Aus gegeben Anlass

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Joachim Berke
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Aus gegeben Anlass

von Joachim Berke (13.12.2014, 17:56)
Aus gegebenen Anlass

Gestatten Sie ein Wort zur Lektoratsarbeit. Meine Veröffentlichungen bei BoD durchliefen alle ein Lektorat. Um meinen Lesern ordentliche Ware anzubieten, sehe ich diese Maßnahme als notwendig an. Allerdings werden Verkaufserfolge nach meiner Meinung nicht durch preiswerte oder teuere Lektoren beeinflusst. Rein rechnerisch ist diese Arbeit ein erheblicher Kostenfaktor, der mühsam Buch für Buch minimiert werden muss. Mit anderen Worten bedeutet dies bei einem Verkauf von 1.000 Exemplaren eine Belastung von 200,00 Euro bei einem Umfang von 100 Seiten Manuskript. Ein Lektorat mit höheren Preisen belastet den Anteil pro Buch entsprechend. Erwartungen größere Buchmengen dadurch abzusetzen spezielle Lektoren zu bemühen, die den Verkaufspreis höher belasten, sind Hirngespinste.

Als Autor und Herausgeber sind von mir mehr als 10 Titel bei BoD erschienen. Ich schreibe nicht für den Nobelpreis, nur für meine Leser.
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Klopfer
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Re:

von Klopfer (14.12.2014, 16:11)
Ein Lektorat bei einem Buch mag allerdings dabei helfen, dass seine Leser auch das nächste Buch kaufen werden. ;)
Für 200 Euro pro 100 Manuskriptseiten kriegt man sicher kein richtiges Lektorat, sondern eher nur ein Korrektorat. Insbesondere wenn man Schwierigkeiten mit Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung hat, sollte so ein Korrektorat zwingend sein, wenn man nicht wie ein zweiter Stefan Knapp dastehen will.

Bardioc
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Re: Aus gegeben Anlass

von Bardioc (14.12.2014, 16:34)
Joachim Berke hat geschrieben:
Aus gegebenen Anlass

Gestatten Sie ein Wort zur Lektoratsarbeit. Meine Veröffentlichungen bei BoD durchliefen alle ein Lektorat. Um meinen Lesern ordentliche Ware anzubieten, sehe ich diese Maßnahme als notwendig an. Allerdings werden Verkaufserfolge nach meiner Meinung nicht durch preiswerte oder teuere Lektoren beeinflusst. Rein rechnerisch ist diese Arbeit ein erheblicher Kostenfaktor, der mühsam Buch für Buch minimiert werden muss. Mit anderen Worten bedeutet dies bei einem Verkauf von 1.000 Exemplaren eine Belastung von 200,00 Euro bei einem Umfang von 100 Seiten Manuskript. Ein Lektorat mit höheren Preisen belastet den Anteil pro Buch entsprechend. Erwartungen größere Buchmengen dadurch abzusetzen spezielle Lektoren zu bemühen, die den Verkaufspreis höher belasten, sind Hirngespinste.

Als Autor und Herausgeber sind von mir mehr als 10 Titel bei BoD erschienen. Ich schreibe nicht für den Nobelpreis, nur für meine Leser.

Der Kostenfaktor für ein Korrektorat/Lektorat ist, feste Seitenzahl vorausgesetzt, konstant und muß mit Sicherheit nicht ''Buch für Buch mühsam minimiert'' werden. Er hängt nicht von den verkauften Exemplaren ab. Je mehr Bücher verkauft werden, desto geringer ist er pro Buch. Aber die Menge der verkauften Exemplare hängt davon ab, wie gut das Buch ist -- und wie gut es lesbar ist. -- Wir schreiben für die, die lesen!

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Re:

von Joachim Berke (15.12.2014, 11:18)
Mein Beispiel LEKTORAT wollte nicht feststellen, dass für 2,- € pro Seite eine derartige Dienstleistung erhältlich ist. Es sollte lediglich darauf aufmerksam gemacht werden, dass ein wesentlich teuere Arbeit den Verkaufserfolg kaum verbessert oder anders gesagt, die Verkaifszahlen erhöht. Letztendlich hat meine Lehrerin - eine Journalistin, n :roll: obelpreisverdächtig - festgestellt, dass ihre Putzfrau ein höheres Einkommen wie sie selbst hat.
Na denn, Frohe Weihhnacht !
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Lektorat_Heneka
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Re:

von Lektorat_Heneka (02.03.2015, 13:20)
Der Beitrag ist zwar ewig alt, aber das Thema immer wieder aktuell.
Es ist schlichtweg falsch, davon auszugehen, dass ein gutes Lektorat für einen Appel und ein Ei zu haben ist.
Wer verschenkt schon gerne seine Leistung?
Bei Dumping-Angeboten wäre ich als Autor immer sehr vorsichtig. Denn nur weil jemand "Bücher mag" oder "Germanistik studiert" macht ihn das noch lange nicht zu einem qualifizierten Lektor.
Eine Anlaufstelle für qualifizierte Kollegen ist der VfLL. Aber da werden keine Dumpingpreise zu finden sein.
Und je besser der Lektor, desto besser am Ende auch das Buch. Und Qualität schlägt sich durchaus auch im Preis nieder.
Denn: Wer zu billig arbeitet, muss das durch Masse ausgleichen. Wir Lektoren sind aber keine Maschinen und der Job erfordert viel Konzentration. Mehr Masse also gleich weniger Konzentration gleich schlechtere Arbeit.
Der Stift ist das schwerste Werkzeug der Welt. [Robert Wilson]

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (02.03.2015, 13:29)
Selbstverständlich hast du recht, dennoch ist es manchmal einfach nötig, um die generelle Realisation nicht zu gefährden, die "goldene Mitte" zu finden. Wie auch immer die dann im Einzelnen aussieht. :wink:

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Lektorat_Heneka
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Re:

von Lektorat_Heneka (02.03.2015, 13:36)
Naja, das ist eben dann der Faktor mit den "Schuhen" :D
Ich habe auch schon Manuskripte etwas unter meinen eigentlichen Preisvorstellungen angenommen, ganz einfach weil ich fand, dass es sich lohnt, daraus ein Buch zu machen.
Und wenn man einen Lektor gefunden hat, der das Projekt gut findet (ein bisschen Idealismus ist in meiner Branche auch gefragt), finden sich in der Regel Mittel und Wege, dass am Ende beide Seiten zufrieden sind. angle:
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (02.03.2015, 14:25)
Lektorat_Heneka hat geschrieben:
Denn: Wer zu billig arbeitet, muss das durch Masse ausgleichen. Wir Lektoren sind aber keine Maschinen und der Job erfordert viel Konzentration. Mehr Masse also gleich weniger Konzentration gleich schlechtere Arbeit.


Falsch! cheezygrin

Es gibt Lektoren (bei dem Begriff habe ich - zugegeben - ein kleines Definitionsproblem; dazu weiter unten mehr) und Korrektoren, die müssen von ihrer Arbeit leben - und sind daher gezwungen, ordentliche Preise zu nehmen. Ich gehe davon aus, ein freiberuflicher Lektor/Korrektor muss zwischen 2.500 und 3.000 Euro im Monat verdienen, um auch nur halbwegs über die Runden zu kommen.

Es gibt aber auch Lektoren und (vorrangig wohl) Korrektoren, die machen das rein nebenberuflich. Die verdienen sich so eine paar Euros neben ihrem eigentlich Brotjob nebenher. Und weil die aus diesen Gründen günstigere Preise ansetzen können, sind sie deshalb durchweg auf Masse aus und von der Qualität schlechter? Halte ich für eine gewagte Aussage.

Ich biete hier im Forum Interessierten ein Korrektorat an. Zu - zugegebenermaßen - unverschämt günstigen Preisen. Gerade habe ich ein Manuskript in Arbeit, das aus knapp 180.000 Zeichen besteht. Oder grob umgerechnet etwa 120 Manuskriptseiten. Bei einem hauptberuflichen Korrektor wären das circa 700,- Euro brutto (Info aus der "korrekoren.de"-Webseite. Der VdLL hält sich bei konkreten Kostenangaben sehr bedeckt). Bei mir bekommt der Autor das Korrektorat für gut 100,- Euro. Und da rollen einige On-Demand-Autoren schon heftig mit den Augen

Sicher hat Qualität ihren Preis. Aber gerade im Bereich der "On-Demand"-Veröffentlichungen sind Kosten im hohen drei- oder niedrigen vierstelligen Bereich absolute Projekt-Killer. Um 700 Euro Korrektoratskosten einzuspielen, müssen dafür allein 350 Exemplare (bei einer Marge von 2,- je Buch) eingespielt werden. Und das in einer Branche, die größtenteils Auflagenzahlen im zweistelligen Bereich produziert. Das Klientel hier ist also nicht unbedingt prädestiniert, einen gutbezahlten Lektor oder Korrektor zu beauftragen - oder hat hier schon mal jemand einen Lektor/Korrektor für mehrere Tausend Euro geordert?

Was das Thema Lektorat angeht, habe ich im belletristischen Bereich, wie oben bereits angedeutet, gewisse ... ich nenne es mal: Ansprüche. Die meisten Lektorate entsprechen einem ambitionierten Korrektorat. Neben Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik wird da häufig Prüfung des sprachlichen Ausdrucks und der Logik angeboten. Was ich häufig beim angebotenen Lektorat vermisse - und da wird das Lektorat eigentlich erst richtig interessant -, sind Prüfungen zur Dramaturgie, zur Figurenzeichnung, zu bildhaftem Beschreiben, zu Form und Gehalt der Dialoge, zur Betreuung eines Textes von einem Grobentwurf bis hin zum veröffentlichungsfertigen Text. Das wäre für mich ein qualitativ hochweriges Lektorat, für das man dann auch mehrere Tausend Euro Entlohnung verlangen kann. Aber wie gesagt: Ich habe ein ganz persönliches Definitionsproblem. cheezygrin


Nachtrag:
Lektorate - nach meiner eigenen Definition - mache ich nicht. Weil ich weiß, wo meine Grenzen sind. :wink:
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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Lektorat_Heneka
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Re:

von Lektorat_Heneka (02.03.2015, 14:46)
Ich biete hier im Forum Interessierten ein Korrektorat an. Zu - zugegebenermaßen - unverschämt günstigen Preisen. Gerade habe ich ein Manuskript in Arbeit, das aus knapp 180.000 Zeichen besteht. Oder grob umgerechnet etwa 120 Manuskriptseiten. Bei einem hauptberuflichen Korrektor wären das circa 700,- Euro brutto (Info aus der "korrekoren.de"-Webseite. Der VdLL hält sich bei konkreten Kostenangaben sehr bedeckt). Bei mir bekommt der Autor das Korrektorat für gut 100,- Euro. Und da rollen einige On-Demand-Autoren schon heftig mit den Augen


Tja, da haben wir das Problem! Korrektorat und Lektorat haben oft so viel miteinander zu tun wie Äpfel und Birnen. Meine Aussage bezog sich in keinster Weise auf ein Korrektorat. Das ist quasi "Handwerkszeug" und dafür braucht es keinen Lektor.

Der VfLL hält sich übrigens gar nicht bedeckt:
http://www.vbje.de/docs/VFLL_Honorarempfehlungen.pdf


Was das Thema Lektorat angeht, habe ich im belletristischen Bereich, wie oben bereits angedeutet, gewisse ... ich nenne es mal: Ansprüche. Die meisten Lektorate entsprechen einem ambitionierten Korrektorat. Neben Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik wird da häufig Prüfung des sprachlichen Ausdrucks und der Logik angeboten. Was ich häufig beim angebotenen Lektorat vermisse - und da wird das Lektorat eigentlich erst richtig interessant -, sind Prüfungen zur Dramaturgie, zur Figurenzeichnung, zu bildhaftem Beschreiben, zu Form und Gehalt der Dialoge, zur Betreuung eines Textes von einem Grobentwurf bis hin zum veröffentlichungsfertigen Text. Das wäre für mich ein qualitativ hochweriges Lektorat, für das man dann auch mehrere Tausend Euro Entlohnung verlangen kann. Aber wie gesagt: Ich habe ein ganz persönliches Definitionsproblem
.

Das ist exakt das, was unter einem Lektorat zu verstehen ist und dein Anspruch da alles andere als zu hoch. Wenn ein "Lektor" nur Orthografie, Zeichensetzung, Stringenz im Blick behält, taugt das für wissenschaftliche Arbeiten, bei denen weiteres Einmischen nicht erlaubt ist. Aber ein Lektorat ist das bei Weitem nicht. Und wenn man aber genau so ein Lektorat haben möchte, wie du es beschreibst und was auch meiner Definition nach ein wirkliches Lektorat ist, kann man das einfach nicht zu Dumpingpreisen anbieten. Es ist ein wahnsinnig aufwändiger Prozess, bei dem auch der Autor noch viel leisten muss. Es muss ein Dialog entstehen, mehrere Durchläufe sind erforderlich, etc.
Wer den Job ernsthaft betreibt, kann das nicht zum Sparpreis machen!

Deshalb sind viele Lektoren ja auch breit aufgestellt. Ich persönlich erwirtschafte mit Lektoraten dieser Art nur rund 1/3 meines Einkommens. Der Rest läuft über stumpfes "lektorieren" von Werbematerialien oder Texterstellung.

Aber viele Autoren sind auch gar nicht bereit für ein Lektorat. Sie empfinden es als ungewollte Einmischung in ihren Text und argumentieren mit Freunden und Bekannten, denen das aber so gefallen hätte. Da reicht dann ein "Lektorat", wie wir beide es nicht definieren, vollkommen aus. Ich lehne dann immer ab. Denn: Ein Lektor ist nie dein Freund, sondern der Profi, der dir hilft dein Manuskript fit für den Leser zu machen! Zumindest sollte dem so sein :)
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mtg
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Re:

von mtg (02.03.2015, 15:07)
Lektorat_Heneka hat geschrieben:
Ein Lektor ist nie dein Freund, sondern der Profi, der dir hilft dein Manuskript fit für den Leser zu machen!

Hier im Forum hört bzw. liest man öfter die Definition »Ein Lektor ist jemand, der Dich zwingt, Dich zu verbiegen!«
cheezygrin

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Lektorat_Heneka
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Re:

von Lektorat_Heneka (02.03.2015, 15:13)
:lol: :lol: :lol:

Meine Güte was haben wir für einen schlechten Ruf!
Also kommt alle zu mir, dann zeig ich euch, wie gut das laufen kann! wow3 zwinker::

Nee, mal im Ernst: Verbiegen is nich! Hab als Lektor gute Argumente für deine Änderungen und gut. Wenn der Autor nicht will - es ist und bleibt sein Text.
Aber in manchen Verlagen ist das wohl tatsächlich so, dass Änderungen diktiert werden, zur Verbesserung der Markttauglichkeit. Schade sowas.
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Re:

von Joachim Berke (02.03.2015, 15:31)
Danke für die Zeilen! Mir ist die Problematik bewusst. Viel Erfolg weiterhin! Joachim Berke
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (02.03.2015, 15:51)
Lektorat_Heneka hat geschrieben:
Tja, da haben wir das Problem! Korrektorat und Lektorat haben oft so viel miteinander zu tun wie Äpfel und Birnen. Meine Aussage bezog sich in keinster Weise auf ein Korrektorat. Das ist quasi "Handwerkszeug" und dafür braucht es keinen Lektor.

Der VfLL hält sich übrigens gar nicht bedeckt:
http://www.vbje.de/docs/VFLL_Honorarempfehlungen.pdf


Es ging mir nicht darum, Lektorat und Korrektorat begrifflich auf eine Stufe zu stellen, sondern die Unmöglichkeit der Bezahlung herauszuarbeiten. Ein Korrektorat für 5,- Euro die Seite (auf Basis von 1.500 Zeichen) plus 19% USt ist für die allermeisten On-Demand-Autoren schlicht unmöglich.

Auf der aktuellen Webseite vom VfLL ( http://www.vfll.de/honorare/ ) mit Stand 2012 findet sich leider gar nichts zum Stunden- oder Seitenpreis. Im PDF (Stand 2008/2009 :( ) ist fürs Korrektorat ein Mindestpreis von 32,- Euro pro Stunde (entspricht 5,30 Euro je Seite netto, also 6,31 Euro brutto) angesetzt. Für 120 Seiten sind das 757,20 Euro. Gelten hier "Billiganbieter" auch als qualitativ minderwertig?


Übrigens, ich bekomme bei jedem Aufruf dieses Diskussionsfadens die Krise, weil die Überschrift "Aus gegeben Anlass" heißt und der erste Beitrag mit "Aus gegebenen Anlass" beginnt. Rettet den Dativ! cheezygrin

Lektorat_Heneka hat geschrieben:
Und wenn man aber genau so ein Lektorat haben möchte, wie du es beschreibst und was auch meiner Definition nach ein wirkliches Lektorat ist, kann man das einfach nicht zu Dumpingpreisen anbieten. Es ist ein wahnsinnig aufwändiger Prozess, bei dem auch der Autor noch viel leisten muss. Es muss ein Dialog entstehen, mehrere Durchläufe sind erforderlich, etc.


Dann sind wir beide auf einer Linie. Aber ich behaupte jetzt mal ganz frech, dass mehr als 90 Prozent der Leute, die hier veröffentlichen, einen Lektor als den natürlichen Feind des Autors ansehen. Was Matthias (mtg) geschrieben hat ...

»Ein Lektor ist jemand, der Dich zwingt, Dich zu verbiegen!«


... trifft exakt zu. Ob nun die Genialität des Autors beim Schöpfungsprozess, die Originalität des ersten Wurfes oder schlicht die Angst vor der Einmischung Fremder in den eigenen Text - eine dieser drei Antworten wirst du als Ablehnungsgrund zu hören bekommen. Letztlich aber immer die Kostenfrage, egal wie gut du bist.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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Re:

von Lektorat_Heneka (02.03.2015, 17:23)
Auf der aktuellen Webseite vom VfLL ( http://www.vfll.de/honorare/ ) mit Stand 2012 findet sich leider gar nichts zum Stunden- oder Seitenpreis. Im PDF (Stand 2008/2009 Sad ) ist fürs Korrektorat ein Mindestpreis von 32,- Euro pro Stunde (entspricht 5,30 Euro je Seite netto, also 6,31 Euro brutto) angesetzt. Für 120 Seiten sind das 757,20 Euro. Gelten hier "Billiganbieter" auch als qualitativ minderwertig?


Na du hast es ja ausgerechnet bekommen. :P Es sind Honorarempfehlungen. Und die haben ihren Grund, wie man an der Beispielrechnung in selbigen sieht. Es geht nicht immer nur um "minderwertig" oder nicht. Billigangebote sind - egal ob im Textbereich oder bei sonstigen Waren und Dienstleistungen - immer nicht in Ordnung. Aber das hat mit Nachhaltigkeit und Wertschätzung und Verantwortung zu tun und ist hier nicht Thema. Menschen im VfLL leben von ihrer Tätigkeit. Und es kann sehr frustrierend sein, sich permanent für seine Preise rechtfertigen zu müssen. Wenn man die Zeit nimmt, die man braucht, um 120 Seiten ordentlich Korrektur zu lesen, davon alles abzieht, was in der Selbständigkeit an Abgaben so anfällt, dann bleibt von den 700 Euro nicht einmal ein Drittel übrig. Und davon muss man leben. Das hat einfach auch was mit Fairness zu tun. Und da ich zu dieser Berufsgruppe gehöre, werde ich natürlich immer dafür plädieren, sich an die Kollegen zu wenden, die das hauptberuflich machen, sich fortgebildet haben, in ihr Wissen und Können investiert haben, etc. Klar, kann ich mir von meiner Mutter die Haare schneiden lassen. Kriegt die bestimmt auch hin. Aber die meisten gehen dann doch zum Frisör. Gleiches Prinzip.

Dir als Hobby-Korrektor wird es egal sein, ob du 4 oder 12 Stunden an einem Text sitzt und 2 Euro die Seite nimmst - wenn du das hauptberuflich machst, ist es das nicht mehr. Und je nach "Krautigkeit" des Textes, kann auch aus einem normalen Korrektorat eine etwas längere Odyssee werden.

Meine Erfahrungswerte was Autoren angeht sind ein wenig anders. Klar gibt es die, die sagen Lektoren würden ihre Texte zu stark verändern und ihnen die Persönlichkeit oder was auch immer nehmen. Denen kann ich aber nur sagen: Es ist unser Job euch zu unterstützen und euch besser zu machen. Änderungen sind oft nötig, aber das heißt nicht, dass euer Stil ausradiert wird. Es geht darum diesen zu erhalten, herauszuarbeiten und den Text klarer zu machen. Aber wenn die konstruktive Kritik einer einzigen Person, die darüber hinaus auch noch dafür bezahlt wird diese zu äußern, bereits ein Problem ist - sollte man dann wirklich veröffentlichen? Da geht es dann nicht mehr wirklich um gutes oder schlechtes Lektorat, sondern ums Ego. Und spätestens da, wird eine Zusammenarbeit zum Eiertanz. Ein bisschen Bereitschaft zur Veränderung muss schon da sein, ansonsten macht es keinen Sinn. Und ich weise diese Gruppe Autoren dann auch konsequent ab.

Ich arbeite mit vielen Selfpublishern. Der Markt ist gigantisch und gerade hier erkennen immer mehr, dass sich ein gutes Lektorat lohnt. Man profitiert ja auch wieder von dessen Netzwerk. In Absatzzahlen und in Form von guten Rezensionen. Alles nicht zu unterschätzen ;)
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (02.03.2015, 17:36)
Ich glaube, zu einem richtig guten, professionellen Lektorat würde kein BoD-Autor nein sagen. Leider hat es seinen Preis, und die wenigsten Bücher im Bereich Belletristik würden das Geld anschließend wieder einbringen. Trotzdem kann man die Dienstleistung hier anbieten, falls jemand Interesse hat. Schadet ja nicht.

Leider tragen einige Dilettanten das Schild "Lektor" vor sich her, die den Ruf der Profis regelrecht ruinieren. Vielleicht kommt daher das Vorurteil, dass Lektoren das Manuskript nach eigenem Gutdünken bis zur Unkenntlichkeit "verbiegen" und stur dem Verlagsgeschmack unterwerfen. Leider geschieht das nämlich tatsächlich bei nicht wenigen Möchtegern-Kleinverlagen, die zwar von Lektoren faseln, in Wirklichkeit jedoch Dilettanten beschäftigen, weil selbst ihnen ein Profi zu teuer ist. Da kann ich gut verstehen, dass sich viele Autoren lieber nur ein Korrektorat leisten und um solche "Verlage" und deren "Lektoren" einen großen Bogen machen.

Was mich hier im Forum immer wieder erstaunt: Einerseits wird fast allen Autoren ständig eingeredet, dass sie unbedingt Geld in ein Korrektorat stecken sollten. (Ich empfehle es nur ab einer bestimmten Fehlerdichte.) Andererseits werden Autoren ausgelacht, die bereit waren, eine vierstellige Summe in ihr Buch zu investieren und leider auf einen betrügerischen Druckkostenzuschussverlag hereinfielen, der die stolze Summe nicht in z.B. ein professionelles Lektorat, sondern die eigene Tasche steckte. Anscheinend ist es egal, was man tut, und man steht grundsätzlich als Depp da.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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