Pyrrhussieg

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matzinge
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Pyrrhussieg

von matzinge (24.08.2015, 15:25)
Hallo zusammen,

ich schreibe gerade an meinem ersten Buch und würde euch gerne das erste Kapitel vorstellen. Thema des Buches ist im Grunde ein Querschnitt durch eine fiktive Stadt, für die mir noch ein Name fehlt. Das bedeutet, dass gesellschaftliche Probleme, wie sie auch in unserer Gesellschaft aktuell die Nachrichten bestimmen, aus unterschiedlichen Perspektiven bzw. sozialen Schichten/Berufsgruppen/politischen Lagern etc dargestellt werden und diese in der Handlung untereinander interagieren, bis sie letzten Endes in einer großen Konfrontation aufeinandertreffen.

Im ersten Kapitel werden die Grundthemen, die die fiktive Gesellschaft gerade beschäftigen, von zwei Protagonisten in einem Gespräch skizziert, damit der Leser eine Vorstellung davon bekommt, in welche Welt er da eintaucht. Es soll ein Überblick über die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Atmosphäre in der fiktiven Stadt geschaffen werden.

Mich würde interessieren, wie das Gelesene auf euch wirkt und ich bin natürlich auch an Verbesserungsvorschlägen interessiert. Insgesamt ist es mir schwergefallen so viel Information in möglichst wenig Text zu fassen und ich denke, dass man es diesem Kapitel auch noch anmerkt.

matzinge
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Hier nun also das erste Kapitel

von matzinge (24.08.2015, 15:27)
Pyrrhussieg

Die Chefredakteurin und der Bürgermeister, INNENSTADT

In einer Welt, weniger als einen Millimeter von der Erde entfernt, sitzt der Bürgermeister einer Stadt in seinem Büro und wird von einer aufstrebenden Chefredakteurin interviewt.

„Herr Bürgermeister, ich wollte mich zunächst dafür bedanken, dass ich Sie interviewen darf.“
„Sie sind zu bescheiden Frau Bell. Wenn ich der größten Tageszeitung der Stadt ein Interview verweigere, werde ich eine Woche lang auf der Titelseite sprichwörtlich in der Luft zerrissen.“
„Ich habe nicht vor Sie in der Luft zu zerreißen.“
„Das freut mich zu hören. Vergeben Sie einem alten Mann bitte dennoch seine Skepsis. Ich habe schon mit vielen Journalisten von ihrer Zeitung zu tun gehabt.“
„Ich bin nicht wie die anderen Journalisten.“
„Ich bin auch nicht wie die anderen Politiker. Das habe ich vor meinem Amtsantritt zumindest gedacht. Und davor dachte ich, nicht wie die anderen Anwälte zu sein. Heute denke ich, dass jeder glaubt einzigartig zu sein und frage mich, ob Einzigartigkeit als Massenphänomen über-haupt existieren kann.“
„Der Glaube an die eigene Einzigartigkeit ist ein Massenphänomen. Jeder Mensch glaubt ein-zigartig zu sein und unterscheidet sich somit nicht von der grauen Masse. Wahre Einzigartig-keit erkennt man an Taten. So hebt man sich von den anderen ab und darin unterscheiden wir beide uns. Geben Sie mir etwas Zeit in meinem neuen Beruf als Chefredakteurin und Sie wer-den sehen, dass ich nicht wie die anderen Journalisten schreibe und die TILT in einem neuen Licht präsentieren werde, wie Sie es vielleicht nicht erwarten würden. Ich kenne nämlich den Unterschied zwischen Information und Entertainment. Sie hingegen glauben anders als alle Bürgermeister vor Ihnen zu sein, verhalten sich jedoch genauso wie ihre Vorgänger.“
„Ich nehme an, Sie sprechen von meiner Verbindung zu SüdstadtOil?“
„Ein sehr mächtiger Verbündeter, mit dem Sie da das Bett teilen?“
„Mächtige Verbündete sind von Natur aus besitzergreifende Geliebte. Sie teilen nicht gerne.“
„Warum sind Sie dann diese Verbindung eingegangen?“
„Sie haben mir dabei geholfen den größten Fall meines Lebens zu gewinnen.“
„Der Sieg über die RKSP, die Rechtskonservative Stadtpartei. Sie sprechen von dem Verbots-verfahren gegen diese Rechtsradikalen, weswegen die ganze Stadt noch immer in ihrer Schuld steht. Dem Sieg in dem Verbotsverfahren verdanken Sie ihren Job als Bürgermeister.“
„Niemand steht in meiner Schuld, aber dass der Sieg mir bei der Wahl zum Bürgermeister sehr geholfen hat, bestreite ich auch nicht. Es war einfach an der Zeit zu beweisen, dass für eine rechte Ideologie und Menschenhass in einer Demokratie kein Platz ist. Die Informationen, die SüdstadtOil mit Hilfe des konzerneigenen Geheimdiensts gegen die RKSP gesammelt hatte, haben dazu geführt, dass der Partei fremdenfeindliche Gewaltverbrechen nachgewiesen werden konnten und waren der entscheidende Beweis im Verbotsverfahren. Die Parteispitze um Reiner Pohl, Gerd Barde und Otto Warnke sowie dem Schatzmeister Bollner waren nachweislich Auftraggeber rassistisch motivierter Morde in zwölf Fällen. Ich habe damals abgewogen und entschieden, dass der Verlust der politischen Präsenz für die rechte Ideologie, die zu solchen Taten bereit war, für die Demokratie in dieser Stadt wichtiger war, als meine Bedenken über den Konzern, der uns diese Informationen beschaffen konnte.“
„Aus damaliger Sicht ist diese Entscheidung durchaus nachvollziehbar. Heute ist dieser Kon-zern allerdings wieder in aller Munde. Seit nunmehr knapp zwei Jahren ist bekannt, dass die Erdölressourcen des gesamten Planeten in fünf Jahren vollkommen aufgebraucht sein werden. Auf den Erdölfeldern wird es keinen Rohstoff mehr geben, der gefördert werden könnte und wir werden den Planeten dann, wie Blutegel, gänzlich ausgesaugt haben. Der Ausbau von Techniken für die Förderung von erneuerbaren Energien wurde eben von solchen Konzernen wie SüdstadtOil vernachlässigt, weil damit zu hohe Kosten und entsprechend zu niedrige Ge-winne verbunden waren. Nur fünfzehn Prozent unseres Verbrauchs werden durch erneuerbare Energien gedeckt. In fünf Jahren müssen es hundert Prozent sein. Wir steuern auf eine welt-weite Krise zu, deren volles Ausmaß noch gar nicht abzusehen ist.“
„Die Tatsache, dass die Ölreserven nur noch so wenige Jahre ausreichen, war auch für die Forschungsabteilung von SüdstadtOil ein absoluter Schock. Man war dort – wie überall auf der Welt auch – von weiteren fünfzig bis hundert Jahren ausgegangen, in denen die Erdölför-derung, wie wir sie kennen, noch bestehen könnte.“
„Nun besteht mittlerweile allerdings aus wissenschaftlicher Sicht kein Zweifel mehr, dass die Zahlen stimmen. Mehrere unabhängige Forschergruppen in Instituten auf der gesamten Welt haben das untersucht und konnten bestätigen, dass die Erdölreserven unseres Planeten in der Vergangenheit ganz offensichtlich überschätzt wurden. Wie geht es jetzt weiter?“
„Kurzfristig müssen wir es schaffen, den Bürgern zu vermitteln, dass Öl und Benzin einge-spart werden muss und mittlerweile zu einer äußerst begrenzten Ressource geworden sind. Deswegen haben wir das Kraftfahrzeugverbot an den Wochenenden eingeführt, gegen das anfangs so heftig protestiert wurde. Langfristig müssen wir den Umschwung auf erneuerbare Energien unterstützen und zwar so schnell es geht. Das wird einer der Schwerpunkte auf der Erdöl-Konferenz im Zentrum für Politik, Kultur und Geist in der Innenstadt sein.“
„Das Fahrverbot an den Wochenenden ist mittlerweile unter den Bürgern weitestgehend ak-zeptiert. Gegen einen Umschwung in der Energiepolitik wehrt sich aber gerade SüdstadtOil. Der Sieg im Verbotsverfahren gegen die RKSP hat innerhalb der Bevölkerung zu einer großen Zustimmung der Methoden des Konzerns geführt. Dass SüdstadtOil über eigene Spezialkräfte sowie einen weltweit operierenden Geheimdienst verfügt, wird von vielen Bürgern dieser Stadt geduldet, solange sie diese Ressourcen im Sinne der Stadt verwenden, wie zum Beispiel im Kampf gegen Rechtsextremismus. Es wird allgemein als Mittel zum Zweck anerkannt. Die Stimmen häufen sich allerdings, nach denen SüdstadtOil es drauf ankommen lassen will. Der Krieg im Nahen Osten um die größten Erdölfelder, die noch die langfristigsten Förderungen garantieren können, spielt dem Konzern da in die Karten.“
„Ich denke, dass die Bevölkerung die Mentalität es Konzerns sehr gut einschätzen kann. Wir alle sind dem Geheimdienst, SOG, dankbar für die Informationen, aber das bedeutet keinen Freifahrtschein. Andererseits glaube ich auch nicht, dass auch nur ein Mitarbeiter von SüdstadtOil das gutheißt, was gerade in den Ländern im Nahen Osten geschieht. Wir alle sind von den Bildern, die wir in den Nachrichten sehen, geschockt. Der Krieg muss so schnell es geht beendet werden. Das ist das wichtigste Ziel der Konferenz in drei Wochen.“
„Das haben Sie schön gesagt. Ich will aber doch noch einmal nachharken. Wenn SüdstadtOil sich in die militärische Auseinandersetzung einschaltet und sie aufgrund ihrer nahezu unbe-grenzten Möglichkeiten auch für sich entscheidet, bauen sie sich ein weltweites Monopol auf die begehrteste begrenzte Ressource der Welt auf. Der Erdölpreis wird in den kommenden Jahren ins Unvorstellbare steigen und sie werden auf der gesamten Welt die einzigen sein, bei denen man Erdöl und Benzin kaufen kann. Weil das Öl für die moderne Zivilisation so wich-tig ist wie das Blut für den Menschen, werden, trotz der Monopolisierung, die Länder Schlan-ge stehen und bei SüdstadtOil Öl kaufen. Und sie werden jeden Preis bezahlen. Kartellämter werden gegen diesen Konzern machtlos sein. Das verschafft ihnen auch gleichzeitig sowohl einen zeitlichen als auch einen finanziellen Vorsprung bei dem Ausbau der Techniken für erneuerbare Energien und die Möglichkeit, die Umstellung solange wie möglich nach hinten zu ziehen.“
„Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir auf der Konferenz im Zentrum für Politik, Kul-tur und Geist eine friedliche Lösung finden. Es darf zu keinem Monopol auf Erdöl kommen, weder durch SüdstadtOil noch durch internationale Konkurrenzunternehmen. Der Krieg tobt bereits seit fast zwei Jahren im Nahen Osten. Unzähliges Leid über Millionen Menschen ist die Folge. Das muss ein Ende haben.“
„Ich denke, dass sehen wir alle so. Aber wie wollen Sie einen solchen riesigen Konzern, der von dem Krieg profitiert, zum Frieden überreden?“
„Indem ich sie davon überzeuge, dass auch im Frieden Profit erzielt werden kann.“
„Große Worte.“
„Auf große Worte, folgen große Taten, sagt man doch.“
„Sagt man das?“
„Ich glaube schon.“ Der Bürgermeister lächelte zum ersten Mal.
„Mit welchen großen Taten wird die Stadt der ansteigenden Flut der Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet Herr werden? Der Krieg hat Millionen Menschen dazu gezwungen ihr Land zu verlassen und zu fliehen.“ Die Chefredakteurin beobachtete zufrieden, wie das Lächeln auf den Lippen des Bürgermeisters verschwand.
„Der Bau für das Flüchtlingszentrum hat begonnen. Wir werden Menschen, die alles verloren haben, nicht kaltblütig im Stich lassen. Nicht solange ich Bürgermeister bin.“
„Aber es dauert Monate bis die ersten Gebäude des Flüchtlingszentrums bezogen werden können und die endgültige Fertigstellung des Zentrums, das die Größe eines eigenen Dorfes haben wird, ist erst in knapp zwei Jahren zu erwarten. Was machen wir bis es soweit ist?“
„Seit sich in den letzten Wochen durch die Übernahme einer Raffinerie im Schach-i-Kut Tal durch die Aufständischen der Krieg vor Ort so drastisch verschärft hat, strömen die Asylbe-werber täglich zu hunderten vor allem in die Südstadt. Wir registrieren sie in den Erstaufnah-mestellen und bringen sie in sogenannte Übergangszentren unter. Die Flüchtlinge haben alles, was sie brauchen. Es gibt Strom und Wasser und durch Spenden und Steuergelder finanziertes Essen. Die Dinge, die diese Menschen erlebt haben, sind an Grausamkeit nicht zu übertreffen und es ist unsere Pflicht, Solidarität zu zeigen und alles in unserer Macht stehende zu tun, um zu helfen.“
„Das sieht leider nicht jeder so. Ich spreche von den sich häufenden Gewaltverbrechen in der Südstadt gegen Flüchtlinge. Das Verbotsverfahren gegen die RKSP hat die Parteispitze ins Gefängnis gebracht und die Partei selbst von der politischen Landkarte getilgt, aber die einfa-chen Mitglieder laufen noch frei herum und verbreiten Fremdenhass, Intoleranz und ihre rechtsradikalen Parolen. Was unternimmt die Stadt gegen die neuaufgekommene Welle an politischer Gewalt?“
„Das ist ein großes Problem. Die Auseinandersetzungen zwischen den Rechts- und Linksext-remisten im Untergrund nehmen fast schon straßenkriegsähnliche Zustände an. Mit dem An-schlag mit Molotowcocktails auf das Rathaus letzte Woche scheint längst noch nicht die Spit-ze erreicht. Wir verstärken in der gesamten Stadt die polizeiliche Präsenz, die Ermittlungsar-beiten laufen auf Hochtouren. In beiden Lagern scheinen sich Splittergruppierungen im Un-tergrund entwickelt zu haben, die in Straßenkämpfen gegeneinander kämpfen, aber auch Sachbeschädigung und Angriffe auf Dritte, wie zum Beispiel Asylbewerbern, häufen sich. Wir müssen die Standorte im Untergrund, in denen sich diese Splittergruppen sammeln und von wo aus sie ihre Gewalttaten planen und umsetzen, aufspüren und die Täter festnehmen. Die Polizei hat für dieses Unterfangen Sondereinheiten gebildet, die einzig das Aufspüren dieser Gruppierungen zum Ziel haben.“
„Die Angriffe auf Asylbewerber sind in erster Linie der rechten Szene zuzuschreiben. Das Verbotsverfahren hat die rechte Ideologie wohl doch nicht aus der Stadt getrieben?“
„Das habe ich auch nie behauptet. Wir haben ihnen nur jede Möglichkeit, politisch tätig zu werden, genommen.“
„Und das sollten wir als Erfolg ansehen. Dennoch fasse ich einmal die momentane Lage unserer Stadt beziehungsweise Ihre aktuelle Situation als Bürgermeister zusammen. Sie haben sich, um den Rechtsextremismus aus der Stadt zu vertreiben, mit einem unberechenbaren Monster von einem Konzern ins Bett gelegt und mit dessen Hilfe einen als heroisch gefeierten Sieg errungen. Dieser Sieg hat dem Konzern den nötigen Rückhalt und vielleicht auch etwas Zustimmung in der Bevölkerung verschafft, sodass er nun möglicherweise einen Krieg führen kann, mit dem er Milliardengewinne im Zuge der Errichtung eines Monopols auf die begehr-teste Ressource der Welt erzielen wird. Dann war der Sieg kein vernichtender Sieg, denn der rechtsradikale Mob sammelt sich irgendwo im Untergrund unserer Metropole und führt dort einen Kampf gegen Linksextremisten und alle anderen ideologischen Feindbilder und schä-digt in Folge dessen vor allem die wehrlosesten Mitglieder unserer Stadt. Dieser Sieg hat ihnen zwar den Weg in das Rathaus geebnet, aber die politischen Feinde der Demokratie nicht ausreichend geschwächt und darüber hinaus einem profitgeilen Global Player so etwas wie einen Freifahrtschein für die Hintergehung der Prinzipien von Moral, Solidarität und Nächstenliebe in die Hände gespielt. Würden Sie mir also zustimmen, wenn ich folgendes festhalte: Noch so ein Sieg und wir sind verloren?“

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Formatierung

von matzinge (24.08.2015, 15:30)
Durch das Kopieren haben sich einige Bindestrichfehler eingeschlichen und auch das, was vorher kursiv geschrieben war, ist es jetzt nicht mehr. Ich entschuldige mich dafür und hoffe, dass es den Lesefluss nicht zu sehr stört.

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Re: Pyrrhussieg

von Bärentante (25.08.2015, 02:05)
matzinge hat geschrieben:
Insgesamt ist es mir schwergefallen so viel Information in möglichst wenig Text zu fassen ...


Wenn es für Dich nicht leicht war und Du Zweifel daran hast, warum hast Du es denn dann so geschrieben?

Du schreibst zum Thema des Buches: Querschnitt durch eine fiktive Stadt.
Was soll es denn werden? Gesellschaftskritischer Roman, Sachbuch, SF ...
Liebe Grüße
Christel

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Keine Zweifel

von matzinge (25.08.2015, 09:34)
Danke für die erste Antwort.

Ich würde nicht sagen, dass ich Zweifel daran habe, sondern wollte lediglich mit dem Satz darauf aufmerksam machen, dass ich mir der Tatsache bewusst bin, dass es schwierig ist viel Informationen, die für das Verständnis notwendig sind, kompakt zusammenzufassen, ohne dass der Eindruck entsteht, dass man von der Last der Infos erdrückt wird, wenn man es liest. Das hat nichts mit Zweifeln zu tun, sondern wird von mir viel mehr als Herausforderung oder als Möglichkeit mich zu verbessern angesehen. Deswegen habe ich den Text hochgeladen. Es wäre gut Feedback zu bekommen, welche Informationen konkret rausgenommen werden können, um das Gespräch verständlicher zu gestalten.

Das Buch kann man als gesellschaftskritischen Thriller bezeichnen.

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Re: Hier nun also das erste Kapitel

von Bärentante (25.08.2015, 12:52)
Ok, vielen Dank für die Info.
Der Roman spielt in einer fiktiven Stadt in einer anderen Welt. Dafür beziehst Du Dich meiner Meinung nach aber zu oft auf die bestehende Welt (weltweite Krise, Naher Osten). Dann ist es eigentlich doch wieder unsere Welt.

Als lebendiges Interview empfinde ich den Text nicht. Der Informationsstand der Partner ist zu ausgeglichen. Ein Aufhänger für das Interview kommt nicht raus. Beide schildern die Verhältnisse, wobei es manchmal schwierig auszumachen ist, wer gerade spricht. (Das Lächeln des Bürgermeisters, das dann verschwindet, das sind gute Ansätze. Davon würde ich mir mehr wünschen. Aufstehen, Brille hochschieben, Beine übereinanderschlagen, unterbrechendes Telefonat, wobei es um einen der Gesprächspunkte geht, da gibt es doch so viele Möglichkeiten.)

Konkret zum Anfang:

matzinge hat geschrieben:
Die Chefredakteurin und der Bürgermeister, INNENSTADT

In einer Welt, weniger als einen Millimeter von der Erde entfernt, sitzt der Bürgermeister einer Stadt in seinem Büro und wird von einer aufstrebenden Chefredakteurin interviewt.

„Herr Bürgermeister, ich wollte mich zunächst dafür bedanken, dass ich Sie interviewen darf.“
„Sie sind zu bescheiden Frau Bell. Wenn ich der größten Tageszeitung der Stadt ein Interview verweigere ...


Die beiden handelnden Personen kommen im Text rüber. Wenn es also nicht dem Buchaufbau widerspricht, könnte man die Überschrift weglassen. (Innenstadt scheint Dir wichtig zu sein. Das Interview findet im Rathaus statt, das meist in der Innenstadt liegt, man kann also auch das vom Text her ableiten.)
In einer Welt, weniger als einen Millimeter von der Erde entfernt ... Das ist natürlich ein heftiger Einschub, über den man schon etwas nachdenken muss. Nicht übel, aber leider die einzige "neue" Aussage des Satzes.
... sitzt der Bürgermeister (das kommt gleich in der Anrede wieder) einer Stadt (dass es kein Dorf ist, kann man ableiten aus der größten Tageszeitung der Stadt) in seinem Büro (eigentlich unwichtig, dass es im Rathaus ist, wird ja später erwähnt) und wird von einer aufstrebenden (ich bin nicht so fit im Zeitungswesen. Aber wenn sie Chefredakteurin ist, ist sie doch schon recht hoch in der Hierarchie) Chefredakteurin (dass sie keine einfache Journalistin ist, kommt später im Text) interviewt (das weiß man aus den beiden folgenden Sätzen).
Somit sind fast alle Aussagen doppelt. Das ist überflüssig, denn ein Leser denkt mit.

Dies nur als kleines Beispiel.
Und natürlich schreibe ich hier nur meine unmaßgebliche Meinung.

Die Kommasetzung muss noch nachgearbeitet werden. Auf Anrede achten, also z.B. Ihren Job als Bürgermeister, und es heißt: nachhaken :wink:
Liebe Grüße
Christel

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Re:

von matzinge (26.08.2015, 11:27)
Danke für die Kritik!

Andere Welt bedeutet nicht Science Fiction oder Fantasy, sondern ist im Sinne der Viele-Welten-Theorie zu verstehen, nach der es unendlich viele parallele Welten gibt, in denen jede nur erdenkliche Möglichkeit eines Universums realisiert sind. D.h. nach der Theorie gibt es Welten, die unserer bis auf wenige Ausnahmen exakt gleichen. Um das Buch im gesamten zu verstehen, muss der Leser das aber nicht wissen. Es unterstreicht nur auf eine etwas abstraktere Art, dass es sich um eine fiktive Welt handelt.

Die Begriffe Naher Osten, Stadt etc. sind momentan noch Platzhalter, weil mir dafür noch nichts Besseres eingefallen ist, was nicht nach Science Fiktion oder Fantasy klingt. Das hätte ich vorher anmerken müssen!

Der Grund, aus dem ich in diesem Dialog auf erklärende Sätze nach der wörtlichen Rede (aufstehen, Brille richten etc.) verzichtet habe, war, dass ich mir davon eine höhere Dynamik im Gespräch erhofft hatte. Das ist aber Käse, weil das Gespräch dafür zu komplex ist und ich habe das bereits geändert. So etwas macht nur Sinn, wenn die Wortwechsel sehr kurz sind und die Personen bereits bekannt, sodass man leicht erkennt, wer gerade spricht. Deswegen verstehe ich die Kritik hier voll und ganz.

Die Überschriften weglassen würde leider dem Buchaufbau wiedersprechen :D

Ich hatte irgendwann mal gelesen, dass man ihr auch als Anrede kleinschreiben kann, stimmt aber nicht. Hast du ebenfalls vollkommen recht.

Danke für die Kritik. Sie hat mir bereits sehr geholfen und ich werde dieses Kapitel auch entsprechend noch gehörig überarbeiten!

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