen bei illustrierten Kinderbüchern (alter zwischen 5 und 8 Jahren) bewährt?


Prinzipiell ist jede besonders lesefreundliche Schrift geeignet. Von daher kann ich mich nur dem Vorschlag von Sandra anschließen. Eine gute Wahl ist auch die New Century Schoolbook, die speziell für Schulbücher konzipiert wurde.

Das Problem ist nur, dass Eltern und Großeltern meistens andere Vorstellungen haben. Viele meinen, dass Schriften, die für Erwachsene sehr leseunfreundlich sind, für Kinder ideal seien. Warum das so ist? Keine Ahnung.

Ähnlich verhält es sich mit der Schriftgröße. Kinder neigen dazu, mit der Nase fast auf dem Text aufzustoßen. Je größer die Schrift ist, desto weniger Text können sie dadurch aber mit einem Blick erfassen. Das Lesen wird dadurch sehr viel anstrengender.

Viele Erwachsene sind dagegen der Überzeugung, dass Kinder besonders schlecht sehen können und deshalb besonders große Schriften benötigen.

Wichtiger wären dagegen kurze Zeilen und großzügige Zeilenabstände, damit die Augen sich nicht verirren können. Und das Erfolgserlebnis, wieder eine Zeile geschafft zu haben, stellt sich schneller ein.

Das Komplizierte an Kinderbüchern ist, dass du zwei Zielgruppen bedienen musst: die Kinder, die sie lesen sollen, und die Eltern bzw. Großeltern, die sie kaufen sollen.

Beste Grüße

Heinz

Sir Adrian Fish
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Re:

von Sir Adrian Fish (26.05.2013, 14:49)
@SandraR & @hawepe

Euch beiden schon Mal einen herzlichen Dank für die Anregungen.

Ich habe jetzt mal testweise Garamont 14Pt. + 16 Pt. als Schrifttyp ausprobiert. Sieht schon sehr vielversprechend aus. Interessanterweise hatte ich Garamont auch schon für andere Buchprojekte verwendet, hatte aber gedacht, dass für ein Kinderbuch ein anderer Schrifttyp zur Anwendung kommt.

Mal sehen wie die Testgruppe auf das Ergebnis reagiert.

New Century Schoolbook klingt auch sehr vielversprechend - mal sehen ob ich irgendwo den Schrifttyp zum testen ergattern kann.

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hawepe
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Re:

von hawepe (26.05.2013, 15:03)
Hallo,

Sir Adrian Fish hat geschrieben:
New Century Schoolbook klingt auch sehr vielversprechend - mal sehen ob ich irgendwo den Schrifttyp zum testen ergattern kann.


Lange Zeit gehörte sie zu den MS Office beiliegenden Schriften. Besser dürfte es aber sein, die aus der New Century Schoolbook abgeleitete und deutlich erweitere Schola von http://tug.ctan.org/fonts/tex-gyre/font ... /tex-gyre/ herunterzuladen.

Beste Grüße

Heinz

Sir Adrian Fish
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Re:

von Sir Adrian Fish (26.05.2013, 16:44)
Was genau meinst du mit besser?

Bzgl. der Old Century Schoolbook bin ich im Internet fündig geworden. Diese gibt es zum einen kostenpflichtig, aber als free download. Ferner scheint es hiervon auch noch diverse Abwandlungen zu geben.

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hawepe
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Re:

von hawepe (26.05.2013, 17:20)
Hallo,

Sir Adrian Fish hat geschrieben:
Was genau meinst du mit besser?


Die klassische New Century Schoolbook verfügt nur über einen sehr geringen Zeichenvorrat. Kommen in einem Text Worte aus nicht westeuropäischen Sprachen vor, kann es passieren, dass Zeichen fehlen. Vor allem aber verfügt sie über keine Kapitälchen.

Bei der TeX Gyre Schola handelt es sich um eine Weiterentwicklung der URW New Century Schoolbook, die diese Beschränkungen aufgehoben hat. Zudem darf die Schola ganz legal kostenlos heruntergeladen und verwendet werden.

Beste Grüße

Heinz

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Judith
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Re:

von Judith (26.05.2013, 19:45)
Wenn die Kinder es selbst lesen sollen, dann würde ich für die Altersgruppe (6 - 8 J.) keine Serifenschrift verwenden.

Geh einfach mal in einen Buchladen und schau dir Bücher für die Zielgruppe an. Oder auch bei amazon (gib z.B. "Leserabe" ein). Da wirst du sehen, dass immer serifenlose und große Schrift verwendet wird.

Dass Kinder im Alter von 6 - 7 Jahren i.d.R. keine kleine Schrift lesen können, ist keine Erfindung von Erwachsenen. Ich habe ständig mit Grundschulkindern zu tun und weiß, dass selbst viele Drittklässler noch lieber große Schrift lesen, weil sie die kleine nicht erfassen können.

Als ich vor knapp hundert Jahren "Hannahs Nachtgeschichten" über BoD veröffentlichte, dachte ich noch vorwiegend an vorlesende Eltern und Großeltern. Doch dann habe ich bemerkt, dass viele Kinder die Geschichten selbst lesen wollten. Deshalb habe ich bei "Hannahs kunterbunte Geschichten" die Schrift entsprechend verändert. Ich habe AvantGarde Md BT 13pt. verwendet. Für ein Bilderbuch wäre 14pt. sogar besser.

Grüßle
Judith
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

Oldy62
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Re:

von Oldy62 (26.05.2013, 19:48)
Wenn die Kinder es selbst lesen sollen, dann würde ich für die Altersgruppe (6 - 8 J.) keine Serifenschrift verwenden.


Das sehe ich genau so.

Warum nicht schlicht den guten, alten ARIAL-Zeichensatz benutzen?
Es gibt kaum ein Schriftbild, welches besser zu lesen wäre.

Oldy62
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Re:

von Oldy62 (26.05.2013, 19:49)
Wenn die Kinder es selbst lesen sollen, dann würde ich für die Altersgruppe (6 - 8 J.) keine Serifenschrift verwenden.


Das sehe ich genau so.

Warum nicht schlicht den guten, alten ARIAL-Zeichensatz benutzen?
Es gibt kaum ein Schriftbild, welches besser zu lesen wäre. Ganz unabhängig vom Alter.

lg
Uwe

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.05.2013, 20:21)
Oldy62 hat geschrieben:
Warum nicht schlicht den guten, alten ARIAL-Zeichensatz benutzen?
Es gibt kaum ein Schriftbild, welches besser zu lesen wäre. Ganz unabhängig vom Alter.


Arial gilt unter Fachleuten (Typografen) als eine der hässlichsten Schriftarten überhaupt, weil sie als kalt und charakterarm gilt. Einen langen Fließtext möchte ich in Arial nicht unbedingt lesen. Serifen haben durchaus ihre Vorteile ... So unterschiedlich können Meinungen sein. cheezygrin
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Oldy62
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Re:

von Oldy62 (26.05.2013, 20:27)
Arial gilt unter Fachleuten...

Tscha, die haben es meist nicht so mit dem Lesen und sind naturgemäß Fachblind. cheezygrin

Mal ehrlich.
Hier gehts nicht um Schönheit, sondern um Lesbarkeit.
Bei Kindern!
Serifen sind da eher hinderlich.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.05.2013, 20:44)
Oldy62 hat geschrieben:
Mal ehrlich.
Hier gehts nicht um Schönheit, sondern um Lesbarkeit.
Bei Kindern!
Serifen sind da eher hinderlich.


Der Inbegriff des Kinderbuches ist für mich - aufgrund eigener Erfahrungen - das Pixi-Buch (kennt noch jemand die "Petzi"-Reihe? cheezygrin ).

Hier eine Seite aus so einem Pixi-Buch. Man achte auf die Schrift, insbesondere auf das große "K" oder "H" - eindeutig Serifen ...

Warum Theorie diskutieren, wenn die Praxis Beispiele liefert? cheezygrin

Nachtrag mit Praxisbezug:
Eine Bekannte von mir, Anja Rieger, hat vor vielen Jahren eine ganze Serie von Kinderbüchern veröffentlicht: "Lena und Paul" im Baumhaus-Verlag (1998 - 2009). Für die Bücher gibt es bei Amazon den "Blick ins Buch", z. B. hier:

http://www.amazon.de/Lena-Paul-fliegt-A ... 383390268X

Einfach mal reinschauen und Arial suchen gehen ... cheezygrin
Dateianhänge
pixi.jpg
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hawepe
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Re:

von hawepe (27.05.2013, 08:17)
Hallo Judith,

Judith hat geschrieben:
Wenn die Kinder es selbst lesen sollen, dann würde ich für die Altersgruppe (6 - 8 J.) keine Serifenschrift verwenden.

Geh einfach mal in einen Buchladen und schau dir Bücher für die Zielgruppe an. Oder auch bei amazon (gib z.B. "Leserabe" ein). Da wirst du sehen, dass immer serifenlose und große Schrift verwendet wird.


In welche Buchläden gehst du denn? Obwohl ich gerne in Buchläden stöbere und einkaufe, Kinder von 6 oder 7 Jahren habe ich dort noch fast nie als Kunden erlebt. Fast immer sind es die Eltern oder Großeltern.

Genau das ist das Problem von Kinderbüchern. Sie müssen zwei Zielgruppen bedienen, die unter Umständen sehr verschiedene Vorstellungen haben.

Dass Kinder im Alter von 6 - 7 Jahren i.d.R. keine kleine Schrift lesen können, ist keine Erfindung von Erwachsenen. Ich habe ständig mit Grundschulkindern zu tun und weiß, dass selbst viele Drittklässler noch lieber große Schrift lesen, weil sie die kleine nicht erfassen können.


Nun gibt es allerdings Untersuchungen, die das nicht bestätigen. Wie so häufig in der Typographie kommen mehrere Dinge zusammen. Je kleiner die Schrift, desto größer wird die Gefahr, dass einzelne Buchstaben nicht mehr deutlich erkennbar und unterscheidbar sind.

Gerade serifenlose Schriften leiden generell sehr häufig an der schlechten Unterscheidbarkeit von bestimmten Buchstaben (I,l,1). Wer im Browser eine serifenlose Schrift eingestellt hat, darf ja mal schauen, ob er auf Anhieb sagen kann, welches der erste und der zweite Buchstabe in der Klammer ist. Kinder dürften zudem auch das folgende Zeichen eher nur mit Nachdenken erkennen können.

Dann: Wie lang sind die Zeilen, wie groß ist der Zeilenabstand? Längere Zeilen sind immer schlechter zu lesen als kürzere. Auch hier gilt, dass Übung den Meister macht. Kinder sind im Lesen aber nun einmal ungeübt. Bei maximal 40 Zeichen sollte die Zeile also zu Ende sein. Und da sie häufig noch Buchstabe für Buchstabe und Wort für Wort lesen, wächst auch die Gefahr, dass die Augen die Zeile "verlieren", wenn der Zeilenabstand nich großzügig genug bemessen wurde.

Und schlussendlich: Wie ist die gesamte Buchseite gestaltet?

Leider gibt es zu dem Themenkomplex sehr wenig wissenschaftlich fundierte Untersuchungen. Zum einen liegt es daran, dass die dafür notwendigen Versuche alles andere als trivial sind. Zum anderen liegt es daran, dass sie sich wirtschaftlich nicht auszahlen würden. Wenn Eltern, Großeltern und Lehrer davon überzeugt sind, dass Kinder am besten Comic Sans in 22 Punkt lesen können, dann interessieren sie keine wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse. Und Verlage leben nun einmal vom verkaufen.

Beste Grüße

Heinz

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SandraR
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Re:

von SandraR (27.05.2013, 19:49)
Schriften mit Serifen sind tatsächlich besser zu unterscheiden, deswegen gilt, ein Kind orientiert sich sehr schnell bei angenehmer Schriftgröße an den Zeichensatz, Serifen sind eher eine Lesehilfe, weil sich die einzelnen Buchstaben in großer Schrift deutlich unterscheiden. Dieser Unterschied ist bei technischen Schriften (als Beispiel Arial) nicht gegeben.
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