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Euer Forum für Diskussionen zum Thema Self-Publishing und Buchveröffentlichung.


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Monika K.
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Re:

von Monika K. (06.11.2014, 23:11)
Bardioc hat geschrieben:
(*) Fairerweise muß man auch berücksichtigen, daß es Selfpublishing erst seit kurzer Zeit gibt, verglichen mit der Zeit, seit der es Bücher gibt.


Das kommt darauf an, wie man "seit kurzer Zeit" definiert. Veröffentlichungen im Eigenverlag gibt es mindestens seit dem 18. Jahrhundert, denn ich stolpere immer mal wieder in Biografien bekannter Schriftsteller und Poeten darüber.

Beispiel 1:
Die Veröffentlichung des Buchs "Poems" von Currer, Ellis und Acton Bell wurde 1846 von den Verfasserinnen bezahlt, die sich für männliche Pseudonyme entschieden hatten. Leider wurden anfangs nur zwei Exemplare verkauft.
http://de.wikipedia.org/wiki/Poems
Wir kennen die Damen heute unter ihren richtigen Namen: Anne, Emily und Charlotte Brontë.

Beispiel 2:
http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Burns
Robert Burns ließ in den 1780ern eine Gedicht-Anthologie auf Subskription drucken. Das bedeutete, er suchte noch vor der Herstellung des Buchs Käufer, die das Werk verbindlich vorbestellten. (Dieses Modell gibt es auch heute noch bei ein paar DKZV.) Laut Wikipedia betrug der Reingewinn 20 Pfund Sterling. Es folgten Veröffentlichungen, er wurde berühmt, und noch heute werden ihm zu Ehren am 25.1. Haggis, Tatties und Neeps verspeist.

Selfpublishing ist nur deshalb in den letzten Jahren zu einem Massenphänomen geworden, weil es inzwischen für fast jeden erschwinglich ist. Früher brauchte man entweder ein kleines Vermögen, einen reichen Sponsor oder Fans, die ein Werk vorbestellten. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in früheren Jahrhunderten viele dieser Projekte ein Flop wurden, und keiner mehr die Namen der Autoren kennt, die sich auf diesem Weg ruinierten, denn natürlich wurden nur die wenigen Erfolgsgeschichten überliefert.

Tut mir leid, wenn meine Beispiele sehr von dem Artikel, um den es in diesem Thread geht, wegführen, aber ich habe den Eindruck, dass Leute, die das Selfpublishing pauschal verurteilen, sich noch nicht sonderlich ausführlich damit beschäftigt haben. Dass die Verwendung von Krankheitsnamen als Schimpfwort für mich ein absolutes No-Go ist, hatte ich bereits weiter oben erwähnt. Das trägt zusätzlich dazu bei, dass mich die Ansichten dieses Herrn nicht sonderlich vom Hocker hauen.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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mtg
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Re:

von mtg (07.11.2014, 08:20)
Monika K. hat geschrieben:
Robert Burns ließ in den 1780ern eine Gedicht-Anthologie auf Subskription drucken. Das bedeutete, er suchte noch vor der Herstellung des Buchs Käufer, die das Werk verbindlich vorbestellten. (Dieses Modell gibt es auch heute noch bei ein paar DKZV.)

Dieses Modell gibt es nicht nur bei »ein paar DKZV«. Ich habe bei meinem Bildband über die ev. Kirche meiner Heimatstadt das Subskriptionsmodell gewählt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie hoch die erste Druckauflage sein sollte. Ich habe das nämlich nicht über BoD, sondern über eine reguläre Druckerei abgewickelt, die ISBN wurde vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

Bei solchen Vorhaben ist Subskription eine wirklich gute Vorgehensweise (die bei den DKVZ-Versionen allerdings oftmals konterkariert wird).

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (07.11.2014, 09:51)
Damit wollte ich das Modell "Subskription" keinesfalls abwerten. Auch das inzwischen sehr beliebte Crowd­fun­ding ist im Prinzip eine Variante oder eine Weiterentwicklung der Subskription, wenn den Spendern als Dankeschön Bücher versprochen werden.
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Bardioc
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Re:

von Bardioc (07.11.2014, 13:34)
Klonschaf hat geschrieben:
Bardioc hat geschrieben:
Ich denke nicht in Kategorien von Neurosen etc., da kenne ich mich nicht damit aus. Ich habe aus div. Gründen aber eine starke Aversion gegen Psychologie/Psychiatrie, und man kann sich auch auf den Standpunkt stellen (viele tun das, ich auch), daß Psychologie/Psychiatrie Manipulation und Betrug ist. Der Vorwurf, daß jemand ein ''neurotischer Mensch'' sei, zeigt also, auf welcher Seite er steht.

Es gab schon immer eine antipsychiatrische Richtung, und der scheinst du anzuhängen. Aber von einer Krankheit spricht man ja nicht, weil's einem Spaß macht, jemandem sozusagen von oben herab ein Etikett zu verpassen. Eine Krankheit geht immer einher mit Leidensdruck - der Leidensdruck ist das Entscheidende. Und jede Krankheit äußert sich in bestimmten Symptomen, so lassen sich Diagnosen stellen. Da gibt es weder Manipulation noch Betrug. Ich selber hab übrigens eine chronische psych. Erkrankung, ich bin also kein Psychiater/Therapeut, komme sozusagen von der anderen Seite, und daher nerven mich solche üblen Stigmatisierungen wie die von Wylie ganz gewaltig. Ich find das sogar richtig enttäuschend, wenn ein (mutmaßlich) sehr gebildeter Mensch sich derart entblödet. "Selfpublisher sind inkompetente Neurotiker", meint Wylie ... aha.

Das mit dem Etikett verpassen wird aber in der Psychologie/Psychiatrie systematisch gemacht, siehe die vielen Disorders im DSM. Die sind streng genommen eben keine Krankheiten, sonst würde man sie nicht ''disorder'' nennen. Da gibts für jeden ein oder mehrere Etiketten, wer krank ist und wer nicht ist da schon beliebig. Damit etwas im medizinischen Sinne eine Krankheit ist, muß es genaue, unabhängig überprüfbare (Röntgenbild, Blut- und Gewebeuntersuchung, etc.) Bedingungen erfüllen. Das ist bei den sog. psychischen Erkrankungen im Prinzip nicht möglich. Und da wird eben viel manipuliert und betrogen, denn hinter den Psychopharmaka steht ein Milliardenmarkt.

Du bist nicht die einzige, die eine sog. ''psychische Erkrankung'' hat. Auch ich war für eine sehr lange Zeit etwas, was man depressiv hätte nennen können. Leider war es mir nicht möglich, in dieser Zeit über die Ursachen für diesen Zustand überhaupt mit jemandem sprechen zu können, jeder blockt sofort ab, wenn man auf sowas zu sprechen kommen will, und zeigt einem durch sein Verhalten an, daß er einen für ''psychisch krank'' hält. Es wird halt an einem gesellschaftlichen Tabu gerührt. Es ist immer einfacher, jemanden psychozuverkranken als sich gegen die gesellschaftlichen Ursachen der Probleme zu stellen, das ist oft gar nicht möglich oder würde Gesetzesänderungen/Grundgesetzänderungen erfordern. Wie schwierig das ist, siehst Du an der gegenwärtigen Petition gegen Stalking auf Change.org. Und die Ursachen sind eben keine Bazillen o. ä., sondern das massive Mobbing und andere Dinge, denen man ausgesetzt ist und gegen die man sich nicht wehren kann. Das führt natürlich früher oder später zu psychischen/mentalen Problemen.

Die ''Stigmatisierungen'' von Wylie sind natürlich unfair und kindisch, aber das liegt ganz im Trend dessen, was ich eben ausgesagt habe, die Psychoverkrankung von Menschen wird immer gerne benutzt, um Menschen zu manipulieren.

Klonschaf hat geschrieben:
Bardioc hat geschrieben:
Ware es als Verlag nicht klug, von sich aus Selfpublishing-Plattformen nach neuen Talenten abzusuchen und diesen Leuten einen Vertrag günstigen anzubieten, anstatt Autoren, die diese Weg der Veröffentlichung wählen, arrogant abzukanzeln bzw. zu beleidigen?

Na, die herkömmlichen Verlage haben eben ganz gewaltige Angst um ihre Pfründe, ist doch klar. Tja, das hätte Herr Wylie natürlich gern, dass er und seinesgleichen bis in alle Ewigkeit die Vorauswahl treffen, was der Leser angeboten bekommt. Das ist wohl auch der Hintergrund für Wylie's Tirade und das fast schon verzweifelte Beharren drauf, Selfpublishing-Literatur sei total bedeutungslos und habe mit Kunst nichts zu tun. Der klassische Verlag als Bollwerk gegen literarische Schlechtigkeit ... na klar, was auch sonst! Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch "ernsthafte" Werke aus der Selfpublishing-Ecke ins Bewusstsein der Öffentlichkeit treten. Trotzdem, und da hat Wylie eben andererseits recht: viele selbstpublizierte Bücher machen einen peinlichen Eindruck, und es gibt eben wirklich den "vanity publisher" ... und es ist leider nicht nur einer, ich denke, es sind relativ viele - und da legt Wylie den Finger in die Wunde. Aber die Radikalität, mit der er es tut, spricht für mich dafür, dass er sich seinerseits in seiner Position bedroht fühlt. Getroffene Hunde und so.

Wenn die herkömmlichen Verlage nicht vernünftig auf das Selfpublishing reagieren, werden sie früher oder später ihre ''Pfründe'' sowieso verlieren.

Ja, das mit der Vorauswahl durch die Verlage ist auch ein Grund, warum man sein Buch per Selfpublishing vertreiben sollte. So dürfte es heute kaum noch einen Verlag geben, der einem unbekannten Autor ein Buch in klassischer Rechtschreibung verlegen würde. Auf diese Weise wird so getan, als ob der Deformschrieb bei den Leuten ''angekommen'' ist, d. h. die Macht der Verlage wird zur Manipulation einer Entwicklung in eine bestimmte Richtung eingesetzt, eine freie Entscheidung darf es nicht geben. Ich glaube auch nicht, daß ein renomierter Verlag ein Buch verlegen würde, das unsere Gesellschaft und ihre moralischen Grundlagen kritisiert. Ein Buch wie ''On Bullying -- Heretical Thoughts'' würde kein Buchverlag publizieren, wird hier doch sehr klar dargelegt, daß Rechte wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit äußerst problematisch sind und wenn schon nicht völlig abgeschafft, so doch zumindest etwas rationaler betrachtet und entsprechend geändert gehören.

Daß Selfpublishing-Literatur einen immer größeren Stellenwert einnehmen wird, müßte doch auch Wylie klar sein, und auch, daß es langfristig nichts bringt, sich dagegenzustellen. Es ist einfach ein neuer Vertriebsweg, mehr nicht. Den jetzt schlechtzumachen ist kurzsichtig und unverständlich, gerade für jemand wie ihn.

Es mag sein, daß es den ''vanity publisher'' gibt, aber den gab es mit Sicherheit auch schon vor dem Selfpublishing, vielleicht nur nicht so häufig und -- bedingt durch den Weg über einen Verlag -- auf einem etwas höherem Niveau. Wenn man so durch eine große Buchhandlung geht und so manche Bücher da liegen sieht, dann fragt man sich, warum wohl jemand genau dieses Buch / diesen Bildband in die Welt gesetzt hat.

Allerdings trifft es die Argumentation mit dem ''vanity publisher'', der nur ''schlechte Literatur'' liefert, nicht so ganz, das eine muß nicht mit dem anderen verknüpft sein. Auch ist nicht von vornherein klar, was ''schlechte Literatur'' ist, wenn es sie überhaupt gibt. Man kann sich durchaus auf den Standpunkt stellen, daß man aus jedem Buch etwas lernen kann, und sei es nur, wie man es nicht machen sollte.

Vor einiger Zeit gab es hier eine Diskussion über jemanden, der bei Amazon ein Buch zu dem zugegebenermaßen verführerischen Thema der ''unbedingten Grundsicheung/Bürgergeld'' angeboten hatte, das dann von zwei Leuten sehr schlechte Rezensionen bekam, weil fast das gesamte Buch nur aus einem langen Zitat bestand. Aber offenbar wurde dieses Buch gekauft. Andere Bücher, wo der Autor seine eigenen Ideen zu Papier bringt, werden aber nicht gekauft, trotz der Möglichkeit, ins Buch/Inhaltsverzeichnis zu sehen. Wenn sich Leute also von einem Titel blenden lassen, dann sind sie doch selber schuld, wenn sie dem ''vanity publisher'' Vorschub leisten.

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (07.11.2014, 18:27)
Bardioc hat geschrieben:
Daß Selfpublishing-Literatur einen immer größeren Stellenwert einnehmen wird, müßte doch auch Wylie klar sein, und auch, daß es langfristig nichts bringt, sich dagegenzustellen. Es ist einfach ein neuer Vertriebsweg, mehr nicht. Den jetzt schlechtzumachen ist kurzsichtig und unverständlich, gerade für jemand wie ihn.


Ganz bestimmt begreift Wylie den Stellenwert des Selfpublishing, aber er ist ja Literaturagent; damit verdient er sein Geld und möchte das vermutlich weiterhin tun. Daher weht der Wind ... und mit seiner Tirade möchte er die Botschaft übermitteln: "Leute, kauft bloß nie so ein Selfpublishing-Buch, da bekommt ihr nur Schrott." Wie gesagt, der Mann fürchtet letztlich um seine Pfründe.

Bardioc hat geschrieben:
Es mag sein, daß es den ''vanity publisher'' gibt, aber den gab es mit Sicherheit auch schon vor dem Selfpublishing, vielleicht nur nicht so häufig und -- bedingt durch den Weg über einen Verlag -- auf einem etwas höherem Niveau.


Schon klar, aber das war mit viel höheren Kosten verbunden, dazu waren diese Werke sozusagen Karteileichen ... ohne Internet gab es ja keine Möglichkeit, so was publik zu machen. Es wusste praktisch nur der Autor selbst, dass das Werk überhaupt existiert. Mein Opa war übrigens vor 50 Jahren schon Selfpublisher. Absolut seriös gemachtes Buch, richtig lektoriert, aber für philosophisch Ungebildete nicht kapierbar.

Weiterhin zum "vanity publishing": ich erinnere mich an so viele hier im Forum vorgestellte Werke, wo schon der Klappentext so schaurig, so ungewollt komisch und so voller peinlichster Fehler war ... da muss man halt leider sagen, dass diese Negativbeispiele auch auf die seriösen Selfpublisher abstrahlen, so unfair es auch ist. Aber die Zeit wird es richten, dass die Konsumenten anfangen zu differenzieren und nicht mehr alle Selfpublisher in den gleichen Sack stecken. Vielleicht bekommt Wylie das ja auch irgendwann noch hin.

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mtg
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Re:

von mtg (08.11.2014, 07:52)
Klonschaf hat geschrieben:
Weiterhin zum "vanity publishing": ich erinnere mich an so viele hier im Forum vorgestellte Werke, wo schon der Klappentext so schaurig, so ungewollt komisch und so voller peinlichster Fehler war ... da muss man halt leider sagen, dass diese Negativbeispiele auch auf die seriösen Selfpublisher abstrahlen, so unfair es auch ist.

Ich halte das nach wie vor für eine Mär, dass die mangelnde Qualität anderer auf das Ansehen des eigenen Werks abfärbt. Ich halte das für nichts als eine Schutzbehauptung – ebenso wie die Aussage, in Büchern klassischer Verlage gebe es ja auch Fehler, da dürfe man selber sowieso welche machen.

Ich habe mich hier schon einmal unbeliebt gemacht, als ich sagte, wer ein fehlerhaftes Buch auf den Markt bringe, und es »okay« finde, der habe ein Problem mit sich selbst, weil es ihm an Selbstachtung mangele. Zur Selbstachtung gehört es aber auch – meiner bescheidenen Meinung nach – hinter seinem Werk stehen und es auch objektiv verteidigen zu können. Das Grundproblem ist doch ganz einfach: Wer seinen eigenen Horizont zum Maßstab der Welt macht, hat schon verloren.

Mein Maßstab ist nach wie vor: Mir ist egal, wer ein Buch schreibt und wie es auf den Markt kommt – es muss mich ansprechen. Und dazu gehört ein Mindestmaß an Qualität ... auch in Sprache, Grammatik und Rechtschreibung. Wer zusätzlich noch für den Satz verantwortlich zeichnet, für den gehört auch die Qualität der Optik dazu – Schriftart, Durchschuss, Kapiteleinteilung etc. pp. Ich erwarte das aber nicht vorrangig von anderen, sondern zunächst einmal von mir selbst.

Da kann mir ein Wylie erzählen, was er will. Mir persönlich erzählen ja auch ständig Politiker, Kirchenmännchen und ähnlich uninteressante Leute, dass meine Art zu leben, falsch sei. Wie kann mich dann ein Wylie interessieren?

Wenn man seine Fahne in den Wind anderer Leute hängt, hat man aufgehört, selber welchen zu machen. Dann darf man sich aber auch nicht über Windstille ärgern ...

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (08.11.2014, 08:38)
mtg hat geschrieben:
Ich halte das nach wie vor für eine Mär, dass die mangelnde Qualität anderer auf das Ansehen des eigenen Werks abfärbt. Ich halte das für nichts als eine Schutzbehauptung – ebenso wie die Aussage, in Büchern klassischer Verlage gebe es ja auch Fehler, da dürfe man selber sowieso welche machen.


Selfpublishing hat ein Image-Problem. Das ist es ja gerade, was Wylie ausnutzt, um hemmungslos auf die Kacke zu hauen - und er bekommt dafür donnernden Applaus. Und er würde ja keinen Applaus ernten, wenn er nicht etwas auf den Punkt bringen würde, was viele Leute sich schon so oder so ähnlich gedacht haben. Und dieses negative Image des selfpublishing kam ja nicht durch nichts zustande, sondern gerade durch die Vielzahl unausgegorener Veröffentlichungen ... weiterhin glaube ich mich zu erinnern, dass hier im Forum einige Male die Rede davon war, dass Buchhandlungen oft eine gewisse Scheu vor BoD-Produkten haben (um's mal zurückhaltend zu sagen). Also wenn das keine Stigmatisierung einer ganzen Gruppe von Autoren ist, was dann?

Übrigens sprach ich nur allgemein, ich hoffe, du hast meinen Beitrag nicht dergestalt interpretiert, als würde ich mich über irgendwas beklagen - nee, dem ist nicht so. Mich persönlich juckt das Ganze herzlich wenig, weil ich denke: Qualität setzt sich auf Dauer immer durch - ganz egal, wo und wie etwas veröffentlicht wurde. Allerdings bleibe ich grundsätzlich dabei: Selfpublishing hat ein Image-Problem ... noch.


edit: Rechtschreibung
Zuletzt geändert von Klonschaf am 08.11.2014, 09:00, insgesamt 3-mal geändert.

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Re:

von mtg (08.11.2014, 08:52)
Nein, Klonschaf – ich habe Deinen Beitrag schon richtig verstanden.

Ich gehe nur nicht konform damit, dass »Self-Publishing« immer nur – auch und viel zu oft von »Self-Publishern« – in dieser einen, nur von außen diktierten Sichtweise betrachtet wird. Es gibt genügend Beispiele von Self-Publishern (diesmal bewusst ohne Anführungszeichen), die es in klassische Verlage geschafft haben – und noch mehr davon, die Erfolg haben, auch ohne einen klassischen Verlag im Hintergrund zu haben.

Mich ärgert nur, dass immer erst auf andere gezeigt wird, anstatt sich auf die eigene Qualität zu konzentrieren. Und das gilt übrigens auch für den Herrn Wylie.

Pauschalurteile sind grundsätzlich nicht zielführend. :-)

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.11.2014, 12:34)
Klonschaf hat geschrieben:
Selfpublishing hat ein Image-Problem.


Sorry, wenn ich mich hier einmische, aber ...

Selfpublishing hat kein Image-Problem. Selfpublishing hat ein Qualitätsproblem. Und das beruht größtenteils auf mangelhaften Rechtschreibkenntnissen. Die Problematik "Layout" lasse ich mal ganz bewusst außen vor. Aber solange eine Flut von Selfpublishing-Werken veröffentlicht wird, wo bereits auf der ersten Seite (oder im Klappentext, wie Matthias so korrekt anmerkt) Massen an Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehlern auftauchen, wird diese Veröffentlichungsschiene nicht aus ihrer Ecke herauskommen.
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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mtg
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Re:

von mtg (08.11.2014, 12:55)
Siegfried hat geschrieben:
(oder im Klappentext, wie Matthias so korrekt anmerkt)

Die Ehre gebührt Klonschaf!

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (08.11.2014, 13:08)
Siegfried hat geschrieben:
Selfpublishing hat kein Image-Problem. Selfpublishing hat ein Qualitätsproblem.


Das schlechte Image ist Fakt, und es entstand wegen der oftmals schlechten Qualität - das bestreitet ja niemand, versteht sich eigentlich von selbst.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (08.11.2014, 13:44)
Dreck bleibt Dreck. Da hilft es auch nicht, wenn ich ihn in Geschenkpapier packe und eine goldene Schleife drumbinde. Deshalb ist für mich an erster Stelle der Inhalt eines Buchs wichtig. Wenn mich ein Thema interessiert, bin ich bereit, einen kleinen Tippfehler pro Seite zu akzeptieren. Das sind bei 200 Seiten immerhin 200 Fehler. Beim Layout bin ich sogar noch großzügiger und akzeptiere alles, was einigermaßen lesbar ist. Wenn mich ein Thema nicht interessiert, ändert es auch nichts, wenn der Autor Unsummen in Korrektorat, Lektorat, Cover, Layout und Werbung investiert. Trotzdem wird hier oft suggeriert, dass der Grund für schlechte Verkaufszahlen die schlechte Qualität des Buchs sei, ohne aber damit die Qualität des Inhalts zu meinen. Ich sehe tagtäglich auf Facebook Werbung für Bücher mit "avantgardistischem" Layout und "suboptimaler" Rechtschreibung, die weggehen wie warme Semmeln. Es sei den Autoren gegönnt, denn anscheinend ist es ihnen gelungen, mit dem Inhalt bei ihrer Zielgruppe einen Nerv zu treffen. Darauf kommt es an! Wir Selfpublisher (dazu zähle ich auch Autoren bei Dienstleistungsverlagen) müssen endlich aufhören, einander zu beneiden und gegenseitig fertigzumachen. Das tun nämlich andere schon zur Genüge. Wir sollten uns mehr mit dem Inhalt der Bücher beschäftigen, statt die gängigen Vorurteile zu wiederholen. Mich stört zum Beispiel bei vielen hier vorgestellten Sachbüchern der katastrophale Umgang mit den direkten und indirekten Zitaten und den Quellen, was hier im Forum so gut wie nie bemängelt wird. Aber wehe, es findet sich ein Tippfehler in der Leseprobe ...

Ich weiß übrigens genau, warum sich meine Bücher so schlecht verkaufen. Das "schlechte Image" der Selfpublisher oder die "schlechte Qualität" fremder Bücher sind jedenfalls nicht der Grund, obwohl das natürlich eine nette und einfache Ausrede wäre. Deshalb ist es mir völlig egal, was andere Autoren auf den Markt werfen.
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Re:

von Bardioc (08.11.2014, 13:56)
In bezug auf die Rechtschreibung wird immer um den heißen Brei Rechtschreibreform herumargumentiert und sich schützend vor die Schüler gestellt, um sie vor der verderblichen klassischen Rechtschreibung zu behüten. Man kann nicht Rechtschreibung fordern und Reformschrieb meinen.

Die vielen Rechtschreibfehler kommen daher, daß durch die RSR Rechtschreibung von vielen als nicht mehr so wichtig angesehen wird, was ja auch ein Reformziel war. Wenn durch die Reform und durch die Art, wie die Reform letztlich am Willen des Volkes vorbei durchgesetzt wurde und durch die vielen Reformen der Reform bewußt Verwirrung gestiftet wurde, dann darf man sich über mangelnde Rechtschreibkenntnisse auch bei professionellen Schreibern nicht wundern. Außerdem wurden im Zuge der RSR in den großen Zeitungen etc. viele Lektorate abgeschafft, so daß auch im öffentlichen Schreiben mehr Fehler auftreten. Und auch Schulbücher enthalten viele Fehler (bezüglich der Reform). Das Gejammere über die vielen Rechtschreibfehler ist also nicht ganz koscher.

Ähnlich verhält es sich mit der Gestaltung/Aufbereitung des Textes. Wer da Word benutzt macht sehr wahrscheinlich viele diesbezügliche Fehler, zumindest wenn er sich sonst nicht für Textgestaltung etc. interessiert.

mtg hat geschrieben:
Ich gehe nur nicht konform damit, dass »Self-Publishing« immer nur – auch und viel zu oft von »Self-Publishern« – in dieser einen, nur von außen diktierten Sichtweise betrachtet wird.

Das liegt in der Natur der Sache, wenn Leute wie Wylie öffentlich solche Äußerungen von sich geben.

Es gibt genügend Beispiele von Self-Publishern (diesmal bewusst ohne Anführungszeichen), die es in klassische Verlage geschafft haben – und noch mehr davon, die Erfolg haben, auch ohne einen klassischen Verlag im Hintergrund zu haben.

Das mag sein, ist aber nur ein Teil des Problems. Um Erfolg haben zu können, muß jemand erstmal ein selbstpubliziertes Buch kaufen und lesen. Jemand muß sich also erstmal auf das Werk einlassen, es auf sich wirken lassen, versuchen, die Intention des Autors zu verstehen etc. Bei einem Verlag geschieht das nach Einreichung des Manuskripts, beim Selfpublishing geschieht es meist gar nicht. Was nutzen beste RS und Textgestaltung, wenn es niemand liest?

Mich ärgert nur, dass immer erst auf andere gezeigt wird, anstatt sich auf die eigene Qualität zu konzentrieren. Und das gilt übrigens auch für den Herrn Wylie.


Im Softwarebereich gibt es die Strategie, die Software beim Kunden ''reifen'' zu lassen, d. h. der Kunde soll die Fehler melden, die dann erst in neuen Versionen korrigiert werden. Das ist zwar nicht ganz fair, aber oft die einzige Möglichkeit, kostengünstig Fehler zu finden. Gerade beim Schreiben ist daher ein Korrektorat/Lektorat nötig, aber das kostet Geld. Und wir schreiben ja, um Geld zu verdienen, nicht um es erst ausgeben zu müssen.

Pauschalurteile sind grundsätzlich nicht zielführend. :-)

Aber bequem, sowohl für denjenigen, der sie ausspricht, als auch für denjenigen, für den sie gedacht sind. Die meisten Leute sind doch heute gar nicht mehr bereit dazu, sich auf eine komplexe und differenzierende Argumentation/Betrachtungsweise einzulassen.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.11.2014, 15:35)
Klonschaf hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Selfpublishing hat kein Image-Problem. Selfpublishing hat ein Qualitätsproblem.


Das schlechte Image ist Fakt, und es entstand wegen der oftmals schlechten Qualität - das bestreitet ja niemand, versteht sich eigentlich von selbst.


a) Sorry, ich korrigiere: Die - meiner Meinung nach inhaltlich korrekte - Anmerkung über Klappentexte kam tatsächlich von Klonschaf

b) Ein Image kann durch entsprechende Marketing-Maßnahmen positiv geändert werden - ohne dass die Qualität im gleichen Maße nachzieht. Ein Beispiel: Deutsches Bier hat noch immer ein enorm hohes Image, obwohl es in der Qualität inzwischen weit hinter der ausländischen Konkurrenz liegt (manche Leute behaupten, die großen deutschen Brauereien produzieren eine einheitliche Plörre, die bundesweit nach einem Standardrezept hergestellt wird).
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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