Frage zur Zeichensetzung

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AnGaWe
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Frage zur Zeichensetzung

von AnGaWe (12.11.2013, 10:57)
Hallo an alle,
ich stolpere beim Schreiben einer Geschichte gerade über ein Problem.

Die Sache sieht folgendermaßen aus:
eine junge Frau beobachtet eine ungewöhnliche Situation und überlegt, ob sie spontan eingreifen soll (oder besser nicht)

Wie muss das in puncto Zeichensetzung aussehen?
So:

1) Sollte sie denn wirklich – ? Durfte sie überhaupt – ?! Oh doch, sie musste sogar!

2) Oder:
Sollte sie denn wirklich? Durfte sie überhaupt? Oh doch, sie musste sogar!

3) oder am Ende gar so?
Sollte sie denn wirklich...? Durfte sie überhaupt...? Oh doch, sie musste sogar!


Ich bin spontan versucht, es komplett ohne Auslassungspunkte oder Gedankenstrich zu schreiben, quasi Möglichkeit Nr. 2.
Wie wäre es denn nun richtig?!

Danke vorab für Eure Hilfe! cheezygrin
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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (12.11.2013, 12:48)
»Richtig« sind wohl alle, mir gefällt 3. am besten, weil hier auch das Zögern zum Ausdruck kommt.

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ricochet
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Re:

von ricochet (12.11.2013, 13:13)
1 ist falsch, zur Auswahl stehen Lösung 2 und 3. Die gängigste Variante ist 2, ich bervozuge aus demselben Grund wie Richard Variante 3.

LG


rico
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AnGaWe
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danke

von AnGaWe (12.11.2013, 14:22)
danke, hat mir sehr geholfen. Werde Variante 3 wählen! :lol:
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hawepe
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Re: Frage zur Zeichensetzung

von hawepe (12.11.2013, 23:35)
Hallo Anne,

AnGaWe hat geschrieben:
1) Sollte sie denn wirklich – ? Durfte sie überhaupt – ?! Oh doch, sie musste sogar!


Mein eindeutiger Favorit. Ob der Duden diese Variante kennt oder nicht, halte ich für unwesentlich. Nimm Autoren wie Arno Schmidt, Laurence Sterne, Friedrich Nietzsche oder Georg Büchner: Sie verwendeten immer wieder Gedankenstriche als Auslassungszeichen.

2) Oder:
Sollte sie denn wirklich? Durfte sie überhaupt? Oh doch, sie musste sogar!


Gähn :-( Ist zwar richtig, aber ein Schlafmittel. An dieser Stelle würde ich das Buch zuschlagen.

3) oder am Ende gar so?
Sollte sie denn wirklich...? Durfte sie überhaupt...? Oh doch, sie musste sogar!


Ebenfalls richtig (oder jedenfalls fast) und auch sehr viel besser als die zweite Variante, aber doch ohne jede Spannung. Bei der Flut von Ellipsen in aktuellen literarischen Texten fallen sie schon gar nicht mehr auf.

Falsch ist allerdings die konkrete Verwendung der Auslassungspunkte. Was wird denn ausgelassen? Ein Wortteil oder ein Wort? Die Antwort sollte dir sagen, wie die Auslassungspunkte gesetzt werden :-)

Beste Grüße

Heinz

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ricochet
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Re:

von ricochet (13.11.2013, 07:44)
@ Hawepe,


wie du richtig bemerkt hast, sind die drei Sätze elliptisch formuliert. Das heißt per definitionem, dass ein Teil ausgespart wurde; denn eben dies ist ein elliptischer Satz – ein grammatikalisch nicht vollständig ausformulierter. In allen unseren drei Fällen ist das Prädikat elliptisiert. Es wurde also tatsächlich etwas ausgelassen, wodurch es gerechtfertigt (wenngleich nicht zwingend notwendig) ist, diesen Umstand ersichtlich zu machen. Daher die Auslassungspunkte. Die Gedankenstriche sind fehl am Platze.

Die Auslassungspunkte erfüllen ein ganz wichtige Funktion: Sie geben der Fantasie des Lesers Raum, weil er den elliptisierten Textteil gedanklich ergänzen muss. In unserem Falle wird die Aufmerksamkeit auf das Handeln der beobachtenden Person gelenkt, eben dadurch, dass dieses nicht expressis verbis erwähnt wird. Das wirkt verstärkend und steigert die Spannung, weil der Leser ja nicht genau weiss, ob seine gedankliche Ergänzung richtig ist. Korrekt ausformuliert könnten die Sätze z. B. lauten: "Sollte sie denn wirklich tatenlos zusehen? Durfte sie überhaupt handeln? Oh doch, sie musste sogar etwas unternehmen." Erst aus dem Folgetext stellt sich heraus, wie die drei Sätze korrekt zu ergänzen sind, weshalb sich für den Leser die Frage stellt: Habe ich korrekt mitgedacht?

Ellipsen bedeuten eine zusätzliche intellektuelle Leistung vom Leser und sollten von daher nur sparsam eingesetzt werden, vor allem, wenn sie wichtige Inhalte betreffen, wie hier. Beim berühmten: „Was nun?“ (statt: „Was sollen wir nun machen?“) erübrigt sich die Überlegung.

Und nur weil ein paar Größen der Szene etwas falsch machen, wird das noch lange nicht richtig. Wir wissen alle, wie sehr Etablierte dazu neigen, ihre Stilmarotten zu kultivieren. Dennoch bleiben sie eben dies – Stilmarotten, die mich wenig beeindrucken. Wir sollten sie nicht zum Standard erheben. Man kann Fehler korrigieren oder kultivieren.

LG


rico
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hawepe
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Re:

von hawepe (13.11.2013, 10:24)
Hallo rico,

ricochet hat geschrieben:
wie du richtig bemerkt hast, sind die drei Sätze elliptisch formuliert. Das heißt per definitionem, dass ein Teil ausgespart wurde; denn eben dies ist ein elliptischer Satz – ein grammatikalisch nicht vollständig ausformulierter. In allen unseren drei Fällen ist das Prädikat elliptisiert. Es wurde also tatsächlich etwas ausgelassen, wodurch es gerechtfertigt (wenngleich nicht zwingend notwendig) ist, diesen Umstand ersichtlich zu machen. Daher die Auslassungspunkte. Die Gedankenstriche sind fehl am Platze.


Warum? Es wird einerseits etwas ausgelassen, andererseits soll der Leser die Sätze in seinen Gedanken selbst fortsetzen.

Und nur weil ein paar Größen der Szene etwas falsch machen, wird das noch lange nicht richtig.


Aber weil du behauptest, dass sie etwas falsch machen, wird es noch lange nicht falsch.

Wir wissen alle, wie sehr Etablierte dazu neigen, ihre Stilmarotten zu kultivieren. Dennoch bleiben sie eben dies – Stilmarotten, die mich wenig beeindrucken. Wir sollten sie nicht zum Standard erheben. Man kann Fehler korrigieren oder kultivieren.


Nur was ist ein Fehler? Und warum der Sprache ein "Recht" zur Entwicklung absprechen?

Schaut man mal ein paar Jahrhunderte zurück, fällt einem auf, dass man schon sehr lange suchen muss, um überhaupt Auslassungszeichen zu finden. In Werken wie dem 1785 verlegten und lange als Standardwerk geltendem Orthotypographischen Handbuch des "Königl. Preuss. privileg. Universitäts-Buchdruckers" Christian Gottlieb Täubel taucht das Thema Auslassungszeichen überhaupt nicht auf, weil es damals keine Rolle spielte.

Wenn Autoren wirklich Auslassungszeichen für ganze Worte oder Satzteile für nötig hielten, nahmen sie die heutige Ellipse, zwei Punkte, vier Punkte, unsere heutigen Gedankenstriche, mehrere Gedankenstriche oder längere Striche.

Als stilistisches Mittel wurde besonders mit dem Aufkommen des Naturalismus sehr gerne der Gedankenstrich verwendet, weil dieser die Fortsetzung eines Gedankenganges im Kopf des Lesers besser darstellte als eine Ellipse.

Formal betrachtet ist die Ellipse ohnehin unlogisch. Ursprünglich ohne Punkt und Komma schreibend, entstand schon sehr früh in der Schriftentwicklung das Bedürfnis, Texte durch Gliederung besser verständlich zu machen. Für das Satzende hat sich der Punkt durchgesetzt.

Die Ellipse als Ansammlung von Punkten markiert aber eben gerade kein Satzende. Wenn sie mitten im Satz steht, ist das ganz unverkennbar. Aber auch am geschriebenen Satzende steht sie nur scheinbar am Ende, denn tatsächlich soll der Leser den Satz fortsetzen und selbst beenden. Ob dort dann tatsächlich ein Punkt oder vielleicht auch ein als Frage- oder Ausrufezeichen modifierter Punkt stehen soll, muss er entscheiden.

Der Gedankenstrich dagegen lässt die Fortsetzung des Satzes erkennbar offen.

Meiner Meinung nach ist die Frage "Ellipse oder Gedankenstrich" also nicht ganz so einfach zu beantworten.

Beste Grüße

Heinz

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ricochet
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Re:

von ricochet (13.11.2013, 10:46)
@ hawpe,


du verstehst den Begriff Ellipse falsch. Das ist keine(!!!) Frage der Satzzeichen, sondern ausschließlich eine des Satzbaues (eine rhetorische Figur). Wenn ein Satz grammatikalisch unvollständig ausformuliert ist, ist er elliptisch, unabhängig davon, ob diese Ellipse zusätzlich durch Interpunktion dargestellt wird (Version 1 und 3) wird, oder nicht (Version 2).

Am besten, du schlägst in einem Literaturlexikon nach. Mir glaubst du's sowieso nicht. :(

LG


rico
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hawepe
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Re:

von hawepe (13.11.2013, 11:07)
Hallo rico,

ricochet hat geschrieben:
du verstehst den Begriff Ellipse falsch. Das ist keine(!!!) Frage der Satzzeichen, sondern ausschließlich eine des Satzbaues (eine rhetorische Figur).


Jein, wenn sie im Text dargestellt werden soll, kann dies nur durch ein Satzzeichen erfolgen.

Das Dilemma ist, dass der Begriff Ellipse mehrdeutig verwendet wird und man entweder jedes Mal erklären muss, wie man ihn gerade verwendet, oder dass es aus dem Kontext geschlossen werden muss.

Wenn ein Satz grammatikalisch unvollständig ausformuliert ist, ist er elliptisch, unabhängig davon, ob diese Ellipse durch Interpunktion dargestellt wird (Version 1 und 3) wird, oder nicht (Version 2).


Eben. Die grammatikalische Ellipse kann, aber muss nicht durch Interpunktion dargestellt werden. Und vor allem sagt sie nichts darüber aus, durch welche Interpunktion sie dargestellt wird.

Am besten, du schlägst in einem Literaturlexikon nach. Mir glaubst du's sowieso nicht. :(


Ich habe nichts gegen Literaturlexika, aber leider unterschlagen sie in der Regel die Vielfalt der wissenschaftlichen Ansätze. An der Humboldt-Uni in Berlin gab es vor zwei Jahren eine Vortragsreihe, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Punkte und Striche auseinandersetze. Seitdem sehe ich vieles differenzierter.

Als Nachtrag hier übrigens noch ein Link auf den Online-Duden: http://www.duden.de/rechtschreibung/Gedankenstrich Auch er wirft allerdings weitere Fragen auf :-( Warum soll der Bindestrich nur für "ein" Wort stehen? Sucht man weiter und ruft die Erklärung zu "Ellipse" und "Auslassungszeichen" auf, weiß man allerdings, dass es bei diesem Thema ziemlich durcheinander geht.

Beste Grüße

Heinz

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ricochet
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Re:

von ricochet (15.11.2013, 09:59)
hawepe hat geschrieben:
Das Dilemma ist, dass der Begriff Ellipse mehrdeutig verwendet wird und man entweder jedes Mal erklären muss, wie man ihn gerade verwendet, oder dass es aus dem Kontext geschlossen werden muss.


Geht es um rethorische Figuren allgemein möchte ich zustimmen, geht es speziell um die Ellipse muss ich widersprechen. Sie ist sogar sehr genau definiert:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_%28Linguistik%29

Und damit ziehe ich mich aus dem Thread zurück, ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte.

LG


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