Der unproduktive Rebell

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DerToteDichter
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Der unproduktive Rebell

von DerToteDichter (05.02.2008, 19:14)
Der unproduktive Rebell

Neun Monate hatte ich hier nun eingesessen, eine lange Zeit. Ständig Sitzungen und Fragen wie: „Und wie empfinden Sie das?“ oder: „Haben Sie öfter solche Phasen?“ Das auch noch jeden Tag kombiniert mit einer Ladung Tabletten und anderen Verrückten. Irgendwann habe ich dann begriffen, was man diesen Typen erzählen muss, damit man „geheilt“ ist. Und hier stehe ich nun und warte auf meinen Bruder, der mich hier abholt. Auf der Fahrt tauschen wir wie üblich nur Oberflächlichkeiten aus: „Wie läuft das Arbeit? Was macht Mama?“ Natürlich läuft alles gut, wer hätte es gedacht.
Zu Hause angekommen beziehe ich wieder meine alte Wohnung. Ich wohne immer noch zu Hause, was sich wohl auch nicht mehr ändern wird. Zumindest hatte ich aber einen abgetrennten Bereich zum übrigen Haus. Nichts hatte sich verändert, außer das es jetzt aufgeräumt war. Nachdem meine alten Habseligkeiten wieder verstaut waren, ging ich gleich zu meiner Mutter. Wir umarmten uns gegenseitig, doch das nahm ich gar nicht so wirklich war, das macht man eben so. Gern hatte ich sie trotzdem.
Ich ging erst einmal in mein Badezimmer, wo ich mich lange anstarrte. Früher hieß es, ich sei schön gewesen, aber das hatte sich geändert. Ich war abgemagert, hatte lange Dreadlocks und achtete auch sonst nicht mehr auf mein Aussehen. Wozu auch? Hatte das etwa einen Sinn? Viele Leute geben Millionen für Klamotten, Körperpflege, Parfums und Schmuck aus nur um Liebe von dem anderen, manchmal auch vom selben Geschlecht zu bekommen. Danach hatte ich mich auch einmal gesehnt, das lag aber lange Zeit zurück. Letzten Endes betrachtete ich mein Aussehen lediglich als Mittelfinger für die Gesellschaft, zahlreiche Tätowierungen bedecken meinen Körper, obwohl ich niemals mit solchen Leuten verkehren würde. Naja, das war ja jetzt auch egal. Doch wer ist dieses Gesicht wirklich. Langsam nähere ich meinen Kopf immer mehr diesem Gesicht, das ich nur manchmal wahrnehme. Wer ist das überhaupt? Würde ich mich mit so einem Looser anfreunden oder auch nur mit ihm verkehren? Aber das führt alles zu nichts, die Situation ist wie sie ist. Dabei hatte meine Zukunft eigentlich mal ganz gut ausgesehen. Vor zehn Jahren bestand ich das Abitur ohne große Mühe. Meine Lieblingsfächer waren auch schon immer Deutsch und Ethik gewesen. Also studierte ich Germanistik und Philosophie ohne wirkliches Ziel. Es machte mir einfach Spaß, mich diesen Themen auseinander zu setzen. Natürlich hoffte ich auch auf Antworten. Irgendwann ging das nur leider nicht mehr. Ich studierte und studierte ohne jegliches Ziel und brach, für alle Außenstehenden, aus heiterem Himmel ab. Es hatte für mich aber einfach nicht mehr seinen Zweck erfüllt. Ich konnte mit diesen Fächern keinen wirklichen Beruf ausüben und die Antworten auf meine Fragen gaben sie mir irgendwann auch nicht mehr.
Schon als Jugendlicher habe ich es geliebt, manchmal einfach inne zu halten und das Leben an mir vorbei ziehen zu lassen. Ich brühte mir einen Tee und stopfte mir eine Pfeife, endlich hatte ich diese scheinbar endlose Zeit hinter mir. Vor mich hinqualmend beobachtete ich die Stadt, die die vielen Häuser in unserer Gegend, mit einem Fernrohr die Fußgängerzone. Diese unermüdlichen Menschenmassen, die immer ruhelos sind und nicht einmal einen Grund haben, warum sie ihren sinnlosen Tätigkeiten nachgehen. So viele von ihnen sterben ohne je gewusst zu haben, warum sie leben. Dazu fiel mir gleich ein Zitat von Henry David Thoreau ein: „I went to the woods, because I wanted to live deliberately to front only the essential facts of life and see if I could not learn what it had to teach and not, when I came to die, discover that I had not lived.” Das habe ich auch mit allen Mitteln versucht, aber irgendwann eingesehen, dass es zu nichts führt. Die Jugend ist so voller Träume und Hoffnungen. Irgendwann merkt man dann, dass es keinen Sinn hat und geht irgendwohin in die Wirtschaft oder sonst ein stumpfsinniges System, um Geld zu verdienen. Das Ziel verlieren sie allerdings wieder aus ihren Augen und reden sich solche Ding ein wie: „Wer mit 17 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit über 40 noch so denkt, hat keinen Verstand.“. Absolut hohles Gerede und Selbstbelügung, weil man zu so jemandem geworden ist, den man eigentlich früher verachtet hat.
Unglücklicherweise bemerkte ich jetzt doch eine Veränderung in meinem Zimmer, nämlich das Fehlen jeglicher alkoholischer Getränke. Sie hatte sie also doch entfernt. Jetzt war es allerdings schon dunkel geworden und nichts hatte mehr offen. Wie dem auch sei, süchtig bin ich ja nicht, ich trinke nur gerne ab und zu, auch wenn das manche anders sehen. Außerdem war ich jetzt selbst ohne einen kleinen Schlaftrunk schon ziemlich müde geworden. Ich legte noch schnell alles beiseite und ging auch gleich schlafen, morgen war ja noch ein Tag.
Wieso stehe ich eigentlich auf, was ist der Sinn des ständigen Kampfes? Auf diese Antwort habe ich seit zwanzig Jahren immer noch keine Antwort gefunden.

Ein neuer Tag, ein neuer Kampf, eine neue Sinnlosigkeit. Irgendwie muss ich auch den wieder rum bringen. Wieder habe ich mich zwei Stunden in meinem Bett hin und her gewälzt, bis etwa gegen 10 Uhr meine Mutter hereinkam und sagt: „Nun steh schon endlich auf. Deine Depressionen sind doch kein Grund, sich ständig hängen zu lassen!“ „Ja ist gut.“, antwortete ich und stand auf. So jetzt erst einmal frühstücken. Ich ging also, wie jeden Morgen, in das Café meines Bruders und bestellt ein kleines Frühstück, warum, weiß ich nicht.
Eine Mutter mit ihrem Kind saß ein paar Tische von mir entfernt. In ihrem abschätzigen Blick las ich gleich die Worte: „Wieder einer dieser faulen Arbeitslosen, die nur abhängen und unproduktiv sind.“ Von einer erneuten Weltübelkeit übermannt nahm ich mir meinen Bernhard zur Hand und begann ein bisschen darin zu lesen. Der Wahnsinn seiner Personen und die Ausweglosigkeit darin haben mich schon seit ich 15 war angesprochen.
Damals stand mir die Welt noch offen. Ich wollte Germanistik studieren und dann irgendwie in einem Verlag unterkommen, doch daraus wurde nichts. Eines Tages bin ich aufgewacht und konnte einfach nicht mehr aufstehen. Wenige Tage später bin ich dann auch eingeliefert worden und mit Antidepressiva und Neuroleptika zu gefüllt. Jetzt, 6 Jahre später, hat sich immer noch nichts geändert.
Mittlerweile war es Abend geworden und es hatte sich immer noch nichts geändert. und ich musste noch ein wenig spazieren gehen. Früher ging ich oft mit einem Freund spazieren. Wir hatten viele Gemeinsamkeiten. Beide waren wir Befürworter der RAF, lasen viel und hörten dieselbe Musik. Irgendwann begann ich zu verstehen, dass auch das nichts bringt. Der Kommunismus ist eine Idealform, die in dieser Welt niemals bestehen kann, siehe Castro, China etcetera. Er saß mittlerweile im Gefängnis wegen Brandstiftung, Mord und so weiter. Die üblichen Terroristenverbrechen eben.
Als ich von meinem Spaziergang zurückkehrte musste ich auf einmal lachen. Ich konnte nicht mehr. Da stand mein Bruder im Schweiße seines Angesichts und machte mit meiner Mutter den Laden sauber: „Ihr Vollidioten müht euch euer ganzes Leben ab. Für nichts und wieder nichts.“ Ich konnte nicht mehr. Sie starrten mich nur an und eine unglaubliche Wut erfüllte mich. Ich hasse diese Welt. Wie die Ameisen rennen sie den ganzen Tag herum und schuften für nichts und wieder nichts! Ich packte einen Tisch und schleuderte ihn in meiner ohnmächtigen Wut aus dem Fenster hinaus auf die Straße und begann zu schreien gegen meine Ohnmächtigkeit. Die beiden flippten natürlich aus: „Wie kannst du nur?! Das ist doch ein riesiger Schaden!“ Doch ich konnte nicht aufhören und schmiss alles um mich, bis mein Bruder mich packte und meine Mutter sofort den Notdienst holte.
Doch ich konnte mich nicht beruhigen und schrie und lachte gleichzeitig. Wie konnten sie nur? Es führt doch zu nichts. Das gleiche würde mit dem Café sowieso geschehen, wenn sie tot sind. Dann kommen doch sofort neue Idioten.
Natürlich kam ich sofort auf die Geschlossene. Hier kannte ich mich ja schon aus. Doch auch den Pflegern konnte ich nur sagen: „Es führt doch zu nichts!“

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Judith
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Re:

von Judith (05.02.2008, 21:39)
Hallo "ToterDichter",

willkommen bei uns! Ich glaube, deine Schreiberei führt zu was. :wink:

Darf ich fragen, wie alt du bist? In - schätzungsweise - deinem Alter schrieb ich auch sehr kritische Texte. Ich denke mal, wenn man nicht einfach stur und angepasst seinen Weg gehen, sondern seinen eigenen finden will, dann ist das auch ein sehr wichtiger Prozess.

Viel Spaß hier im Forum wünscht
Judith

EDIT: Hab's gefunden. 18 1/2 und ehemaliger Basketballer. :wink:
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (08.02.2008, 17:52)
Da ist viel hineingepackt. Freue mich immer, wenn ich auf einen Text mit so viel Substanz stoße. Und die Form? Überzeugt mich im Wesentlichen auch. Nur könnten - falls Autor überhaupt Wert darauf legt - noch einige Verbesserungen bezüglich Zeichensetzung, Rechtschreibung und selten auch mal beim Stil erfolgen. Das berührt den Gehalt nicht, doch solche kleinen Dinge irritieren den geübten Vielleser unnötig.
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

Weitere Werke als eBooks unter http://www.bookrix.de/-arno.abendschoen gratis lesen und herunterladen!

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DerToteDichter
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Danke

von DerToteDichter (08.02.2008, 18:06)
Jo danke und schön, dass der Text euch gefallen hat. Natürlich bin ich auch für Verbesserungsvorschläge offen. Mittlerweile bin ich auch soweit, aus dem Text vielleicht ne längere Erzählung oder sogar nen Roman zu machen. Aber vielen Dank nochmal für eure Verbesserungsvorschläge!

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Claire
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Re:

von Claire (08.02.2008, 18:15)
Wow, ganz schön heftiger Text für jemanden deines Alters, aber auch echt gut! Für einen "totenDichter" machst du aber einen sehr lebendigen Eindruck.
Willkommen im Forum!

LG Claudia
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Jede Katze ist ein kleiner Druide! Sie leben im Hier und Jetzt. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen! Wir müssen ja nicht unbedingt schnurren.

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Vera Wolf
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Re:

von Vera Wolf (08.02.2008, 18:32)
Judith hat geschrieben:
Hab's gefunden. 18 1/2 und ehemaliger Basketballer. :wink:

Hm, und "Vor zehn Jahren bestand ich das Abitur ohne große Mühe."

Rechne nochmal nach, Judith! cheezygrin


Hallo TD,

Du hast einen fesselnden Erzählstil, soweit man das nach so einem kurzen Text sagen kann. Ob Dein bisher relativ kurzes Leben für einen Roman reicht, weiß ich nicht zu beurteilen, aber eine nette Erzählung kann es allemal werden.

Ich finde es beeindruckend, wie ehrlich Du schreibst, ohne Rücksicht auf Dich selbst. Du versuchst nicht, etwas zu beschönigen, Respekt!

Ich würde mich freuen, etwas mehr über Deine bewegende Geschichte zu lesen.

Vera Wolf
www.verawolf.liebe-lebenslust.de

Über Eintragungen der geneigten Leser in mein (neues) Gästebuch würde ich mich sehr freuen!

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DerToteDichter
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Hi

von DerToteDichter (08.02.2008, 19:13)
Nach den beiden Antworten muss ich nochmal unbedingt anmerken, dass der Text keinesfalls mein Leben ist. Es ist alles frei erfunden =)

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Vera Wolf
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Re:

von Vera Wolf (08.02.2008, 19:25)
OK, :oops:

dann finde ich Deinen Erzählstil immer noch fesselnd - den Rest vergiss einfach!

Vera Wolf
www.verawolf.liebe-lebenslust.de



Über Eintragungen der geneigten Leser in mein (neues) Gästebuch würde ich mich sehr freuen!

Weasel

Re:

von Weasel (11.02.2008, 18:57)
Ganz starkes Thema, und echt tolle Schreibe! Schreib den Roman! thumbbup

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arno63
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Re:

von arno63 (15.02.2008, 00:03)
Wow, da bin ich aber erstaunt über die Urteile zu diesem Text.

Es ist ja ganz ordentlich erzählt, aber "fesselnd"? Nee, nun wirklich nicht. Und einen Roman daraus machen und auch noch dazu ermutigen, sehr menschenfreundlich. Aber vielleicht eine gute Therapie in diesem Fall, möglich.

Ich glaube auch nicht, dass der Text fiktiv ist, wie der Autor behauptet, er erzählt seine wahre Geschichte, da sollte er schon ehrlich sein.
Es ist eine traurige Geschichte. Er ist ein Misanthrop, aus welchen Gründen auch immer. Er hasst das Leben und die Gesellschaft. Verurteilt alles als sinnlos.
Ein Grund ist nicht zu erkennen und das ist das Ausschlaggebende.
Sonst könnte ich´s verstehen.
Manche haben eine so dicke Haut, dass sie ohne Rückgrat aufrecht stehen können.

Weasel

Re:

von Weasel (15.02.2008, 12:22)
Der Grund kommt dann ja hoffentlich im Roman, Arno.

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (15.02.2008, 12:35)
Ich gebe zu, er hat autobiographische Züge, aber mein Vater lebt noch (tätig in der Wirtschaft) und meine Mutter ist Lehrerin, also so viel dazu. Ich bin auch nicht so aggressiv, dass ich irgendwo randalieren würde. Und als Misanthop würde ich mich auch nicht bezeichnen. Dass das Leben sinnlos und traurig ist, ist meine persönliche Meinung.

Thomas Bernhard hat beispielsweise viele Preise gewonnen mit seinen Schriften. Ich kann noch viele Namen aufzählen wie Franz Kafka etwa, die das Leben als sinnlos empfanden und dies zu Papier brachten!
Ich liebe diese Welt nicht. Ich liebe sie ganz entschieden nicht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, widert mich an. (Houellebecq)

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arno63
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Re:

von arno63 (15.02.2008, 23:12)
Hallo, Toter Dichter

Nicht dass du mich falsch verstehst, es ist keine Polemisierung gegen deine Schreibe, auch nicht in meinen etwas scharfen Antworten hier und auf deine „Gedichte“. Ich schreibe einfach wie ich denke und möglicherweise ist das bei einem noch jungen Autoren wie du etwas zu bissig, kann sein. Ignoriere einfach meine Meinung, wenn du willst, und geh deinen Weg.

Ich bin nur schockiert (und auch etwas verärgert) über deinen Nihilismus in diesem Alter von kaum 20 Jahren. Gibt es denn triftige Gründe für diese Haltung?
Ich vermute, du bist recht behütet aufgewachsen, dein „Idol“ Thomas Bernhard hatte aber so vernichtende eigene Erlebnisse in seiner Jugend, dass er zu dem Schluss kam: Wenn wir ein Ziel haben,..., ist es der Tod. Er sah den Sinn der Existenz im Tod. Ein m. E. völlig hirnrissiges Paradoxon, aber psychologisch verständlich aufgrund seiner Lebenserfahrung.
Ist denn deine Lebenserfahrung entsprechend? Ich bezweifele es.

Vielleicht interpretierst du ja gewisse eigene Lebensumstände überdimensioniert als berechtigt für eine ähnliche negative Lebenseinstellung, aber du musst dich davor hüten, dass in Ermangelung wirklich existenzieller und begründender Erfahrung diese Haltung zur bloßen gewollten und fiktionalen Attitüde wird. Dann erscheinen Texte als blutleer, könne aber natürlich bei guter Kreativität für naive Lesern einen authentischen Eindruck erwecken.

Es geht mir um die Lebenserfahrung, die du sehr wahrscheinlich noch nicht hast. Deshalb vermute ich, dass du eine unrealistische und gewollte Attitüde aufbaust, sowohl in dem vorliegenden Text als auch in deinen „Gedichten“. Ich merke die Künstlichkeit ohne eigene Erfahrung und existentielle Betroffenheit – hier und besonders in deinen Gedichten.

Nein, du bist nicht aggressiv in deinen Antworten im Forum, ganz und gar nicht, eher zu sanft. Ich hätte mich da vehementer verteidigt. Du siehst vieles ein, steckst zurück, eigentlich sympathisch.

Ich empfinde aber deine Blut- und Vernichtungsgedichte als „dichterische“ Attitüde im Fahrwasser von Bernhard. Deinen Text hier empfinde ich als Projektion deiner mittelfristigen Zukunft, hoffe aber, dass dich ein glückliches Ereignis zu einer positiveren Sicht des Lebens führt.
Manche haben eine so dicke Haut, dass sie ohne Rückgrat aufrecht stehen können.

julia07
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Re:

von julia07 (16.02.2008, 08:02)
Arno drückt das, was ich bei Deinen Texten durchgehend empfinde, sehr genau aus.

Auch wenn Du möglicherweise einen guten Grund für eine derart negative Lebenseinstellung hast, solltest Du diese nicht auch noch hoch leben lassen. In einem so jungen Alter ist das sehr gefährlich und so mancher hat sich dadurch den Weg in eine anderer Richtung verbaut.
Um solchen Stimmungen zu entrinnen, muss man nicht unbedingt denen nacheifern, die damit ebenfalls nicht wirklich glücklich wurden.
Es gibt unzählige Gegenbeispiele, wie schön das Leben auch erlebt werden kann...

Think positive thumbbup

LG,
Julia

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (16.02.2008, 12:52)
Danke für eure beiden Antworten. Stimmt, ich bin relativ behütet aufgewachsen und es kann sein, dass ich mic zu stark mit Thomas Bernhard identifiziere. Die Kindheit wie er hatte ich jedenfalls nicht. Meine Meinung zum Leben kann vielleicht noch geändert werden, im Moment denke ich halt eher so. Ich versuche aber, demnächst etwas positiver zu denken und zu schreiben, mal schaun, was mich so inspiriert =) Aber vielen Dank nochmals für eure Mühe!

Grüße,
Philipp
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