Vergangenheit und Vorvergangenheit

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AnGaWe
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Vergangenheit und Vorvergangenheit

von AnGaWe (17.12.2013, 09:31)
...oder auch Imperfekt und Plusquamperfekt genannt

bereiten mir gerade massive Probleme, leide quasi momentan unter geistigen Blähungen und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr verwirre ich mich gerade selbst.
Gu,t im Satzgefüge ist es klar. Es gilt die Aussage: Vorvergangenheit steht nie isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit einer anderen Aussage ( in der Vergangenheit) und das Ganze soll also ausdrücken, was erst geschehen ist und was anschließend.
z.B.: Der Dieb WAR bereits GEFLOHEN als die Polizei endlich EINTRAF ( erst war der Dieb fort, dann tingelte endlich mal die Polizei an den Ort des Geschehens) Soweit, so gut.
Aber, nun stehe ich vor dem "Problem", dass ich ein ganze Geschichte im Imperfekt verfasse und eine lange Passage davon in der Vorvergangenheit geschildert wird. Quasi als Erklärung, warum der Held so handelt, wie er handelt.
Beispiel aus dem Text: ... dieses intensive Freundschaft riskierte man nicht ein paar unbedachter Worte wegen. (zur Erklärung: das reflektiert der Held über einer Tasse Kaffe o. ä.)
Damals, als sie frisch von der Schule kamen, waren sie unzertrennlich und alle beneideten das dynamische Duo aus Deutschland. Ihr gutes Abitur erlaubte es ihnen, an der Universität in XXXX zu studieren usw

So, ich habe das derzeit alles im Imperfekt. Der Held reflektiert für sich, warum er es einfach nicht übers Herz bring, den Freund, der ihn aufs heftigste beleidigt hat, fachlich bloß zu stellen. Das Ganze soll auch dem Leser die ursprüngliche Beziehung der Beiden erläutern.
Das Gros der Geschichte wird im omperfekt erzählt. Muss ich diesen gesamten einschub nun im Plusquamperfekt erzählen?! Das klingt so furchtbar ungelenk und sperrig. Oder kann ich, wie ich es bereits versucht habe, durch ein paar hineingeschmuggelte Worte dem Leser klar machen, dass er da nun etwas revue passieren lässt und den ganzen einschub ebenfalls im imperfekt schreiben?

Danke für eure Hilfe!!!!
Anne
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (17.12.2013, 21:14)
Leider bin ich kein Experte und kann dir nur sagen, was ich machen würde. Längere Passagen im Plusquamperfekt klingen für meine Ohren sehr unnatürlich und hemmen ein bisschen den Lesefluss. Deshalb verwende ich es zwar zwischendurch sehr fleißig, um die zeitliche Abfolge hervorzuheben und Missverständnisse zu vermeiden. Aber in dem von dir geschilderten Fall würde ich mit sprachlichen Mitteln die Reihenfolge klarstellen und die ganze Passage im Präteritum schreiben. An anderen Stellen, an denen nur in Teilsätzen auf ein früheres Geschehen Bezug genommen wird, würde ich jedoch das Plusquamperfekt verwenden.

Gruß,
Monika
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buehne44
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Imperfekt - Plusquamperfekt

von buehne44 (18.12.2013, 00:56)
Im Textbeispiel unbedingt Imperfekt - es schildert ja das gerade abspielende Gedankenspiel - auch wenn die Handlung vorher lag.

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hawepe
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Re: Vergangenheit und Vorvergangenheit

von hawepe (18.12.2013, 09:49)
Hallo Anne,

AnGaWe hat geschrieben:
Das Gros der Geschichte wird im omperfekt erzählt. Muss ich diesen gesamten einschub nun im Plusquamperfekt erzählen?! Das klingt so furchtbar ungelenk und sperrig. Oder kann ich, wie ich es bereits versucht habe, durch ein paar hineingeschmuggelte Worte dem Leser klar machen, dass er da nun etwas revue passieren lässt und den ganzen einschub ebenfalls im imperfekt schreiben?


Ich würde es so handhaben. Aus dem Zusammenhang sollte sich für den Leser doch erschließen, dass es sich um eine Rückblende handelt.

Zusätzlich würde ich die entsprechenden Abschnitte auch formal als solche kenntlich machen, also davor und danach einen größeren Abstand einfügen. Theoretisch könntest du auch eine andere Schrift wählen, aber das kann sehr schnell schiefgehen. Die erste Lösung dürfte deshalb die bessere sein.

Beste Grüße

Heinz

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AnGaWe
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danke für eure hilfreichen Antworten

von AnGaWe (18.12.2013, 11:39)
Ihr habt mir sehr weitergeholfen. Eigentlich war der Text fertig. Die fragliche Passage im Präteritum. Nach Monaten Abstand zu meinem Text ging ich ihn noch einmal durch, zur Verfeinerung nach einer Zeit des Reifens und Sackens. Und dann wurde ich unsicher. Denn auch mir fiel auf, dass sich lange Passagen im Plusquamperfekt einfach furchtbar anhören. Dann aber das Problem, wie man dem Leser 100% klar macht, dass es sich um vorzeitiges Geschehen handelt... die Idee mit den Absätzen beispielsweise finde ich echt gut.

Danke Euch allen!
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