Eine oder zwei sichten?

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Kleine Schreiberin123
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Eine oder zwei sichten?

von Kleine Schreiberin123 (20.04.2014, 18:42)
Hallo
Sorry das ich gleich nochmal eine Frage habe. book: und zwar geht es bei mir eben um eine Mission die zwei Leute ausführen aber nichts von einander Wissen, sie müssen später zusammen finden. Jetzt meine Frage: Soll ich beide Sichten schreiben also die eine kursiv und die ander gerade oder soll ich aus einer Sicht schreiben?

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chiquitita
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Re:

von chiquitita (20.04.2014, 20:54)
Hallo, kleine Schreiberin,
erst einmal willkommen im Forum.
Ich kann jetzt nur auf die kurzen Angaben, die Du machst antworten. Ich persönlich würde beide Sichten schreiben - aber nicht eine in kursiv. Das liest sich bei längeren Texten schlecht. Es passiert ja öfter in Büchern, dass zwei Sichtweisen dargestellt werden. Wenn Du es so machst, dass Du erst die eine Sichtweise schreibst, dann neues Kapitel und zweite Sichtweise. Wenn der Übergang gut ist, wird der Leser sehr schnell durchblicken, wer gerade erzählt.
So kannst Du m.E. die beiden Protagonisten Kapitel für Kapitel aufeinander zugehen lassen.
Gruß
Uschi

Bardioc
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Re:

von Bardioc (22.04.2014, 12:49)
Hallo, Kleine Schreiberin123,

die Buchreihe Bartimäus ist ein gutes Beispiel für das, was Du vorhast, siehe insbesondere ''Stil und Genre''. Ansonsten kann ich mich nur chiquititas Meinung anschließen.

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mtg
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Re:

von mtg (22.04.2014, 16:29)
Hallo Uschi,

chiquitita hat geschrieben:
Ich persönlich würde beide Sichten schreiben - aber nicht eine in kursiv. Das liest sich bei längeren Texten schlecht.

Das würde ich pauschal nicht so sagen wollen - denn es kommt auf den Satz bzw. den Zeilenabstand an. Ich habe gerade ein Buch mit Kurzgeschichten gesetzt. In einer gibt es zwei Ebenen - was gerade passiert und an was der Protagonist denkt. Die zweite Ebene ist auch in kursiv gut zu lesen, wenn - wie gesagt - der Zeilenabstand stimmt.

chiquitita hat geschrieben:
Es passiert ja öfter in Büchern, dass zwei Sichtweisen dargestellt werden. Wenn Du es so machst, dass Du erst die eine Sichtweise schreibst, dann neues Kapitel und zweite Sichtweise. Wenn der Übergang gut ist, wird der Leser sehr schnell durchblicken, wer gerade erzählt.
So kannst Du m.E. die beiden Protagonisten Kapitel für Kapitel aufeinander zugehen lassen.

Das ist ein - in meinen Augen - sehr guter Tipp. Eine solche Idee trage ich auch schon seit längerem mit mir 'rum. Mir fehlt halt im Moment nur die Zeit ...

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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (22.04.2014, 20:12)
Für gewöhnlich schreibe ich meine Krimis immer nur aus der Sicht der einen Hauptfigur. Kommen weitere wichtige Figuren vor, stehen sie bei mir in der Regel hinter der Sichtweise der Hauptfigur zurück.

Allerdings habe ich das jüngst zwei Mal durchbrochen. In meinem demnächst zu veröffentlichen Krimi wird es zwei Sichten geben, die ich teilweise durch Kapitel und teilweise durch Absätze getrennt habe. Entgegen der Urangst nahezu aller Autoren versteht der Leser solche Sprünge, wenn sie nicht zu unübersichtlich vollzogen werden.

Somit wäre mein Rat, die Wechsel so deutlich zu vollziehen, daß die Leser/innen nicht durch kursive Schrift darauf gestoßen werden müssen. Denkbar wäre anbei übrigens auch eine andere Schriftart, um die verschiedenen Sichtweisen zu unterscheiden. Könnte auch ein interessantes Experiment werden.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (22.04.2014, 21:55)
Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die kostspielige Variante aus der Unendlichen Geschichte, in der zwei verschiedene Handlungsstränge in zwei verschiedenen Farben dargestellt werden.

Prinzipiell empfinde ich Kursivschrift nicht als unangenehm beim Lesen, aber ich denke dabei mehr an die Wiedergabe der Gedanken eines Protagonisten. Diese Erwartungshaltung liegt vielleicht daran, dass es bestimmte "Einsatzorte" für Kursivschrift gibt, zu der die Abgrenzung der Erzählperspektiven zumindest bei Wikipedia nicht zählt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kursiv#Anwendungen

Die von Richard vorgeschlagene Idee, zwei verschiedene Schriftarten zu verwenden, finde ich sehr interessant. Wenn sie miteinander harmonieren, könnte das sicherlich sehr gut funktionieren. Aber das hängt vielleicht zu sehr vom Geschmack der Leser ab. Normalerweise bevorzuge ich als Leserin die Abgrenzung per Absatz bzw. Kapitel.

Gruß,
Monika
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mtg
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Re:

von mtg (23.04.2014, 08:13)
Monika K. hat geschrieben:
Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch die kostspielige Variante aus der Unendlichen Geschichte, in der zwei verschiedene Handlungsstränge in zwei verschiedenen Farben dargestellt werden.

Das Prinzip wurde bereits in »Metropolis« von Fritz Lang umgesetzt; die einzelnen Handlungsstränge sind in der Urfassung unterschiedlich monochrom eingefärbt.

Monika K. hat geschrieben:
Die von Richard vorgeschlagene Idee, zwei verschiedene Schriftarten zu verwenden, finde ich sehr interessant. Wenn sie miteinander harmonieren, könnte das sicherlich sehr gut funktionieren. Aber das hängt vielleicht zu sehr vom Geschmack der Leser ab. Normalerweise bevorzuge ich als Leserin die Abgrenzung per Absatz bzw. Kapitel.

Die Idee ist vielleicht interessant, aber definitiv nicht professionell. Schriftartenwechsel werden zur Trrennung von Überschrift und Fließtext verwendet; ansonsten bedient man sich eines anderen Schnittes derselben Schriftfamilie. Die Frage der Schriftarten hängt ebensowenig vom Geschmack des Lesers ab wie die Rechtschreibung.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (23.04.2014, 09:02)
"There are more things in heaven and earth, Matthias,
Than are dreamt of in your philosophy."

Ich stelle mir manchmal vor, bestimmte Foren-Kommentare seien in Comic Sans geschrieben. Das hilft mir irgendwie. Aber zurück zum Thema: Es hängt einfach vom Inhalt des Buchs ab. Wenn ich zwei sehr gegensätzliche Figuren schaffe und für ihre Erzählperspektiven zwei Schriften wähle, die zum jeweiligen Charakter passen, mag das Ergebnis zwar "unprofessionell" erscheinen, könnte aber einen sehr interessanten Effekt erzielen. Es ist sicherlich eine Gratwanderung, aber pauschal verdammen würde ich als Leserin diese Idee nicht. Sehr gut vorstellen könnte ich es mir für einen sogenannten "Briefroman", der in der heutigen Zeit wohl eher ein "E-Mail-Roman" wäre. Es muss aber passen. Um bei deinem Beispiel mit der Rechtschreibung zu bleiben: Es gibt schließlich auch Gedichte, bei denen konsequent auf Zeichensetzung oder Groß- und Kleinschreibung verzichtet wird. Mir rollt es da immer die Fußnägel hoch, aber das liegt eben daran, dass ich in der Beziehung nicht von meiner Vorstellung von Gut und Böse lassen kann. Andere Leser stören sich nicht daran und finden es optisch ansprechend. Geschmackssache.

Gruß,
Monika
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mtg
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Re:

von mtg (23.04.2014, 09:38)
Liebste Monika,

es ist ein Unterschied, ob man die Rechtschreibung nicht beherrscht oder ob man die Kleinschreibung als Kunstform wählt. Raymond Loewy, der berühmte Designer, z. B. hat sein Buch »hässlichkeit verkauft sich schlecht« konsequent in Kleinschreibung verfasst, weil er eine bestimmte Design-Idee dahinter hatte. Es ist durchaus schwierig zu lesen, weil ungewohnt - aber seine Anhänger, zu denen ich gehöre, goutieren es, weil es dem Stil seiner Arbeit entspricht. Übrigens hat er das Buch auch in nur einer Schrftart setzen lassen. Und er hat sich etwas dabei gedacht, und das waren - das kann ich Dir garantieren - bestimmt nicht Deine Fußnägel.

Vielleicht erklärst Du mir aber gelegentlich, an welcher Stelle ich etwas »pauschal verdammt« habe? Ich habe lediglich geschrieben, es sei nicht professionell. Nicht mehr, und nicht weniger. Es zwingt Dich niemand, professionell zu sein. Aber ich spreche aus meiner beruflichen Erfahrung, die ich – korrigiere mich bitte, falls ich falsch liege - in einem Bereich habe, den Du nicht ausübst. Man könnte das also auch als professionellen Hinweis verstehen. Man ... nicht Du. Es wäre aber nett, wenn Du nicht ständig Dinge in Beiträge hineininterpretiertest, die nicht darin stehen.

Ich erlaube mir, Dich an dieser Stelle zu zitieren:»Es ist schon erstaunlich, dass man hier nicht einfach seine Ansicht äußern kann, ohne sich hinterher mehrmals erklären und rechtfertigen zu müssen.« (aus: »Meinung gefragt«).

Gut gebrüllt, Löwe! Aber: Gleiches Recht für alle – nicht nur für Dich!

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (23.04.2014, 09:59)
mtg hat geschrieben:
Liebste Monika,

es ist ein Unterschied, ob man die Rechtschreibung nicht beherrscht oder ob man die Kleinschreibung als Kunstform wählt.


Stimmt! Kunstformen sind aber nun einmal Geschmackssache. Es ist auch ein Unterschied, ob man absichtlich zwei Schriftarten wählt, um etwas Bestimmtes damit auszudrücken (= Kunstform), oder ob man das tut, weil man zu doof ist, eine Schriftart konsequent durchzuhalten.

mtg hat geschrieben:
Vielleicht erklärst Du mir aber gelegentlich, an welcher Stelle ich etwas »pauschal verdammt« habe? Ich habe lediglich geschrieben, es sei nicht professionell.


Vielleicht erklärst Du mir vorher erst einmal gelegentlich, an welcher Stelle ich dir unterstellt haben soll, irgendetwas pauschal verdammt zu haben. Ich habe lediglich geschrieben, dass ich es als Leserin nicht pauschal verdammen würde. Damit drückte ich meine Sicht aus. Von dir war an der Stelle nicht die Rede. Lies meinen Satz, ohne das Wort "ich" zu betonen, und du erhältst die von mir beabsichtigte Aussage.

(Notiz an mich: In Zukunft Betonungszeichen in Kommentare einbauen!)
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mtg
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Re:

von mtg (23.04.2014, 10:59)
Liebste Monika,

natürlich hast Du - wie immer - recht. Wie konnte ich das vergessen ... angle:

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