HILFE! Probleme mit der "Alltagswelt" des Protagon

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Loewe
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HILFE! Probleme mit der "Alltagswelt" des Protagon

von Loewe (06.11.2013, 11:18)
Normalerweise beginnt ein guter Roman damit, die Hauptperson und ihr Leben zu schildern, damit der Leser eine Beziehung mit ihr aufbaut. Erst wenn der Leser ein wenig in der Fantasiewelt des Autors zurechtkommt und die Hauptperson einigermaßen kennt, dann kann eigentlich erst das "Abenteuer" beginnen (wie z.B. in "Die Tribute von Panem" (SciFi & Fantasy) und vielen anderen Romanen.

Mein Roman beginnt damit, dass die Hauptperson durch einen nicht beabsichtigten Zeitsprung (Zeitmaschine, ...) in der Zukunft landet und dann dort einige Abenteuer bestehen muss.
Mein Roman beginnt nicht damit, was vor dem Zeitsprung passiert. Er beginnt direkt mit dem Zeitsprung.

In meiner Geschichte kommt also das erste Highlight/Abenteuer ganz am Anfang (das Erwachen in der Zukunft).

Ich kann also aus zwei Gründen nicht das "Alltagsleben"/die "Alltagswelt" der Hauptperson schildern:
1. Da das erste Highlight (erwachen in der neuen Welt) ganz am Anfang kommt bleibt mir eigentlich keine Zeit Alltagswelt/Alltagsleben zu schildern.
Die Hauptperson erwacht ja in der Zukunftswelt. Da muss ich ja auch erstmal die (komplexe) Zukunftswelt beschreiben.
2. Warum sollte ich am Anfang die Alltagswelt der Hauptperson beschreiben, wenn es diese Alltagswelt gar nicht mehr gibt.

Mit "Alltagsleben"/"Alltagswelt" meine ich z.B. bei Harry Potter die Familie Dudley, bei Panem den Distrikt 12, u.s.w.

Wie schon gesagt, finde ich "Alltagswelt"/"Alltagsleben" sehr wichtig um eine Beziehung mit der Hauptperson aufzubauen.

Wie soll ich in meinem Fall (Probleme 1. und 2.) eine Alltagswelt beschreiben?

Die einfachste Antwort wäre jetzt: "Beginne doch einfach mit "Alltagsleben"/"Alltagswelt" und verschiebe den Zeitsprung ein wenig nach hinten.
Aus zwei Gründen tue ich mich da sehr schwer:
A) Der jetzige Anfang ist sehr spannend.
B) Der Leser hat sich an "Alltagsleben"/"Alltagswelt" gewöhnt und wird dann in die neue Welt katapultiert (aus der vertrauten rausgerissen) - und kommt nicht wieder zurück (in Harry Potter oder Panem z.B. kommt die Hauptperson wieder zurück)

Vielleicht habt ihr noch andere Ideen für meine Frage:
Wie soll ich in meinem Fall (Probleme 1. und 2.) eine Alltagswelt beschreiben?

Vielen Dank für eure Hilfe!

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David Damm
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Re:

von David Damm (06.11.2013, 12:27)
Hallo,

und herzlich willkommen!

Im Grunde beschreibst du eine mögliche Lösung schon selbst. Die Schilderung der (gewöhnlichen) Alltagswelt ist in deinem Fall überflüssig, da dein Protagonist sofort in die Zukunft gebracht wird und nach deiner Schilderung auch nie mehr in die Gegenwart zurück kommt. Also wozu den Leser langweilen, mit einer Weltbeschreibung, die für deine Geschichte nicht oder kaum von Interesse ist?
Stattdessen liegt die (neue) Alltagswelt deines Protagonisten in der Zukunft. Das interessiert den Leser und er möchte erfahren, wie dein Protagonist dort zurecht kommt, zumal in einer völlig neuen Umgebung. Währenddessen kannst du, falls es passt und der Geschichte dient, ab und zu kleine Rückblicke auf die alte Alltagswelt hineinweben.

Ich wünsche dir viel Erfolg.

Gruß, David.

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fasanthiola
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Re:

von fasanthiola (06.11.2013, 14:22)
Auch von mir ein herzliches Willkommen, Loewe.
Ich sehe das wie David. Ich würde den Leser mitnehmen auf den Weg in den "neuen" Alltag. Eigenheiten, Angewohnheiten und andere Wesenszüge bekommt der Leser mit, indem er beobachtet, wie der Protagonist agiert.

Wo hast du das her, dass jedes Buch mit dieser Alltagseinführung beginnen muss? Ich persönlich mag eher Geschichten, die mich mit einem Schlag in eine (neue) Situation versetzen.
Die Cyriakusglocke - Fasanthiola 5
Aliceas Lied - Fasanthiola 4
Dem Ruf der Drachen folgen! - Fasanthiola 3
Die Felsenstadt Semal Rethis - Fasanthiola 2
Keine Zeit für Drachen - Fasanthiola 1

www.fasanthiola.de

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (06.11.2013, 16:02)
fasanthiola hat geschrieben:
Wo hast du das her, dass jedes Buch mit dieser Alltagseinführung beginnen muss?


ich denke, da liegt ein Missverständnis bei der Umsetzung der Dramaturgie vor.

Dort heißt es, dass es zu Beginn eine "intakte Welt" gibt (wobei die "Welt" alles mögliche sein kann) und diese intakte Welt durch ein Ereignis massivst gestört wird. Viele Autoren nutzen die Darstellung der intaken Welt, um das komplette Setting einer Geschichte darzustellen. Daher wohl der Eindruck der "Alltagseinführung".

Eigentlich geht es nur um die Darstellung der Lebensumstände der Hauptperson von der "Katastrophe" und danach. Gerade im SF-Bereich gibt es häufig Anfänge mit sofortiger Katastrophe (z. B. "Planet der Affen", "Alien" - in beiden Fällen wird die "heile Welt" der schlafenden Raumfahrer durch das Wecken zerstört, weil eine Bedrohung existiert)

Diese klassische Schema der "Alltagseinführung" kommt vor allem in Hollywood-Filmen vor. Siehe "Armageddon" oder "The Day After Tomorrow". Das ist eine Krücke, um die Hauptfigur sympathisch erscheinen zu lassen, bevor er sein Leben riskiert.
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

MarenK.
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Re:

von MarenK. (06.11.2013, 16:05)
Vielleicht kannst du hier und da Vergleiche von früher und heute ziehen? Also, daß etwas im Gegensatz zu früher heute so ist oder umgekehrt. Vielleicht in Gedankengängen oder so.
Aber ansonsten muß ich nicht unbedingt von früher lesen, wenn das nicht irgendwie mit der Geschichte zu tun hat bzw. für die Geschichte wichtig sein könnte.
Viele Grüße
Maren

Hier kommt Maddy!, BoD ISBN 978-3-7322-4870-4

Loewe
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Registriert: 06.11.2013, 11:11

Re:

von Loewe (06.11.2013, 17:41)
Vielen Dank für eure Antworten!

Wie es Siegfried richtig erkannt hat, geht es mir bei der "Alltagseinführung" wirklich nur darum, dass der Protagonist dem Leser sympatisch wird.

Die "neue Welt" kann ich ja nicht zum sympatisieren verwenden, da der Protagonist sie selbst noch nicht kennt.

Etwas kommt noch hinzu, was ich oben nicht erwähnt habe:
Die Geschichte wird in der ersten Person Präsens geschrieben.
Das heißt, dass ich also keinen Flashback aus der dritten Person o.Ä. machen kann (man kann also nur durch die Gedanken des Protagonisten in die Vergangenheit blicken).

Ich könnte (wie oben von David beschrieben) gleich von Anfang an Rückblenden einweben.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele Rückblenden den Lesefluss stören...und es wird gerade am Anfang viele Rückblenden geben müssen, um den Leser mit dem Protagonisten zu sypatisieren.

Sehe ich das richtig? Oder kann man im ersten Kapitel z.B. über 50% Rückblenden verwenden, ohne dass man den Leser aus dem Fluss wirft? Also ein ständiger Wechsel zwischen dem aktuellen Geschehen und den Gedanken des Protagonisten an die Vergangenheit.
Geht das? Oder wirft man den Leser so aus dem Lesefluss?

Nochmal vielen Dank für eure hilfeichen Kommentare!!!

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