Der Zither-Ritter

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Detlef Schumacher
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Der Zither-Ritter

von Detlef Schumacher (04.07.2013, 16:42)
Ich nehme meine Zither
am Sonntag um halb Neun,
geh‘ hin zum stolzen Ritter,
mein Spiel soll ihn erfreu‘n.
Doch gilt‘s vor allen Dingen
dem holden Töchterlein,
ihm werd‘ ich fein was singen,
denn mein Gesang ist rein.

Ich singe nicht vom Kampfe,
das mag Feinsliebchen nicht,
ihr Herz sich so verkrampfe,
wenn‘s haut und hiebt und sticht.
Ich zith‘re von der Liebe,
von Küssen bei der Nacht,
erweck‘ so ihre Triebe,
behutsam, leicht und sacht.

Sie wird mir nicht erscheinen,
der Vater will das so,
mein Liebchen wird sehr weinen,
das macht auch mich nicht froh.
Er will nicht, dass ich freie
das süße, holde Kind,
ich riech‘ zu sehr nach Kleie,
nach Schwein und auch nach Rind.

„Ich kann die Zither führen“,
sprach ich ihm ins Gesicht,
„mein Spiel kann Herzen rühren,
ein Schwertstreich kann das nicht.“
„Du bist doch nur ein Bauer,
im Schwerstreich eine Null,
liegst Mäusen auf der Lauer,
melkst Kühe strip-strap-strull.

Mit dir ließ‘ sich gewinnen
nicht eine einz‘ge Schlacht,
die Gegner wie von Sinnen
hätten nur laut gelacht.“
„Ich will nicht Menschen schlachten,
ich will sie nur erfreu‘n,
denn die den Kampf verachten,
sie wollen sich nicht bläu‘n.“

Der Ritter drob: „Verpiss dich,
ich will dich nicht mehr seh‘n,
dein Spiel ist mir entsetzlich,
die Lust kann mir vergeh‘n.
Die Lust, mein Mahl zu nehmen,
zu trinken meinen Wein;
kannst meinen Mut nicht lähmen,
du schwaches Zitherlein.“

So sprach er einst vor Wochen,
die Worte grämten mich,
sie haben scharf gestochen
mein seelisch Innerlich.
Doch konnten sie nicht brechen
mein Sehnen nur nach Ihr,
will musisch schön bestechen,
dass es auch sein Plaisir.

Die Sonne strahlt vom Himmel
so sonntäglich und hell,
da naht ein Menschgetümmel
recht ungestüm und schnell.
Mich fasst ein stilles Ahnen,
sind‘s die, die wieder mal
erheben ihre Fahnen
gen Ritter als Fanal.

Der schändet ihre Fluren,
lässt stehlen deren Vieh,
die Söldner schamlos huren,
vernichten, was gedieh.
Es stürmt der wilde Haufen
entschlossen Ritters Schloss,
der sitzt gerad‘ beim Saufen
mit dem Soldatentross.

Als der die Bauern siehet,
lallt er voll Trunkenheit:
„Wenn ihr nicht gleich entfliehet,
mach‘ ich euch alle breit!“
Die Bauern ohne Ängste,
sie schreien voller Wut:
„Lass ab von uns, sonst hängste!“
Doch der bezeigt noch Mut.

Er grölt: „Ihr Hurensöhne
verlasst sofort mein Schloss,
sonst sprechen andre Töne
Kanonen mit Geschoss!“
Die Bauern sind beleidigt,
sie gehen auf ihn los,
kein Mann, der ihn verteidigt,
volltrunken schnarcht der Tross.

Nun wird ihm angst und bange,
er ruft sein Töchterlein:
„Man nimmt mich in die Zange,
das wird mein Ende sein.“
Das Töchterchen, das Gute,
erblicket nun auch mich.
„Bist du auch voller Wute?“
Und ich darauf: „Ich nich!

Bin wieder mal zugegen,
zu sehen dein Gesicht,
doch deines Vaters wegen
konnt‘ ich es sehen nicht.
Ihn müsste ich wohl hassen,
doch liebe ich sein Kind.
Lass‘ mich dein Händchen fassen,
entfliehen ganz geschwind!“

Und wie ich das forsch sagte,
der Bauernhaufen laut:
„Weil Liebe an dir nagte,
so nimm sie nun zur Braut!
Wir aber werden töten
den, der ihr Vater ist,
Wir sind dann frei von Nöten,
Wie du das dann auch bist.“

Des Ritters Tochter bat mich,
für Papa was zu tun;
er war zwar oft beschwerlich,
doch manchmal opportun.
Ich zupfte meine Zither,
sang dazu auch das Lied,
das er, der harte Ritter,
Einst nannte: „Dummer Schiet!“

Ich sang von Leid und Liebe,
von Sehnsucht und von Freud‘,
wie gern ich liebend bliebe
allzeit so wie auch heut‘.
Der Saitenklang der Zither
und meines Sanges Ton,
ergriff nicht nur den Ritter,
auch die Todesschwadron.

Ich durfte es nun freien
das holde Töchterlein,
inzwischen hört man schreien
recht laut zwei Kinderlein.
Die Zwillinge sind niedlich,
die Bauern frei und froh,
der Opa, er ist friedlich,
die Eltern sowieso.

Es klingt zwar etwas bitter,
doch meint das Volk es lieb,
ich bin der Zither-Ritter
und der, der dieses schrieb.

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Grit
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Re:

von Grit (10.07.2013, 11:43)
Das ist großartig. Und so flüssg zu lesen. Und noch dazu höchst amüsant. Was hab ich gerade gelacht über "strip-strap-strull" und "Dummer Schiet!". cheezygrin

Detlef Schumacher
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Re:

von Detlef Schumacher (10.07.2013, 15:34)
Dein Lachen freut mich, Grit, gibt es mir doch Gewissheit, den Zweck mit diesen Reimen erreicht zu haben. Jedenfalls bei dir.
LG Detlef

Lennet

Re:

von Lennet (10.07.2013, 23:16)
Ich musste sehr lachen - ganz großes Kino! thumbbup

Am lustigsten fand ich:

"Das Töchterchen, das Gute,
erblicket nun auch mich.
„Bist du auch voller Wute?“
Und ich darauf: „Ich nich! "

Detlef Schumacher
Beiträge: 1318
Registriert: 01.09.2008, 21:15

Re:

von Detlef Schumacher (11.07.2013, 07:16)
Danke, Lennnert.
Manchmal gelingen mir solche Wortentstellungen.

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