Ratschläge bzw. Meinungen für den Anfang meines Thrillers.

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Thrilly
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Ratschläge bzw. Meinungen für den Anfang meines Thrillers.

von Thrilly (13.01.2015, 17:29)
Hallo zusammen,
mein Name ist Alexander, ich bin 16 Jahre alt und schreibe seit längerer Zeit Kurzgeschichten im Schwerpunkt Horror.
Momentan arbeite ich an einem Roman (Genre Thriller). Ich versuche möglichst qualitativ zu schreiben (wie wahrscheinlich fast jeder) und arbeite für meine Begriffe recht diszipliniert.
So jetzt komme ich mal zum Punkt: Ich arbeite jetzt seit ca. 3 Monaten am ersten Kapitel des Romans, doch irgendwie passen mir die ersten Seiten nie. Ich habe sie jetzt schon gefühlte 100 mal neu geschrieben und würde einfach mal gerne eure Meinung zu der jetzigen Version der ersten zwei Seiten hören. Ich finde sie sind vielleicht etwas anstrengend zu lesen und rufen nicht den gewünschten Effekt hervor....
Danke im Vorraus. ;)


1
Der Winter stand unmittelbar bevor. Das letzte Herbstlaub verließ die Baumkronen und gelegentlich ließ ein zarter Nachtfrost die flachen Regenpfützen gefrieren. Obwohl der Wind nur leicht wehte, brachte er eisige Kälte. Die meisten Tiere hatten sich in ihre Bauten zurückgezogen. In diesen Tagen war es wichtig auf seine Vorräte zu achten, denn gelegentlich schlichen hungrige Diebe durch den Wald, die nur darauf warteten über eine unbewachte Höhle zu stolpern und diese bis auf die letzte Haselnuss auszuräumen.
Sanft fielen einige Regentropfen vom Vortag aus den Bäumen. Der Wald ruhte so leise, so friedlich, dass die Stille fast unangenehm war. In der Hoffnung ein paar Insekten unter der Rinde zu finden, kletterten einige Vögel auf den Stämmen umher – Nahrung war rar zu dieser Zeit. An den Sträuchern hingen keine Beeren mehr, sämtliche Pilze waren verspeist und die Würmer tief in der Erde verschwunden. Manchmal fand sich noch der ein oder andere Käfer im Bodenlaub, was jedoch eher die Seltenheit war.
Die Sonne begann zu dämmern. Durch die kahlen Baumkronen dringend, schienen die rötlichen Strahlen auf den Waldboden. Sie zogen einen beinahe überirdisch wirkenden Schimmer durch die dunstige Spätherbstluft. Die Vögel beendeten die teils erfolglose Futtersuche und verzogen sich in ihre Unterschlüpfe, wo sie die Nacht ausharrten, um sich in den frühen Morgenstunden wieder den täglichen Überlebenstätigkeiten zu widmen. Sie fürchteten die Dunkelheit – und den Frost, welchen diese mit sich brachte.
Nur einer nutzte die letzten Dämmerstrahlen – der Rabe. Auf dem Ast einer knochigen Eiche sitzend hielt er Ausschau.


Als Späher war es seine Aufgabe über alle möglicherweise relevanten Ereignisse in seinem Revier informiert zu sein. Konzentriert ließ er seinen scharfen Blick über die sich vor ihm schlängelnde Waldstraße gleiten. Nichts war zu sehen, nicht einmal einer der grauen Transporter, die regelmäßig den Hügel hinauf - und kurze Zeit später wieder hinab fuhren. In den letzten Tagen waren es mehr Transporter gewesen als üblich, vielleicht lag es am nahenden Winter.
Mittlerweile war die Sonne fast hinter den westlichen Hainen verschwunden. Der Rabe sah den Tag als abgeschlossen an und entschied heimzukehren, doch gerade als er in die Knie gehen wollte, um sich in die Lüfte zu schwingen, hielt ihn ein entferntes Brummen fest. Es näherte sich in gemäßigtem Tempo. Dieser Klang war dem Späher bekannt, nach ein paar Sekunden identifizierte er ihn als das Geräusch eines Motors.
Neugierig lugte der Vogel die Straße entlang. In der Ferne erschienen zwei große leuchtende Augen, die einen breiten Lichtkegel auf den Asphalt warfen, bald zeigte sich auch der Rest des Wagens. Der Lack eines leicht veralteten dunkelgrünen Mercedes kam zum Vorschein. Über die Motorhaube zog sich ein ziemlich markanter blitzförmiger Kratzer, die Windschutzscheibe war am Übergang zum Dach leicht blau getönt und an der Fahrertür klebte ein „Anti-Atomkraft-Aufkleber“.
Hinter dem Lenkrad glänzten die blaugrauen Augen eines attraktiven Mannes mittleren Alters. Sein braunes Haar sah aus, als wäre es ungekämmt geföhnt worden und die runden Brillengläser verliehen ihm einen intellektuellen Touch. Seine zarten Wangenknochen betonten die schlanke Nase, doch aufgrund des leichten Bartschattens und seiner recht breiten Schultern erschien er sehr maskulin.

Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (13.01.2015, 18:28)
Was mir an den ersten Zeilen aufgefallen ist:
gelegentlich ließ ein zarter Nachtfrost [...] Obwohl der Wind nur leicht wehte, brachte er eisige Kälte. [...]
Sanft fielen einige Regentropfen


Das passt nicht zusammen. Du musst dich entscheiden: Entweder für zarten Nachtfrost und Regentropfen, die von Bäumen fallen, oder für eisige Kälte.

Thrilly
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Danke

von Thrilly (13.01.2015, 19:44)
Erstmal danke ich herzlich für die Antwort.
Mir ist das auch schon aufgefallen, jedoch war der Gedanke dahinter, dass es nachts ab und zu gefriert aber tagsüber nur kalt ist. Du hast aber recht, das muss ich noch überarbeiten.
LG: Alex :)

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Siegfried
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Re: Ratschläge bzw. Meinungen für den Anfang meines Thriller

von Siegfried (13.01.2015, 19:54)
Beitrag gelöscht.

Grund: Beispiele, die aus dem Moment heraus entstanden sind (innerhalb von weniger als zwei Minuten), werden hier einer detaillierten Kritik unterzogen und als "altbacken" oder "klischeehaft" kritisiert. Selbstverständlich sind sie altbacken und klischeehaft, eben genau weil sie aus dem Stand heraus konstruiert wurden. Sie sollten als Muster dienen, wie ein "Angelhaken" zu Beginn einer Geschichte funktioniert, aber nicht als Beispiele nobelpreisverdächtiger Literatur angesehen werden.

Ich kann nichts weiter zu dieser Diskussion beitragen - außer eben solcher aus dem Handgelenk gestrickter Textbeispiele. Daher bin ich aus dieser Diskussion raus.
Zuletzt geändert von Siegfried am 13.01.2015, 22:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Thrilly
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Kann ich voll verstehen!

von Thrilly (13.01.2015, 20:09)
Erstmal danke ich auch dir für deine ausführliche Antwort. :)
Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich deine Meinung sogar recht stark teile. Ich wollte am Anfang eine gewisse Stimmung vermitteln, welche sich allerdings nicht vernünftig transportiert (Wie ich finde).
Deinen Vorschlag einen direkteren Einstieg zu wählen, halte ich für eine gute Idee. Ich muss dazu sagen, dass sich die späteren Seiten recht stark von diesen unterscheiden .... sie sind nicht so "geschwollen" und transportieren meiner Meinung nach die Atmosphäre deutlich besser.

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (13.01.2015, 22:11)
Finde thrillys Text von der Anlage her gar nicht so schlecht, sollte nur ein wenig gerafft werden, Siegfried sagte ja schon die Sache mit den Adjektiven. Aber ich denke, da kann was draus werden, da wird schon eine gewisse Stimmung erzeugt.



(Rest meines Beitrags von mir entfernt, da der Ausgangspost von Siegfried geändert wurde)
Zuletzt geändert von Klonschaf am 13.01.2015, 23:42, insgesamt 2-mal geändert.

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Klonschaf
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Re: Ratschläge bzw. Meinungen für den Anfang meines Thriller

von Klonschaf (13.01.2015, 22:45)
Siegfried hat geschrieben:
Beitrag gelöscht.

Grund: Beispiele, die aus dem Moment heraus entstanden sind (innerhalb von weniger als zwei Minuten), werden hier einer detaillierten Kritik unterzogen und als "altbacken" oder "klischeehaft" kritisiert. Selbstverständlich sind sie altbacken und klischeehaft, eben genau weil sie aus dem Stand heraus konstruiert wurden. Sie sollten als Muster dienen, wie ein "Angelhaken" zu Beginn einer Geschichte funktioniert, aber nicht als Beispiele nobelpreisverdächtiger Literatur angesehen werden.

Ich kann nichts weiter zu dieser Diskussion beitragen - außer eben solcher aus dem Handgelenk gestrickter Textbeispiele. Daher bin ich aus dieser Diskussion raus.


Siegfried, ich hab dir nicht unterstellt, du könntest nichts Unklischeehafteres schreiben, aber ich meine - kann Spannung denn nciht auch mal subtiler erzeugt werden? So gesehen finde ich Thrillys Ansatz jetzt nicht unbedingt verdammenswert.

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Siegfried
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Re: Ratschläge bzw. Meinungen für den Anfang meines Thriller

von Siegfried (14.01.2015, 00:22)
Klonschaf hat geschrieben:

Siegfried, ich hab dir nicht unterstellt, du könntest nichts Unklischeehafteres schreiben, aber ich meine - kann Spannung denn nciht auch mal subtiler erzeugt werden?


Ich zitiere aus:
Hans Peter Roentgen, Vier Seiten für ein Halleluja, Sieben-Verlag, 4. Aufl. 12/2008, Seite 5

Vier Seiten, mehr lesen Lektoren in den Verlagen von unverlangt eingesandten Manuskripten nicht. Profis können schon nach den ersten Seiten sehen, woran ein Text krankt. Da wird zu viel erklärt, oder die Personen bleiben blass, oder der Text ist mit Adjektiven überladen oder ...


Der jetzige Einstieg in die Geschichte ist - aus meiner ganz persönlichen Sicht - für einen Thriller (!!!) einfach langweilig. Für mich und vermutlich auch für den durchschnittlichen Thriller-Leser.

Statt deine Variante eines besseren Einstiegs zu bringen und damit Thrilly zu helfen, kritisierst du an meinen Varianten herum. Bringt das Thrilly voran? Wenn ja, war das meine letzte Hilfe im gesamten Forum. Wenn nein, wo ist deine bessere Version? Wie und wo hilfst du Thrilly?

Ich bin dann mal wieder weg. Macht's ohne mich.
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (14.01.2015, 08:23)
Siegfried - die Sache tut mir aufrichtig leid, aber wie ich ja per PM schon schrieb: es war jetzt nicht soo böse von mir gemeint.

Ich wollte eigentlich nur auf einen Punkt hinaus: warum sollte denn Thrillys Anfang unbedingt gegen einen modellhaften Thriller-Einstieg ausgetauscht werden müssen?

Vom Prinzip spricht doch nichts gegen seinen Einstieg, wenn er das Ganze ein wenig mehr auf den Punkt bringt.

Wie du schon selbst bemängelt hast: die Adjektive z.B.

Aber noch mal: wenn du findest, im Anfang muss unbedingt ein Haken rein, der den Leser packt, okay - das ist immer so, in jedem Genre.

Aber ich meine, Spannung kann ja nicht nur mit groben Mitteln erzeugt werden, es geht doch auch mal subtiler - alles Geschmacksache.

Es beginnen ja auch mal Horror-Filme damit, dass Nebel aus einem Wald aufsteigt, wenn du weißt, was ich meine. Warum nicht mal ein Stimmungsbild kreiieren. Das ist es doch, was Thrilly wollte - er ist halt mit dem Ergebnis nicht zufrieden, aber das heißt ja nicht, dass das grundsätzlich nicht funktionieren kann.


Also: Können da nicht mal zwei oder mehrere Meinungen nebeneinander bestehen?

Ich finde schon.

Abgesehen davon tut es mir leid, war wie gesagt nicht böse gemeint. Ich hab doch auch klipp und klar anerkannt, dass deine Varianten funktionieren und das erreichen, was sie erreichen wollen: nämlich das Thriller-Publikum bei der Stange halten. Mir selber gefällt das eben nicht, und ich hab in meinem inzwischen gelöschten Posting auch gleich gesagt, dass ich kein Konsument von solcher Literatur bin (lese immer nur den Anfang - Blick ins Buch bei Amazon), um mein strenges Urteil über diese typischen Anfänge zu relativieren!

... Ich hab doch nicht den Stab über dich gebrochen oder so was.

Also: sorry noch mal.

Grüße
das Schaf

Thrilly
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Re:

von Thrilly (14.01.2015, 09:27)
Hoffentlich ist dieser "Streit" jetzt geklärt.... :)
Die Sache mit den Adjektiven habe ich nun behoben....zumindest größtenteils.
Ich würde mich über weitere Kritiken freuen. Vielleicht möchte mir auch jemand sagen, wie flüssig sich der Text ließt und ob er irgendwelche Imagintaionen hervorruft. ;)
LG: Alex

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (14.01.2015, 09:39)
@Thrilly

... also den geänderten Text solltest du dann neu einstellen, sonst kann man da nichts sagen. Bis jetzt seh ich da noch ziemlich viele Adjektive.

Ansonsten finde ich so einen "stimmungsvollen" Anfang super, allerdings musst du aufpassen, dass du dabei nicht zu sehr ins Naturdokumentarische abdriftest - man denkt sonst gleich an Brehm's Tierleben, und das führt wohl in der Tat zu weit vom Thriller-Genre weg.

Aber wie gesagt: kann funktionieren, aber einfach ist das nicht.

Man wächst mit den Aufgaben.
cheezygrin

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mtg
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Re:

von mtg (14.01.2015, 10:08)
Ich hätte da einen kleinen Gedankeneinschub, ohne die Diskussion verfolgt zu haben.

Die Grundschwierigkeit eines Textes – egal, welchen Genres – ist immer der Einstieg. Wir haben hier schon so oft über die typische »Wetterbericht«-Eröffnung und ihre Problematiken gesprochen, dass vielleicht dem einen oder anderen User der Hintergrund gar nicht klar ist. Ich bin zwar nicht kompetent, weil ich Sachbücher schreibe, mir meine Leser vorstellen kann und nur eindimensional denke, aber:

Der Leser will am Anfang nicht wissen, wo er ist, er möchte wissen, was ihn erwartet. Er möchte in die Geschichte hineingezogen werden und erst später (vielleicht) feststellen: ›Ach, hier bin ich ...‹

Hera Lind, die nun zwar keine Thriller schreibt und auch sonst zur Literatur nicht viel beigetragen hat außer Menge, beginnt viele ihrer Romane mit »Nebenan ...« Der Trick: Der Leser und der Erzähler wissen im ersten Moment nichts von dem, was nebenan passiert, außer dass ein Telefon läutet, jemand Blumen gießt oder Fernsehen guckt. Das eigentliche Interesse dient aber der Frage: Was passiert denn eigentlich an dem Ort, an dem sich Leser und Erzähler befinden?

Im vorliegenden Text würde ich mit dem letzten Satz des ersten Absatzes beginnen: »Auf dem Ast einer knochigen [bitte durch knorrigen ersetzen! Eichen haben keine Knochen.] Eiche saß ein Rabe und hielt Ausschau.«

Als Leser würde ich sofort wissen wollen: Wo steht die Eiche und was sieht der Rabe? Ob es Winter oder Sommer ist, ob es regnet oder die Sonne scheint, ist sekundär. Was zählt, ist die Erwartungshaltung und wie man sie brechen oder sogar übertölpeln kann.

Bardioc
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Re: Ratschläge bzw. Meinungen für den Anfang meines Thriller

von Bardioc (14.01.2015, 10:14)
"Das letzte Herbstlaub verließ die Baumkronen und gelegentlich ließ ein zarter Nachtfrost die flachen Regenpfützen gefrieren. Obwohl der Wind nur leicht wehte, brachte er eisige Kälte."

Herbstlaub verläßt die Baumkronen üblicherweise nicht, sondern fällt herunter. Natürlich kann man da auch anderes schreiben, aber "verlassen" paßt hier nicht ganz. Außerdem kommt im selben Satz nochmal ein ''ließ'' vor. ''Zarter Nachtfrost'' (Frost nur leicht unter Null?) ist zwar ein schöner Ausdruck, paßt aber nicht zu der ''eisigen Kälte'' (Temperatur weit unter Null?) im nächsten Satz. Ich bin kein Meteorologe, denke aber, daß leichter Wind und eisige Kälte nicht zusammenpassen.

"In diesen Tagen war es wichtig auf seine Vorräte zu achten, denn gelegentlich schlichen hungrige Diebe durch den Wald, die nur darauf warteten über eine unbewachte Höhle zu stolpern und diese bis auf die letzte Haselnuss auszuräumen. "

Wenn die Diebe nur gelegendlich durch den Wald schleichen (Tiere? Eichhörnchen?) dann ist es auch nicht vordringlich, auf seine Vorräte zu achten. Man stolpert auch nicht über eine Höhle, eher schon über einen Stock oder einen Stein.

" Sanft fielen einige Regentropfen vom Vortag aus den Bäumen."

Da es Frost hat, sind die Regentropfen gefroren und können nicht vom Baum fallen, und schon gar nicht sanft. Und selbst wenn es keinen Frost hätte, die Tropfen vom Vortag wären entweder schon längst runtergetropft oder das Wasser wäre einfach verdampft.

"In der Hoffnung ein paar Insekten unter der Rinde zu finden, kletterten einige Vögel auf den Stämmen umher ..."

Nun ja, es ist Nacht, und es ist kalt, da dürften keine Vögel (Spechte?) auf den Stämmen umherklettern. Die sollten jetzt in ihren Bauen sitzen und schlafen.

"An den Sträuchern hingen keine Beeren mehr, sämtliche Pilze waren verspeist und die Würmer tief in der Erde verschwunden."

Da müßte man mal raus in die Natur und prüfen, ob jemals alles so ratzekahl abgefressen wird und wie weit sich Würmer bei welchen Temperaturen zurückziehen.

"Manchmal fand sich noch der ein oder andere Käfer im Bodenlaub, was jedoch eher die Seltenheit war."

... was jedoch eher eine Seltenheit war ...

Manchmal -- eher selten -- fand sich noch der ein oder andere Käfer im Bodenlaub.

Manchmal fand sich noch der ein oder andere Käfer im Bodenlaub.

"Die Sonne begann zu dämmern."

Die Sonne dämmert nicht, sie geht auf, scheint, geht unter. Es dämmert.
Siehe unpersönliche Verben.

"Durch die kahlen Baumkronen dringend, schienen die rötlichen Strahlen auf den Waldboden. Sie zogen einen beinahe überirdisch wirkenden Schimmer durch die dunstige Spätherbstluft."

Spielt Dein Roman auf einem fremden Planeten? Unsere Sonne ist gelb/golden. In der Morgendämmerung sind eher noch keine Farben zu sehen, insbesondere wenn es Spätherbst/Winter und kalt und bewölkt bzw. dunstig ist.

"Die Vögel beendeten die teils erfolglose Futtersuche und verzogen sich in ihre Unterschlüpfe, wo sie die Nacht ausharrten, um sich in den frühen Morgenstunden wieder den täglichen Überlebenstätigkeiten zu widmen. Sie fürchteten die Dunkelheit – und den Frost, welchen diese mit sich brachte."

Weiter oben schreibst Du ''... der Wald ruhte leise ...", d. h. der Leser denkt, daß es bereits Nacht ist. Außerdem sprichst Du von Nachtfrost. Hier verziehen sich die Vögel erst in ihre Höhlen etc. Das Wort ''Unterschlüpfe'' kommt hier nicht gut, es mach durch den ungewohnten Plural die Stimmung kaputt.

Auch die "täglichen Überlebenstätigkeiten" stören die Stimmung. Ich denke mal, daß sie auch Dinge tun, die nicht unbedingt zum Überleben notwendig sind. Woher weißt Du, daß sie die Dunkelheit fürchten? Die Dunkelheit schützt vor vielen Freßfeinden, leider nicht vor allen.

"Nur einer nutzte die letzten Dämmerstrahlen – der Rabe. Auf dem Ast einer knochigen Eiche sitzend hielt er Ausschau."

Dämmerstrahlen? In der Dämmerung fehlt es eher an Sonnenstrahlen.

Nur einer nutzte die letzten Sonnenstrahlen, bevor die Dämmerung hereinbrach -- der Rabe.

Eichen sind knorrig, nicht knochig!

Thrilly
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Registriert: 13.01.2015, 17:05

Hi

von Thrilly (14.01.2015, 11:34)
Auch dir danke ich natrülich dafür, dass du dir die Zeit für eine Kritik genommen hast.
Einige Logikfehler sind tastsächlich vorhanden, jedoch sind auch manche deiner Behauptungen nicht zutreffend.
z.B können auch Regentropfen vom Vortag aus den Bäumen fallen, wenn es voher windstill war. Man kann natürlich über eine Höhle "stolpern"
Beispiel: "Ich stolperte gestern im Laden über diese tolle CD!" Hierbei ist das Stolpern nicht wörtlich zu nehmen.
LG: Alex

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Thomas Becks
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Wohnort: Ruhrgebiet

Re:

von Thomas Becks (14.01.2015, 15:22)
Hallo Alexander,
ich finde, Du schreibst für einen 16-Jährigen richtig gut. thumbbup
Mein Vorschlag wäre, erst einmal weiterzuschreiben. Sobald Du Dich selber in Deiner Geschichte perfekt auskennst, fällt es Dir leichter an den ersten beiden Seiten zu feilen.

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