rauhreif

Präsentiert euren Gedichtband oder eure Liedersammlung.


holz
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Re:

von holz (28.08.2014, 08:54)

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (28.08.2014, 08:57)
Bardioc hat geschrieben:
Ist es denn so einfach, einen Text, an dem man vier Jahre gearbeitet hat, ''unwiderruflich'' zu löschen? Ich meine jetzt nicht ev. mentale Schwierigkeiten, sondern die vielen Sicherheitskopien, die Du hoffentlich gemacht hast.

Ich frage mich sowieso, warum man heute überhaupt etwas löscht, insbesondere wenn es Texte sind. Die Kapazität moderner Speichermedien ist so groß, daß man alles einfach stehenlassen könnte. Und ev. braucht man's ja doch einmal wieder, und sei es nur eine besonders gute Formulierung und nicht den ganzen Text.


Ja, also ich hab so einen Festplattencleaner, damit überschreibe ich die Daten 35 mal; es ist also nicht nur der File Header weg wie üblich, auch die Daten an sich sind komplett von der Festplatte gelöscht (bei 35-fachem Überschreiben kann auch kein Datenretter mehr was machen, wenn ich das richtig verstanden hab). Ansonsten habe ich natürlich auch meine Backup-DVDs geschreddert. Du hast aber schon recht, ich hätte das alles behalten können, hab genug Platz auf der Festplatte, aber so einen dramatischen Schlusspunkt hab ich einfach gebraucht, um meinen Kopf frei zu bekommen. Ich wollte und will mich vielleicht auch bisschen "zwingen", mich jetzt einer anderen Sache zuzuwenden. Mir ging das alles nur noch auf den Nerv, und zwar ganz gewaltig, und das Ganze war auch eigentlich keine Hauruck-Aktion, sondern hat sich länger angebahnt.

Bardioc
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Re:

von Bardioc (28.08.2014, 10:16)
Klonschaf hat geschrieben:
Ansonsten habe ich natürlich auch meine Backup-DVDs geschreddert.

Keine USB-Sticks? Und die Backups von anderen Sachen sind auch weg?

Du hast aber schon recht, ich hätte das alles behalten können, hab genug Platz auf der Festplatte, aber so einen dramatischen Schlusspunkt hab ich einfach gebraucht, um meinen Kopf frei zu bekommen. Ich wollte und will mich vielleicht auch bisschen "zwingen", mich jetzt einer anderen Sache zuzuwenden. Mir ging das alles nur noch auf den Nerv, und zwar ganz gewaltig, und das Ganze war auch eigentlich keine Hauruck-Aktion, sondern hat sich länger angebahnt.

War das Belletristik oder was über das reale Leben? Ich wundere mich, wie man vier Jahre etwas schreiben kann, was einen immer mehr ''nur noch auf den Nerv'' geht.

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (28.08.2014, 10:32)
Bardioc hat geschrieben:
Klonschaf hat geschrieben:
Ansonsten habe ich natürlich auch meine Backup-DVDs geschreddert.

Keine USB-Sticks? Und die Backups von anderen Sachen sind auch weg?

Du hast aber schon recht, ich hätte das alles behalten können, hab genug Platz auf der Festplatte, aber so einen dramatischen Schlusspunkt hab ich einfach gebraucht, um meinen Kopf frei zu bekommen. Ich wollte und will mich vielleicht auch bisschen "zwingen", mich jetzt einer anderen Sache zuzuwenden. Mir ging das alles nur noch auf den Nerv, und zwar ganz gewaltig, und das Ganze war auch eigentlich keine Hauruck-Aktion, sondern hat sich länger angebahnt.

War das Belletristik oder was über das reale Leben? Ich wundere mich, wie man vier Jahre etwas schreiben kann, was einen immer mehr ''nur noch auf den Nerv'' geht.


Ne, ich besitze gar keinen USB-Stick, nur zwei Backup-DVDs. Andere, bereits fertiggestellte Texte und Projekte hab ich natürlich verschont.

Das Gelöschte war Belletristik, aber der Punkt ist, das ganze Projekt kam irgendwie seit Längerem ins Stocken; klar hab ich alles versucht: mal ne Weile liegenlassen, was auch immer geholfen hat, allerdings nie wirklich nachhaltig. Ich hab mich sozusagen von meinem Stoff entfremdet.

Okay, realistisch gesehen war es nicht so schlecht, dass ich es nun unbedingt hätte löschen müssen, um die Welt vor großem Unheil zu bewahren. Aber wie gesagt: Entfremdung vom Stoff, daher nachlassendes Interesse. Ne Weile konnte ich mich selbst noch motivieren, dachte, das gibt sich wieder, aber es wurde halt immer schwieriger, bis ich mich entschlossen hab, die Sache zu beenden.

Und was brauchbare Formulierungen/Passagen angeht: da bin ich fatalistisch - was gut war, wird mir irgendwann, zum richtigen Zeitpunkt wieder einfallen, ansonsten wars eben nicht wirklich gut.

Jetzt freu ich mich auf was Neues. :D

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (28.08.2014, 11:36)
vergrenzen ...

Das macht Spaß! Hier noch ein paar Wörter, die man fröhlich diskutieren könnte (alle nachfolgenden Wortschöpfungen - ungeprüft! - sind für Lyriker freigegeben)



entwehren
unhungern
gegendursten
zerliegen
herausdenken
entzweikleben
wegnähern
widerschließen
emporstürzen
ertöten
inneplatzen
überbrechen
unterbiegen
zerleben
bevorfolgen




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ANOUK_F.
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Re:

von ANOUK_F. (28.08.2014, 13:40)
@ Siegfried

Ertöten ist nicht schlecht!!!! Ich persönlich begrüße "herausdenken". Genau das ist es, was ich gerade tun muss: jemanden aus meinem Kopf herausdenken. Ist gar nicht so abwegig, dieses Wort cheezygrin
Anouk

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (28.08.2014, 15:22)
@ Anouk

Oder ist es mehr ein "hinausdenken" wie hinauswerfen ...?

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ANOUK_F.
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Re:

von ANOUK_F. (28.08.2014, 17:00)
@seshmosis
cheezygrin Ja, Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.
Aber nun zur richtigen Reihenfolge:
Ich habe besagte Person zuerst aus meinem Kopf hinausgedacht und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Schwer zu erklären: Ich habe vor einigen Monaten für eine Geschichte eine Person in meinem Kopf entworfen und habe sie scheinbar nach außen transferiert... also hinausgedacht. Was natürlich Quatsch ist, es wird sich um bloßen Zufall gehandelt haben, immerhin befinde ich mich nicht in der Twilight Zone...
Was wirklich passiert ist:
Ich bin vollkommen unvorbereitet in eine Person hineingelaufen, die sowohl optisch als auch hinsichtlich ihres Charakters mit meiner zuvor wochenlang im Geist entwickelten Person nahezu identisch ist! Es kam mir daher wirklich so vor, als hätte ich ein pures Hirngespinst in die reale Welt hinausgedacht.
Natürlich baut man da eine Art Bindung auf, wenn man so blöd ist, diese Person darauf auch noch anzusprechen. :roll:
Und nun muss ich diese reale Person aus meinem Kopf hinausdenken, im Sinne von hinausschmeißen, um nicht noch mehr Verwirrung bei mir selbst zu stiften :D

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (28.08.2014, 17:42)
@ Anouk

Zu diesem Thema empfehle ich Dir "Tolstois Alptraum" von Viktor Pelewin.
Ein tolles Buch, in dem es um die Existenz literarischer Figuren geht, wie ausgedachte Personen "real" werden, sich gegenseitig beeinflussen usw.
Unterhaltsam mit sehr viel Tiefgang.

LG Gerd

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ANOUK_F.
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Re:

von ANOUK_F. (28.08.2014, 17:49)
@ Seshmosis
Danke, Gerd!!! Das klingt in der Tat sehr interessant. Habe noch nie von diesem Buch gehört. Das werde ich nachher gleich mal bei google suchen.
lG
Anouk

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (29.08.2014, 07:50)
Siegfried hat geschrieben:
more to come?

Yes!

Immer wieder gerne genommen, speziell von der Presse:
auseinandergeschweißt
dozey:

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buehne44
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rauhreif

von buehne44 (30.08.2014, 02:12)
Danke an alle, die sich hier zu meinem Gedicht geäußert haben -

für mich waren die ganze Diskussion und besonders die Interpretationsansätze zu "vergrenzt" äußerst interessant und nachdenkenswert.

Ich möchte dem nicht mehr viel hinzufügen, nur -

- das Wort "vergrenzt" behalte ich, weil es für mich mehr als alle
vorgeschlagenen Varianten in seiner Kürze, der scharfen Endung und der
implizierten Bedeutung von "Grenzziehung" und "Ver-geblichkeit","Ver-
lieren", Ver-ordnen" usw. am ehesten ausdrückt, was ich als Lyrisches Ich
sagen möchte

- strukturell habe ich weniges verändert (2. Str., wie schon oben gesagt)

- die lyrische Beschreibung in "rauhreif" geht von einem Naturerlebnis aus,
ist aber gleichzeitig eine Metapher für eine zwischenmenschliche
Beziehung, beides waren der Anlass für das Gedicht. Einige von euch
haben sich auch dementsprechend geäußert - aber, wie schon gesagt -
"Gedichte sind gemalte Fensterscheiben"- was die LeserInnen dabei
empfinden oder nicht empfinden, wenn sie in das Innere (der
Kirche(Goethe) gehen, hat nichts mit der Intention der
SchreiberInnen zu tun - wenn es Parallelen des Empfindens beim
Lesen gibt, dann ist das ein Idealfall (oder einfach ein sehr gutes
Gedicht), wenn LeserInnen das Gedicht entnervt zur Seite legen, dann ist
das Gedicht nicht gelungen oder die LeserInnen haben nix mit Lyrik am
Hut. Wenn über das Gedicht kontrovers diskutiert wird - hat es aus
irgendeinem Grund irgendwas bei LeserInnen ausgelöst, das sie zum
Diskutieren bringt. - Und Letzteres finde ich am spannendsten.

Ich überarbeite weiter meine Schubladengedichte - ob sie jemals eine
Veröffentlichung erfahren, weiß ich noch nicht.

LG Gerda
Mein lieber Matz! - Ach Papa..
Tanztheater in der Schule
Irrfahrten - Auf den Spuren des Odysseus
Top Girl
Inselgedichte - mit Fotos von Pellworm
Nimm Platz! -Bankgeschichten aus Bremen
Lilli, die Ausreißerin

http://www.gerda-smorra.jimdo.com

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buehne44
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rauhreif

von buehne44 (30.08.2014, 02:13)
Danke an alle, die sich hier zu meinem Gedicht geäußert haben -

für mich waren die ganze Diskussion und besonders die Interpretationsansätze zu "vergrenzt" äußerst interessant und nachdenkenswert.

Ich möchte dem nicht mehr viel hinzufügen, nur -

- das Wort "vergrenzt" behalte ich, weil es für mich mehr als alle
vorgeschlagenen Varianten in seiner Kürze, der scharfen Endung und der
implizierten Bedeutung von "Grenzziehung" und "Ver-geblichkeit","Ver-
lieren", Ver-ordnen" usw. am ehesten ausdrückt, was ich als Lyrisches Ich
sagen möchte

- strukturell habe ich weniges verändert (2. Str., wie schon oben gesagt)

- die lyrische Beschreibung in "rauhreif" geht von einem Naturerlebnis aus,
ist aber gleichzeitig eine Metapher für eine zwischenmenschliche
Beziehung, beides waren der Anlass für das Gedicht. Einige von euch
haben sich auch dementsprechend geäußert - aber, wie schon gesagt -
"Gedichte sind gemalte Fensterscheiben"- was die LeserInnen dabei
empfinden oder nicht empfinden, wenn sie in das Innere (der
Kirche(Goethe) gehen, hat nichts mit der Intention der
SchreiberInnen zu tun - wenn es Parallelen des Empfindens beim
Lesen gibt, dann ist das ein Idealfall (oder einfach ein sehr gutes
Gedicht), wenn LeserInnen das Gedicht entnervt zur Seite legen, dann ist
das Gedicht nicht gelungen oder die LeserInnen haben nix mit Lyrik am
Hut. Wenn über das Gedicht kontrovers diskutiert wird - hat es aus
irgendeinem Grund irgendwas bei LeserInnen ausgelöst, das sie zum
Diskutieren bringt. - Und Letzteres finde ich am spannendsten.

Ich überarbeite weiter meine Schubladengedichte - ob sie jemals eine
Veröffentlichung erfahren, weiß ich noch nicht.

LG Gerda
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