Vernissage

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Siegfried
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Vernissage

von Siegfried (24.04.2014, 14:38)
Vernissage

An jenem Donnerstag abend fielen Sarah Kruschka die Werbeplakate zum ersten Mal auf. Sie konnte sich nicht daran erinnern, am Mittag, als sie zur Arbeit gefahren war, die Plakate gesehen zu haben. Aber jetzt klebten sie im Treppenaufgang der U Bahn-Station, an den Hauswänden und in den Schaufenstern, und jedes von ihnen schrie nach Beachtung. Sarah haßte solche Werbeattacken und mied bewußt den Blick auf einen der Aushänge, doch schließlich gewannen die Plakate den Kampf.
'Vernissage', stand da in großen dunkelroten Buchstaben auf gelbem Grund, 'nach den erfolgreichen Ausstellungen in Düsseldorf, München und Berlin jetzt in der Galerie Martinius: Arthur Wiebusch und seine Bilder' Und etwas kleiner darunter das Datum und die Uhrzeit der Vernissage sowie die Adresse der Galerie.
Das ist ja heute, dachte Sarah, und zur Galerie Martinius ist es nicht weit. Sie lief die paar Schritte bis zur nächsten Querstraße und blieb zögernd stehen. Nach links ging es zu ihrer Wohnung, wo ihr Fernseher, zwei Scheiben Brot und etwas Käse warteten. Und rechts, irgendwo dahinten, lag die Galerie, in der die Bilder dieses Arthur Wiebusch ausgestellt wurden. Sarah Kruschka seufzte, zuckte mit den Achseln – und wandte sich nach rechts.
Minuten später fand sie sich im lichtgefluteten Ausstellungsraum der Galerie wieder. Irgend jemand hatte ihr am Eingang ein Glas Sekt und ein Stückchen Baguette mit Lachs in die Hand gedrückt, ihr viel Spaß gewünscht und sie lächelnd, aber nachdrücklich weitergeschoben. Sarah nippte am Sekt, biß etwas vom Brot ab und betrachtete die anderen Gäste. Ein düster dreinblickender Mann spielte auf einem Flügel Richard Wagners Walkürenritt. Drei Männer, sichtlich angeheitert, nahmen das Motiv auf und begannen lauthals zu singen. Am Buffet standen ein unglaublich dicker Mann und seine nicht weniger dicke Frau, die wie in einem Wettbewerb Lachsschnittchen in sich hineinstopften. Andere Gäste hielten sich einfach an ihren Sektgläsern fest und wanderten ziellos allein, zu zweit oder in kleinen Grüppchen von einem Gemälde zum nächsten. In einer Ecke hatten mehrere junge, gutaussehende Frauen einen Halbkreis gebildet. Sie schienen sich um jemanden zu scharen, den Sarah nicht sehen konnte, denn es wurde gelacht, getuschelt und dem Unsichtbaren immer wieder zugeprostet. Sarah verspürte einen feinen Stich im Innern. Vielleicht hätte sie nicht hierher kommen sollen, dachte sie. Doch schließlich machte sie sich auf zu einem Rundgang, warf hin und wieder einen Blick auf Stilleben, Portraits und Landschaftsaquarelle und fragte sich fortwährend, wieso Wiebuschs Werke in Berlin, Düsseldorf oder München so erfolgreich gewesen waren.
Dann sah sie die anderen Bilder.
Sie hingen in einer Nische, gerade so als hätte man versucht, sie zu verstecken. Es waren dunkle Gemälde, in schwarz und braun, mit grob dahingespritzten Farbstrichen, animalisch, zügellos, fast gewalttätig. Aus der düsteren Wucht schimmerten einige helle Flecken der Leinwand hervor und gaben den Bildern eine eigenartige Lebendigkeit. Sarah trat näher heran. Auf kleinen Schildern, die links oder rechts neben den Bilderrahmen an die Wand montiert waren, standen die Titel der Gemälde: 'Die Verzweiflung Evas', 'Rachels Klage' und 'Marias Tränen' las Sarah, und schließlich 'Der Schrei der Ruth'. Sarah schaute auf das Bild – und erschrak.
Für einen Moment glaubte sie, Ruths Schrei wirklich zu hören. Ein gequälter Schrei, lang und voller Angst. Sarah spürte, wie ihr die Knie weich wurden. Unwillkürlich preßte sie die Faust mit dem Sektglas gegen ihren Magen, wo sich ein flaues Gefühl breitgemacht hatte. Doch sie konnte sich nicht von dem Bild lösen. Wie durch einen Tunnel blickte sie auf die kräftigen, willkürlich gesetzten Farbstriche. Nein, es war kein Braun, mehr ein ganz dunkles Rot. Sarah Kruschka stand und starrte.
Und dann hörte sie wieder diesen Schrei. Er kam tatsächlich aus dem Bild! Sarah war sich völlig sicher. Der Schrei einer Frau in tiefster Verzweiflung. Er war deutlich zu hören. Alle hier mußten ihn doch hören!
"Ja", sagte plötzlich jemand im tiefsten Baß zu ihr, "ist das nicht ein faszinierendes Kunstwerk?"
Sarah fühlte sich wie aus einem Traum gerissen. Mühsam löste sie sich von dem Bild und sah sich irritiert um. Neben ihr stand ein Mann, fast einen Kopf kleiner als sie, das Haar schulterlang, eine metallgerahmte Brille auf der Nasenspitze, die linke Hand auf den Rücken gelegt.
Der Mann neigte den Kopf leicht nach rechts und lächelte Sarah freundlich an. "Sie waren so von dem Bild gefesselt, da mußte ich einfach zu Ihnen kommen."
Wieder traf Sarah der tiefe Baß seiner Stimme völlig unvorbereitet. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, daß die jungen Frauen aus ihrer Ecke neidische, fast feindselige Blicke zu ihr herüberschickten. Sarah versuchte ein verlegenes Lächeln.
"Sie haben fast eine Stunde vor diesem Bild verbracht", sagte der Mann. "Wirklich außergewöhnlich!"
Sarah riß die Augen auf. Eine Stunde? Ein schneller Blick auf die Armbanduhr bestätigte ihre Befürchtung. Es war inzwischen fast Mitternacht.
Der kleine Mann lächelte sie unverändert an. "Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Arthur Wiebusch. Ich habe diese Werke ... geschaffen." Mit einer fast zärtlichen Geste deutete er auf die Reihe an der Wand.
"Es sind unglaubliche Bilder. Faszinierende Bilder!" antwortete Sarah. "Oh, Entschuldigung. Sarah Kruschka." Sie reichte ihm die Hand.
"Sarah!" Wiebuschs Augen begannen zu glänzen. "Ein zauberhafter Name. Wie der meiner Bilder, meiner Lieblinge." Er griff nach der ausgestreckten Hand, hielt sie fest und sah ihr sanft in die Augen . "Sie haben den Schrei gehört?!"
Sarah nickte.
"Das ist wunderbar!" rief Arthur Wiebusch. "Endlich hat jemand das Leben in meinen Bildern erkannt! Würden Sie mir eine große Freude machen?" Wiebusch trat dicht an Sarah heran. Sie roch sein Aftershave. "Wollen Sie das nächste Bild in dieser Reihe sein?"
Sarah konnte keinen klaren Gedanken fassen. Seine Stimme schien noch eine Oktave tiefer zu rutschen, erregte sie auf eine nie gekannte Art, und seinem bittenden Blick konnte sie einfach nicht widerstehen.
"Man war so freundlich, im Dachgeschoß ein Atelier für mich einzurichten", flüsterte Wiebusch und zog Sarah zu einer Hintertür. "Dort werden wir ein neues Meisterwerk schaffen. Nur Sie und ich."
Sarah folgte ihm willenlos. Sie stieg die Treppe hoch, ohne die Anstrengung der vielen Stufen zu spüren, und ließ sich in das Atelier im Dachgeschoß geleiten, das nach gewachstem Linoleum und Holz roch. Der Mond schien durch ein großes Panoramafenster, das in die Dachschräge eingesetzt worden war. Wiebusch schaltete das Licht ein. Das Atelier war kaum möbliert: ein paar alte Stühle, eine Stehlampe, ein großer Schrank, ein flaches Podest und drei Staffeleien, auf denen vorbereitete Leinwände standen.
Wiebusch gab ihre Hand frei, und Sarah wanderte leise summend durch das Atelier, berührte mit den Fingerspitzen die Staffeleien, die Leinwand, das Glas des Panoramafensters. Plötzlich hatte sie das Gefühl, daß etwas nicht stimmte. Irgend etwas schien zu fehlen.
Wiebusch öffnete den Schrank und kramte darin herum. Als er sich herumdrehte, hielt er eine Schublade in den Händen. Mit der rechten Hand schob er den Inhalt hin und her, als ob er etwas suchte. Es klirrte leise.
Sarah fiel endlich ein, was sie in dem Atelier vermißte: "Wo sind eigentlich Ihre Farben und Pinsel? In der Schublade?" Sie machte einen Schritt auf Wiebusch zu.
Arthur Wiebusch neigte den Kopf ein wenig zur Seite, betrachtete Sarah in aller Ruhe und schenkte ihr sein schönstes Lächeln. "Farben? Ich verwende für meine Bilder keine Farben." Er nahm die rechte Hand aus der Schublade. Ein großes Messer blitzte im Licht der Deckenlampe. "Ich benutze auch keine Pinsel!"
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (24.04.2014, 14:57)
Hallo Siegfried,

wie versprochen kopiere ich die Stellungnahme, die ich damals, als du die Texte zum ersten Mal vorgestellt hattest, schrieb (und auf deinen Wunsch aber nicht postete), hier in diesen Kommentar. Solltest du inzwischen Teile der Geschichte geändert haben, sind die entsprechenden Passagen selbstverständlich erledigt. Mir fehlt heute leider die Zeit, die beiden Texte miteinander zu vergleichen. Es kann sein, dass ich damals nicht auf Fehler aus dem Bereich Korrektorat geachtet habe, weil es sich mehr um eine Art Rezension handelt, bei der ich bei einer geringen Fehlerzahl nicht näher darauf eingehe. Vielleicht ist der Text auch fehlerfrei.

Gruß,
Monika

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Vernissage

Anmerkungen zum Text:

„ein Stückchen Baguette mit Lachs in die Hand gedrückt, ihr viel Spaß gewünscht“
Bei einer Vernissage wurde mir noch nie „viel Spaß“ gewünscht, da es sich dabei nicht um ein Unterhaltungsprogramm oder eine Party, sondern um Kunst handelt, die sehr unterschiedliche Gefühle hervorrufen kann und soll. Und bei Baguettestückchen denke ich eher an Käsefondue oder Entenfütterung und nicht an eine Baguettescheibe, die mit Köstlichkeiten belegt als Fingerfood oder Kanapee gereicht (und nicht in die Hand gedrückt) wird. Mir ist auch ein klein wenig viel (sic) von Lachs die Rede. Es entsteht kurzzeitig fast der Eindruck, als habe Fisch eine besonderen Einfluss auf den Fortgang der Geschichte.

„Sie haben fast eine Stunde vor diesem Bild verbracht“
Dornröschen lässt grüßen.

„Es waren dunkle Gemälde, in schwarz und braun, mit grob dahingespritzten Farbstrichen, animalisch, zügellos, fast gewalttätig.“
Der Satz liefert einen entscheidenden Hinweis auf das Ende der Geschichte. Solche Spoiler verderben dem Leser die Überraschung. Mir war an dem Punkt klar, wie die Geschichte ausgehen wird. Gerechterweise muss ich jedoch sagen, dass das daran liegen kann, dass ich den Autor aus einem Forum kenne und dadurch eine gewisse Ahnung bezüglich seiner Themenvorlieben haben könnte. Die Adjektive „animalisch, zügellos“ sind für meinen Geschmack etwas zu klischeehaft. Man kann einem Werk zwar die Maltechnik, nicht aber die Gefühlslage des Malers ansehen, da ein Gemälde Gefühle vermittelt, aber nicht zwingend widerspiegelt. Großzügig verteilte Farbspritzer wirken dann zwar auf den Betrachter „animalisch“, wurden aber vielleicht fröhlich pfeifend oder in stiller Vorfreude auf die spätere Wirkung auf der Leinwand verteilt. Nicht das Bild ist „animalisch“, sondern seine Wirkung auf den Betrachter.

Wenn man reines Blut auf eine weiße Leinwand aufträgt, kann man – je nach Dicke der Schicht – langfristig nur unterschiedliche Brauntöne erzielen. Für Rot und Schwarz wäre eine Beimischung erforderlich. Ältere, rote Blutflecke gibt es nur in Fernsehkrimis.

Anmerkung zu den handelnden Personen:

Mich beschäftigt die Frage: Warum folgt Sarah Arthur willenlos?
Sie ist eine selbstbewusste Frau, die es als völlig natürlich betrachtet, alleine eine Veranstaltung zu besuchen. Leider meinen auch heute noch viele Frauen, überall einen Partner oder eine Freundin mitschleppen zu müssen. Sie hadert deshalb aber keine Sekunde mit sich und ist auch nicht durch einen unglücklichen Zufall alleine dort. Aber plötzlich mutiert sie zum zarten Weibchen und willenlosen Groupie, das sofort alles tut, was man ihr sagt?

Mögliche Antworten:
a) Wegen seines Aftershaves.
Es wird wörtlich im Text erwähnt. The Axe-Effect? (Das ist doch wohl hoffentlich nicht war!)
b) Der Lachs ist verdorben und hat ihr die Sinne vernebelt.
Das würde erklären, warum er zweimal erwähnt wird. Aber ich gestehe, dass diese Antwort zu meinen üblichen Albernheiten gehört und nicht ernst gemeint ist.
c) Seine Stimme.
Der Bass wird ebenfalls zweimal erwähnt und könnte eine Rolle spielen. Allerdings spricht Arthur nicht viel. Wirkt eine Stimme so schnell?
d) Seine Attraktivität
Das meine ich tatsächlich ernst. Die Beschreibung des Malers im Text klingt auf den ersten Blick nicht anziehend, weil sie nicht dem Klischee des Frauenverführers entspricht. Aber gerade das könnte ein hochwertiger Eckpunkt der Geschichte sein, denn ein Mann muss nicht aussehen wie Brad Pitt, um attraktiv zu sein. Eine feinfühlige Beschreibung der Augen und des Mundes zum Beispiel kann auf subtile Weise dem Leser eine Art von Attraktivität vermitteln. Im Text finde ich dies jedoch nicht.
e) Sein Charme
Es gibt im Text eine Stelle, die als subtiler Hinweis auf Arthurs Charme gedeutet werden könnte: „In einer Ecke hatten mehrere junge, gutaussehende Frauen einen Halbkreis gebildet. Sie schienen sich um jemanden zu scharen, den Sarah nicht sehen konnte, denn es wurde gelacht, getuschelt und dem Unsichtbaren immer wieder zugeprostet.“ Man scheint sich sehr angenehm zu unterhalten. Dass Arthur einen aktiven Part dabei spielt, geht zwar aus dem Text nicht hervor, aber das spricht deshalb nicht gegen diese Antwort. Merkwürdig ist jedoch, dass keine der begeisterten Damen im folgt, als er die Gruppe verlässt. Es ist ein freies Land. Die Nische, in der Sarah steht, ist für jeden zugänglich und nicht durch ein Absperrseil oder eine „Staff-only-Tür“ für den Rest der Besucher gesperrt. Die Gruppe der Damen war sicherlich zum Teil enttäuscht, zum Teil sogar gekränkt, aber eine oder zwei wären doch sicher kess genug, ihm mit etwas Abstand zu folgen, sich in seiner Nähe herumzudrücken und sich der Expedition ins Atelier dreist anzuschließen. Ich habe das leider zu oft selbst erlebt, um das Gegenteil als normal anzusehen. Der Text gibt aber leider keinen Hinweis auf seinen Charme gegenüber Sarah. Das Gespräch ist kurz, und er kommt schnell zu seinem Anliegen. Einen kleinen Flirt, ein humorvolles Wortgeplänkel würde ich als Leserin da doch erwarten, um mich selbst von seiner angenehmen Ausstrahlung überzeugen zu können.
f) Ihre Eitelkeit
Ein Maleratelier unterscheidet sich – nüchtern betrachtet – nicht sehr von einer Autowerkstatt. Warum möchte ein Außenstehender es besichtigen? Dort stinkt es nach Farbe. Unfertige Werke werden vom Künstler häufig schamhaft verhüllt. Was also gibt es dort zu sehen? Wer geht dort hin? Ein Malermodell. Wenn es sich bei den Bildern um – wie auch immer geartete – Portraits handelt, dann kann man einer eitlen Frau sicherlich sehr leicht weißmachen, dass es nicht ausreicht, durch sie zu einem Bild inspiriert zu werden. Mit Komplimenten zu ihrem Aussehen und anderen Schmeicheleien kann man sie sicher dazu überreden, dem Maler im Atelier Modell zu sitzen. Der Text liefert jedoch keinen Hinweis, dass es sich bei den Bildern um (abstrakte) Portraits handelt, und auch eine Bitte bezüglich Modellsitzen wird nicht geäußert.
g) Es handelt sich nicht um einen Thriller, sondern die Geschichte ist dem Fantasy-/Horrorgenre zuzuordnen.
Dort hat ein Autor natürlich mehr Freiheiten und muss nicht alles haarklein logisch erklären. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Fans dieser Genres mit den relativ dürftigen Elementen daraus zufrieden sind. Das kann ich nicht beurteilen. Mich stören dann aber die Klischees des diabolischen Bösen und des willenlosen Opfers. Als Erklärung würde ich das gelten lassen, aber glücklich wäre ich als Leserin damit nicht.

Fazit:
Mir hat die Idee zu der Geschichte sehr gut gefallen! Ausrufezeichen! Ich schreibe hier meine Meinung auch ausschließlich als Leserin und nicht als Autorin. Ich behaupte nicht, dass ich die Idee besser umsetzen könnte. Für meinen Geschmack wurde viel mit Klischees gearbeitet und auch ein bisschen die Überraschung verdorben. Mit einem etwas längeren Dialog hätte man Sarahs Verhalten für mich verständlicher machen können. Ich klebe sehr an dem Aktion-Reaktion-Schema. Jeder Reaktion muss eine entsprechende Aktion vorausgehen, die die Reaktion erst möglich macht.
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (24.04.2014, 21:08)
Dies ist das Ergebnis des heutigen Durchgangs. Auch hier gilt: Ich zähle alles aus den Bereichen Korrektorat, Lektorat und Testlesen auf, was mir auffällt. Bei einem Teil handelt es sich deshalb selbstverständlich nur meine Meinung und meinen Geschmack.

„An jenem Donnerstag abend“
Mein Vorschlag: An jenem Donnerstagabend

„Blick auf Stilleben, Portraits und Landschaftsaquarelle“
Stillleben

„Es waren dunkle Gemälde, in schwarz und braun“
Müsste es nicht „in Schwarz und Braun“ heißen?
http://www.duden.de/rechtschreibung/Schwarz

„bemerkte sie, daß die jungen Frauen aus ihrer Ecke neidische“
dass

„hielt sie fest und sah ihr sanft in die Augen .“
Leerzeichen vor Punkt entfernen

„Plötzlich hatte sie das Gefühl, daß etwas nicht stimmte.“
dass


Ich vermute, der Text stammt noch aus der Zeit der alten Rechtschreibung. Es handelt sich also nicht wirklich um Fehler. Wahrscheinlich ging ich deshalb in meinem damaligen Kommentar zum Text gar nicht darauf ein.

Gruß,
Monika
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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (25.04.2014, 11:05)
Ich möchte nur zu dem Anfang was schreiben.
Die Story zieht mich nicht rein, habe sie dennoch zu Ende gelesen. Man könnte meinen, Sarah sei faul. Sie besucht nur die Vernissage, weil sie gerade um die Ecke stattfindet. Nach der kurzen Charakterbeschreibung könnte man auch vermuten, dass Sarah sich sehr stark von Werbeplakaten beeinflussen lässt, eigentlich ist sie eine Konsumgurke. Das wäre ein Grund, Werbeplakate zu hassen. Vielleicht hat sie nicht viel Geld, um so zu konsumieren, wie sie es gerne möchte.
Hier hättest Du, meiner Meinung nach, mehr ausholen müssen.
Das Werbeplakat haut sie schließlich vom Hocker, denn für Kunst würde sie ihr letztes Hemd geben. Jetzt ist die Ausstellung auch noch hier, ganz in ihrer Nähe, wie fantastisch! Sie hat noch 45 Minuten, ehe sie zurück muss, nach Mc Dagobert. Doch dann die Enttäuschung. Diese expressionistischen Bilder sagen ihr nicht zu, dazu die schwere Musik … Doch dann, sie steht, ohne es bemerkt zu haben, eine Stunde vor dieses eine Bild, sie sieht auf ihre Uhr... "verdammt, ich muss los", da steht dieser unwiderstehliche, geil riechende Meister hinter ihr …

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W.Waldner
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Re:

von W.Waldner (26.04.2014, 07:56)
Die Story finde ich sehr gelungen und auch gut erzählt.

Besser wäre es noch, der Protagonistin nicht ausgerechnet den Namen Sarah zu geben, weil der Leser damit eher wieder irgendeine Nazi-Geschichte assoziiert. Treffender wäre etwa irgendein Durchschnittsname wie Monika oder Liesel, also die typische Frau, die von so einer Vernissage angezogen wird und sich irgendwas großartiges davon erwartet und dann auch noch von dem Großen Meister abschleppen lässt.

Das eigentliche Geheimnis dieser Sorte Kunsthandel wird durch die Geschichte leider nicht behandelt: Warum interessiert sich für den ganzen zusammengeschmierten Käse überhaupt jemand?

Vielleicht ist das der Grund, dass mir die Idee im Prinzip gefällt. Ich war mal als Student in München in den typischen Galerien. Da musste ich mich verzweifelt fragen, warum sich irgendjemand mit dem Müll und Krempel sein Geld aus der Tasche ziehen lässt oder als kunstbeflissener Kleinbürger seine Zeit dafür opfert.

Das wäre das Thema für einen genialen Autor. smart2
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W.Waldner
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Re:

von W.Waldner (26.04.2014, 08:43)
Es dürfte dann auch nicht ein Bild des Großen Meisters sein, vor dem die Uschi Hinterhuber fasziniert in Trance fällt.

Sondern es ist selbstverständlich der ergreifende Anblick des in allen Zeitungen, im Radio und Fernsehen gerühmten Meisters selbst! Und dass er jetzt wirklich leibhaft vor ihr steht und ihr Seine Künstlerhand reicht!

Das lässt unsere Uschi Hinterhuber in Ehrfurcht erschauern.

Gerade weil der Große Meister ausschaut, als wäre er diesen Morgen im Stadtpark unter einer Bank hervorgekrochen mit groben Händen und dreckigen Fingernägeln.

Und der vielgerühmte Große Meister zieht natürlich nicht sein Messer raus, nachdem er die Uschi Hinterhuber abgeschleppt hat. Sondern es gibt eine schmierige Party mit dem Großen Meister und seinem ebenso reichen wie widerlichen Mäzen und selbstverständlich den führenden Journalisten der Lokalzeitung und des Lokalradios - und all den kleinen Mädels, die auf der überall gerühmten Vernissage dem Großen Meister verfallen sind und ihm mal Modell stehen wollten für seine Weltbekannte Große Kunst.

:shock::
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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (26.04.2014, 13:30)
Ich besuche häufig Vernissagen und mir wird da auch des öfteren "viel Spaß" gewünscht.


Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (26.04.2014, 15:05)
Wenn es sich ausschließlich um heitere Bilder handelt oder z.B. um Karikaturen, ist das angemessen und wirkt überhaupt nicht deplatziert. Mir wird meistens ein "angenehmer Abend" oder ähnliches gewünscht. Und die Damen und Herren mit den Tabletts beschränken sich eher auf das - teilweise sogar nonverbale - Anbieten der Speisen und Getränke. Wer Bilder ausstellt, die u.a. Wut, Trauer oder Verzweiflung ausdrücken sollen, und "Viel Spaß" wünscht, der überreicht mir wahrscheinlich auch das Buch "Chronik eines angekündigten Todes" mit den Worten "Viel Vergnügen beim Lesen!".

Sollte die Bemerkung in der Geschichte Zynismus ausdrücken oder darauf hinweisen, wie oft einfach nur gedankenlos dahergeredet wird, dann war das für mich zu subtil ausgedrückt. Ich würde es in diesem Fall mit einem weiteren Satz etwas mehr herausarbeiten.

Gruß,
Monika
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.04.2014, 18:12)
W.Waldner hat geschrieben:
Besser wäre es noch, der Protagonistin nicht ausgerechnet den Namen Sarah zu geben, weil der Leser damit eher wieder irgendeine Nazi-Geschichte assoziiert. Treffender wäre etwa irgendein Durchschnittsname wie Monika oder Liesel, also die typische Frau, die von so einer Vernissage angezogen wird und sich irgendwas großartiges davon erwartet und dann auch noch von dem Großen Meister abschleppen lässt.


Dazu eine Frage:

Wenn ich aus der "Sarah" eine "Monika" oder "Liesel" mache, geht dann nicht die Verbindung zu den Bildern verloren? Die Bilder tragen ebenfalls alle Frauennamen: Eva. Rachel, Maria, Ruth. Alles biblische Namen. Hier werden Frauen mit biblischen Namen umgebracht und zu Bildern "verarbeitet". Funktioniert diese Verknüpfung zwischen Betrachterin und den Bildern (und deren merkwürdige Rufe) noch, wenn die Betrachterin Liesel heißt?

Aus diesem Grund war ich bisher der festen Auffassung, die Betrachterin muss zwingend einen biblischen Namen tragen.

Da diese Notwendigkeit des Namens vom Leser nicht erkannt wird, sondern eine Assoziation Richtung "Nazi-Geschichte" auslöst, ist der Text an dieser Stelle eindeutig gescheitert. Die Wahl des Namens "Sarah" ist somit schlecht und zieht den Text in seiner Qualität stark nach unten. Es geht definitiv nicht um eine "Nazi-Geschichte". Ich bitte für dieses Missverständnis um Entschuldigung.
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (26.04.2014, 18:27)
Also die Verbindung zur Nazizeit sehe ich nicht. Sarah ist inzwischen ein regelrechter Modename. Ich habe drei Stück in meinem weiteren Umfeld. Rachel erschien mir beim Lesen etwas ungewöhnlich, aber vielleicht handelte es sich um eine amerikanische Touristin. Ich könnte noch "Lea" anbieten, obwohl ich alles andere als bibelfest bin.
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W.Waldner
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Re:

von W.Waldner (26.04.2014, 19:27)
Siegfried hat geschrieben:
Die Bilder tragen ebenfalls alle Frauennamen: Eva. Rachel, Maria, Ruth. Alles biblische Namen. Hier werden Frauen mit biblischen Namen umgebracht und zu Bildern "verarbeitet".

Aber warum gerade Frauen mit biblischen Namen?

Wenn das unbedingt sein muss, dann muss natürlich das Opfer auch so heißen, klar, das versteht sich dann schon. Das ist dann eine eigene Geschichte. Wird das auch erklärt?
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mtg
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Re:

von mtg (27.04.2014, 10:06)
W.Waldner hat geschrieben:
Besser wäre es noch, der Protagonistin nicht ausgerechnet den Namen Sarah zu geben, weil der Leser damit eher wieder irgendeine Nazi-Geschichte assoziiert.

Mit etwas Geschichtskenntnis wüsste man, dass Sara der Zwangsvorname im Dritten Reich war ... nicht Sarah.

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