rauhreif

Präsentiert euren Gedichtband oder eure Liedersammlung.


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buehne44
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rauhreif

von buehne44 (19.08.2014, 23:51)
Nachdem ich ich mich getraut habe, eins meiner Gedichte ("Jahrestakt") während der Diskussion um Paukas` Gedichte hier zu veröffentlichen, schiebe ich ein weiteres Gedicht nach (wie gesagt, meine Hunderte Gedichte liegen in der Schreibtischschublade, habe nie einen Lyrikband veröffentlicht, bin Theater- und Sachbuch-Autorin). Jetzt interessiert mich eure Meinung und Kritik.... )


rauhreif

wortkarg in starrer schönheit
bist du unantastbar
baumbild

sanft geneigt trauernd
im augenblick verfangen
bist du entrückt
schilf
langmähnig verharrend

der atem stockt
bizarre stummheit
vergrenzt alle nähe
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buehne44
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Re:

von buehne44 (20.08.2014, 00:03)
PS. Ich weiß, dass nach neuer Rechtschreibung es "Raureif" heißt, möchte dennoch bei dem Titel "Rauhreif" bleiben ....
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ricochet
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Re:

von ricochet (20.08.2014, 06:37)
Guten Morgen, buehne44,


also mir gefällt's. thumbbup Schöne Metaphern und Bilder, viel Stimmung, kurz und prägnant. Sowas lies ich gern.
Allenfalls würde ich in der zweiten Strophe eine Zeile umstellen:

sanft geneigt trauernd
im augenblick verfangen
langmähnig verharrend
bist du entrückt
schilf

Das würde die zweite formal an die erste angleichen. Und in die erste Strophe würde ich noch eine Zeile einfügen. Das verträgt sie schon. Oder aus der zweiten eine Zeile streichen. Formale Geschlossenheit ist mir wichtig.

LG


rico
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mtg
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Re:

von mtg (20.08.2014, 07:08)
Kleine Verständnisfrage: Was bedeutet »vergrenzt«? Bzw. was soll es hier bedeuten?

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buehne44
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Rauhreif - Antwort Rico

von buehne44 (21.08.2014, 00:27)
Hallo Rico,

ja, stimme mit dir völlig überein, was die Umstellung der zweiten Strophe betrifft - würd den Vers "langmähnig verharrend"aber ganz weglassen (die Aussage steckt ja schon im "im augenblick verfangen" drin.
Dann braucht die 1. Strophe auch keine weitere Zeile.

Danke!
LG Gerda
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buehne44
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rauhreif - Antwort Matthias

von buehne44 (21.08.2014, 00:50)
Ja, Matthias,

was bedeutet "vergrenzt"? - Kann ich dir nicht sagen. Ist eine Wortschöpfung,. die im Gedichtzusammenhang für mich klanglich und aussagemäßig stimmig ist:

bizarre stummheit
vergrenzt alle nähe

Kennst du diese Rauhreif-Situationen? In der Natur und in deinem Leben?

Ich kann dir "vergrenzt" nicht erklären - für mich ist es aussagemäßig: eine Grenze ziehen ,klanglich aber auch ein absoluter Schnitt.

Es ist so schwierig, über Gedichte zu reden ...
Danke für deine Anmerkung.

LG Gerda
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mtg
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Re: rauhreif - Antwort Matthias

von mtg (21.08.2014, 02:45)
buehne44 hat geschrieben:
Es ist so schwierig, über Gedichte zu reden ...

Wäre es dann nicht schön, wenn wir uns wenigstens über die verwendete Sprache einig wären? Argumente wie »das ist eine Wortschöpfung von mir« machen es dem Leser doch unendlich schwer zu erkennen, was der Dichter bzw. die Dichterin mit den Worten aussagen will.

Es sei denn, Du betrachtest Lyrik als verbale Masturbation. Dann ist der Leser natürlich eh unwichtig ...

Anja neu
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Fragen über Fragen...

von Anja neu (21.08.2014, 06:27)
Beim Lesen von Texten mir persönlich unbekannter Autoren stelle ich mir zunächst 2 Fragen:

Hat es was mit mir zu tun?

Kann ich etwas damit anfangen?

Die Frage nach dem, was der Autor mir sagen möchte, stellt sich mir in der Regel nicht, es sei denn, meine Mutti hätte mir ein Gedicht geschrieben. Dann frage ich mich und Mutti natürlich, was Mutti mir mitteilen wollte.

Da Sprache im Fluss ist und sich genau wie wir alle durch und mit uns entwickelt, ist hin und wieder schon mal eine Wortneuschöpfung dabei.

„Rauhreif“ und „vergrenzt“ gefallen mir. - Bin ich mit dieser Ansicht frigide?

Einen guten Start in den Tag!

Freundlich grüßend, Claudia
Man soll nur dann veröffentlichen, wenn man nicht verkaufen will. Alles andere ist nur Kommerz.

yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (21.08.2014, 09:23)
Ich habe lange versucht, in modernen, abstrakten Bildern einen Sinn zu suchen - vergebens. Aber manche haben mir gefallen, warum auch immer: die Farbkomposition, der Pinselstrich, der Gesamteindruck...

So sehe ich es auch mit Gedichten: Wenn das Grundhandwerk erlernt ist, kann man abstrahieren. Das Wort "vergrenzt" gefällt mir, es unterscheiden sich von abgegrenzt, macht vielleicht eine Grenze in diffusem Licht erscheinen...


... meint Yggdrasil

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mtg
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Re:

von mtg (21.08.2014, 09:25)
Hallo Claudia,

ob Du frigide bist, muss an anderer Stelle entschieden werden. Da schau bitte in die entsprechenden Foren. In einem Autorenforum sollte es allerdings erlaubt sein, Sprache als gemeinsame Ausdrucksform zu erbitten bzw bei Nicht-Verständnis nachzufragen.

Sage mir doch bitte, warum Dir »vergrenzt« gefällt. Ohne Begründung ist diese Aussage nämlich nichts wert. Selbst die Autorin konnte mir ja zu »vergrenzt« nicht einmal die Bedeutung nennen, d.h. sie hat sich keine Gedanken über die Sprache gemacht. Vielleicht gefällt es ihr ja trotz gegenteiliger Behauptung selber nicht und Du kannst ihr auf die Sprünge helfen ...

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mtg
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Re:

von mtg (21.08.2014, 09:37)
Hallo Yggdrasil,

ein Bild nicht zu verstehen oder Worte (Teile der Sprache) nicht zu verstehen, sind für mich zwei unterschiedliche Dinge. Sprache benutze ich täglich, den Pinsel nur zum Rasieren.

Vielleicht kannst Du mir ja erklären, warum Dir »vergrenzt« gefällt. Ich möchte ja gerne verstehen! Ich bin nämlich nach wie vor der Auffaassung, dass man den Leser auf der Tour de Verständnis mitnehmen sollte – schließlich möchte man doch etwas teilen. Wenn man aber nix teilen möchte, dann muss man auch nix veröffentlichen ... und dann kann man auch gerne sogar eine Sprache neu erfinden.

Übrigens: Selbst der Dadaismus war verständlich, weil er einer Idee folgte!

yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (21.08.2014, 10:03)
mtg hat geschrieben:
Vielleicht kannst Du mir ja erklären, warum Dir »vergrenzt« gefällt.


Hallo mtg, wie oben geschrieben, gefällt mir "vergrenzt, weil es mir Raum für eigene Interpretation gibt, vielleicht ein "Verschwinnen" von Grenzen. Ob die Autorin das so gemeint hat, ist mir egal.
Interpretation ähnlich wie bei der modernen Malerei.

DER Dadaismus ist ähnlich weit gefasst wie DIE moderne Malerei. Mir geht es um die Wirkung eines bestimmten Werkes auf mich.

Yggdrasil

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mtg
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Re:

von mtg (21.08.2014, 10:22)
yggdrasil hat geschrieben:
vielleicht ein "Verschwinnen" von Grenzen.

Ich nehme an, Du meinst ein »Verschwimmen« ... oder willst Du ein selbst geschöpftes Wort mit einem anderen selbst geschöpften Wort erklären?

Wenn bizarre Stummheit alle Nähe vergrenzt ... was verschwimmt da für Dich? Vielleicht ist es aber auch ein Engerziehen von Grenzen? »Vermint« bedeutet ja auch nicht, dass Minen wie Kunstwerke ausgelegt werden. Vielleicht ist es aber auch etwas ganz anderes ... und ich würde es gerne wissen.

Schade. Offensichtlich ist Lyrik nicht für den Leser gemacht. Wieder etwas gelernt. Und auch wieder mehr Desinteresse an Lyrik entwickelt. Zu allem Überfluss wird ständig lamentiert, dass Lyrik so schlecht ankäme. Nicht mal eine schlichte Frage dazu kann beantwortet werden. Merke: Selbst schuld!

:-)

hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (21.08.2014, 14:07)
Warum so ärgerlich bzw. sarkastisch?

Zu allem Überfluss wird ständig lamentiert, dass Lyrik so schlecht ankäme. Nicht mal eine schlichte Frage dazu kann beantwortet werden. Merke: Selbst schuld!


Ich fühle mich angesprochen, habe ich doch ein Plädoyer für die Lyrik gehalten (lamentieren ist was ganz anderes). Darum antworte ich doch noch:

"Vergrenzt" ist das Gegenteil von "begrenzt". Es meint, Grenzen zu
"ver"- schieben, "ver"-wischen, "ver"-schleiern, oder, ganz einfach, zu erweitern.

Wie ich bereits sagte: Lyrik lebt davon, was es im Leser auslöst. Erstaunlich, daß es bei Dir Wut war.

EOD
hugo

yggdrasil
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Re:

von yggdrasil (21.08.2014, 14:30)
mtg hat geschrieben:
yggdrasil hat geschrieben:
Nicht mal eine schlichte Frage dazu kann beantwortet werden. Merke: Selbst schuld!

:-)



Ich habe Deine Frage beantwortet, aber sie ist wohl nicht in Deinem Sinne, weswegen Du die Antwort ignorierst. So kommen wir nicht weiter.

Yggdrasil

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