Egal

Präsentiert euren Gedichtband oder eure Liedersammlung.


Benutzeravatar
ANOUK_F.
Beiträge: 144
Registriert: 05.03.2014, 10:56
Wohnort: Deutschland

Egal

von ANOUK_F. (07.08.2014, 19:36)
So, nachdem ich selbst immer wieder Kommentare zu anderer Leuts Gedichten abgelassen habe, begebe ich mich selber ins Kreuzfeuer der Kritik und poste meinen ersten Versuch eines ungereimten Gedichtes. Bisher habe ich mich in Kreuzreimen und gebrochenen Kreuzreimen versucht, nun also mein erstes ungereimtes "Baby". Da ich keinerlei Ahnung habe, welche formalen Punkte eingehalten werden sollten, hoffe ich auf Eure konstruktive Hilfe. Ich habe zwar google bemüht, doch da stand nur, dass ungereimte Gedicht sehr viel höhere Anforderungen erfüllen müssen, als gereimte... welcher Natur diese sind, stand dort leider nicht. Bin für jede Hilfestellung dankbar.

Egal

Wenn du vor mir stehst
ist das Gras so viel grüner und
der Himmel höher.
Dann hör ich Lieder
wo vorher tiefe Stille war.

Dann hüpft mein Herz in deine Hand,
ein heimlicher Vogel.
Und meine Augen,
die nehmen dich auf,
als wärst du das letzte Motiv
bis ans Ende aller Tage.

Wenn du vor mir stehst,
verliert die Zeit an Bedeutung.
Nur mein Herz, das schlägt,
und gibt laut den Takt.
Nach dem tanze ich
– und nach deiner Pfeife.

Doch du, du hörst nichts,
siehst und fühlst nicht das Geringste.
Alles normal, sagst du stets zu mir.
Und ich sterbe in deinem „egal“.


Anouk Ferez

Benutzeravatar
Seshmosis
Beiträge: 644
Registriert: 09.10.2007, 20:49
Wohnort: Binzwangen

Re: Egal

von Seshmosis (07.08.2014, 20:05)
Ist schon ganz gut gelungen!

Nur einige wenige Vorschläge:

Egal

Wenn du vor mir stehst
ist das Gras so viel grüner und
der Himmel höher.
Dann hör ich Lieder
wo vorher nur Stille war.

* "tiefe Stille" ist eigentlich eine Doppelung - still ist still

Dann hüpft mein Herz in deine Hand,
ein heimlicher Vogel.
Und meine Augen
die nehmen dich auf,
als wärst du das letzte Motiv
bis ans Ende aller Tage.

* das "die" macht es ein wenig holprig

Wenn du vor mir stehst,
verliert die Zeit an Bedeutung.
Nur mein Herz, das schlägt,
und gibt laut den Takt.
Nach dem tanze ich
– und nach deiner Pfeife.

Doch du, du hörst nichts,
siehst und fühlst nicht das Geringste.
Alles normal, sagst du stets zu mir.
Und ich sterbe in deinem „egal“.

* "stets" weglassen, mehr komprimieren, verdichten

--

Nix für ungut.

LG Gerd

Benutzeravatar
ANOUK_F.
Beiträge: 144
Registriert: 05.03.2014, 10:56
Wohnort: Deutschland

Re:

von ANOUK_F. (07.08.2014, 20:26)
Danke Gerd,
so ein Feedback von Dir ist schon was! Eigentlich hätte ich (gerade von jemandem mit Deiner Schreiberfahrung und Deinem Hintergrund) ein "vernichtendes" Urteil erwartet. Und Du findest es echt schon ganz gut gelungen? Das motiviert mich!

Deine Vorschläge machen Sinn. Du hast recht, es klingt besser, die Worte fortzulassen. Ich war mir echt unsicher, wegen der Silbenzahl. Habe oft 5 bzw 8 Silben (was ursprünglich willkürlich "passierte" , die ich dann aber einzuhalten versuchte). Lässt man die von Dir "angekreideten" Worte fort, liest es sich jedoch wirklich besser.
Vielleicht sollte ich also doch wieder mehr auf mein Gefühl hören und weiger "zählen"?!

Besten Dank fürs Lesen, Kommentieren und Verbessern!!!!

Frage an alle: Wie schaut das generell mit formalen Kriterien hier aus? Muss man/sollte man, wenn man nicht gerade ein Haiku oder ein Rondell schreibt, trotzdem bestimmte Rhythmen o.ä. einhalten?



Danke vorab!
Anouk

Benutzeravatar
Seshmosis
Beiträge: 644
Registriert: 09.10.2007, 20:49
Wohnort: Binzwangen

Re:

von Seshmosis (07.08.2014, 20:42)
Bei "freien Gedichten" kommt es weniger auf das Silbenzählen, als auf den Rhythmus, die Satzmelodie an. Auch Pausen spielen, wie bei einem Lied, eine wichtige Rolle. Oder bewusste Brüche, Akzente - wenn zum Beispiel in der letzten Zeile nur ein Wort steht.
Es kommt bei der freien Form viel mehr auf das eigene Sprachgefühle an.
Und natürlich die Bilder, die Metaphern, das Wie man etwas schreibt.

PS: Ein Reh am Waldesrand killt jedes Gedicht - gereimt oder nicht. Außer es taucht in einer verdammt guten Parodie auf ... ;-)

Benutzeravatar
ANOUK_F.
Beiträge: 144
Registriert: 05.03.2014, 10:56
Wohnort: Deutschland

Re:

von ANOUK_F. (07.08.2014, 21:00)
Danke, Gerd. Damit kann ich etwas anfangen.
Ich hätte beispielsweise nie an die Pausen gedacht (beispielsweise hervorgerufen durch den Gedankenstrich.) Instinktiv hält man dann ja kurz inne beim Lesen - aber es war mir eben nicht BEWUSST.

Das mit den Brüchen, die Du beschreibst, macht auch Sinn.

Also wieder weg vom Zählen, mehr hin zum Intuitiven-

Siehst Du, eine solche Kurzeinweisung habe ich per google gesucht, und nun bekomme ich sie hier auf dem Silbertablett präsentiert. Danke!

Ja, das Reh cheezygrin ...

l G,
Anouk

Bardioc
Beiträge: 310
Registriert: 18.03.2014, 15:54

Re:

von Bardioc (08.08.2014, 12:13)
Seshmosis hat geschrieben:
PS: Ein Reh am Waldesrand killt jedes Gedicht - gereimt oder nicht. Außer es taucht in einer verdammt guten Parodie auf ...



... und sind sie erst mal rehformiert
die Rehform ihr Erscheinen ziert
Fußballspielen ist gewesen
ab jetzt geh'n sie lieber äsen ...

Bardioc
Beiträge: 310
Registriert: 18.03.2014, 15:54

Re: Egal

von Bardioc (08.08.2014, 13:12)
Seshmosis hat geschrieben:
Ist schon ganz gut gelungen!

Nur einige wenige Vorschläge:

Egal

Wenn du vor mir stehst
ist das Gras so viel grüner und
der Himmel höher.
Dann hör ich Lieder
wo vorher nur Stille war.

* "tiefe Stille" ist eigentlich eine Doppelung - still ist still

Dann hüpft mein Herz in deine Hand,
ein heimlicher Vogel.
Und meine Augen
die nehmen dich auf,
als wärst du das letzte Motiv
bis ans Ende aller Tage.

* das "die" macht es ein wenig holprig

Wenn du vor mir stehst,
verliert die Zeit an Bedeutung.
Nur mein Herz, das schlägt,
und gibt laut den Takt.
Nach dem tanze ich
– und nach deiner Pfeife.

Doch du, du hörst nichts,
siehst und fühlst nicht das Geringste.
Alles normal, sagst du stets zu mir.
Und ich sterbe in deinem „egal“.

* "stets" weglassen, mehr komprimieren, verdichten



Müßte dann nicht auch das mit Indigo markierte das wegfallen, aus Symmetriegründen?

Wenn du vor mir stehst,
verliert die Zeit an Bedeutung.
Nur mein unstet Herz
gibt laut den Takt vor
Nach dem tanze ich
-- und nach deiner Pfeife

Gut, das Wort ''unstet'' ist etwas aus dem Mode gekommen, es erinnert mich aber an einen Songtitel, allerdings weiß ich nicht mehr von welchem Lied und welcher Gruppe.
Zuletzt geändert von Bardioc am 08.08.2014, 15:13, insgesamt 3-mal geändert.

Bardioc
Beiträge: 310
Registriert: 18.03.2014, 15:54

Re:

von Bardioc (08.08.2014, 13:23)
ANOUK_F. hat geschrieben:
Frage an alle: Wie schaut das generell mit formalen Kriterien hier aus? Muss man/sollte man, wenn man nicht gerade ein Haiku oder ein Rondell schreibt, trotzdem bestimmte Rhythmen o.ä. einhalten?

Gute Frage!

Ich sähe es lieber, den Begriff ''Gedicht'' eher enger zu definieren, also wirklich als eine ''gebundene'' Form, wobei die ''Bindemittel'' der Reim, die Silbenzahl und das Reimschema sind, wobei ich durchaus tolerant darin bin, wenn mal nicht immer alles vorhanden ist. Gedichte können vertont werden, und da dürfte zumindest die Silbenzahl eine Rolle spielen, um im Takt zu bleiben. Für die ''freien Gedichte'', um die es hier geht, sollte man einen extra Begriff einführen.

Siehe hierzu auch: Neuer Formalismus.
Zuletzt geändert von Bardioc am 08.08.2014, 14:17, insgesamt 2-mal geändert.

Benutzeravatar
Seshmosis
Beiträge: 644
Registriert: 09.10.2007, 20:49
Wohnort: Binzwangen

Re: Egal

von Seshmosis (08.08.2014, 13:24)
Bardioc hat geschrieben:
Müßte dann nicht auch das mit Indigo markierte das wegfallen, aus Symmetriegründen?


Ja, das habe ich übersehen.

Benutzeravatar
ANOUK_F.
Beiträge: 144
Registriert: 05.03.2014, 10:56
Wohnort: Deutschland

Re:

von ANOUK_F. (08.08.2014, 20:50)
@ Bardioc

Danke, Bardioc, für Deine scharfen Augen. Ich sehe es auch so, dass das "das" dann ebenfalls wegfallen sollte (wäre aber von allein, ohne Deinen hinweis, nicht so schnell darauf gekommen) Deinen Vorschlag mit dem "unstet Herz" finde ich übrigens gut.

Ich werde ein paar Tage Abstand zu dem Gedicht gewinnen und es dann neu überdenken, dabei all Eure Vorschläge einfließen lassen

@Paukner
Danke, Alexander, für's Lob. Ich habe vor einiger Zeit hier schon mal Gedichte gepostet, diese allerdings im Kreuzreim. Es wurde (dank Ricochets Hilfe) nach und nach ein gebrochener Kreuzreim draus, und schließlich fasste ich eine ganze "schwarze" Gedicht-Serie ab. Du findest sie auf meiner Webseite falls Interesse vorhanden.

LG, Anouk

Lee Ares
Beiträge: 11
Registriert: 15.07.2014, 23:59

Re:

von Lee Ares (09.08.2014, 16:09)
Hallo! :wink:

Dein Gedicht hat mir überraschend gut gefallen (so wie deine anderen Gedichte auch)
Es erinnert mich stark an einen Songtext (ich liebe Musik, vor allem deutsche Liebeslieder)

Sehr gefühlvoll geschrieben.

Bardioc
Beiträge: 310
Registriert: 18.03.2014, 15:54

Re: Egal

von Bardioc (09.08.2014, 16:32)
Wenn du vor mir stehst,
verliert die Zeit an Bedeutung.
Nur mein rasend Herz
gibt laut den Takt vor
Nach dem tanze ich
-- und nach deiner Pfeife

Gut, das Wort ''unstet'' ist etwas aus dem Mode gekommen, es erinnert mich aber an einen Songtitel, allerdings weiß ich nicht mehr von welchem Lied und welcher Gruppe.

Songtitel und Gruppe: ''Mein rasend Herz'' von In Extremo!

Benutzeravatar
ANOUK_F.
Beiträge: 144
Registriert: 05.03.2014, 10:56
Wohnort: Deutschland

Re:

von ANOUK_F. (09.08.2014, 17:44)
@ Bardioc

"Rasend Herz" ist natürlich auch super. (Ich kannte weder Song noch Gruppe!)
Das "unstet" (Dein 1. Vorschlag) habe ich mir heute durch den Kopf gehen lassen und habe es zunächst mal mit
"mein fiebrig Herz" ersetzt.

Das, was mich an "unstet" doch ein wenig stört ist nicht, dass das Wort aus der Mode gekommen sein könnte, sondern dass man mit einem "unsteten Herzen" ein wankelmütiges Herz assoziieren kann. Und wankelmütig bin ich ja nicht, sondern genau in DEN Mann verliebt ( also im Gedicht :D )

Ein "rasendes" Herz gibt zweifelsohne laut den Takt . Ferner rast das Herz natürlich ohne Ende, wenn man seiner großen Liebe gegenübersteht, (und genau das will ich ja beschreiben) daher passt es eigentlich total gut hier. Allerdings... wenn es diesen Songtext gibt, wäre es ja fast geklaut, auch wenn ich diesen Song nicht kannte.
Ferner war es ja eigentlich Deine Idee. Wie sähe das aus mit dem "übernehmen" dieses Vorschlages in mein Gedicht?

Was hältst Du/haltet ihr von "mein fiebrig Herz"? Denn wenn man derart verliebt ist, wie in meinem Gedicht, ist das schließlich fast wie ein Wahnanfall, ein alles verzehrendes Fieber...


Danke für all Eure Ideen und Kommentare!

Anouk

Bardioc
Beiträge: 310
Registriert: 18.03.2014, 15:54

Re:

von Bardioc (10.08.2014, 10:56)
ANOUK_F. hat geschrieben:
@ Bardioc

"Rasend Herz" ist natürlich auch super. (Ich kannte weder Song noch Gruppe!)
Das "unstet" (Dein 1. Vorschlag) habe ich mir heute durch den Kopf gehen lassen und habe es zunächst mal mit
"mein fiebrig Herz" ersetzt.

Das, was mich an "unstet" doch ein wenig stört ist nicht, dass das Wort aus der Mode gekommen sein könnte, sondern dass man mit einem "unsteten Herzen" ein wankelmütiges Herz assoziieren kann. Und wankelmütig bin ich ja nicht, sondern genau in DEN Mann verliebt ( also im Gedicht :D )

Ja, ''unstet'' ist nicht das richtige Wort, genau aus diesem Grund. Aber es bestand aus zwei Silben und paßte zu Herz.

Ein "rasendes" Herz gibt zweifelsohne laut den Takt . Ferner rast das Herz natürlich ohne Ende, wenn man seiner großen Liebe gegenübersteht, (und genau das will ich ja beschreiben) daher passt es eigentlich total gut hier. Allerdings... wenn es diesen Songtext gibt, wäre es ja fast geklaut, auch wenn ich diesen Song nicht kannte.
Ferner war es ja eigentlich Deine Idee. Wie sähe das aus mit dem "übernehmen" dieses Vorschlages in mein Gedicht?

Was hältst Du/haltet ihr von "mein fiebrig Herz"? Denn wenn man derart verliebt ist, wie in meinem Gedicht, ist das schließlich fast wie ein Wahnanfall, ein alles verzehrendes Fieber...


In Extremo -- Mein rasend Herz

Sehe ich nicht so, daß das dann geklaut wäre. Dann dürfte man auch nicht ''Meiner holden Liebsten'' in einem Gedicht schreiben, ich will nicht wissen, wieviele Liebesgedichte diese Folge von Wörtern bereits enthalten. Wenn man so denken würde wie Du hier, dann wäre es irgendwann mal gar nicht mehr möglich, Gedichte zu schreiben, weil letztlich irgendwann mal alle halbwegs sinnvollen Wortkombinationen von jemandem benutzt worden sind, insbesondere auch, weil Gedichte -- im Gegensatz zu Romanen -- typischerweise relativ kurze Werke sind. Die Sequenz ''Mein unstet Herz'' gibt es auch schon in einem Gedicht, habe ich gefunden, als ich Songname und die Gruppe über Google finden wollte. Ich denke, das Kreative hier ist, sich daran zu erinnern, daß es etwas gibt, was genau in den Kontext paßt. Sprache macht unendlichen Gebrauch von endlichen Ressoucen!

Du kannst meine Idee hier gerne verwenden!

Das Wort ''fiebrig'' paßt hier weniger, es geht ja um Tanzen und damit um Takt. Wer Fieber hat, liegt krank im Bett und hat mit Sicherheit keine Lust zu tanzen.

Benutzeravatar
ANOUK_F.
Beiträge: 144
Registriert: 05.03.2014, 10:56
Wohnort: Deutschland

Re:

von ANOUK_F. (10.08.2014, 11:13)
@ Lee Ares

Danke für's Komliment! Ich bin generell ein sehr gefühlvoller Mensch und Schreiben ist für mich ein willkommenes Ventil, große Gefühle "abzulassen". Hinterher fühle ich mich leer und wie geläutert.

Wenn's dann auch noch gefällt freue ich mich wie ein Schnitzel


@ Bardioc
Danke für die Bewertung der "fiebrig" Stelle. "Rasend" gefällt mir auch besser, ich wollte es nur nicht einfach so verwenden ohne zu fragen. Sicher hast du recht, man kann das Rad nicht neu erfinden und mir sind auch schon viele Songtexte untergekommen, die sich doch SEHR ähneln ( was auch für viele Melodien gilt) . Dennoch versucht man natürlich, vieles selbst zu erdenken, in eigene Zusammenhänge zu stellen und nicht bloß per copy-paste zusammen zu klauen.

Mit Deiner "Erlaubnis" thumbbup verwende ich gerne "rasend Herz" - auch wenn es wiederum bereits existent und nicht von Dir erdacht war, so hast immerhin Du es gefunden und in den Kontext mit diesem Gedicht gebracht.

Danke! cheezygrin
Anouk

Zurück zu „Buchvorstellung: Lyrik“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.