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Euer Forum für Diskussionen zum Thema Self-Publishing und Buchveröffentlichung.


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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.11.2014, 15:51)
Monika K. hat geschrieben:
Wir sollten uns mehr mit dem Inhalt der Bücher beschäftigen, statt die gängigen Vorurteile zu wiederholen.


Ich stimme dir in diesem Punkt voll und ganz zu. Einziger Einwand: Rechtschreibfehler fallen - zumindest mir - sofort auf und lenken mich vom Inhalt ab. Dass die Masse an Lesern - siehe deine Beispiele, wo sich Bücher mit reichlich Rechtschreibfehlern blendend verkaufen - fehlerhafte Bücher akzeptiert, liegt vermutlich daran, dass die Leser selbst in der Rechtschreibung nicht zuhause sind und die Fehler nicht erkennen.

Exkurs: Ich habe seit dem 03. November eine neue Gruppe Kursteilnehmer, die ich u. a. in Deutsch schulen soll, und ich bin schier entsetzt darüber, dass diesen Menschen - Durchschnittsalter Ende 20 - Begriffe wie Dativ, Plusquamperfekt oder Substantiv völlig fremd sind ... und sie sich kategorisch weigern, diese Dinge im Unterricht zu erlernen. Das erinnert mich stark an den auch hier im Forum allseits beliebten Satz "Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!" Bloß nicht lernen!

Und genau dieser letzter Satz führt mich zu deinem Kommentar zurück. Wenn wir uns mit dem Inhalt von Büchern befassen, ist doch damit das Ziel definiert, besser zu werden. Gleich ob in der Form, im Stil oder im Inhalt. Das setzt aber die Bereitschaft voraus zu lernen. Und genau die fehlt mir bei vielen Autoren und Autorinnen hier im Forum. Deshalb habe ich meine Bemühungen, ein wenig Schreibhandwerk zu vermitteln, schlicht aufgegeben. Irgendwo geistert in den Tiefen des Forums eine recht langer Beitrag von mir herum, der sich mit der Gestaltung von Dialogen (Stichwort: Sprecherverben) befasst. Kommentiere ich einen Text à la "'Lasst uns endlich nach Hause gehen', lachte Karl." mit den Worten, dass man Sätze nicht lachen kann, fühlt sich der Autor samt seiner Unterstützer sofort angepisst. Und es ist wieder Feuer in der Bude. Nein, da streiche ich die Segel. Wer nicht lernen will, soll weiterhin schlechte Texte veröffentlichen. Wer ernsthaft Textarbeit machen will, muss sich ein anderes Forum suchen. Hier geht das einfach nicht.

Deshalb kratze ich hier nur noch an der Oberfläche. Und diese Oberfläche heißt dann eben Rechtschreibung. Mehr geht hier nicht.
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (08.11.2014, 16:28)
Siegfried hat geschrieben:
Klonschaf hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Selfpublishing hat kein Image-Problem. Selfpublishing hat ein Qualitätsproblem.


Das schlechte Image ist Fakt, und es entstand wegen der oftmals schlechten Qualität - das bestreitet ja niemand, versteht sich eigentlich von selbst.


a) Sorry, ich korrigiere: Die - meiner Meinung nach inhaltlich korrekte - Anmerkung über Klappentexte kam tatsächlich von Klonschaf

b) Ein Image kann durch entsprechende Marketing-Maßnahmen positiv geändert werden - ohne dass die Qualität im gleichen Maße nachzieht. Ein Beispiel: Deutsches Bier hat noch immer ein enorm hohes Image, obwohl es in der Qualität inzwischen weit hinter der ausländischen Konkurrenz liegt (manche Leute behaupten, die großen deutschen Brauereien produzieren eine einheitliche Plörre, die bundesweit nach einem Standardrezept hergestellt wird).


Mir ist klar, was du meinst. Es ist aber im Fall des Selfpublishing dennoch insofern ein Image-Problem, als dass viele Konsumenten (und auch Buchhändler) glauben, es würde nur Unseriöses veröffentlicht. Dem ist aber nicht so! Selfpublisher sind ja keine homogene Gruppe von narzisstischen Autoren ohne Handwerkszeug, wie Wylie behauptet (und womit er nur das ohnehin bestehende Image aufgreift und dafür entsprechend Beifall erntet).

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.11.2014, 17:03)
Klonschaf hat geschrieben:
Selfpublisher sind ja keine homogene Gruppe von narzisstischen Autoren ohne Handwerkszeug, wie Wylie behauptet (und womit er nur das ohnehin längst bestehende Image aufgreift und dafür den entsprechenden Beifall erntet).


Nein, natürlich nicht. Aber die Quote von schlecht gemachten/geschriebenen Büchern liegt ausgesprochen hoch, und das führt zwangsläufig zu einem bestimmten Etikett: Bücher, die im Selbstverlag erscheinen oder als On-Demand-Buch, muss man sehr vorsichtig anfassen.

Ein absolut identisches Verhalten gibt es in einem anderen Bereich: Privat betriebene Web-Radios. Diese Dinger schießen wie Pilze aus der Erde und verschwinden auch so schnell. Weil sie keine oder extrem wenige Hörer haben (alles, was mehr als 20 Hörer hat, gilt in der Szene als Erfolg!).

Woran liegt das? So wie hier viele Leute ihre Texte nicht sauber formulieren können, haben im WebRadio-Bereich viele ein dickes Problem, Interpreten oder Musiktitel korrekt englisch auszusprechen. Es gibt WebRadio-Moderatoren, die nicht viel mehr als Titelansager sind, also den Begriff "Moderation" überhaupt nicht mit Inhalt füllen können: "Und jetzt habe ich für euch Lün... Lin... Lyn... na ja, irgendsone Band mit einen [!!! Grammatik gibt es auch in der gesprochenen Sprache; Anm. von mir] unausprechlichen Namen und 'nem Titel 'Sweet Home Alabama'. Viel Spaß damit!"

Oder noch schlimmer, wenn bestimmte Songs einer falschen Band zugeordnet werden, weil der Moderator von der Materie keine Ahnung hat.

Das Phänomen, in die Öffentlichkeit zu gehen, ohne ausreichende Qualität zu besitzen beschränkt sich nicht nur auf die Buchszene. Medienpräsenz um jeden Preis bei noch so begrenzter Qualität ist ein Phänomen unserer Zeit.

Dass dies nicht auf alle zutrifft, ist selbstverständlich. Aber ein Kuhfladen bleibt ein Kuhfladen, auch wenn aus seiner Mitte heraus eine Rose entspringt. cheezygrin
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (08.11.2014, 21:01)
Siegfried hat geschrieben:
Ich stimme dir in diesem Punkt voll und ganz zu. Einziger Einwand: Rechtschreibfehler fallen - zumindest mir - sofort auf und lenken mich vom Inhalt ab. Dass die Masse an Lesern - siehe deine Beispiele, wo sich Bücher mit reichlich Rechtschreibfehlern blendend verkaufen - fehlerhafte Bücher akzeptiert, liegt vermutlich daran, dass die Leser selbst in der Rechtschreibung nicht zuhause sind und die Fehler nicht erkennen.

Ich habe zwei Lesegeschwindigkeiten: eine fürs Korrekturlesen und eine fürs normale Lesen. Wenn ich mir ein Buch kaufe, weil mich das Thema interessiert, dann lese ich es wesentlich schneller als einen Text, bei dem ich Fehlersuche betreibe, und überlese wahrscheinlich schon einmal deshalb die Hälfte der Fehler. Die andere Hälfte fällt mir zwar auf, bringt mich allerdings nicht wirklich aus dem Lesefluss, wenn es nicht zu viele sind. (Wie ich oben schrieb: Ein kleiner Fehler pro Seite ist für mich kein Problem.) Texte mit ein bis zwei Fehlern pro Satz nerven auch mich und sind aus meiner Sicht "unlesbar". Deshalb empfahl auch ich schon hin und wieder ein Korrektorat, wenn ich den Eindruck hatte, dass der betroffene Autor an meiner Einschätzung interessiert ist. Dass viele Leser die Fehler nicht nur überlesen, sondern gar nicht erst erkennen können, stimmt sicherlich. Nur - was ist denn die logische Konsequenz? Für mich heißt das, dass die Rechtschreibung bei einer gewissen und nicht gerade kleinen Zielgruppe nicht ausschlaggebend für die Kaufentscheidung ist. Da kann man jetzt natürlich über den Niedergang der deutschen Sprache jammern, aber in meinen Augen folgt daraus nicht, dass ein Korrektorat in jedem Fall etwas an den Verkaufszahlen eines Buchs ändern würde. Bitte nicht falsch verstehen: Ich will hiermit nicht Bücher, die vor Fehlern strotzen, in Schutz nehmen, denn ab einer gewissen Fehlerdichte kaufe ich ein Buch nicht. Aber meistens handelt es sich dabei ohnehin um Bücher, deren Thema mich nicht interessiert. Deshalb schrieb ich oben so provokant: Dreck bleibt Dreck - da hilft auch keine schöne Verpackung. Hilft es in so einem Fall dem Autor, wenn er Geld in ein Korrektorat investiert, damit Leute wie ich, die die Fehler sehen, das Buch trotzdem nicht kaufen, weil der Inhalt mich eben auch nicht vom Hocker haut? Meine Antwort: Nein, das Geld kann er sich sparen. Und dass er mir als Autorin schadet, weil er angeblich zum schlechten Ruf der Selfpublisher beiträgt, glaube ich auch nicht. Wenn plötzlich von heute auf morgen alle Bücher von Selfpublishern fehlerfrei wären, würde den Kritikern sicherlich etwas Neues einfallen, mit dem sie uns kollektiv in die Pfanne hauen können.

Siegfried hat geschrieben:
Wenn wir uns mit dem Inhalt von Büchern befassen, ist doch damit das Ziel definiert, besser zu werden. Gleich ob in der Form, im Stil oder im Inhalt. Das setzt aber die Bereitschaft voraus zu lernen. Und genau die fehlt mir bei vielen Autoren und Autorinnen hier im Forum. Deshalb habe ich meine Bemühungen, ein wenig Schreibhandwerk zu vermitteln, schlicht aufgegeben.


Ich meine das Folgende jetzt auf keinen Fall arrogant, denn ich bin der Ansicht, dass Konzentrationsfähigkeit und Intelligenz ein Geschenk und kein persönlicher Verdienst sind. (Deshalb sollte man sich nie etwas darauf einbilden, sondern dem Schicksal dankbar sein, dass z. B. Mami nicht während der Schwangerschaft gesoffen hat.) Aus meiner persönlichen und rein subjektiven Sicht gibt es ganz grob umrissen drei Gruppen:
1. Leute, die spätestens mit 25 beschließen, nichts mehr dazuzulernen. Damit gehen sie ihrem privaten und beruflichen Umfeld gehörig auf den Wecker, sind jedoch so dermaßen beratungsresistent, dass daran auch der Autorenpool nichts ändern wird. Wozu also die Mühe?
2. Leute, die geschnallt haben, dass man ein Leben lang dazulernen sollte, und das auch wollen und können. Die haben sich schon längst einen oder mehrere Schreibratgeber gekauft und stellen hier höchsten noch eine konkrete Frage. Über freundliche Antworten freuen sie sich, allgemeine Schulungen übers Schreibhandwerk benötigen sie jedoch gar nicht mehr, weil sie gewöhnt sind, sich Wissen selbst anzueignen.
3. Leute, die geschnallt haben, dass man ein Leben lang dazulernen sollte, und das aber nicht so recht können. Sie strengen sich an und geben sich viel Mühe, aber da ist einfach nicht mehr zu holen. Mangelnde Sorgfalt oder Lernbereitschaft kann man ihnen wirklich nicht unterstellen. Manchmal schreibt dieser Personenkreis sehr interessante Bücher. Und ihnen hilft vielleicht auch ein Korrektorat, um einen neuen Leserkreis zu erschließen.
Insgesamt sehe ich in keiner der drei Gruppen eine Zielgruppe für Schulungen zum Thema "Schreibhandwerk".

Den Vergleich zwischen Internetradio und Selfpublishing finde ich interessant. Ich dachte da spontan in eine ganz andere Richtung: Um 20 Zuhörer zu bekommen, müssen sich 20 Leute für Internetradio interessieren. Oft ist es aber so, dass sich (abgesehen von Oma und Tante Agathe) nur diejenigen dafür interessieren, die sich selbst damit beschäftigen. Daraus folgt, dass jeder Internetradiomoderator bei 20 fremden Sendungen zuhören müsste, um selbst 20 Zuhörer zu haben. Natürlich sind das nur Durchschnittszahlen, aber bei Selfpublishing ist es doch genauso: Viele schreiben Bücher, werfen sie auf den Markt und erwarten, dass man sie kauft. Sie selbst kaufen aber keine Bücher von Selfpublishern. Das kann ja nicht aufgehen. Ich nehme mich selbst nicht aus: Ich habe drei Bücher veröffentlicht und müsste, um jeweils 20 Leser zu finden, 60 Bücher von Selfpublishern kaufen. Ich habe aber mehr verkauft und weniger gekauft und trage dadurch nicht zum Verkaufserfolg von Selfpublisher-Büchern bei. Ich schäme mich jetzt eine Runde.
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (08.11.2014, 22:26)
Monika K. hat geschrieben:
Ich habe aber mehr verkauft und weniger gekauft und trage dadurch nicht zum Verkaufserfolg von Selfpublisher-Büchern bei. Ich schäme mich jetzt eine Runde.


Haha, schämen muss sich niemand, wäre ja noch schöner! cheezygrin Man kauft und liest doch nur Bücher, die einen interessieren. Und wer nichts Interessantes schreibt und veröffentlicht, wird nicht gekauft/gelesen. So ist das halt im echten Leben. Aber Selfpublishing gibt immerhin jedem die Chance, sein literarisches Erzeugnis anzubieten - und das gab es früher so ja gar nicht. Wie gesagt: die Chance ist grundsätzlich da. Das gilt auch für die besagten Radiomoderatoren: die Chance ist da, aber wem es nicht gelingt, Hörer an sich zu binden, der hat vermutlich kein herausragendes Talent als Moderator, um sich von der Masse der Konkurrenten abzuheben (oder einen nicht konsensfähigen Musikgeschmack).

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (08.11.2014, 22:58)
Klonschaf hat geschrieben:
Monika K. hat geschrieben:
Ich habe aber mehr verkauft und weniger gekauft und trage dadurch nicht zum Verkaufserfolg von Selfpublisher-Büchern bei. Ich schäme mich jetzt eine Runde.


Haha, schämen muss sich niemand, wäre ja noch schöner! cheezygrin Man kauft und liest doch nur Bücher, die einen interessieren. Und wer nichts Interessantes schreibt und veröffentlicht, wird nicht gekauft/gelesen. So ist das halt im echten Leben. Aber Selfpublishing gibt immerhin jedem die Chance, sein literarisches Erzeugnis anzubieten - und das gab es früher so ja gar nicht. Wie gesagt: die Chance ist grundsätzlich da. Das gilt auch für die besagten Radiomoderatoren: die Chance ist da, aber wem es nicht gelingt, Hörer an sich zu binden, der hat vermutlich kein herausragendes Talent als Moderator, um sich von der Masse der Konkurrenten abzuheben (oder einen nicht konsensfähigen Musikgeschmack).


Ich finde es wunderbar, dass inzwischen eine gewisse Chancengleichheit herrscht. Und du hast mit dem, was du weiter oben schriebst, recht, dass auch Narzissmus dahintersteckt, wenn man ein Buch veröffentlicht. Ich bilde mir doch tatsächlich ein, dass sich auch Fremde für meine Bücher und somit für meine Gedankenwelten interessieren könnten. Deshalb drücke ich nicht nur meinen Freunden und Bekannten ein Fun-Buch in die Hand, sondern gehe über Classic und hoffe das Beste. Das gefällt den Verlagen und Literaturagenten natürlich gar nicht, denn wer mein Buch kauft, kauft es nicht zusätzlich zu, sondern anstelle von anderen Büchern, denn er liest ja nicht plötzlich mehr. Ich wildere also in fremdem Revier. Deshalb kann ich verstehen, dass die Gegenseite schweres Geschütz auffährt und aus allen Rohren schießt. Das kratzt mich überhaupt nicht. Ich jammere allerdings auch nie über Verkaufszahlen und gebe auch nicht den Kollegen mit der kreativen Rechtschreibung die Schuld, sondern freue mich ehrlich über jeden einzelnen Leser, den ich zum Lachen bringen konnte.
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (09.11.2014, 00:22)
Monika K. hat geschrieben:
Aus meiner persönlichen und rein subjektiven Sicht gibt es ganz grob umrissen drei Gruppen:


Ich stelle noch eine vierte Gruppe - im Bezug aufs Schreiben - dazu:

Leute, die lernen wollen, aber nicht wissen, was und wie. Beziehungsweise die nicht wissen, dass manche Dinge beim Schreiben schlicht erlernbar sind.

Monika K. hat geschrieben:
Insgesamt sehe ich in keiner der drei Gruppen eine Zielgruppe für Schulungen zum Thema "Schreibhandwerk".


Deine Gruppe 1 ist außen vor. Die stellen sich dem Lernen (hier in allgemeiner Bedeutung) nur, wenn es ihnen an den Kragen geht - meist finanzieller Art (das JobCenter oder die Arbeitsagentur droht mit Kürzung der Bezüge; das Unternehmen, in dem sie arbeiten, zwingt sie zur Teilnahme an Kursen). Dass Lernen sinnvoll ist, allein schon, um nicht von Anderen im Leben ständig über den Tisch gezogen zu werden, kommt in den Köpfen dieser Leute nicht an. Das ist genau die Bevölkerungsgruppe, die den siebten Handy-Vertrag hat, Kette raucht und sich dann beklagt, das kein Geld da ist.

Deine Gruppe 2: Das ist durchaus eine Zielgruppe für Schulungen. Denn niemand weiß alles. Es sei denn, deine Definition setzt genau das voraus - was ich aber nicht glaube. Für diese Gruppe stellt sich die Frage, warum jeder das Rad selbst neu erfinden muss. Etwa durch einsames Selbststudium von Ratgebern. Ein Austausch mit Gleichgesinnten wäre deutlich angenehmer.

Deine Gruppe 3: Ja, schwierig. Erinnert mich an meine Leute, wenn ich ihnen versuche, Bruchrechnen und Dreisatz beizubringen. Da sind auch einige, die wollen, aber nicht können. Ich persönlich glaube beim Durchschnittsbürger nicht daran, dass man etwas nicht lernen kann. Meist sind das Lernblockade, die auf unangenehme Erinnerungen an die Schulzeit beruhen. Selbstblockade durch negative Gefühle. In so einem Fall muss man das Thema entsprechend positiv rüberbringen. Meine langjährige Erfahrung zeigt mir, dass das möglich ist. Das gilt meiner Meinung nach auch für das Schreiben.

Aber wenn es tatsächlich so ist, wie du schreibst und in deinen drei Gruppen einstufst, dann ist jegliche Textarbeit hier im Forum (und auch in anderen Foren) schlicht überflüssig. Weil (1) nicht lernen will, (2) bereits alles gelernt hat und (3) zwar lernen will, aber nicht lernen kann. Warum kommentieren wir dann hier Texte? Und warum stellst du in den Raum, dass Selfpublisher sich inhaltlich verbessern sollen? Greift da nicht die gleiche Einstufung wie bei (1), (2) und (3)?
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (09.11.2014, 09:28)
Siegfried hat geschrieben:
Ich stelle noch eine vierte Gruppe - im Bezug aufs Schreiben - dazu:

Leute, die lernen wollen, aber nicht wissen, was und wie. Beziehungsweise die nicht wissen, dass manche Dinge beim Schreiben schlicht erlernbar sind.

Die kannte ich tatsächlich noch nicht.

Siegfried hat geschrieben:
Deine Gruppe 2: Das ist durchaus eine Zielgruppe für Schulungen. Denn niemand weiß alles. Es sei denn, deine Definition setzt genau das voraus - was ich aber nicht glaube. Für diese Gruppe stellt sich die Frage, warum jeder das Rad selbst neu erfinden muss. Etwa durch einsames Selbststudium von Ratgebern. Ein Austausch mit Gleichgesinnten wäre deutlich angenehmer.

Nein, ich sehe keine Zielgruppe für die Art von Schulungen, wie sie hier stattfanden, denn diese Gruppe meldet sich erst dann in einem Autorenforum an, wenn sie schon ein paar Schritte als Autor getan oder sogar etwas veröffentlicht hat. Da sie niemals ohne Vorkenntnisse etwas schreiben würden, sehe ich deshalb Interesse am "Austausch mit Gleichgesinnten", der hier ja manchmal zu konkreten Fragen stattfindet, aber keines an Grundlagenschulungen. Bei dir scheint das dasselbe zu sein, bei mir nicht.

Siegfried hat geschrieben:
Deine Gruppe 3: Ja, schwierig. Erinnert mich an meine Leute, wenn ich ihnen versuche, Bruchrechnen und Dreisatz beizubringen. Da sind auch einige, die wollen, aber nicht können.

Vielleicht hätte ich erwähnen sollen, dass ich keinen der Stammgäste in diese Gruppe einordne. Wer dieses Problem hat, weiß meistens, dass er es hat, und ist entsprechend verunsichert. Der Autorenpool ist kein angenehmes Pflaster für unsichere Menschen. Sie sind in den Facebook-Autorengruppen besser aufgehoben.

Siegfried hat geschrieben:
Warum kommentieren wir dann hier Texte?

Warum "wir" das tun, kann ich dir nicht sagen. Ich kommentiere, wenn ich jemanden in Gruppe 2 einordne und annehme, dass er an einem Austausch unter Kollegen zu einem konkreten Beispiel (z.B. Textvorstellung im Lektorat) interessiert ist. Außerdem beantworte ich konkrete Fragen. Mich findest du nur äußerst selten mit Kritik ohne irgendwelches Lob in einem Buchvorstellungsthread. Ich selbst erinnere mich spontan nur an zwei Fälle.

Siegfried hat geschrieben:
Und warum stellst du in den Raum, dass Selfpublisher sich inhaltlich verbessern sollen? Greift da nicht die gleiche Einstufung wie bei (1), (2) und (3)?

Das ist ein Missverständnis. Ich schrieb:
Monika K. hat geschrieben:
Deshalb ist für mich an erster Stelle der Inhalt eines Buchs wichtig.

und
Monika K. hat geschrieben:
Trotzdem wird hier oft suggeriert, dass der Grund für schlechte Verkaufszahlen die schlechte Qualität des Buchs sei, ohne aber damit die Qualität des Inhalts zu meinen. Ich sehe tagtäglich auf Facebook Werbung für Bücher mit "avantgardistischem" Layout und "suboptimaler" Rechtschreibung, die weggehen wie warme Semmeln. Es sei den Autoren gegönnt, denn anscheinend ist es ihnen gelungen, mit dem Inhalt bei ihrer Zielgruppe einen Nerv zu treffen. Darauf kommt es an! Wir Selfpublisher (dazu zähle ich auch Autoren bei Dienstleistungsverlagen) müssen endlich aufhören, einander zu beneiden und gegenseitig fertigzumachen. Das tun nämlich andere schon zur Genüge. Wir sollten uns mehr mit dem Inhalt der Bücher beschäftigen, statt die gängigen Vorurteile zu wiederholen.

Ich weiß nicht an welcher Stelle du einen Aufruf, "dass Selfpublisher sich inhaltlich verbessern sollen", herausliest. Das ist auch egal. Gemeint habe ich das jedenfalls nicht. Ich stehe ernsthaft auf dem Standpunkt, dass fast jedes Buch eine Daseinsberechtigung hat, und "jeder Topf einen Deckel findet". Manche Töpfe finden eben mehr Deckel als andere, was in meinen Augen aber tatsächlich hauptsächlich am gewählten Thema liegt. Obwohl ich an manchen Stellen auch sehr besserwisserisch daherkomme, fehlt mir dann doch das "Lehrergen", um jeden, der mir über den Weg läuft, gegen seinen Willen schulen zu wollen. Ich beschränke mich darauf, konkrete Fragen zu beantworten und Leute, die unbedingt Wissen vermitteln wollen, zu korrigieren, wenn sie sich mal bei etwas geirrt haben. Das kann jedem passieren und ist kein Beinbruch, sollte jedoch nicht im Raum stehen bleiben, um Lernbegierige nicht zu irritieren. Mit "Wir sollten uns mehr mit dem Inhalt der Bücher beschäftigen" meinte ich, dass wir uns, wenn wir einen Text beurteilen (sollen oder wollen), in erster Linie zum Inhalt Stellung nehmen und uns nicht ausschließlich mit Tippfehlern in der Leseprobe oder der Ausrichtung des Inhaltsverzeichnisses beschäftigen sollten. Es reicht, wenn man darauf am Ende kurz in einem Nebensatz eingeht. Bevor Missverständnisse aufkommen: Ich will niemandem Vorschriften machen. Ich sage hier nur, was ich denke.
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mtg
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Re:

von mtg (09.11.2014, 09:33)
Ich entsinne mich, dass vor Jahren mal ein User folgenden Satz eingestellt hat:

»Unter 100 von meinen Lesern gibt es vermutlich nur 2 die perfekt in Wort und Schrift sind. Für die anderen muß ich es schreiben wie man spricht.«

Ich bleibe bei meiner Auffassung von 31.07.2010 (ein Kommentar dazu ist auf meiner Homepage nachzulesen), dass es für einen Autoren Pflicht sein sollte, sein Handwerkszeug zu beherrschen. Stimmte das o.g. Zitat mit der Realität überein, wäre Lyrik tot und Bücher bestünden aus der sogenannten Kanak-Sprach.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (09.11.2014, 11:05)
mtg hat geschrieben:
dass es für einen Autoren Pflicht sein sollte, sein Handwerkszeug zu beherrschen.


Pst! Unter uns: Schlag mal im Wörterbuch den Akkusativ von "Autor" nach. angle:

Ich formuliere es so: Wer mich als Zielgruppe anpeilt, sollte die Rechtschreibung einigermaßen beherrschen, darf aber hin und wieder einen kleinen Fehler übersehen. (Der oben ist ja auch nicht schlimm, sondern in dem Zusammenhang witzig.) Ich akzeptiere auch alte Rechtschreibung, wenn sie konsequent eingehalten wird. Er sollte bei einem Sachbuch viel Zeit in die Recherche stecken und muss (!) die direkten und indirekten Zitate vom eigenen Text optisch trennen und alle Quellen nennen und zuordnen. Im Bereich "Belletristik" macht man mich mit neuen Herangehensweisen oder neuen Ideen neugierig. Wer im Primitivsprech schreibt, zählt mich höchstwahrscheinlich nicht zu seiner Zielgruppe, verkauft aber vielleicht sogar mehr Bücher als ich, denn er hat sich eine Zielgruppe gesucht, für die es momentan noch nicht viele Bücher gibt. (Tendenz steigend ...)
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Re:

von Bardioc (09.11.2014, 14:37)
Monika K. hat geschrieben:
Aber wehe, es findet sich ein Tippfehler in der Leseprobe ...


Wenn es denn wirklich Tippfehler wären. Einige Textproben, die hier eingestellt werden, enthalten so viele Fehler, und fast alle davon zeigen, daß der Autor/die Autorin nicht viel Erfahrung mit der Grammatik des Deutschen hat. Diese Leute schreiben nur drauflos und erwarten denn, daß man ihre ''Genialität'' lobt. Und wenn dann noch jemand kommt, der meint, es komme nur auf den Inhalt an ...

http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=713#10010

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (09.11.2014, 16:47)
Monika K. hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Deine Gruppe 2: Das ist durchaus eine Zielgruppe für Schulungen. Denn niemand weiß alles. Es sei denn, deine Definition setzt genau das voraus - was ich aber nicht glaube. Für diese Gruppe stellt sich die Frage, warum jeder das Rad selbst neu erfinden muss. Etwa durch einsames Selbststudium von Ratgebern. Ein Austausch mit Gleichgesinnten wäre deutlich angenehmer.

Nein, ich sehe keine Zielgruppe für die Art von Schulungen, wie sie hier stattfanden, denn diese Gruppe meldet sich erst dann in einem Autorenforum an, wenn sie schon ein paar Schritte als Autor getan oder sogar etwas veröffentlicht hat. Da sie niemals ohne Vorkenntnisse etwas schreiben würden, sehe ich deshalb Interesse am "Austausch mit Gleichgesinnten", der hier ja manchmal zu konkreten Fragen stattfindet, aber keines an Grundlagenschulungen. Bei dir scheint das dasselbe zu sein, bei mir nicht.


In einer anderen Diskussion - an anderer Stelle, nicht hier - wurde unter erfahrenen Schreibern das Thema "linearer, multilinearer und nicht linearer Erzählstil" diskutiert. Ich muss jetzt annehme, dass hier alle aus Gruppe 2 diese Begriffe kennen und wissen, wie man damit umgeht, weil es Grundlagenwissen ist. Diese Annahme ist mein Fehler. Ich bitte um Entschuldigung.

Monika K. hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Und warum stellst du in den Raum, dass Selfpublisher sich inhaltlich verbessern sollen? Greift da nicht die gleiche Einstufung wie bei (1), (2) und (3)?

[...]
Ich weiß nicht an welcher Stelle du einen Aufruf, "dass Selfpublisher sich inhaltlich verbessern sollen", herausliest.


Ich habe diese Zeile von dir offenbar falsch interpretiert:

Monika K. hat geschrieben:
Wir sollten uns mehr mit dem Inhalt der Bücher beschäftigen, statt die gängigen Vorurteile zu wiederholen.


Diesen Satz habe ich so verstanden, dass wir fremde Texte nicht einfach nur rezipieren, sondern inhaltlich daran arbeiten sollen. Ich ziehe meinen Einwand zurück und bitte um Entschuldigung für die Fehlinterpretation.

Da ich offenbar nicht in der Lage bin, deinen Gedankengängen korrekt folgen, ziehe ich mich aus dieser Diskussion zurück.
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (09.11.2014, 17:17)
Siegfried hat geschrieben:
Ich habe diese Zeile von dir offenbar falsch interpretiert:

Monika K. hat geschrieben:
Wir sollten uns mehr mit dem Inhalt der Bücher beschäftigen, statt die gängigen Vorurteile zu wiederholen.


Diesen Satz habe ich so verstanden, dass wir fremde Texte nicht einfach nur rezipieren, sondern inhaltlich daran arbeiten sollen. Ich ziehe meinen Einwand zurück und bitte um Entschuldigung für die Fehlinterpretation.

Da ich offenbar nicht in der Lage bin, deinen Gedankengängen korrekt folgen, ziehe ich mich aus dieser Diskussion zurück.


Dafür musst du nicht um Entschuldigung bitten. Wir haben das Missverständnis doch nun geklärt. Ich meinte damit Kommentare/Stellungnahmen/Kritiken zu einem Text, und du dachtest eben gleich etwas weiter an Hilfestellung/Schulung/Neuauflage. Von meiner Seite ist das kein Problem, und ich meinte meine Erwiderung auch nicht schnippisch oder beleidigt, sondern war lediglich ein wenig verwirrt.

Gruß,
Monika
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