Allgemeine Barrierefreiheit auf der Website

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Kleffi
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Allgemeine Barrierefreiheit auf der Website

von Kleffi (06.05.2015, 17:42)
Barrierefreiheit für Screenreader
Liebes Forum,
auch an dieser Stelle vielen Dank für eure herzlichen Willkommensworte.
Da Matthias bereits Interesse an Informationen zum Thema Barrierefreiheit im Internet signalisiert hat, möchte ich hier ein paar Zeilen zu diesem Thema schreiben.
Hochgradig sehbehinderte und blinde Menschen haben die Möglichkeit mit Hilfe eines Screenreaders den Text des Computermonitors technisch lesen zu lassen. Sie nutzen dabei ihr Gehör und oder den Tastsinn. Die computerstimmen werden von den meisten Späterblindeten gerne genutzt, da viele kaum oder keine Blindenschrift beherrschen. Zu dieser Gruppe gehöre auch ich. Wer von klein auf eine gute blindentechnische Ausbildung genossen hat, beherrscht die Blindenschrift, die auch Punktschrift und fachlich korrekt Braille-Schrift genannt wird. Die Braille-Schrift besteht aus erhabenen Punkten, die ähnlich den Punkten eines Würfels zugeordnet sind. Sie lassen sich mit der Fingerkuppe ertasten. Für Computer gibt es eine Braille-Zeile, auf der die Texte des Monitors in Blindenschrift übertragen und für den Nutzer lesbar werden. Mit Hilfe dieser elektronischen Zeile können blindentechnische Spezialisten weit über die Möglichkeiten des Screenreaders hinaus, tief in die Geheimnisse der Informatik eindringen.
Das Gerücht, dass auf den Mohnbrötchen versteckte Botschaften zu ertasten sind, hat sich übrigens nicht bestätigt.
Zurück zum Bild einer Website.
Sehende erfassen auf einen Blick die gesamte Struktur des Monitorbildes. Wer dort mit einem Screenreader ankommt, erlebt eine Punktlandung. Man stelle sich einen Fallschirmspringer vor, der mit verbundenen Augen mitten in einem dichten Märchenwald landet. Auch wenn er nun die Augenbinde herunternimmt, so sieht er nur die nächsten Bäume. Er kann nicht überschauen, wie groß dieser Wald ist und in welcher Richtung die für ihn wichtigsten Bereiche liegen.
Die Navigation eines Screenreaders ist nur über Tasten und Tastenkombinationen möglich. So hatte einst die Computeranwendung ohne Maus begonnen und funktioniert immer noch. Das heißt, der blinde Besucher der Website benutzt als Erstes die Tab-Taste und hört sich mit Hilfe der Computerstimme jeden einzelnen Link an. Das ist bei umfangreichen Seiten zeitraubend. Hat man sich dann mit „enter“ für einen Link entschieden, fängt das Spiel wieder von vorne an, bis man endlich den Inhalt erreicht, der im Link-Titel angegeben war.
Gute barrierefreie Seiten bieten direkt zu Anfang einen Link mit dem Titel „Zum Inhalt springen“ an. Dieser sehr nützliche Link täte dieser Website ebenfalls gut.
Mit dieser Hilfe erreicht auch der blinde Nutzer direkt sein gewähltes Thema.
Auch Überschriften sind hilfreich, da gute Screenreader eine Funktion bieten, mit der man eine Überschriftenliste erstellen lassen kann. Auch damit kommt man direkt zum Inhalt.
Die Inhalte werden mit den Pfeiltasten Zeile um Zeile durchwandert. Lange Textfelder können auch fließend vorgelesen werden. In diesem Fall spricht die Computerstimme keine Interpunktion mehr aus, sondern der Text wird mit ordentlicher Betonung gelesen. Das heißt, die Stimme hebt sich bei einem Komma und senkt sich am Satzende.
Die Designer für diese Website waren nicht untätig und haben bereits auf eine gewisse Barrierefreiheit geachtet. Zum Beispiel ist es doch sehr interessant gewesen, als ich zum ersten Mal eure lange Liste mit Smileys durchwandert habe. Für jeden dieser Smileys ist im Hintergrund eine englische Bezeichnung hinterlegt. Zum Beispiel „happy“, „Cool“ oder „sad“. Meine Frau, die sehend ist, war an dieser Stelle völlig überrascht, als ich sie kurz mal an den Monitor geholt hatte. Für Sie waren die Namen dort gar nicht sichtbar. Nur die Smileys schauten sie an. In dieser Rubrik höre ich also etwas, was ihr nur seht.
Selbst html-Fenster können mit der
Funktionstaste f6 erreicht werden. Dort angekommen, ist die Navigation sehr begrenzt.
Auf barrierefreien Websites sind selbstverständlich auch Bilder zu sehen. Um blinden Menschen diese näher zu bringen, werden sie wie bei den oben genannten Smileys mit Beschreibungen hinterlegt. Da meine Tochter selbstständige Kommunikationsdesignerin ist und meine Homepage pflegt, hat sie dort einige Bilder entsprechend ausgestattet.
Zusammenfassend gesagt: Kleine Websites mit wenigen Links lassen sich von den meisten Screenreadern gut navigieren und lesen. Größere Seiten sollten wenigstens Überschriften enthalten. Umfangreiche Websites müssen zu Anfang den Link „Zum Inhalt springen“ besitzen. Eine ordentliche Struktur sollte selbstverständlich sein.
Ferner gilt die Regel: Je bunter, umso komplizierter!
Weniger ist oft mehr!
Damit es für euch nicht zu langweilig wird, möchte ich diese Materie nicht vertiefen. Aber wer weitere Fragen dazu hat, kann mich jederzeit ansprechen.
Ich freue mich auf eine fröhliche, kreative und informative Kommunikation. Herzliche Grüße aus Hattingen, Dieter

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (06.05.2015, 20:17)
Vielen Dank für die ausführlichen Tipps.

Du schreibst: "Je bunter, umso komplizierter! Weniger ist oft mehr!" (Zitat Ende) Ich empfinde das selbst auch so, obwohl ich keine Sehbehinderung habe. Überladene Seiten, bei denen man das Menü erst mühsam suchen muss, gehen mir auf die Nerven, und ich mag auch keine Videos, die automatisch starten, weil ich mich dadurch als Nutzerin fast entmündigt fühle. Eine spartanische, übersichtliche Seite kann, wenn man sich bei der Farbwahl und der Gestaltung Mühe gibt, sehr ansprechend wirken.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Judith
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Re:

von Judith (08.05.2015, 21:13)
Hallo Dieter,

vielen Dank für die Infos, die für mich interessant sind, zudem ich ein Buch mit einem blinden Protagonisten geschrieben habe. Allerdings habe ich deinen Text nicht ganz geschafft zu lesen, da er mich als mäßig Sehende aufgrund fehlender Leerzeilen bei Abschnitten überfordert.

Grüßle
Judith
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