Wonne der Poesie

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hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (20.07.2014, 11:59)
Hallo Monika,
Deine aggressive Haltung mir gegenüber tritt nicht zum ersten Mal in Erscheinung.

Nicht falsch verstehen: Die steht Dir zu und stört mich nicht. Man mag viele Menschen nicht, nachdem man sie gehört hat. Wie ist es dann erst, wenn man sie liest? (*warum gibt es hier eigentlich kein Zwinker-Smilies?*)

Wenn Du im realen Leben von Deinem Zufalls-Gegenüber auch immer persönliche Offenbarungen erwartest, bist Du konsequent.

Ich tue das nicht. Ich beurteile Menschen nach dem, was sie hier schreiben. Dazu muß ich nicht ihre literarische Arbeit kennen. Wenn sie die allerdings in diesem Forum öffentlich machen und Resonanz wollen, erlaube ich mir ab und zu Stellung zu nehmen. Darum geht es doch wohl.

Hier hat man einen jungen Menschen gerade gehörig in die Wirklichkeit geholt und das hat dem sicherlich sehr weh getan. Wir sollten das nicht mit persönlichen Animositäten über meine Person bagatellisieren.

Gruß
hugo

Bardioc
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Re:

von Bardioc (20.07.2014, 12:06)
Monika K. hat geschrieben:
Ein Literaturkritiker, der ernst genommen werden will, schreibt allerdings auch nicht anonym. angle: Wie gesagt: Mach, was du willst.

Dies hier ist keine (wirkliche) Literaturkritik, sondern Hilfestellung für Leute, die sich fürs Schreiben interessieren.

Es ist inzwischen im Internet üblich, sich anders als im normalen Leben zu verhalten.

Im ''normalen'' Leben verhält man sich auch nicht immer so, wie man das gerne möchte oder wie man wirklich ist. Die Anonymität ermöglicht es erst, sich authentisch zu verhalten.

Daran kann ich mich leider noch immer nicht gewöhnen, denn in der Anfangszeit war das nicht so. Wenn ich einen Raum mit vielen Menschen betrete, stelle ich mich erst einmal vor und beteilige mich dann an den Gesprächen.

Tun Sie das auch, wenn Sie eine Kneipe, einen Vorlesungssaal, eine Kirche, ein Wartezimmer (Räume mit vielen Menschen) betreten? Wo finden sich schon reine Diskussionsräume?

Ich liefere nicht meinen kompletten Lebenslauf, aber ich halte es für ein Gebot der Höflichkeit, einen vollständigen Namen und den Grund meiner Anwesenheit zu erwähnen.


Hier müssen andere Regeln der Höflichkeit gelten als im richtigen Leben, eben gerade weil man sich im Internet nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht und die geposteten Antworten u. U. für Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte irgendwo gespeichert sind und von Generationen von Psychologen, Soziologen, etc. nach Kriterien ausgewertet werden können, die uns heute nicht bekannt sind. Wir haben dann keine Möglichkeit mehr, dagegen zu protestieren. Im richtigen Leben verhallt das gesprochene Wort, und eine Blamage bekommen nur die direkt Anwesenden mit, wenn überhaupt. Beides gilt nicht fürs Internet. Außerdem gibt es mittlerweile das sog. Cybermobbing. Anonymität im Internet ist also Selbstschutz.

Weiterhin könnte es bereits möglich sein, Leute anhand ihrer Postings zu identifizieren. Vor einiger Zeit waren Diplomarbeiten ausgeschrieben, wo es darum ging, Autoren von (lateinischen) Texten anhand charakteristischer Fehler zu identifizieren. Sowas könnte leicht auch aufs Internet übertagen werden, insbesondere im Hinblick auf die jüngst publik gewordenen Machenschaften der Geheimdienste. Denken Sie auch an die Argumentationen von Gegnern der Volksaushorchungen (Volkszählungen): Hier ist es schon mit einfachen Mitteln möglich, ausgefüllte Fragebögen zu repersonalisieren. Es ist also leicht möglich, daß irgendwelche ''Grauen Eminenzen'' bereits mehr über Sie wissen als Sie selber, nur anhand Ihrer Postings.

Der Grund für die Anwesenheit in einem Forum wie diesen ist von vornherein klar, zumindest wenn man einen Thread eröffnet und die Leute um Kommentare oder Bewertungen der eigenen Arbeit bittet, braucht also nicht explizit genannt zu werden.

Aber wie gesagt: Jeder kann hier tun und lassen, was er selbst für angemessen hält. Er darf sich nur nicht wundern, wenn die Reaktionen entsprechend ausfallen oder entfallen. Aus diesem Grund äußere ich mich jetzt hier nicht weiter zu dem Punkt.

Wenn man tun und lassen kann, was man für angemessen hält, dann sollte es auch keine ''Reaktionen'' geben, wenn man diese Freiheit in Anspruch nimmt.

Siehe auch hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1618

hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (20.07.2014, 13:41)
Ich schrieb:

Hier hat man einen jungen Menschen gerade gehörig in die Wirklichkeit geholt und das hat dem sicherlich sehr weh getan.


Tja, so kann man sich täuschen cheezygrin

Dank an Bardioc für die ausführliche Stellungnahme zur Anonymität im Internet. Genau so sehe ich das auch.

hugo

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (20.07.2014, 15:18)
Ich finde es unangemessen, Diskussionen doppelt zu führen - zum einen hier, wo sie hingehören, zum anderen auf der privaten Ebene, wo sie in diesem Fall keineswegs hingehören.

Alexander Paukner schrieb mir:

Hallo,

also ich bin 31 Jahre alt und bin Hobby Dichter. Ich schreibe gerne und als ich ihre Kritik gelesen habe war ich am Boden zerstört. Ich bin am Anfang meines Schaffens und freue mich immer über Menschen die meine Bücher lesen oder zumindest nette Kommentare abgeben. Doch ihre Ausführungen sind so verletzlich und angreifend das mir die Worte fehlen. Sie messen da mit einem Maßstab der nicht freundlich gemeint ist und haben sehr viele Vorurteile gegenüber meinem Werk und meiner Schreibweise.

Bitte sparen sie sich ihre Kommentare wenn sie nicht konstruktiv sind oder positiv gemeint sind. Wegen solchen Kommentaren gehen Autoren verloren die Talent haben.

Übrigens ich würde nie solche Kommentare verfassen den eine solche Kompetenz können sie auch nicht haben um einen Autor nicht einmal als Dichter bezeichnen zu wollen der Lyrik schreibt. Vielleicht haben ihre Auszeichnungen ihnen nicht gut getan, sie meinen ja tatsächlich über den Dingen zu stehen und andere Autoren so demütigen zu können.

Ich meine sie sollten sich entschuldigen wenn sie Klasse haben.


Ich bin keinesfalls der Meinung, dass, falls Sie das Schreiben einstellen sollten, der Literatur ein Verlust entstehen würde.

Mit mehr als vierzig Jahren Literaturerfahrung kann ich Ihnen sagen, dass ich im Kollegenkreis (und das sind Profis!) erstens immer mit deutlichen Worten meinen Standpunkt vertreten habe und es zweitens noch keinem geholfen hat, wenn man ihm Honig ums Maul schmiert.
Ich meine keineswegs, dass ich auf Grund meiner Auszeichnungen (oder warum auch immer) über den Dingen zu stehen, aber ich bin Fachmann, und als solcher erkenne ich Murks und ich nenne ihn Murks!

Ich habe auch keine Vorurteile gegenüber Ihrem Werk, sondern ein Urteil.
Ihnen fehlt es an den Grundlagen!

Sie schreiben:
Lyrik ist eine stilistische Form der Literatur

Nein! Lyrik ist eine Gattung oder Kategorie der Literatur. Ein Autor kann generell einen Stil haben, aber nicht eine Form der Literatur.

Sie schreiben in Ihrer Eigenlob-Hudelei:
Voller Zauber schildert Alexander Paukner, seine lyrische Sichtweise der Philosophie.

Vom Kommafehler abgesehen, was soll uns das sagen?
Welche Philosophie? Es gibt in der Philosophie endlos viele Sichtweisen, auf welche schauen Sie? Und wenn Sie schon von sich behaupten, philosophische Lyrik zu schreiben, dann erwarte ich aber eine wesentlich größere Durchdringungstiefe. Ihre banalen Verslein und Gefühlsreproduktionen haben mit Philosophie absolut nichts zu tun.
Und die Selbstbehauptung "sich von der ästhetischen Schreibweise verzaubern lassen" ist mehr als zweifelhaft. Wenn jemand in einem verkrampft-gestelzten "Schwurbel-Deutsch" formuliert, das an das Gequatsche von Mittelaltermärkten erinnert, dann ist dies keineswegs ästhetisch, sondern unfreiwillig komisch.

Wie geschrieben: Es fehlt Ihnen an den elementaren Voraussetzungen.

Sie bezeichnen sich selbst als Hobbydichter, doch sprechen Sie bereits großspurig von Ihrem "Schaffen".
Allein an der Wortwahl Ihrer Nachricht an mich ist zu bemerken, dass Sie Probleme haben, das wirklich treffende Wort zu finden.
Sie schrieben "ihre Ausführungen sind so verletzlich" - Nein, meine Worte sind keineswegs "verletzlich", sondern ziemlich robust und vielleicht sogar verletzend.

Wie wollen Sie da Dichter werden?

Denken Sie immer daran: Wenn Sie mit Ihren Texten an die Öffentlichkeit gehen, werden Sie mit professionellen Maßstäben gemessen, vor allem wenn jemand so großspurig auftritt wie Sie.

Sie schrieben auch:
in einer einzigartigen Schreibweise, von einem jungen aufstrebenden Autor.

Die "einzigartige Schreibweise" lasse ich als negative Aussage gelten.

Und zum Thema "jung":
Meine ersten Publikationen in überregionalen Literaturzeitschriften hatte ich mit 20, mein erstes professionell aufgeführtes Theaterstück mit 21, den Förderpreis meiner Heimatstadt Fürth bekam ich mit 22 und mit 24 Jahren ein literarisches Stipendium des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland in Italien .

So viel zu einem "jungen, aufstrebenden Autor", weil zu diesem auch immer eine gewisse Außenwahrnehmung gehört. Das innere Streben allein ist leider, wie oft beim Lesen erkennbar, kein Zeichen dafür, dass es aufwärts geht ...

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ANOUK_F.
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Re:

von ANOUK_F. (20.07.2014, 17:47)
Hallo Alexander,

ich habe eben in Ihr Ebook "Wonne der Poesie" hineingelesen (dank der praktischen klick-ins-Buch-Funktion auf Amazon).

Da ich selbst ein Lyrik-Neuling bin, möchte ich es mir nicht anlasten, Sie im Hinblick auf das Versmaß et cetera zu kritisieren. Das können andere sicher sehr viel kompetenter. Hugo-Wolff und Seshmosis haben schon einiges dazu geschrieben und ich (sowie es mein Kenntnisstand zulässt) kann ich den beiden in vielen Punkten eigentlich nur beipflichten.
Was mich persönlich total stört sind Ihre zahlreichen Rechtschreibfehler, Grammatikfehler und falsche Interpunktion. Das lenkt vom Inhalt Ihrer Gedichte ab und verärgert Leser ( wenn ich für ein Buch bezahle, wünsche ich es mir weitgehend fehlerfrei!)

Auch die hohe Fehlerdichte ist hier in der Diskussion um Ihr Buch bereits erwähnt worden, dennoch wollte ich mich auch noch dazu äußern: Denn vielleicht ermuntert die Menge der Kritiker Sie dazu, alles noch einmal zu überarbeiten.

Ferner finde ich persönlich, dass Sie sich ziemlich übertrieben ausdrücken, auch jenseits Ihrer Gedichte: gestelzt, pathetisch,...
Ich weiß nicht, wie es den anderen Lesern geht, mich verleitet es dann und wann zum Schmunzeln.

Generell muss man hier im Forum mit z. T. harter Kritik rechnen. Doch ich habe immer die Erfahrung gemacht, dass man hier auch viele wichtige Hinweise und Verbesserungsvorschläge findet/bekommt und man nur auf diese Weise wirklich weiterkommt und sich verbessert. Denn darum geht es doch: Fortschritte zu machen. Und die macht man nicht durch beschönte Wischi-Waschi-Aussagen.

Kopf hoch! Nicht ärgern, nicht aufgeben. Überarbeiten! Weiterschreiben!

Liebe Grüße
Anouk

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Siegfried
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Re: Wonne der Poesie

von Siegfried (20.07.2014, 17:56)
Schönen guten (heißen) Sonntag! cheezygrin

Ich wurde von dritter Seite auf diese Diskussion aufmerksam gemacht, daher von mir nur dieser eine Beitrag.

Paukner hat geschrieben:
Zu der Rechtschreibung möchte ich anmerken, das ich natürlich versuche fehlerfrei zu schreiben und wenn möglich die Fehler zu verbessern. Danke für den Hinweis. Ich meine, das die Sinnhaftigkeit der Texte aber nicht darunter leidet.


Ich habe mir bei Amazons "Blick ins Buch" die Einleitung und die ersten drei Gedichte angesehen.

Zur Einleitung:

In der Poesie erfährt man ein besonderes Gefühl für die
Tiefgründigkeit, des Seins. Mit dem erfahrenden Sinn der Gefühle,
ersinnt man sich eine Welt in welcher man seinen
Träumen freien
Spielraum lassen kann. Ich als Autor versuche Sie zu begeistern und
für eine weile zu entspannen. Lassen Sie sich von Ihren Gedanken
in eine schöne, zauberhafte Welt führen. Ein
erstrebenswertes ist es
immer für meine Leser neue und ästhetische Formulierungen zu
finden. In dem geschriebenen Wort erfährt man einen Einblick, in
eine Sichtweise der Literatur zu bestimmten Themen.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim lesen und verbleibe mit
literarischen Grüßen.
Quelle: Amazon; Blick ins Buch "

Mich würde zutiefst interessieren, warum nach "Tiefgründigkeit" ein Komma steht. Ebenso der Sinn des Kommas nach "Gefühle". Und warum nach "Welt" vor dem Nebensatz, der mit "in welcher" beginnt, das Komma fehlt.

Es gibt zwei Möglichkeiten.

a) Pro Autor: Der Verfasser dieser Zeilen hat die Zeichensetzung bewusst so gesetzt, um damit etwas auszudrücken. Etwa die Abtrennung des Genitivs vom Hauptsatz. Oder das Zerreißen eines Hauptsatzes in zwei je für sich völlig unlogische Satzteile. Und die Aufhebung der Trennung von Hauptsatz und Nebensatz, indem das Komma einfach weggelassen wurde. Wenn dem so ist, also diese Intention des Autors besteht - dann habe ich sie schlicht nicht verstanden. cheezygrin

b) Contra Autor: Der Verfasser dieser Zeilen beherrscht die Zeichensetzung nicht, ist aber aus nicht erklärlichen Gründen nicht in der Lage gewesen, sich zu diesem Bereich Hilfe zu holen. Wenn dem so ist - schade.

Zu den Gedichten

Ich habe drei von den Gedichten gelesen. Überzeugt hat mich keines. Vom Stil her erinnern sie mich zu stark an die Poesie der Musenkussmischmaschine: Schreibspiele aus willkürlich zusammengewürfelten Substantiven, Verben, Adjektiven.

Beispiel:

Des Schaffens stiller Güte,
mit dem Glanz erfüllt,
in endlosen Nächten wahrer Freude.
Beseelt in Wonne reicher Huld.


Abgesehen von fehlender Formalkraft (z. B. kein Rhythmus in dieser Strophe) löst der Text eine Reihe von Fragen bei mir aus:

Warum der doppelte Genitiv im ersten Vers? Müsste es nicht "Des Schaffens stille Güte", also ohne "r" beim Adjektiv, heißen? Warum die Satzzeichen in der Strophe? Insbesondere der harte Bruch im vierten Vers, dem ein Punkt vorangeht und dem ein Punkt folgt.

Dies soll ein Gedicht sein. Ein Gedicht erfordert maximal Sprachdichte. Jedes Wort, jedes Satzteuchen muss genauestens gesetzt werden. In einem Gedicht steht nichts "mal eben so", sondern nur mit purer Absicht. Diese Dichte fehlt mir hier.

Warum kommen solche Klischees wie "endlose Nächte"? Warum benutzt der Autor ein solch veraltetes Wort wie "Huld"? Lebt der Minnegesang des 12./13. Jahrhunderts wieder auf?

In der zweiten Strophe wird es noch schlimmer:

Ersinnt den Anbeginn
reicher Schönheit Muse
als reinen Schimmer Tage
welch Zeit reinigt sich und verrann


Was fällt auf? Richtig - waren in der ersten Strophe noch Satzzeichen vorhanden, fehlen sie hier völlig. Durch solche Nachlässigkeite reißt es das Gedicht auseinander. Der Stil - mit Satzzeichen oder ohne - wird nicht durchgehalten. Frage: Warum fehlen in der 2. Strophe alle Satzzeichen?

Die beiden letzten Verse - einfach grauenhaft. "als reinen Schimmer Tage"? Hat das jemand verstanden? Kann der Autor das selbst erklären? Mich erinnert das an einen Ausspruch von Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799): "Wenn der Autor selbst nicht mehr versteht, was er da schreibt, so meint er, der Genius spräche aus ihm".

Was fällt beim vierten Vers der zweiten Strophe auf? Der Autor wechselt das Tempus. Bewegte sich das Gedicht bisher im Präsens, rutscht es mit dem letzten Wort in das klassische deutsche Erzähltempus ab. Statt "verrann" hätte es "verrinnt" heißen müssen. Ein schmerzhafter Bruch im Gedicht.

Ein anderes Beispiel:

Jene Farbe dessen Schnabel
welche Freude innen fühlend
wenn ein neuerliches wiedersehen
meines Anblickes wandelnd Gabe.


Für mich nichts weiter als eine Anhäufung von Wörtern, die keinen Sinn ergeben. Die zudem auch nicht sonderlich schön klingen.

Mit "Jene Farbe dessen Schnabel" beginnt das Gedicht. Eine Farbe, die einen Schnabel hat. Das Bild ist ungewöhnlich und damit interessant, doch das Bild wird nicht fortgeführt. Es steht einfach so für sich im Raum. Peng und Ende.

Warum im dritten Vers das Substantiv "wiedersehen" klein geschrieben wird (alle anderen Substantive sind korrekt groß geschrieben), erschließt sich mir nicht. Ich kann an dieser Stelle nicht von der äußeren Form auf den Inhalt schließen.

Vers 3 und 4 in Zusammenhang verstehe ich ebenfalls nicht. "Wenn ein neuerliches Wiedersehen meines Anblicks wandelnd Gabe" - da tun sich mir nur Fragezeichen auf. Vielleicht gibt es hier im Forum jemanden, der den Inhalt dieser Zeilen versteht. Ich kann es nicht.

Ich verstehe auch nicht, warum ausschließlich der letzte Vers einen Punkt hat, ansonsten alle Satzzeichen vermieden werden.

Fühle reichlich warm die Stunden
auf ein neues, freudig erblicken
in diesem Momenten nicht die Freude
wie von unserer Seite.


Das ist die zweite und letzte Strophe des Gedichtes. Wer es noch nicht herausgefunden hat, das Gedicht heißt "Amsel". :roll:

Für mich klingen diese Gedichte zutiefst artifiziell. Kein Inhalt, sondern nur Form, und die funktioniert noch nicht einmal.

So etwas kann eigentlich jeder. Ein Versuch:

Mein Schrott Teil 1 hat geschrieben:
Oh lass mich nur
warum so trübe
Brauende Nebel gegangen im Mai
Rote Beere schwillt am Dorn


oder

Mein Schrott Teil 2 hat geschrieben:
Ein wundersames Leben
Treib hin, du letzte Scholle Eis
Umfasst von goldenem Sonnenschein
Gut Freund, ich schweige stille


Die benutzten acht Zeilen wurden von mir willkürlich aus acht verschiedenen Gedichten des 19. Jahrhunderts ausgewählt und beliebig zu den zwei Strophen zuisammengebaut. So geht's also auch! cheezygrin


Nachtrag zur Sinnhaftigkeit der Zeichensetzung:

Da gibt es einen Satz: "Ich rate ihm zu helfen".
Erst durch korrekte Kommsatzung erhält dieser Satz einen eindeutigen Sinn.

Vergleiche "Ich rate, ihm zu helfen" zu "Ich rate ihm, zu helfen".

Gleicher Satz mit Komma an unterschiedlicher Stelle ändert den Satzinhalt völlig. cheezygrin
Zuletzt geändert von Siegfried am 20.07.2014, 18:13, insgesamt 1-mal geändert.
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mtg
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Re: Wonne der Poesie

von mtg (20.07.2014, 18:07)
Siegfried hat geschrieben:
Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799): "Wenn der Autor selbst nicht mehr versteht, was er da schreibt, so meint er, der Genius spräche aus ihm".

Lichtenberg ... der wahre Meister der Aphoristik. Da hast Du unabhängig von der Passgenauigkeit in diesem Thread ein besonders schönes Beispiel herausgesucht, Siegfried!

thumbbup

Lee Ares
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Registriert: 15.07.2014, 23:59

Re:

von Lee Ares (21.07.2014, 08:23)
Ich glaube kaum, dass jemand nur die Absicht hat, Sie zu verletzen oder gar zu mobben.

Ja, es ist wichtig, dass man selbst von seinem Werk überzeugt ist, trotzdem sollte man genug Abstand dazu halten, um Kritik annehmen zu können

Aber wie ich Ihnen schon geschrieben habe, manche Gedichte waren wirklich gut - aber
Sie haben ja schon viele, wie ich finde hilfreiche, Tipps von Leuten bekommen, die es besser wissen.

Und vielleicht sollten sie sich einem Beta-Leser suchen.

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