Interview mit der Bestsellerautorin Mara Woolf

Euer Forum für Diskussionen zum Thema Self-Publishing und Buchveröffentlichung.


Benutzeravatar
W.Waldner
Beiträge: 310
Registriert: 26.08.2009, 18:15
Wohnort: Kempten

Re:

von W.Waldner (05.01.2015, 17:52)
X Ich schreibe, weil Revolutionäre immer schreiben und irgendwann Rache nehmen thumbbup


Aber ganz ernst: Ich schreibe nur Bücher, die auch mich selber interessieren, also Bücher, die ich selber gerne von anderen Autoren geschrieben gelesen hätte, die es aber von anderen Autoren nicht gibt. Darum muss ich einige Bücher leider selber schreiben, damit das Thema endlich jemand abgehandelt hat.

Dabei existieren jede Menge Leser, auf die ich gern verzichten kann. :P

Von meiner Sorte gibt es nur ganz wenige Leser, darum werden meine Bücher nie Bestseller werden. Das war mir schon klar, weil auch die Bücher, die ich gerne gelesen habe, nie in den Bestsellerlisten aufgetaucht waren, sondern nur mit viel Glück damals einen Verleger fanden, als es noch richtige Verleger für ein Buch brauchte.
Trugschlüsse der Volkswirtschaftslehre

Warum die Geldpolitik 1929-33 die Weltwirtschaftskrise verursacht hat

Der preußische Regierungsagent Karl Marx

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3143
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re:

von Monika K. (05.01.2015, 23:24)
Klonschaf hat geschrieben:
Siegfried, da fehlt aber was!!



O ich bin selbst Kulturredakteur und schreibe ganz bewusst nur für mich und meine Schublade, weil erst künftige Generationen die überragende Bedeutung meines Werks zu erkennen vermögen


angle:


Genau! Mit dem Job als Kulturredakteur verdient man sich nur nebenbei was dazu, weil die Schublade die Schreiberei gratis einsackt und nicht ordentlich bezahlen will. Außerdem kann man die erfolgreiche Konkurrenz wegbeißen und den eigenen Schreibstil zum Ideal verklären. "An der Quelle saß der Knabe ..."

Im Ernst: Gibt es denn nur Mainstream oder Kulturredaktion-Hofierung? Oder ist da auch noch etwas dazwischen? Ich schreibe z.B. für eine kleine Zielgruppe, die meinen Humor versteht und sich gern mal überraschen lässt. Die Verkaufszahlen stören mich nicht, denn ich habe nicht vor, mit meinen BoD-Büchern meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern verwendete mein erstes Buch lediglich zweimal als Arbeitsprobe. Die großen Massen könnte ich wohl nur mit einem "heiteren Frauenroman" begeistern, in dem ich die Männer als Idioten auftreten lasse, damit die Heldin am Ende toll dasteht. Damit kann sich Lieschen Müller super identifizieren. Das findet sie lustig; das liest sie weg wie nix und will mehr. Leider kann ich das nicht, denn da müsste ich mir beim Tippen einen Eimer auf den Schoß stellen, was eine sehr ungesunde Schreibposition ist. angle: Ich verzichte also tatsächlich freiwillig auf diese Leser(innen).

-------------------------------------------

@Siegfried
Auf deiner Liste habe ich leider keinen Punkt gefunden, der zu mir passt. Beteiligst du dich denn auch selbst an deiner Umfrage? Für wen schreibst du?
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Benutzeravatar
Klonschaf
Beiträge: 532
Registriert: 18.04.2011, 15:35

Re:

von Klonschaf (06.01.2015, 02:00)
Monika K. hat geschrieben:
Im Ernst: Gibt es denn nur Mainstream oder Kulturredaktion-Hofierung? Oder ist da auch noch etwas dazwischen?


Frag ich mich auch immer. Ich meine, im Mainstream hat man den Eindruck, es geht nur noch um schwachsinnige Lifestyle-Vampir-Storys, während es im ernsten Lager irgendwie immer um einen ehemaligen Lehrer (m/w) zu gehen scheint geht, der auf einem Roadtrip in Osteuropa wahnsinnig existenzielle Erfahrungen macht.

Aber zum Glück gibt es immer wieder wirklich originelle Bücher, sowohl im Mainstream als auch in der "ernsten" Literatur. Für mich ist das eigentlich der einzige Gradmesser: ob ein Buch etwas Neues beiträgt, ob es originell ist und nicht nur den plumpen Aufguss von Altbekanntem darstellt. Ich meine, niemand verlangt dauernd Revolutionäres, aber irgendwie ... ein bisschen Originalität muss sein, sonst kann man das Schreiben eigentlich gleich lassen.

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3143
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re:

von Monika K. (06.01.2015, 08:40)
Klonschaf hat geschrieben:
Für mich ist das eigentlich der einzige Gradmesser: ob ein Buch etwas Neues beiträgt, ob es originell ist und nicht nur den plumpen Aufguss von Altbekanntem darstellt. Ich meine, niemand verlangt dauernd Revolutionäres, aber irgendwie ... ein bisschen Originalität muss sein, sonst kann man das Schreiben eigentlich gleich lassen.

Das geht mir auch so. Und gerade hier im Forum fand ich bereits mehrmals sehr interessante Bücher, die ich als Bereicherung empfinde, weil neue Ideen umgesetzt wurden.

edit:
Beim Interview, das ich mit großem Interesse las, gefiel mir der Satz "Durchhaltevermögen, Fleiß und eine Portion Glück." besonders gut. Der Faktor "Glück" wird nämlich gern mal vergessen. Besonders beeindruckte mich jedoch der Satz "Jedes halbe Jahr ein neues Buch herauszubringen ist ziemlich harte Arbeit.". Ich kann mir einfach nicht vorstellen, jedes halbe Jahr ein neues Buch zu veröffentlichen. Bei mir muss eine Idee reifen, und ich brauche zumindest bei meinen Büchern einen gewissen Freiraum, um kreativ zu sein. Wenn mich das Leser kostet, habe ich eben Pech. Aber eine Massenproduktion würde mich vielleicht auch Leser kosten: die, die mir wichtig sind.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Benutzeravatar
Klonschaf
Beiträge: 532
Registriert: 18.04.2011, 15:35

Re:

von Klonschaf (06.01.2015, 14:20)
O Ich habe ein renommiertes Marktforschungsinstitut mit einer Bedarfsanalyse der Mainstream-Leserschaft beauftragt, um zielgruppenorientierte plot solutions anbieten zu können



angle:

Benutzeravatar
Thomas Becks
Beiträge: 2747
Registriert: 04.09.2007, 17:47
Wohnort: Ruhrgebiet

Re:

von Thomas Becks (06.01.2015, 14:37)
Ist es nicht so, dass jeder Autor das schreibt, was er auch gerne liest? Wenn es nur ums Geldverdienen geht, wenn jemand wirklich Kohle verdienen möchte, müsste sich derjenige wahrscheinlich dafür verbiegen. Und schon stimmt da was nicht, es ist nicht echt.
Wer für den Mainstream schreibt, bräuchte sich um seinen Imageverlust keine Sorgen machen, dafür gibt es schließlich Pseudonyme. Aber bin ich wirklich gut genug, wenn mich das Thema nicht interessiert?

Vielleicht gibt es trotzdem noch eine Möglichkeit, massentauglich zu schreiben.
Immer wieder lese ich, dass es noch nicht mal auf den Inhalt ankäme. Das Wort Glück wird immer dann angebracht, wenn niemand weiß, warum dieses oder jenes Buch läuft.
Es ist allein die Vermarktung, die ein Buch nach vorne bringt. Nehmen wir mal Amazon als Beispiel.

Es gibt viele E-Books bei Amazon, die beschreiben, wie man erfolgreich E-Books bei Amazon verkauft. Da gibt es viele Schräubchen, an denen man justieren kann. Jedes Buch muss anders justiert werden.

Das Problem ist, dass die vielen Autoren gleichzeitig herumjustieren. Kaufst Du heute ein Buch über die Vermarktung von E-Books, ist es übermorgen schon zu alt.
Amazon ist die reinste Trickkiste. Wer erfolgreich sein möchte, muss den richtigen Kniff im richtigen Moment wissen. Hier steckt der Begriff Glück. Es ist zwar ein Glücksrad, aber Handanlegen muss man selber. Wer dann ein mieses Buch vorzuweisen hat, hat sein Glück vertan. So einfach oder kompliziert ist das. Die Goldgräberzeit im E-Book-Markt ist seit Anfang 2012 vorbei. Es tummeln sich zu viele Goldgräber herum. Die guten Claims besetzen die Autoren der Generation 11.
dozey:

Benutzeravatar
mtg
Beiträge: 5443
Registriert: 20.01.2010, 09:59
Wohnort: Berlin

Re:

von mtg (06.01.2015, 16:30)
Wenn ich schreibe, möchte ich das, was mich interessiert oder was ich spannend finde, meinen Lesern nahebringen. Dazu gehört neben der Recherche und der sachlichen Richtigkeit natürlich auch eine Sprache, die den Leser begeistert.
-> Ich schreibe also für den Leser.

Die schönsten Komplimente, die ich bislang bekam: »Eigentlich wollte ich nur kurz ins Buch 'reinschauen ... musste es aber dann doch bis zum Ende lesen« und »Als ich das Buch las, war mir, als säßest Du neben mir und liest es vor.«

Ziel erreicht. Und wenn noch Bücher verkauft werden: Klasse.

Oder aber ich schreibe, weil ich den Auftrag bekam (mittlerweile drei Mono- bzw. Biographien, die vierte steht vor der Tür). Das ist natürlich u.a. auch alles eine Frage der Vergütung, aber das nützt nichts, wenn ich mich selbst für das Thema nicht begeistern kann. Wie will man andere begeistern, wenn man's selbst nicht ist?
-> Ich schreibe also für den Auftraggeber, den ich aber als Leser betrachte ...

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5656
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (06.01.2015, 20:05)
Was ist Mainstream?
Ein Buch, das viele Leser interessiert und daher hohe Verkaufszahlen erzeugt. Zieht zumeist eine ganze Reihe von Epigonen von Buchschreibern nach sich, die sich ebenfalls im gleichen oder sehr ähnlichen Thema bzw. Setting bewegen und für Verlage gute Umsatzzahlen bedeuten. Dabei ist es uninteressant, welchen Inhalt diese Bücher tatsächlichen haben. Würde sich die Masse der Leser daran begeistern, ein "Karl-Marx-Bashing" zu goutieren, wären in wenigen Wochen die Buchregale mit ähnlichen Werken gefüllt:

"Karl Marx - der preußische Spion"
"Karl Marx - ein wahrer Kapitalist"
"Karl Marx - der Salon-Revolutionär"
"Karl Marx' schräges Sexleben"
"War Karl Marx schwul?"

Schon hätten wir den schönsten Mainstream mit Verkaufszahlen im sechs-, wenn nicht siebenstelligen Bereich. Nicht der Inhalt definiert den Mainstream, sondern die Verkaufszahlen der Bücher ähnlichen Inhalts.

Wenn ich hier im Forum lesen, dass sich ein Hundebuch - eines von vielen auf dem Markt - über 1.000mal verkauft hat, ist das ... Mainstream.

Was ist ein Kulturredakteur-Buch?
Zuerst einmal ein Buch mit grottenschlechten Verkaufszahlen, weil sich in der Leserschaft niemand dafür interessiert. Es wird zu einem Kulturredakteur-Buch, wenn es von jemandem, der meint zu wissen, was ein gehaltvolles (um die Vokabeln interessant und unterhaltend zu vermeiden) Buch ist, das er zudem kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt, in seiner knappen Freizeit liest. Das eigene Buch, von einem Kulturredakteur eines lokalen Käseblattes angenommen, das ist der vermeintliche Ritterschlag für den Buchautor. Ein gehaltvolles Buch darf (!) sich nicht verkaufen, denn sonst bekommt es den Hautgout des Mainstream, trotz allen radikalen Inhaltes. Aber es bekommt den Papperl: "Vom der Kulturredaktion des Bonsenheimer Anzeigers empfohlen!" Damit trägt der Autor seine Nase drei Etagen höher und rümpft selbige - seine Nase, nicht die Etage - über jene, die mit ihrer Schreibarbeit Geld verdienen. Nur, in wenigen Jahren ist das Kulturredakteur-Buch vergessen, weil sich niemand an Titel oder Autor erinnern kann. Das Buch hat ja niemand gekauft.

Interessant wird in diesem Zusammenhang das neue Buch von Michel Houellebecq: "Unterwerfung" (erscheint am 16.01.2015). Warten die Kulturredakteure ab, ob das Buch zum Mainstream wird, um dann ideologisch dagegen zu halten? Oder rühmen sie das Buch erst in dem Moment, wenn sich herausstellt, dass es sich wegen des brisanten Themas nicht verkauft (die Pegida-Diskussionen in Deutschland lassen in dieser Hinsicht einiges erwarten)?

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/b ... 52807.html
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3143
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re:

von Monika K. (06.01.2015, 21:21)
Siegfried hat geschrieben:
Das eigene Buch, von einem Kulturredakteur eines lokalen Käseblattes angenommen, das ist der vermeintliche Ritterschlag für den Buchautor. Ein gehaltvolles Buch darf (!) sich nicht verkaufen, denn sonst bekommt es den Hautgout des Mainstream, trotz allen radikalen Inhaltes. Aber es bekommt den Papperl: "Vom der Kulturredaktion des Bonsenheimer Anzeigers empfohlen!"


Ich wage mal vage zu bezweifeln, dass Zeitungen wie ein "Bonsenheimer Anzeiger" eine eigene Kulturredaktion besitzen, lasse mich jedoch gern vom Gegenteil überzeugen. Man sollte in diesem Zusammenhang klar unterscheiden zwischen gut recherchierten Artikeln, die aus einer Kulturredaktion stammen, die ihren Namen verdient, und den schnell zusammengeschusterten Artikeln, deren Inhalt auf vorgefertigten Texten basiert (oder ihnen 1:1 entspricht), die vom Verlag/Autor stammen, und billig die Zeitung füllen soll. Ich gehe davon aus, dass Mara Woolf sehr wohl in der Lage wäre, in einem kleinen Provinzblatt etwas Schleichwerbung unterzubringen und sich als "Lokalprominenz" feiern zu lassen, falls sie das überhaupt möchte, und im Interview jedoch von Kulturredakteuren spricht, die sich ihre Themen selbst auswählen, unabhängig berichten und ihren Beruf ernst nehmen.

Und nun noch einmal die Gretchenfrage:
Für wen schreibst du? Wer sind "deine Leser"? Oder Schublade? Wer Umfragen startet, sollte doch eigentlich mit der eigenen Einstellung nicht hinterm Berg halten.

Thomas Becks hat geschrieben:
Ist es nicht so, dass jeder Autor das schreibt, was er auch gerne liest? Wenn es nur ums Geldverdienen geht, wenn jemand wirklich Kohle verdienen möchte, müsste sich derjenige wahrscheinlich dafür verbiegen. Und schon stimmt da was nicht, es ist nicht echt.
Wer für den Mainstream schreibt, bräuchte sich um seinen Imageverlust keine Sorgen machen, dafür gibt es schließlich Pseudonyme. Aber bin ich wirklich gut genug, wenn mich das Thema nicht interessiert?


Sehr guter Einwand! thumbbup
Wenn jemand wirklich Kohle verdienen möchte, wird er nicht Autor. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. cool5 Ich glaube, dass ein Autor wissen sollte, wie seine Zielgruppe tickt. Ich kann mir nicht einfach beliebig einen Personenkreis aussuchen, mit dem ich keinerlei Berührungspunkte habe, und aus dem Handgelenk für ihn schreiben. Man schreibt, was man selbst gerne lesen würde, für Leute, die so ähnlich ticken wie man selbst.

Klonschaf hat geschrieben:
O Ich habe ein renommiertes Marktforschungsinstitut mit einer Bedarfsanalyse der Mainstream-Leserschaft beauftragt, um zielgruppenorientierte plot solutions anbieten zu können



angle:

Endlich mal ein vernünftiger Ratschlag! angle:

-----------------------

Vielleicht habe ich bei der Diskussion auch einfach nur ein Problem mit dem Begriff "die Leser" oder "meine Leser". Als ich mein erstes Buch schrieb, hatte ich noch keine Leser, für die ich schreiben konnte. Ich musste mir also überlegen, wer meine Zielgruppe sein soll. Es gibt nicht "die Leser", sondern nur viele verschiedene Zielgruppen, die unterschiedlich groß sind. Wenn man sich eine kleine Zielgruppe aussucht, muss man mit niedrigen Verkaufszahlen rechnen. Wenn man sich eine große aussucht, muss man mit viel Konkurrenz rechnen. (Ich beziehe mich dabei ausschließlich auf Belletristik. Für Sach-/Fachbücher gelten sicherlich andere Regeln.) Der Rat, "für seine Leser zu schreiben", ist wohlfeil und mir zu vage. Es ist sicherlich nicht verkehrt, sich in Ruhe zu fragen: Wer soll mein Leser sein? Aber man sollte niemals den Fehler begehen, seine Mitmenschen wahllos alle in eine große Schublade zu stecken und sich albernen Vorurteilen hinzugeben, was ihnen gefallen könnte. Das mag in Einzelfällen sogar funktionieren, aber eine Garantie für Erfolg ist es sicherlich auch nicht. Man läuft Gefahr, sich selbst lächerlich zu machen und hölzern und fantasielos zu wirken. Wer erfolgreich Mainstream schreibt, hat wahrscheinlich einen guten Draht zu seiner Zielgruppe und fühlt, was den Lesern gefällt. Es ist eine Frage der Intuition und keine Kopfentscheidung. Wer mag, kann es Talent nennen. Ich spreche lieber von der "Emotionalen Intelligenz". Die hat man, oder man hat sie nicht.
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5656
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (06.01.2015, 23:03)
Monika K. hat geschrieben:
Und nun noch einmal die Gretchenfrage:
Für wen schreibst du? Wer sind "deine Leser"? Oder Schublade? Wer Umfragen startet, sollte doch eigentlich mit der eigenen Einstellung nicht hinterm Berg halten.


Ich beantworte keine Gretchenfragen. Und ich diskutiere auch nicht mit dir. Weil es weder mir noch jemand anderem (inkl. deiner Person) irgendeinen Nutzen oder Vorteil bringt. Im Gegenteil - es bringt (mir) nur Nachteile. Ich stelle meine Meinung vor und gut ist's.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
mtg
Beiträge: 5443
Registriert: 20.01.2010, 09:59
Wohnort: Berlin

Re:

von mtg (07.01.2015, 08:57)
Guten Morgen, Monika!

Monika K. hat geschrieben:
Vielleicht habe ich bei der Diskussion auch einfach nur ein Problem mit dem Begriff "die Leser" oder "meine Leser". Als ich mein erstes Buch schrieb, hatte ich noch keine Leser, für die ich schreiben konnte. Ich musste mir also überlegen, wer meine Zielgruppe sein soll. Es gibt nicht "die Leser", sondern nur viele verschiedene Zielgruppen, die unterschiedlich groß sind.


Kannst Du mir bitte erklären, wo Du den Unterschied zwischen »Leser« und »Zielgruppe« setzt? Die reine Mengenangabe (alle meine Leser entsprechen meiner Zielgrupe vs. nicht alle Mitglieder meiner Zielgrupe sind meine Leser) wird es ja wohl nicht sein.

Vielen Dank!

Benutzeravatar
Monika K.
Beiträge: 3143
Registriert: 28.02.2012, 21:45

Re:

von Monika K. (07.01.2015, 10:24)
Hallo Matthias,

es steht der Satz im Raum: "Ich schreibe für meine Leser."
Wenn man sein erstes Buch schreibt, hat man noch keine Leser. Es sind also höchstens zukünftige Leser gemeint. OK, das mag spitzfindig klingen, aber ich halte es für wichtig, sich konkret Gedanken zu machen, wer diese Menschen eigentlich sind, für die ich schreibe. Bis dahin sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Doch bei der Frage, welche Konsequenzen das für ein Buch haben sollte, gehen die Meinungen schon sehr auseinander. Denn wenn ich für Kulturredakteure schreibe, schreibe ich ebenfalls für meine Leser, sofern ich sie als Zielgruppe ins Auge gefasst habe. Selbst ein Tagebuch schreibt man für seine Leser: sich selbst und die allerbeste Freundin. Jeder Autor schreibt also für seine Leser. Deshalb ist die "Umfrage" überflüssig oder zu schwammig formuliert. Zumindest bringt sie uns Autoren keinen Schritt weiter bei der Frage: Wie schreibt man einen Bestseller? (Sofern einen diese Frage überhaupt interessiert.)

Ich formuliere mal ein Beispiel, das total überspitzt ausdrückt, was ich meine:
Klein-Moni schreibt ein Buch. Da der Großteil der Verwandtschaft nicht liest, sondern nur RTL2 guckt, bleiben als zukünftige Leser Tante Berta und Onkel Egon. Ob nach der Veröffentlichung noch fremde Leser dazukommen werden, kann sie zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nicht beurteilen und konzentriert sich deshalb ganz auf "ihre Leser". Tante Berta lehnt Punkte und Kommata ab, da diese sie an die Sommersprossen ihrer verstorbenen Jugendliebe erinnern. Onkel Egon hält Großbuchstaben für ein Symbol der Diktatur des Establishments. Klein-Moni schreibt deshalb konsequent alles klein und setzt statt Satzzeichen Zeilenumbrüche. Natürlich ist das grauenhaft, aber sie schreibt ja nicht für sich, sondern für ihre Leser, die davon total begeistert sind. Wenn sie ihr Buch hier im Forum vorstellt, bekommt sie natürlich entsprechende Reaktionen, aber hey! Man schreibt doch für seine Leser und nicht für Kulturredakteure, Lektoren oder Layout-Experten! Die kaufen das Buch ja doch nicht! Warum mischen sich dennoch Leute ein, die gar keine Leser dieses Buchs sind? Klein-Moni hat eben eine kleine, anspruchsvolle Zielgruppe gewählt, die jedoch aus treuen Fans besteht, die jedes ihrer Bücher kaufen werden. Solche Fans wünscht man sich doch als Autor, oder? angle:

Was also ist der Rat "Schreibe für deine Leser" eigentlich wert? Wer schreibt denn nicht "für seine Leser"? Ich muss da immer an die alberne Werbung denken: Das gesamte Horrorkabinett versammelt sich zum Fake-Redaktions-Meeting und der Oberschlaue doziert: "Fakten, Fakten, Fakten! Und an die Leser denken!" Und was kam dabei heraus? Der "Focus" ... cheezygrin An mich haben sie beim Schreiben ganz bestimmt nicht gedacht!

Es gibt übrigens auch das andere Extrem: Autoren, die ihre Zielgruppe unbedingt möglichst groß gestalten möchten. Ich bin mir nicht sicher, ob es in der Belletristik ratsam ist, mit Gewalt alle Männer und Frauen zwischen 14 und 100 ansprechen zu wollen. Die Fragen "Wie lege ich sinnvoll meine Zielgruppe fest? Welche Konsequenzen hat das für mein Buch?" finde ich deshalb viel interessanter als den Spruch "Schreibe für die Leser und nicht für dich!". Welche Leser? Als ersten Schritt in die Autorenwelt finde ich die Idee, das Buch zu schreiben, das man selbst gern lesen möchte, gar nicht mal so schlecht. Denn niemand ist in seinen Vorlieben einzigartig. Die Frage ist also eher: Wie finde ich Gleichgesinnte, denen mein Buch gefallen könnte? Und schon sind wir wieder im Bereich "zielgruppenorientiertes Marketing", den Thomas bereits ansprach.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

Benutzeravatar
Thomas Becks
Beiträge: 2747
Registriert: 04.09.2007, 17:47
Wohnort: Ruhrgebiet

Re:

von Thomas Becks (07.01.2015, 10:50)
Monika K. hat geschrieben:
Vielleicht habe ich bei der Diskussion auch einfach nur ein Problem mit dem Begriff "die Leser" oder "meine Leser". Als ich mein erstes Buch schrieb, hatte ich noch keine Leser, für die ich schreiben konnte. Ich musste mir also überlegen, wer meine Zielgruppe sein soll. Es gibt nicht "die Leser", sondern nur viele verschiedene Zielgruppen, die unterschiedlich groß sind. Wenn man sich eine kleine Zielgruppe aussucht, muss man mit niedrigen Verkaufszahlen rechnen. Wenn man sich eine große aussucht, muss man mit viel Konkurrenz rechnen. (Ich beziehe mich dabei ausschließlich auf Belletristik.

Da hast Du absolut recht!
Ich weiß nicht, ob ich noch mal einen Krimi schreiben würde, die Leser sind nicht wirklich auszumachen. Wer liest denn keine Krimis? Hier kann der Autor nur noch auf Subgenres spekulieren und hoffen, dass die Konkurrenz sowie die Zielgruppe überschaubar ist.
Wir dürfen nicht vergessen, was wir vom Leser erwarten, das sind nicht seine 9,90 € sondern seine kostbare Zeit. Das heißt in erster Linie, dass er nicht zu lange suchen sollte, um uns zu finden.

Benutzeravatar
mtg
Beiträge: 5443
Registriert: 20.01.2010, 09:59
Wohnort: Berlin

Re:

von mtg (07.01.2015, 11:11)
Monika,

hier wirst Du aber päpstlicher als der Papst. Selbst eine Goldwaage erbringt nur vage Ergebnisse im Vergleich zu Deinen Defintiionen.

»Meine Leser« sind nicht Tante und Onkel Irgendwer. »Meine Leser« kann ich nicht namentlich benennen, sonst würde ich jedem ein Exemplar schon im Druck widmen. »Meine Leser« sind die Menschen, die ich mit einer Geschichte, einem Thema, einer Information ansprechen kann ... die ich an Dingen teilhaben lassen möchte, die mich interessieren.

Jeder, der ein Buch schreibt, sollte eine Zielgruppe vor Augen haben. D'accord. Leider erleben wir gerade in diesem Forum viel zu oft, dass sich Leute ans Schreiben machen, die noch überhaupt keine Vorstellung haben, was nach dem Druck passieren wird. Hat man eine Zielgruppe vor Augen, hat man aber auch »Gesichter im Kopf«, für die man schreibt – in der Vorstellungskraft erzählt man ihnen das, was man gerade schreibt. Ein Gesicht würde da sogar schon reichen.

Für mich gilt nach wie vor, was ich oben schrieb: Wenn ich schreibe, möchte ich das, was mich interessiert oder was ich spannend finde, meinen Lesern nahebringen. Meine Zielgruppe ist die Menge der möglicherweise zu erreichenden Leser. Meine Leser sind aber unabhängig von ihrer Anzahl in meinen Augen singulär.

Vielleicht macht den Unterschied in unserer Sichtweise die Tatsache aus, dass ich aus Marketing & Werbung komme und Zielgruppe und Käufer unterscheiden kann. Vielleicht macht aber auch den Unterschied aus, dass Du hier viel zu enge gedankliche Grenzen setzt.

Die Frage: »Für wen schreibst Du« halte ich für legitim. Gerade in dem, was man so gemeinhin »Mainstream« nennt, ist viel verbale Masturbation und Diarrhoe dabei. Oder – mit Verlaub – salopper formuliert: Viel zu viele Autoren schreiben für'n Arsch. Und auch das beantwortet die gestellte Frage vollinhaltlich.

Benutzeravatar
Thomas Becks
Beiträge: 2747
Registriert: 04.09.2007, 17:47
Wohnort: Ruhrgebiet

Re:

von Thomas Becks (07.01.2015, 11:59)
@ Matthias,
Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Du schreibst Sachbücher und solltest tatsächlich Deine Zielgruppe kennen. Stell Dir vor Du bist Romanautor und hast eine verdammt gute Idee. Du schreibst "Das Parfum", wer gehört zu Deiner Zielgruppe? Was hatte sich Patrick Süskind gedacht, als er "Das Parfum" schrieb? Soviel ich weiß, ist das Buch zuerst zig Mal abgelehnt worden.
Süskind dachte vielleicht an Horrorfreaks, die sich für Geschichte interessieren. Oder dachte er nur an Frauen als Leserinnen, weil im Titel das Wort "Parfum" steht? Fakt ist, dass Patrick Süskind mit seinem Buch erstmals viele Männer zum Lesen bewegte. Das Buch wurde hauptsächlich von Männern gelesen. Ich glaube nicht, dass Süskind ein Männerbuch "Das Parfum" genannt hätte.
Ich will nur damit sagen, dass man sein Publikum nicht unbedingt vorher kennt. Ich schreibe gerade an einem Jugendbuch. Trotzdem weiß ich jetzt noch nicht, wer wirklich das Buch später lesen wird. Sind es tatsächlich Jugendliche oder auch wieder "nur" Heimatkundler, oder, oder ...

Zurück zu „Self-Publishing“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.