Ein Auszug aus meinem Manuskript

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Tanzmaus
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Ein Auszug aus meinem Manuskript

von Tanzmaus (25.06.2013, 18:16)
Hallo zusammen :)

Ich habe sehr lange hier nichts mehr gepostet (zumindest nichts eigenes), habe aber im Hintergrund natürlich weitergearbeitet smart2 .
Ich würde gerne wissen, was ihr von diesem Auszug aus meinem Manuskript haltet. Die Geschichte war seit einigen Jahren in Planung, ich hatte mich allerdings nie getraut, sie anzufangen und habe gemerkt, dass es mir damit ganz anders als in meinem ersten und zweiten (unvollendeten) Manuskript ging. Es ist jetzt sehr viel schwieriger und irritierenderweise auch einfacher etwas Neues zu schreiben. Schwieriger, weil die Geschichte komplex ist und ich viele Handlungsstränge habe. Einfach, weil es besonders dadurch viel mehr Spaß macht.

Genug geredet. Das Manuskript handelt von der jungen Erwachsenen Sophie, die mit ihrem Freund Timo zusammenzieht, um sich von ihrem Vater und den Erinnerungen an ihre jung verstorbene Mutter zu lösen. Als sie von dem Besuch bei einer Freundin Sophies mit dem Motorrad nach Hause fahren, erleidet das junge Paar einen Motorradunfall. Dies ist die Szene, in der Sophie im Krankenhaus aufwacht.

____________________________________________________________

Ich wachte auf und war verwirrt. Wo war ich?
Das Zimmer, in dem ich mich befand, war abgedunkelt, die cremefarbenen Vorhänge zugezogen. Eine kleine, ovalförmige Lampe war eingeschaltet, die in der linken Ecke des Zimmers stand.
Ich realisierte, dass ich in einem Bett lag. Die Wände waren in einem schlichten weiß gehalten. Als ich versuchte, meinen Kopf nach rechts zu drehen, zuckte ein Schmerz durch meinen Schädel. Eine Art Widerstand an meinem Hals hinderte mich daran. Wo war ich?
Augenblicklich spürte ich Panik in mir aufsteigen. Warum war ich hier? Ich versuchte all die Informationen zu verarbeiten, die ich nicht begreifen konnte.
Ich hörte jemanden eintreten, leise Schritte auf dem ebenfalls sehr steril und sauber aussehenden weißen Boden. Als ich gerade fragen wollte, wer da sei, sah ich das besorgte und zugleich erschrockene Gesicht meines Vaters vor mir.
,,Sophie, du bist wach!''
Ich war bestürzt. Für einen Moment vergaß ich die ganzen Fragen, die in meinem Kopf schwirrten, und sah ihn entsetzt an. Seine Augen waren angeschwollen, die Haut fahl und trocken. Sein von mir so geliebtes Strahlen im Gesicht war weg. Er sah furchtbar aus. Beinahe, als hätte er eine Woche lang nicht geschlafen.
,,Ja - '' Mehr fiel mir dazu plötzlich nicht mehr ein.
Seine anfängliche Besorgnis wandelte sich in Mitleid. Ich mochte diesen Blick nicht. Nicht jetzt, wo ich so verwirrt war und bloß wissen wollte, was passiert war.
Da war sie wieder, die Panik. Ich konnte mich nicht bewegen, lag in einem fremden Raum in einem Bett, hatte keine Erinnerung.
,,Shh … Sophie ich bin bei dir.'' Er nahm sich einen Stuhl und zog ihn zu mir heran.
,,Paps, was ist passiert?''
,,Sophie, das ist kompliziert zu erklären … ''
In diesem Augenblick klopfte es an der Tür, diesmal waren es schwere Schritte, die über das Laminat hinweg tönten.
,,Frau Kremao, schön, dass Sie wieder bei uns sind'', tönte eine dunkle Stimme durch den Raum.
Der Arzt trat in mein Blickfeld und sah mich prüfend an. ,,Wie geht es Ihnen?''
Dumme Frage, wie sollte es mir schon gehen? Ich konnte keinen Teil meines Körpers weder bewegen noch spüren. Versteinert war ich. Krampfhaft versuchte ich Erinnerungen wachzurufen, Momente oder Bilder, die mir einen Hinweis darauf gaben, was geschehen war. Doch bis auf die unzähligen Fragen war mein Kopf leer.
Ich räusperte mich, um wenigstens eine Bewegung meines Körpers wahrzunehmen – bereute es aber sofort. Das Räuspern wurde zu einem Krächzen. Hörten sie mich überhaupt? Ja, jetzt wandten sie sich mir zu, der Arzt blickte besorgt, was war passiert? Ich spürte, wie ich langsam wieder zu mir kam, ich hörte die Stimme meines Vater nun nicht mehr gedämpft, sie klang klar und deutlich zu mir durch, durch die Watte, die mein Ohr gefüllt hatte.
,,Sophie, Schatz, hörst du mich wieder?''
Ich verzichtete auf das Bedürfnis zu nicken und suchte irgendwo in mir meine Stimme. Warum konnte ich eben so mühelos sprechen und jetzt …
,,Ja.'' Meine Stimme brach ab. Ich sah Tränen in den Augen meines Vaters. Er wandte sich zum Arzt: ,,Wird sie wieder?''
,,Sie wird wieder'', bestätigte der Doktor. Innerlich atmete ich auf. Äußerlich war ich aber immer noch versteinert.
,,Sophie, spüren Sie das?'' Der Arzt drückte die Finger meiner linken Hand, die auf meinem Bauch ruhte.
Tatsächlich verspürte ich einen leichten Druck. ,,Ja'', antwortete ich ihm, diesmal mit fester Stimme. War ich überhaupt in der Lage, noch ein anderes Wort von mir zu geben?
,,Und das?'' Er fasste am meine Schulter. Wieder bejahte ich.
,,Dann drück jetzt meine Hand.'' Erwartungsvoll sah er mich an. Das gestaltete sich schon schwieriger. Ich versuchte meine Muskeln zu finden, die diesen Vorgang – einen einfachen Händedruck – möglich machten. Es war so, als wollte man mit den Ohren wackeln, fand den Muskel dazu aber nicht. Würde ich das jetzt meinem Vater erzählen, so würde er mich vermutlich auslachen. Meiner Meinung nach war jedoch ein treffender Vergleich.
,,Gut, weiter so … ''
Meine Finger zuckten und mit einem Mal schlossen sie sich um seine große, aber feingliedrige Hand. Das Eis schien gebrochen.
,,Wunderbar!'', rief er aus. Der Arzt probierte noch einige weitere Übungen aus, die erfolgreich verliefen – am Ende konnte ich sogar meinen versteinert geglaubten Kopf bewegen. Nach einiger Zeit und teilweiser Rückgewinnung der Kontrolle über meine Körper, halfen mir mein Vater und der Doktor – ich erfuhr, dass er Dr. Stein hieß – in eine aufrechte Sitzposition. Das Bett fuhren sie so nach oben, dass ich darin wie in einem Stuhl sitzen konnte. Mein Vater stopfte mir ein großes Kissen hinter den Rücken und ich ließ den Raum kurz auf mich wirken. Jetzt vernahm ich ihn viel besser als vorhin. Ich sah meinen Vater und den Doktor, konnte mich annähernd gut bewegen. Mein Blick fiel auf mein rechtes Bein. Es war in Gips gewickelt und hing in einer Schlaufe von dem Gestell an der Decke – scheinbar war es gebrochen. War ich gestürzt? Warum war Timo nicht hier? Wie lange lag ich schon hier?
Auch um meinen Kopf spürte ich den Druck eines Verbandes.
,,Was ist passiert?'', wiederholte ich meine am Anfang gestellte Frage. Ich flüsterte es, aus Angst, meine Stimme könnte die Vergangenheit aufschrecken und mir Bilder offenbaren, die ich nicht sehen wollte. Einerseits wollte ich mich erinnern, andererseits fürchtete ich die Wahrheit.
,,Du hattest einen Unfall, Schatz.'' Mein Vater sah auf den Boden. ,,Es tut mir so Leid'' – eine Träne lief seine Wange herunter.
,,Paps … was … warum?'', stammelte ich.
Dr. Stein legte mir eine Hand auf die Schulter. ,,Sie haben ein gebrochenes Bein und eine schwere Gehirnerschütterung. Ihr Herz setzte kurzzeitig aus, als sie auf dem Asphalt aufkamen, zum Glück konnte … ''
Ich hörte ihm nicht mehr zu, Bilder flackerten vor meinem inneren Auge, schwirrten durch meinen Kopf, versuchten einen Sinn zu ergeben. Ich sah meine Freundin vor mir, sie umarmte mich. ,,Ich habe mich wirklich gefreut, dich wiederzusehen.'' - das Röhren des Motorrades – ein Schrei, ein Knall, Reglosigkeit – Timo. Unter dem Motorrad. Eingequetscht. Verletzt. Blut – das Krankenhauszimmer.
Entsetzt sah ich meinen Vater an. ,,Wo ist Timo?'' Meine Stimme war tonlos, verzerrt. ,,Wo ist er?'', wiederholte ich, wurde panisch. Meine Stimme schellte in die Höhe.
,,Sophie, es ist … kompliziert … ''
,,Sag mir nicht, dass es kompliziert ist, sag mir wo er ist!'' Ich schrie es ihm zornig ins Gesicht. Erklärungen waren überflüssig, ich wollte die Wahrheit.
,,Er ist tot.''

___________________________________________________________

Ich wollte das nicht vorwegnehmen: Weiter geht es in dem Manuskript um den Engel Semir, der zum Beschützer für Sophie ausgebildet wird. Normalerweise wird jedem Menschen von Geburt an ein Beschützer zugewiesen, der ihn bis zum Ende seines Lebens und in den Tod begleitet. Sophie erlitt bei dem Unfall einen Herzstillstand, wodurch ihr Schutzengel entschwand und so ein neuer hermusste ;)
Nach und nach entdecken die beiden, dass sie eine besondere Verbindung zueinander haben, die etwas mit Sophies verstorbener Mutter zu tun hatte und ihr Leben ein zweites Mal für immer verändert.

Ich freue mich auf eure ehrliche Kritik und Anregungen.

Viele liebe Grüße,
Nicole angle:

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.06.2013, 07:07)
Hmm...

Aktuell über 30 Aufrufe, aber keiner traut sich, was zu schreiben?

Dann mache ich mal den Anfang:

Überprüf deinen Text mal auf die Benutzung von Hilfsverben, vor allem von "war". Hat mich elementar gestört, vor allem, weil "war" statisch wirkt.

Vergleiche:

"Die Wand war weiß gestrichen"

zu

"Die Wand strahlte weiß". Oder: "Die Wand leuchtete in einem Weiß, dass ich die Augen schließen musste."
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Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (26.06.2013, 16:07)
Hallo Siegfried,

vielen Dank für deine Antwort!!
Da sieht man mal wieder, was einem alles nicht auffällt, jetzt seh ich's natürlich auch! angle: Mir sind (natürlich erst jetzt) auch einige Recht-schreibfehler aufgefallen :/

Wie kommt es denn von der Geschichte her rüber? Habe mich mit dieser Szene eher schwer getan..

Viele Grüße,
Nicole

Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (26.06.2013, 16:30)
Hier einmal überarbeitet:


Ich wachte auf und blickte mich verwirrt um. Wo war ich?
Das Zimmer, in dem ich mich befand, war abgedunkelt, die cremefarbenen Vorhänge zugezogen. Eine kleine, ovalförmige Lampe, die in der linken Ecke des Zimmers stand erleuchtete/erhellte das Zimmer,.
Ich realisierte, dass ich in einem Bett lag. Die Wände strahlten in einem schlichten weiß. Als ich versuchte, meinen Kopf nach rechts zu drehen, zuckte ein Schmerz durch meinen Schädel. Eine Art Widerstand an meinem Hals hinderte mich daran. Wo war ich?
Augenblicklich spürte ich Panik in mir aufsteigen. Warum lag ich alleine hier, in einem Zimmer, das ich nicht kannte? Ich versuchte all die Informationen zu verarbeiten, die ich nicht begreifen konnte.
Ich hörte jemanden eintreten, leise Schritte auf dem ebenfalls sehr steril und sauber aussehenden weißen Boden. Als ich gerade fragen wollte, wer da sei, sah ich das besorgte und zugleich erschrockene Gesicht meines Vaters vor mir.
,,Sophie, du bist wach!''
Ich war bestürzt. Für einen Moment vergaß ich die ganzen Fragen, die in meinem Kopf schwirrten, und sah ihn entsetzt an. Seine Augen sahen angeschwollen, die Haut fahl und trocken aus. Sein von mir so geliebtes Strahlen im Gesicht schien verschwunden. Er sah furchtbar aus. Beinahe, als hätte er eine Woche lang nicht geschlafen.

Manchmal weiß ich aber leider auch nicht, wie ich meine ,,war''s wegbekommen soll...

Viele Grüße,
Nicole

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.06.2013, 17:25)
Tanzmaus hat geschrieben:
Wie kommt es denn von der Geschichte her rüber? Habe mich mit dieser Szene eher schwer getan..


Dass du dich mit dieser Szene schwer getan hast, merkt man ihr mehr als deutlich an. Ich habe ein paar Sätze aus dem Text herausgesucht, an denen mir das ausgefallen ist.

Wo liegt das Problem dieser Szene? Es handelt sich um einen hochemotionalen Moment im Leben von Sophie (Ich-Erzählerin). Sie wacht an einem unbekannten Ort auf, der sich später als Krankenhaus herausstellt; sie hatte einen schweren Verkehrsunfall, der zu einer vorübergehenden Lähmung führte; sie hat ihren Freund Timo bei diesem Unfall verloren. Alles sehr, sehr dramatisch; alles hochgradig emotional. Und genau das fehlt dem Text. Wenig Dramatik und noch weniger Emotionen.

Die Gefahr liegt in der gewählten Erzählperspektive. Die Ich-Form schreibt sich vermeintlich sehr einfach, ist in Wahrheit aber extrem schwer. Zumindest wenn man in Ich-Form gut erzählen will (diese Unterschätzung begehen viele).

Das Problem der ich-Form ist, dass man als Autor/Autorin die Handlung durch die Augen einer Figur sieht und so glaubt, dicht an der Geschichte und dicht an der Figur zu sein. Das Gegenteil ist häufig der Fall.

Beispiele:

"Ich wachte auf und war verwirrt. Wo war ich?"

Die Ich-Erzählweise ist eigentlich die Gedankenwelt der Ich-Figur, also hier Sophie. Denkt und redet Sophie tatsächlich so, wie es der erste Satz dem Leser mitteilt. Denkt Sophie tatsächlich "Ich bin verwirrt"?

Werfen wir einfach mal den zweiten Teil des Hauptsatzes raus und steigern dafür den zweiten Satz emotional:

"Ich wachte auf. Verflixt noch mal, wo war ich?"

Das "Verflixt noch mal" ist natürlich wahlfrei und muss zur Figur von Sophie passen. Es könnte auch "Verdammt" oder "zum Teufel" oder sonst was sein. Die beschreibung "Hallo, Leser! Ich bin jetzt verwirrt" ist auf jeden Fall zu streichen.

"Ich realisierte, dass ich in einem Bett lag."

Hier ist es das Verb "realiserte", was den ganzen Gedanken auf eine nüchterne, nahezu wissenschaftliche Ebene zieht. Würde Sophie in einem anderen Zusammenhang sagen: "Ich realisiere, dass ich in einem Café sitze"? Vermutlich nicht. Also streichen. Kurz und bündig:

"Ich lag in einem Bett." Oder auch "Ich lag offensichtlich in einem Bett."

Gefühle, Eindrücke sollten wirklich aus der Sicht des Ich-Erzählers geschildert werden, nicht in Ich-Form als neutrale Betrachtung von außen:

"Als ich versuchte, meinen Kopf nach rechts zu drehen, zuckte ein Schmerz durch meinen Schädel."

Problem hier: Die Satzform passt nicht zum Satzinhalt. Der Satz versucht das Prinzip von Ursache (Kopf drehen) und Wirkung (Schmerz) umzusetzen, und das in Form eines geschachtelten Satzes: Nebensatz - Nebensatz - Hauptsatz. Und das bei einem plötzlich auftretenden Ereignis. Satzbau und Satzinhalt sollten zusammenpassen, auch vom Tempo her.

"Ich drehte meinen Kopf nach rechts. Und schrie fast vor Schmerz auf. Irgendwas stimmte nicht mit meinem Kopf."

Der nächste Beispielsatz aus deiner Geschichte ist das uralte Problem, wie man emotionale Reaktionen bildhaft schildert:

"Augenblicklich spürte ich Panik in mir aufsteigen."

Da frage ich immer wieder gerne: Wie sieht das aus? Wie fühlt sich das an?

Die aufsteigende Panik ist ein Allgemeinplatz. Das schreibt jeder: "Panik steigt in mir auf." - "Ich hatte Angst." - "Ich war nervös."

Stell dir vor, du bist beim Film und musst einem Schauspieler eine Situation schildern, in der er agieren soll. Was sagst du dem Schauspieler? "Herr Cruise, an dieser Stelle spüren Sie Panik in sich aufsteigen." - "Aha, und wie soll ich das darstellen?" - "???"

Du verstehst das Problem?

Kommen wir zurück zu Sätzen, die dich (und mich als Leser) ganz weit von der Figur entfernen:

"Ich versuchte all die Informationen zu verarbeiten, die ich nicht begreifen konnte."

Informationen verarbeiten? Wer spricht so - außer EDV-Spezialisten in einem Vortrag auf der Computer-Messe? ich stelle mir z. B. ein fußballspiel von ein paar Freizeitkickern vor, wo der Torwart erst "all die Informatuonen verarbeiten muss, warum der Ball ins Tor gegangen ist". Das klingt wahnsinnig umständlich - und ist gleichzeitig ganz weit weg von deiner Sophie. Warum schreibst du nicht einfach das, was Sophie in dieser Situation tatsächlich denkt?

"Was zum Teufel war hier los?"

Nun ein Satz, der Füllwörter enthält und einen Satz nicht nur aufbläht, sondern mich als Leser mit einer Frage zurück lässt:

"... leise Schritte auf dem ebenfalls sehr steril und sauber aussehenden weißen Boden."

Du hast diesen Satz geschrieben, nun erklär mir, warum du dieses "ebenfalls" in den Satz gepackt hast. Vorher wird nichts in der Szene als steril beschrieben. Ist das "ebenfalls" also sinnvoll?

Das klingt wie Wortklauberei, aber für mich ist dieses "ebenfalls" ein reines Füllwort. Füllwörter gibt es reichlich: also, bestenfalls, demgegenüber, eben, folglich ...

Noch ein letztes Beispiel für einen Satz, wie eigentlich kein Mensch spricht:

"Ich verzichtete auf das Bedürfnis zu nicken."

Spricht Sophie tatsächlich so? Wie sieht das am Frühstückstisch aus? "Ich verzichtete auf das Bedürfnis nach einem Toast." Oder bei einem Überfall? "Ich verzichtete auf das Bedürfnis, mich zu wehren."

Solche Sätze wirken umständlich, gekünstelt, nicht lebensecht. Genau das ist vermutlich der Grund, warum du dich mit der Szene so schwer getan hast. Sophie wirkt künstlich. Weil die Sprache in der Szene nicht funktioniert. Weil der Abstand zwischen dir und deiner Figur wahnsinnig groß ist. Ich als Leser spüre nichts von den Gefühlen, die Sophie durchlebt. Das liegt nicht am Handlungsablauf, sondern an der gewählten Sprache.

Also: Noch ein Versuch! cheezygrin

So, und vermutlich ist es jetzt wieder nur eine Frage der Zeit, wann die Hyänen über mich herfallen werden, weil ich mich erdreiste, einen Text so zu beurteilen. Nun ... denn mal los! (und ich bin dann mal eben weg) cheezygrin
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Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (26.06.2013, 17:47)
Ach quatsch, wo sind denn hier Hyänen? :D Es ist ja nicht so, als hätte ich erwartet, dass ich nur so mit Lob überschüttet werde ;) ich tue mich mit der Figur tatsächlich etwas schwer. Vermutlich weiß ich jetzt auch wieso :)
Ich finde es sehr gut, mal eine subjektive Meinung zu meinem Text zu hören (ist nicht so, dass es die erste wäre), aber ich bin immer froh, ehrliche Meinungen zu hören, und kann es auch nachvollziehen, was du sagst.

Also dann: auf zum nächsten Versuch - danke jedenfalls für deine Tipps!

Viele Grüße,
Nicole

Duval
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Re:

von Duval (26.06.2013, 18:06)
Ich muss vorausschicken, dass es sich hiermit um meine ureigne, persönliche Ansicht handelt. Die anderen mögen es vielleicht anders sehen.

Der Text hat sicher Potential. Mich aber stören die vielen ICH. Ich lese generell nicht so gerne in der Ich-Form geschriebenes. Ausser man ist Karl May, der auch bei seinen 2000 Seiten umfassenden Kolportagenwerken nicht in jedem Satz ICH verwendete.
Meines Erachtens gibt es keinen Grund in der Ich-Form zu schreiben, es sei denn es handelt sich um autobiografisches.

Sophie wachte auf und blickte sich verwirrt um. Wo war sie?
Das Zimmer, in dem sie sich befand, war abgedunkelt, die cremefarbenen Vorhänge zugezogen. Eine kleine, ovalförmige Lampe, die in der linken Ecke des Zimmers stand erleuchtete das Zimmer,.
DIe junge Frau realisierte, dass sie in einem Bett lag. Die Wände strahlten in einem schlichten weiß. Als sie versuchte ihren Kopf nach rechts zu drehen, zuckte ein stechender Schmerz durch ihren Schädel.

Mir gefällt es in dieser unpersönlichen Form wesentlich besser. Aber wie gesagt, es ist eine Meinung und kein Muss.

Ich bin gespannt, was die anderen Forumsteilnehmer und natürlich auch Nicole selber dazu sagen.

Dash, Duval

Tanzmaus
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Ein Entwurf...

von Tanzmaus (26.06.2013, 20:45)
Guten Abend zusammen,

interessant, wie unterschiedlich hier die Meinungen sind. Ich habe ein bisschen rumprobiert und einen Entwurf für beide Versionen gemacht.
Ich hoffe man erkennt den Unterschied klar (habe mich jedenfalls
bemüht) ;)

Viele Grüße,
Nicole
_____________________________________________________________

Version 1:
Ich wachte auf. Verdammt, wo war ich?
Das Zimmer, in dem ich mich befand, war abgedunkelt, die cremefarbenen Vorhänge zugezogen. Eine kleine, ovalförmige Lampe, die in der linken Ecke des Zimmers stand, erleuchtete das Zimmer.
Ungemütlich. Und außerdem kalt. Scheinbar lag ich in einem Bett. Die Wände strahlten in einem schlichten weiß. Ich versuchte, meinen Kopf nach rechts zu drehen. Au! Ich schrie vor Schmerz auf. Was zum Teufel war das? Warum konnte ich meinen Kopf nicht drehen?
Ich blickte mich um. Offensichtlich befand ich mich alleine in dem weißen, kalten Zimmer. Irgendetwas stimmte hier nicht. Da! Waren da Schritte? Ja, jetzt klang sogar eine Stimme zu mir herüber. Paps?
,,Sophie, du bist wach!'' Das erleichterte und zugleich besorgte Gesicht meines Vaters tauchte vor mir auf. Für einen Moment vergaß ich alle Fragen, die in meinem Kopf schwirrten, und sah ihn entsetzt an. Was war mit ihm geschehen? Seine Augen sahen angeschwollen, die Haut fahl und trocken aus. Sein von mir so geliebtes Strahlen im Gesicht schien verschwunden. Wie lange hatte er nicht mehr geschlafen?
,,Ja - '' Mehr fiel mir dazu plötzlich nicht mehr ein.
Seine anfängliche Besorgnis wandelte sich in Mitleid. Was sollte das? Warum sah er mich so an? Ich wollte keine Mitleid, ich wollte einfach nur wissen, was passiert war.
Und schon wieder schlug mir mein Herz bis zum Hals. Das dumpfe und zugleich laute Pochen hallte in meinen Ohren wieder.
,,Shh … Sophie ich bin bei dir.'' Mein Vater nahm sich einen Stuhl und zog ihn zu mir heran.
,,Paps, was ist passiert?''
,,Sophie, das ist kompliziert zu erklären … ''

_____________________________________________________________

Version 2:

Sophie

Sie wachte auf und blickte sich verwirrt um. Wo war sie?
Das Zimmer, in dem sie sich befand, war abgedunkelt, die cremefarbenen Vorhänge zugezogen. Eine kleine, ovalförmige Lampe, die in der linken Ecke des Zimmers stand, erleuchtete das Zimmer.
Sophie realisierte, dass sie in einem Bett lag. Die Wände strahlten in einem schlichten weiß. Als sie versuchte, ihren Kopf nach rechts zu drehen, zuckte ein stechender Schmerz durch ihren Schädel. Eine Art Widerstand an ihrem Hals hinderte sie daran.
Sie blickte sich um. Offensichtlich befand sie sich alleine in dem weißen, kalten Zimmer. Doch da hörte die junge Frau jemanden eintreten, leise Schritte ertönten auf dem steril und sauber aussehenden weißen Boden. Als sie gerade fragen wollte, wer da sei, sah sie das erleichterte und zugleich besorgte Gesicht ihres Vaters vor sich.
,,Sophie, du bist wach!''
Sie war bestürzt. Für einen Moment vergaß sie alle Fragen, die in ihrem Kopf schwirrten, und sah ihn entsetzt an. Seine Augen sahen angeschwollen, die Haut fahl und trocken aus. Sein von ihr so geliebtes Strahlen im Gesicht schien verschwunden. Er sah furchtbar aus. Beinahe, als hätte er eine Woche lang nicht geschlafen.
,,Ja - '' Mehr fiel ihr dazu plötzlich nicht mehr ein.
Seine anfängliche Besorgnis wandelte sich in Mitleid. Sophie mochte diesen Blick nicht. Nicht jetzt, wo sie so verwirrt war und bloß wissen wollte, was passiert war.
Da war sie wieder, die Panik. Sie rauschte durch ihren Körper, brachte ihr Herz in einen rasenden Galopp und ließ das Blut in ihren Ohren hörbar rauschen. Sie konnte sich nicht bewegen, lag in einem fremden Raum in einem Bett, hatte keine Erinnerung.
,,Shh … Sophie ich bin bei dir.'' Ihr Vater nahm sich einen Stuhl und zog ihn zu ihr heran.
,,Paps, was ist passiert?''
,,Sophie, das ist kompliziert zu erklären … ''

____________________________________________________________

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Re:

von Duval (30.06.2013, 21:39)
Hallo Nicole

Wow, ich bin begeistert.
Siehst du, beziehungsweise hörst du den Unterschied?

In der Ich-Form tönt es komplett hölzern, es plätschert vor sich hin, während es in der sie-Form dazu zwingt die Szene als Beobachter zu erleben.
Und genau das macht es spannend.
Ich finde deine zweite Version gut und spannend geschrieben. Es macht neugierig auf mehr.
Ich hoffe, du kannst den Spannungsbogen über das gesamte Buch aufrecht erhalten.
Den richtigen Einstieg hast du jedenfalls nun gefunden.

Viel Spaß beim Schreiben.

Dash, Duval

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Bleib bei der Ich-Form

von Galsworthy (01.07.2013, 03:53)
Die Ich-Form zieht den Leser immer direkt hinein ins Geschehen. Dei dritte Person ist was für die Zeitung.
I love to entertain You

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (01.07.2013, 10:09)
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie mit Pauschalbewertung herumgeworfen wird, ohne im Detail auf das Thema einzugehen ... cheezygrin

Solche Pauschalbewertungen bringen Schreibneulinge ganz gewaltig weiter :twisted:

Im Prinzip gibt es nur drei Erzählperspektiven. Noch vor dem ersten Satz muss sich der Autor bzw. die Autorin entscheiden, aus welcher Perspektive die Geschichte erzählt werden soll.

Die Erzählperspektiven sind:

a) Ein offen auftretender allwissender Erzähler, der den Leser direkt anspricht und in der Geschichte in Form von "Ich" oder "Wir" auftritt (Fachbegriff: auktoriale Perspektive)

b) Ein Ich erzählt die eigene Geschichte aus eigener Sicht (der klassische Ich-Erzähler)

c) Die Geschichte wird in der dritten Person Singular (er; sie, es) erzählt, wobei die Erzählperspektive die der jeweiligen Person ist und von Szene zu Szene, aber nicht innerhalb der Szene, ändern kann (Fachbegriff: personale Perspektive).

Zu a)

Der Erzähler schwebt wie Gottvater über dem Geschehen, springt von einem Kopf seiner Figuren beliebig in einen anderen, weiß alles über seine Figuren und die bevorstehende Handlung, kommentiert diese, moralisiert und spricht mit dem Leser.

Beispiel: "Wahlverwandtschaften" von Goethe

    Eduard - so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter - Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags verbracht.

Der allwissende Erzähler ist typisch für die Romane des 18. und 19. Jahrhunderts, da Literatur damals auch immer Bildungsliteratur war. Diese Erzählweise ist heute unüblich geworden, da der Leser der Gegenwart sich dadurch bevormundet fühlt.

Die Eigenart des allwissenden Erzählers bringt es mit sich, dass zwischen Erzähler und Erzähltem ein großer Abstand klafft. Großer Abstand zur Geschichte ist für den heutigen Leser ein Negativ-Kriterium. Der heutige Leser möchte in eine Geschichte hineingezogen werden und mit den Figuren mitfiebern. Das ist beim allwissenden Erzähler nahezu unmöglich.

Zu b)

Bei einer Ich-Erzählung können drei Figuren als literarisches "Ich" auftreten: Die Hauptfigur selbst, eine zur Hauptfigur im Gegensatz stehende Figur oder eine Randfigur, die eine enge Beziehung zur Hauptfigur hat.

Der Leser wird in dieser Form fest an eine der Figuren der Geschichte gebunden. Er sitzt sozusagen im Kopf dieser Figur. Der Leser bekommt mit, was diese Figur tut, denkt, fühlt, sieht, hört und riecht. Genau hier liegen aber auch die Probleme. Ist die Ich-Figur an irgendeiner Stelle unsympathisch oder handelt unterhalb der ihr möglichen Kapazitäten, verliert der Leser den Kontakt zum Ich-Erzähler. Zweites Problem: In der Handlung kann nur das geschildert werden, was der Ich-Erzähler tatsächlich erlebt. Was der Ich-Erzähler nicht miterlebt, kann er auch nicht in der Geschichte berichten. Dies ist gerade für Anfänger extrem schwer durchzuhalten und fordert viel Konstruktionsaufwand bei der Planung der Handlung.

Bekannte Ich-Erzählungen sind z. B. "Der Name der Rose" (erzählt von der Ich-Figur des Adson von Melk), die Sherlock-Holmes-Romane (erzählt von der Ich-Figur des Dr. Watson), "Die Blechtrommel" (erzählt von der Ich-Figur des Oskar Matzerath).

Die Ich-Form erscheint leicht, ist aber eine sehr schwierige Erzählform, ganz besonders bei langen Texten.

Zu c)

Die heute häufigste Erzählperspektive ist die Erzählweise aus der dritten Person heraus. Der Erzähler bleibt im Hintergrund (anders als beim auktorialen Erzählen) und wählt eine Figur aus, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird. Dabei muss man für den gleichen Sachverhalt im Text schreibtechnisch zwischen direkter Rede, erlebter Rede und erzählter Handlung in der personalen Perspektive unterscheiden.

Direkte Rede:
    "Schön sieht er aus", dachte sie. "Soll ich ihn ansprechen?"

Erlebte Rede:
    Sie ging die Straße entlang und sah den jungen Mann. Schön sah er aus. Sollte sie ihn ansprechen?

Erzählte Handlung:
    Als sie die Straße entlang ging, fiel ihr der schöne junge Mann auf. Sie fragte sich, ob sie ihn ansprechen sollte.

Diese Erzählperspektive bietet dem Autor/der Autorin die größten Möglichkeiten, eine Szene entsprechend aufzubauen und aufzulösen. Nicht ohne Grund ist sie daher die heute meistgewählte Variante. Zudem hat sie den Vorteil, von Szene zu Szene zwischen den Perspektivfiguren zu springen (anders als die Ich-Erzählweise, die niemals aus der gewählten Figur heraus kommt). Wichtig ist bei einem Wechsel der Erzählperspektive, dass für den Leser dieser Wechsel eindeutig ist. Deshalb gilt der Grundsatz, dass ein Perspektivwechsel niemals innerhalb einer Szene stattfinden darf. Merksatz: Eine Szene - eine Perspektivfigur!

Natürlich gibt es kein Verbot für einen Perspektivwechsel innerhalb einer Szene. Aber erfahrene Leser stufen den Autor dadurch als "Anfänger" ein - oder der Text bewegt sich auf Experimentalniveau (was dann aber durch den ganzen Text durchgehalten werden müsste).

Ein Beispiel für "so bitte nicht!":

    Peter schnaubte vor Wut.
    Warum regt er sich jetzt so auf, empörte Mona sich innerlich. Er ist doch selbst dran schuld.
    Und sie steht da, als sei nichts. Wenigstens eine Erklärung könnte sie abliefern. Er verstand Mona sowieso nicht mehr. Erst war sie ganz Feuer und Flamme für ihn, jetzt ließ sie ihn so hängen.


Satz 1: Betrachtung von außen - noch ist nicht klar, wessen Perspektive wir als Leser angeboten bekommen

Satz 2 und 3: Eindeutig Perspektive von "Mona". Wir stecken als Leser in ihrem Kopf und bekommen ihre Gedanken mit.

Satz 4 bis Ende: Wir springen in den Kopf von "Peter" und wechseln damit die Erzählfigur. Leser nehmen so etwas übel, weil sie jetzt nicht mehr wissen, wem sie ihre Sympathien schenken sollen.

Abschließend:

Welche Perspektive man wählt, ist abhängig von der Erzählabsicht, dem Inhalt der Geschichte, den beteiligten Figuren - und den Fähigkeiten des Autors / der Autorin. Alle Erzählperspektiven haben Vorteile, aber auch Nachteile.

Ist die Story stark und handlungsgeprägt, dann bietet sich die dritte Person Singular an. Das "Kopfkino" lässt sich in dieser Form am leichtesten erzeugen.
Will man eine Geschichte erzählen, wo Authentizität (furchtbares Modewort!) eine große Rolle spielt, oder ist die Geschichte in ihrem Anteil an aktiver Handlung schwach (viel Kommentare, viele Betrachtungen), dann bietet sich der Ich-Erzähler an. Allerdings muss der Ich-Erzähler interessant oder sympathisch aufgebaut sein. Sentimentale, weinerliche oder gar pervers gestrickte Ich-Erzähler stoßen den Leser ab.

Letztlich hilft nur eines: Ausprobieren!

Bekanntermaßen macht ein Autor / eine Autoren alle 100.000 geschriebene Zeichen einen Qualitätssprung.

Nachtrag:
Zu den zwei neuen Versionen des vorgestellten Texte äußere ich mich bei Gelegenheit.
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (01.07.2013, 19:23)
Vielen Dank für eure Antworten,

vor allem dir, Siegfried. Ich fühle mich hier direkt wohl, wenn ich ehrliche Kritik bekomme und mir auch nicht nur gesagt wird, so ist es schlecht oder gut, sondern warum es so ist und wie ich es besser machen kann.
So kommt man doch viel besser weiter. :)

Also werde ich jetzt mal weiter überlegen und fleißig schreiben...
Übung macht ja bekanntlich den Meister, und wenn ich meine Geschichten von vor drei Jahren ansehe, bin ich unendlich froh, dass ich jetzt anders schreibe :D

Jetzt frage ich mich nur, ob das wirklich allen Autoren so geht angle:

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Petra Wolff
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Re:

von Petra Wolff (01.07.2013, 22:21)
Hallo, besonders an Tanzmaus und Siegfried.

Ich muss auch mal wieder meinen Senf dazu abgeben.

Ich finde diese Diskussion sehr gut, habe selbst sehr viel daraus gelernt.
Habe mir die Erklärungen zu den verschiedenen Erzählweisen durch den Kopf gehen lassen, und mir in Erinnerung gerufen, wie das jeweils bei Büchern, die mir sehr gut gefallen haben, gelöst wurde.

Habe nun noch eine kleine Sache gefunden, die mir nicht ganz logisch erscheint. Sorry, ich kann nicht anders. Und zwar: Wenn das Zimmer abgedunkelt ist und nur durch eine kleine Lampe, die in der Ecke steht, beleuchtet wird, dann können die Wände noch so schön weiß angestrichen sein, aber man wird sie wahrscheinlich nicht als strahlend empfinden. Denk mal darüber nach, oder probier es aus.

Beste Grüße
Petra
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Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (02.07.2013, 14:29)
Hallo Petra,

ja das leuchtet mir ein :lol: angle: (wird also jetzt geändert).
Und ich freue mich über jede Anregung! Bin ja mal gespannt, was Siegfried zu den überarbeiteten Versionen denkt. Wenn ich selber darüber nachdenke (der Unterschied der Perspektiven), sehe ich die Ich-Perspektive als geeigneter für meine Geschichte an. Einfach weil es ein sehr emotionales Buch werden soll, was aber auch beim Leser ankommen soll und das ist mir sehr sehr wichtig. Allerdings muss ich mich dafür genauer mit meiner Figur Sophie auseinandersetzen. Mit der anderen Hauptfigur (Semir, ihr Beschützer) klappt es meiner Meinung nach besser, mit ihm fällt mir das einfacher ;)

Viele Grüße,
Nicole

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Siegfried
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Re: Ein Entwurf...

von Siegfried (04.07.2013, 01:33)
So, ich habe es etwas Zeit gehabt und mir die beiden Texte in aller Ruhe durchgelesen.

Erst einmal vorweg: Es ist eindeutig ein Fortschritt erkennbar. Die neuen Versionen - beide! - sind besser als die alte Version.

Nur - es sind noch immer zu viele Macken drin, als dass ich sie für eine Veröffentlichung freigeben würde. Sorry! cheezygrin

Zunächst einmal kurz zur Erzählperspektive: Im vorliegenden Fall würde ich beim "Ich" bleiben, da die Szene sehr wenig Handlung, dafür aber umso mehr Eindrücke und Emotionen bietet (für meinen Geschmack leider noch immer viel zu wenig ... angle: )

Tanzmaus hat geschrieben:
Version 1:
Ich wachte auf. Verdammt, wo war ich?
Das Zimmer, in dem ich mich befand, war abgedunkelt, die cremefarbenen Vorhänge zugezogen. Eine kleine, ovalförmige Lampe, die in der linken Ecke des Zimmers stand, erleuchtete das Zimmer.
Ungemütlich. Und außerdem kalt. Scheinbar lag ich in einem Bett. Die Wände strahlten in einem schlichten weiß. Ich versuchte, meinen Kopf nach rechts zu drehen. Au! Ich schrie vor Schmerz auf. Was zum Teufel war das? Warum konnte ich meinen Kopf nicht drehen?
Ich blickte mich um. Offensichtlich befand ich mich alleine in dem weißen, kalten Zimmer. Irgendetwas stimmte hier nicht. Da! Waren da Schritte? Ja, jetzt klang sogar eine Stimme zu mir herüber. Paps?
,,Sophie, du bist wach!'' Das erleichterte und zugleich besorgte Gesicht meines Vaters tauchte vor mir auf. Für einen Moment vergaß ich alle Fragen, die in meinem Kopf schwirrten, und sah ihn entsetzt an. Was war mit ihm geschehen? Seine Augen sahen angeschwollen, die Haut fahl und trocken aus. Sein von mir so geliebtes Strahlen im Gesicht schien verschwunden. Wie lange hatte er nicht mehr geschlafen?
,,Ja - '' Mehr fiel mir dazu plötzlich nicht mehr ein.
Seine anfängliche Besorgnis wandelte sich in Mitleid. Was sollte das? Warum sah er mich so an? Ich wollte keine Mitleid, ich wollte einfach nur wissen, was passiert war.
Und schon wieder schlug mir mein Herz bis zum Hals. Das dumpfe und zugleich laute Pochen hallte in meinen Ohren wieder.
,,Shh … Sophie ich bin bei dir.'' Mein Vater nahm sich einen Stuhl und zog ihn zu mir heran.
,,Paps, was ist passiert?''
,,Sophie, das ist kompliziert zu erklären … ''


Bereits mit dem ersten Satz habe ich ein kleines Problem. Das Aufwachen geschieht sehr abrupt, gleich gefolgt von dem "Verdammt". Das klingt für mich nicht nach jemandem, der mühselig aus einer Bewusstlosigkeit nach einem Unfall bzw. einer Operation erwacht - mehr so nach "der Wecker hat gerappelt und ich weiß nach einer durchzechten Nacht nicht, ob ich in meinem Bett oder einem fremden aufwache". Vorschlag von meiner Seite: Das Aufwachen verzögern, mühselig machen, mehr Gefühl in die Figur legen, wie schwer das Aufwachen ist (Öffnen der Augen fällt schwer, verschleierter Blick, Rauschen in den Ohren, schaler Geschmack im Mund, taubes Gefühl in Armen und Beinen usw.). Erst danach allmähliche Beschreibung der Umgebung (der Blick der Ich-Erzählerin ist ja nicht sofort klar).

Bei der Zimmerbeschreibung würde ich die Adjektive untersuchen, ob der Text sie wirklich braucht.

Dann etwas Wichtiges: Es gibt einen inhaltlichen Unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend". "Scheinbar" ist etwas, was vermutet wird, sich aber als falsch herausstellt; "anscheinend" ist etwas, was vermutet wird und sich dann als korrekt herausstellt. Streiche also "scheinbar" und ersetze durch "anscheinend".

Was auch nicht funktioniert: Kopf drehen geht nicht, weil das höllisch weh tut, aber direkt danach heißt es "Ich blickte mich um". Wie? Wenn der Kopf nicht bewegt werden kann, ist das ziemlich schwierig.

Das Auftauchen des Vaters ist gut, allerdings würde ich die Frage "Was war mit ihm geschehen?" streichen und durch ein "Er sah schrecklich aus" ersetzen. Die Frage und die nachfolgende Beschreibung seines Aussehens passen irgendwie nicht gut zusammen.

Das "Mehr fiel mir dazu plötzlich nicht mehr ein" wirkt sehr steif und gekünstelt. Mir erscheint da ein "Mehr bekam ich nicht heraus" schlüssiger.

Dann meine obligatorische cheezygrin Frage zu Füllwörtern: Warum steht da "Und schon wieder schlug mir mein Herz bis zum Hals" - es geht um die Füllwörter "schon wieder"? Hat das Herz vorher schon einmal bis zum Hals geschlagen? ich habe nichts im Text gefunden ... cheezygrin

Der Rest mit dem Dialog ist gut, klingt schön lebendig. Es wäre zu überlegen, ob es zwischen Vater und Tochter zu einer Berührung kommt (z. B. Vater nimmt die Hand seiner Tochter).

Also:
Der neue Text ist besser als der alte, braucht aber noch immer ein gehöriges Maß an Pflege. Es fällt dir vielleicht schwer, aber lass Sophie am Anfang mehr leiden. Deutlich mehr leiden. Versetz dich in ihre Lage. Wie ist es, aus einer Bewusstlosigkeit zu erwachen? Spiel dabei mit allen menschlichen Sinnen. Was ist bei einem langsamen, mühseligen Aufwachen das Erste, was man mitbekommt? Das Gefühl vom Bett? Die schmerzenden Glieder? Irgendwelche Geräusche oder Gerüche? Die optischen Eindrücke würde ich ganz nach hinten stellen, nachdem Sophie mit allergrößter Mühe die Augen öffnet.

Und nochmals meine Aufforderung an dich: Kriech ganz tief in die Figur der Sophie hinein. Du hast hier eine Szene, die rein emotional ausgestaltet ist (und nicht handlungsorientiert). Also musst du für diese Szene ganz mit Sophie verschmelzen. Sei Sophie! Trau dich!

Auf zur nächsten Version!

Die Version in der 3. Person Singular schenken wir uns, weil die Ich-Perspektive hier eindeutig die bessere ist und ansonsten für den zweiten Text die Anmerkungen gleichermaßen gelten.

Ach ja ... Vielleicht beginnen jetzt einige Mit-Leser zu merken, dass gutes Schreiben ein hartes Geschäft sein kann ... cheezygrin
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