Sexismus-Suessmix

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Anja neu
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Re:

von Anja neu (24.03.2016, 21:51)
Guten Abend,
Siegfried, ich habe Ihren Beitrag aufmerksam gelesen. Danke für die Ausführlichkeit Ihrer Antwort! - Sind Sie Historiker?

Frau M.,
Kunst ist es nicht, ich bin Laie und verdiene mein Geld nicht mit Bildern. Für ein Gesamtkunstwerk reichen meine 47 Beiträge nicht und meine Ambiguitätstoleranz nicht für Brüssel.

Das, was Streusel und ich hier machen, ist monogolistisches Gebrabbel im Duett auf einem virtuellen Spielplatz für Erwachsene. Den Sandkasten haben wir eröffnet, als Streusel sein erstes Buch bei bod in Auftrag gab. Und nun wird geschippt bis zum dritten Auftrag.

Zu fragen ist förderlich.
Steckt hinter Rechtsradikalismus eine Ideologie?
Hinter Linksradikalismus?
Hinter Salafismus?
Hinter Islamismus?

Könnte es sein, dass Bilder vermutlich häufig etwas mit unbeantworteten Fragen zu tun haben?

Versuch einer Entschleierung, was steckt dahinter?

Bild

(Nachschlagen oder Links verfolgen, um Begriffe zu klären, Streusel, ist gleich viel förderlich, auch wenn Du definitionsunbegeistert bist.)

(Frau M., Ihren vollen Namen verwenden Sie hier öffentlich. Er steht ganz unten, immer ganz unten unter jedem Ihrer Beiträge.)
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (24.03.2016, 22:03)
Anja neu hat geschrieben:
(Frau M., Ihren vollen Namen verwenden Sie hier öffentlich. Er steht ganz unten, immer ganz unten unter jedem Ihrer Beiträge.)

In der Form führt er zu keinen Treffern, aber ich glaube jedem, der versichert, dass ihm solche Details nicht bekannt sind. Übrigens ist hier der überwiegende Teil der Forenmitglieder per Du. Nur so als Anregung ...
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Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (25.03.2016, 11:20)
Monika K. hat geschrieben:

Die Antwort auf die Frage "Was ist der Unterschied zwischen Islam und islamistischem Terrorismus?" findet man wie folgt:
i-t=f



Die Frage war ja, ob der Islam eine Ideologie ist oder nicht.
Aber gut: Aus deiner Mengenlehre wird man nicht schlau.
Ist der Wahhabismus zum friedlichen Islam zu rechnen und nur die Terroristen, die aus ihm hervorgehen, nicht?
https://de.wikipedia.org/wiki/Wahhabiten


Zeigt es doch, wie der Koran in der heutigen Zeit ausgelegt wird.

Wenn ich wissen will wie der Islam in der heutigen Zeit ausgelegt wird, dann schaue ich zuerst, wie der Islam in den Ländern ausgelegt wird, in denen er herrscht. Und da ist nicht viel Toleranz zu sehen.

Wer Interesse am Problem der liberalen Auslegung des Koran hat, kann folgenden Text lesen:
http://www.gkpn.de/Oezbe_Kritik-der-lib ... -Islam.pdf

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (25.03.2016, 11:53)
Streusalzwiese hat geschrieben:
Die Frage war ja, ob der Islam eine Ideologie ist oder nicht.

Nicht ganz. Die Frage an dich "krönte" einen Beitrag, in dem abwechselnd vom Islam, vom IS und von Brüssel die Rede war, als sei das beliebig austauschbar und alles ein Brei. Daran und am Zeitpunkt störte ich mich. Inzwischen wurde die Frage umformuliert. Damit fällt zumindest mein Hauptkritikpunkt weg. Ansonsten dürft ihr hier in eurem Thread selbstverständlich alle möglichen Fragen in den Raum stellen. Wenn sie sorgfältig formuliert sind, stören sie mich nicht. Ich muss sie ja nicht beantworten. Wenn dir meine Mengenlehre nicht gefällt, kannst du gern noch Gruppen wie "gewaltbereite Anschlagsplaner", "passive Unterstützer" oder "Unentschiedene, vorwiegend Friedliche" oder "Dreijährige Wahhabiten, die noch keine eigene Meinung haben" oder was auch immer einfügen und die Formel entsprechend erweitern. Mir ist lediglich wichtig, dass differenziert wird. So schwer ist das doch nicht zu verstehen, oder?

Gruß,
Monika
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (25.03.2016, 13:53)
Monika K. hat geschrieben:
Die Frage an dich "krönte" einen Beitrag, in dem abwechselnd vom Islam, vom IS und von Brüssel die Rede war, als sei das beliebig austauschbar und alles ein Brei.


Die wirklich wichtige Frage ist nicht die Vermischung der genannten Begriffe. Die Frage, die diskutiert werden müsste, lautet: Liefert der Islam als Religion/Ideologie das ausreichende Rüstzeug, um terroristische Anschläge wie in Paris, Brüssel, Istanbul, Ankara, Bagdad usw. zu begründen?

Das müsste diskutiert werden. Wird es aber nicht. Innerhalb der islamischen Welt nicht und auch nicht außerhalb. In der islamischen Welt kann diese Diskussion auf breiter Basis nicht stattfinden, weil damit der Koran als heilige, direkt von Allah gesandte Schrift in Frage gestellt würde. Selbst eine Betrachtung des Koran in Abhängigkeit seines historischen Kontextes (der Koran entstand als wörtlicher Überlieferung in den Jahren 624 bis 632 n. Chr.; die schriftliche Version ist erst viel später festgehalten worden; die Reihenfolge der Suren im Koran ergibt sich nicht aus ihrer Entstehung - die frühen mekkanischen Suren sind deutlich friedlicher als die späteren Suren aus Medina -, sondern aufgrund der Suren-Länge: Je känger, desto weiter vorne stehen sie im Koran) wäre unter gläubigen Muslimen bereits Blasphemie und damit ein todeswürdiges Verbrechen.

Eine solche Diskussion außerhalb des islamischen Raumes wiederum gilt als politisch nicht korrekt. Es ist eine Einmischung in einen Lebensbereich, der nur zu einer Vertiefung der bereits vorhandenen Gräben zwischen den Religionen oder besser: zwischen den Kulturen führt. Eine Diskussion der Koran-Texte unter Nicht-Muslimen führt von muslimischer Seite immer zum Vorwurf, man würde den Koran nicht verstehen und daher missinterpretieren (was nichts anderes bedeutet als: Nicht-Muslime dürfen den Koran nicht diskutieren)

Dabei ist eine solche Diskussion in beiden Kulturkreisen dringend notwendig. Sobald ein Anschlag durchgeführt wird, greift der Automatismus (interessanterweise auf beiden Seiten), diese Attentate hätten nichts mit dem Islam zu tun. Dieses Argument verhindert sofort eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den religiösen/ideologischen Hintergründen des Anschlags.

Ich persönlich bin da anderer Auffassung. Solche Anschläge im Namen Allahs haben etwas mit dem Islam zu tun. Weil irgendwelche Leute den Islam bzw. die entsprechenden Schriften als Argument benutzen, um die Anschläge zu begründen.

Die hier vorgestellte Mengenlehre (nicht alle Muslime sind Terroristen; Terroristen sind nur eine sehr geringe Teilmenge der Muslime) hilft uns da kein Stück weiter. Weil diese Mengenlehre nicht auf die Gründe eingeht. Und weil diese Mengenlehre den Automatismus "das hat nichts mit dem Islam zu tun" nicht verhindert.

Wenn jüngst in Bautzen Flüchtlingsunterkünfte angezündet werden, wenn Rassisten gegen Flüchtlinge hetzen, wenn Neonazis Hakenkreuze an Wände schmieren, wenn der Mob auf der Straße "Deutschland den Deutschen" und "Sieg Heil" grölt, darf ich dann auch sagen: "Das hat nichts mit uns Deutschen zu tun"? Ist das Problem damit für uns in Deutschland erledigt? - Nein, ich darf das nicht sagen. Im Gegenteil. Ich als Deutscher muss mich mit dem aktuellen Geschehen und mit dem, was im deutschen Namen vor meiner Zeit passiert ist, auseinandersetzen, es untersuchen, analysieren, die Gründe herausfinden. Und dann am Ende dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Genau das vermisse ich in der Diskussion rund um die Anschläge. Eine solche Debatte findet nicht statt. Auch weil dies sofort zu Beschimpfungen wie "du bist islamopohob" führt. Das hat mit Islamophobie nichts zu tun. Das sind die Säulen unserer aufgeklärten Gesellschaft: Zweifel und Widerspruch. Ich darf alles anzweifeln und ich darf zu allem meinen Widerspruch äußern. Straffrei! Darf ich das nicht, haben wir nur noch totalitäres Gehabe.

Darf der Islam kritisiert werden? Darf gegenüber dem Islam Widerspruch geäußert werden? Oder ist das bereits der hinreichende Grund, um von gläubigen Muslimen als todeswürdig betrachtet zu werden? Schaut man sich die islamisch geprägten Staaten an, scheint das der Fall zu sein. Wer sich kritisch aufstellt, hat sehr schnell sein Leben verwirkt und endet an Ende eines Stricks am Baukran. Oder unter dem Schwert des Scharfrichters. Oder wird im Hauptbahnhof von einem tödlich beleidigten Muslim abgestochen. Oder kassiert 1.000 Peitschenhiebe (siehe Raif Badawi).

Diese Diskussion ist - meines Erachtens - von jedem Muslim zu führen. Vor, während und nach islamistischen Anschlägen. Mit der Folge, dass auch Fragen wie der Umgang mit Angehörigen anderer Religionen bzw. mit religionslosen Menschen erfolgen soll. Religionsfreiheit bedeutet nämlich nicht nur, dass jeder seine Religion frei ausüben kann, sondern dass auch eine Freiheit (im Sinne von Abwesenheit) von jeglicher Religion akzeptiert werden muss. Menschen zu unterteilen in Gläubige (mit entsprechenden Vorteilen) und "Ungläubige" (mit entsprechenden Nachteilen bis hin zu physischen Vernichtung) ist für mich faschistisches Gedankengut der übelsten Sorte - und das gilt für alle Religionen, die solche Unterteilungen mit den entsprechenden Folgen vornehmen.

Andere Fragen wie der Umgang mit Apostaten (Menschen, die sich von ihrer bisherigen Religion verabschieden) oder Homosexuellen müssten ebenfalls debattiert werden.

All das setzt aber im Islam voraus, dass die Sicht auf den Koran, die Hadithen und andere religiöse Schriften sich grundlegend ändert. Eben basierend auf der Frage, welchen Unterbau der Islam insgesamt für Gewalttaten liefert.

Darauf warte ich.
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Monika K.
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Re:

von Monika K. (25.03.2016, 15:20)
@Siegfried
Das ist ein sehr gutes Beispiel für eine sorgfältig formulierte Fragestellung in einem eindeutigen Kontext. Aber auch Anja-neus umformulierte Frage in neuem Kontext ist aus meiner Sicht unmissverständlich, obwohl sie wesentlich kürzer ist. Das nur am Rande.

-----

Ich frage mich nach den Anschlägen in Brüssel zu allererst etwas anderes: Was ist bei der Integration so granatenmäßig schiefgelaufen, dass die Attentäter ihre Mitbürger nicht als Mitmenschen wahrnahmen und ihr Recht auf Leben nicht respektierten? Liegt die Schuld ausschließlich bei ihnen, oder kann die Gesellschaft gegensteuern? Kann ich etwas dagegen tun? Wenn ja: was? Das mag manchem zu pragmatisch erscheinen. Angesichts der aktuellen Situation wähle ich diese Abkürzung jedoch bewusst. Allerdings erwarte ich hier in diesem Forum keine Antworten und stelle die Frage daher weder in den Raum noch irgendjemandem direkt, sondern möchte nur veranschaulichen, in welche Richtung man noch denken kann. Natürlich wäre es falsch, die verschiedenen Auslegungen des Korans bei der Schuldfrage auszublenden, da sie einen wesentlichen Einfluss auf die Ausgangssituation haben. Aber mir ist dennoch wichtig, dass man differenziert, denn ich möchte auch nicht mit allen Atheisten in einen Topf geworfen und für ihre Taten verantwortlich gemacht werden. Wie gesagt: Ich erwarte keine Antworten, lese aber nach den Feiertagen zeitversetzt still mit.
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Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (27.03.2016, 18:02)
Monika K. hat geschrieben:
Aber mir ist dennoch wichtig, dass man differenziert, denn ich möchte auch nicht mit allen Atheisten in einen Topf geworfen und für ihre Taten verantwortlich gemacht werden.


Niemand hat hier Muslime pauschal für die Anschläge verantwortlich gemacht. Die Frage, die im Raum steht, ist, wie viel der Koran zu den Anschlägen beigetragen hat.
Deshalb geht der Vergleich mit Atheisten fehl. Es gibt kein unheiliges Buch der Atheisten, das vorschreibt, wie Atheisten zu leben haben, was sie zu tun und was sie zu unterlassen haben. Atheisten sind eine sehr heterogene Gruppe. Das Einzige, was sie eint, ist die Überzeugung, dass es keinen Gott gibt.

Anja neu
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Re:

von Anja neu (26.09.2016, 20:34)
Na, Streusel, was fällt Dir zu den naturalistischen Froschlöffeln ein?

Abendgruß!

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Re:

von Streusalzwiese (27.09.2016, 16:26)
Froschlöffel-Elegie

Mein Blick ist begrenzt,
ich ahne mehr als ich sehe,
erahne Tiefen und Weiten.
Nicht das Meer, kein See, nur ein Teich,
dient mir als Objekt.
Was nichts macht.
Ein Kieselstein wäre so erstaunlich wie das ganze All,
ein Teich birgt so viel Geheimnisse wie das Meer.
Mein Bllick ist in die Tiefe gerichtet,
findet keinen Boden.
Grundlos ist alles Sein.
Alles ist im Fluss,
auch die Froschlöffel geben keinen Halt.
Verloren gehen kann man auch im Kleinen.
Besonders im Kleinen,
denn da löst sich Vertrautes auf.
Des Menschen Stolz reicht nicht bis auf den Grund des Seins.
Das Eigentliche ist Amenschlich.

Anja neu
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Re:

von Anja neu (23.10.2016, 17:31)
Eine mich beeindruckende Froschlöffel-Elegie, Streusel! Beeindruckend, weil ich etwas Witziges, nicht Tragendes, etwas, was zu diesem merkwürdigen Pflanzennamen passt, erwartet habe.

Ich denke gerade an die Olympiade. Wegen der Wasserträgerin. Wichtiger als ein nackter Feueranzünder ist jemand, der zum Schluss das Wasser an die Sportler verteilt?

Schreibe doch mal `ne Eloge! Eine Eloge auf die olympischen Spiele, vielleicht auf die Behinderten-Variante?

Sonntagsgruß!

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Anja neu
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Re:

von Anja neu (26.11.2016, 10:57)
Zitat von Streusel: "...Ich könnte jetzt als verspäteter Horrorclown oder als verfrühter Horrorweihnachtsmann durch die Gegend ziehen. Aber schocken hat irgendwie seinen Reiz verloren. Es ist inflationär geworden. Es gibt Schockwahlen und Schockpräsidenten, die aus selbigen hervorgehen. Als Horrorclown wäre man heutzutage zu einem traurigen Schattendasein verdammt..."

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Clowns sind intelligent und haben Humor. Das passt nicht zum Schockpräsidenten. Der ist eher ein Schockhuhn.

Wochenendgruß!
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Streusalzwiese
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Re:

von Streusalzwiese (26.11.2016, 17:51)
Anja neu hat geschrieben:
Zitat von Streusel: "...Ich könnte jetzt als verspäteter Horrorclown oder als verfrühter Horrorweihnachtsmann durch die Gegend ziehen. Aber schocken hat irgendwie seinen Reiz verloren. Es ist inflationär geworden. Es gibt Schockwahlen und Schockpräsidenten, die aus selbigen hervorgehen. Als Horrorclown wäre man heutzutage zu einem traurigen Schattendasein verdammt..."



Hallo Anja,
das war ein antizipierendes Zitat aus dieser Geschichte:

Der Ekelweihnachtsmann

Die Horrorclowns werden, nachdem Halloween dieses Jahr Geschichte ist, weniger. Das offenbart einen gewissen Konformismus dieser Spezies.
Überhaupt Halloween: Ich habe nie verstanden, warum sich Senioren darüber aufregen. Nicht meckern, sondern einen Gegenschlag ausführen, sollte die Devise sein. Warum rotten sich ältere Mitbürger nicht an einem bestimmten Tag zusammen, um dann ihrerseits Leute zu belästigen? Herumkrakeelen und an Türen klingeln, um dann „Hochprozentiges oder Dünnflüssiges“ zu schreien, wenn jemand öffnet. Diese Drohung wäre dann doch so substanziell, dass die Leute die Forderung nicht abschlagen würden. Ich bin eigentlich noch nicht im Seniorenalter, könnte aber aussehensmäßig ohne weiteres mithalten. (Siehe Hobbys weiter unten)
Ich bin nicht gerade der Schnellste und so habe ich den Horrorclown-Trend verschlafen. Dabei hätte ich gerne mitgemacht, denn neben Rauchen und Trinken zählen sozial deviante Verhaltensweisen zu meinen Hobbys. Nun gut, mit dem Rauchen habe mal Schluss gemacht, habe aber dann wieder begonnen als die Sammelbilder auf den Packungen aufgedruckt wurden. Man kann mich leicht ködern.
Ich könnte jetzt als verspäteter Horrorclown oder als verfrühter Horrorweihnachtsmann durch die Gegend ziehen. Aber schocken hat irgendwie seinen Reiz verloren. Es ist inflationär geworden. Es gibt Schockwahlen und Schockpräsidenten, die aus selbigen hervorgehen. Als Horrorclown wäre man heutzutage zu einem traurigen Schattendasein verdammt. So habe ich beschlossen ein Ekelweihnachtsmann zu sein. Jemand, der mit wirrem Haar, vollgesabbertem Bart und mit vollgekotzter Weihnachtsmannkleidung durch die Gegend schlurft. Warum ich das mache? Das weiß ich nicht. Ich will mich auch gar nicht ergründen. Ich verlagere mich ins Außen. Sollen doch andere Menschen Theorien aufstellen. Sollen glauben, ich sei ein frustrierter, einsamer Mann, der auf diese Weise Rache an glücklichen Menschen nehmen will, oder sollen glauben, ich sei jemand der gegen die kommerzielle Ausbeutung des Weihnachtsfestes protestiert. Oder sollen sie doch glauben ich sei geisteskrank. Vielleicht ist das richtig. Ich mache gerne sinnlose Sachen. Erst gestern trat ich an der Supermarktkasse jemandem mit einem randvoll gefüllten Einkaufswagen mit den Worten „Ich habe nur ein Teil. Bitte gehen sie nach vorne!“ meinen Platz ab. Ich musste zwar lange warten, bis ich dann zum Bezahlen kam, aber die Verblüffung, die ich damit auslöste, war es mir wert.

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Re:

von Anja neu (12.03.2017, 14:26)
"Das Luther-Fass"

Na, Streusel, was fällt Dir dazu ein?

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(Glaube an Gott, doch glaube nicht alten Männern in Nachthemden, fällt mir ein.)
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Re:

von Streusalzwiese (14.03.2017, 16:45)
Festsitzung zu den 500-Jahre-Reformations-Feiern
Redner: „Liebe Damen und Herren, es freut mich, dass sich hier so viele Menschen eingefunden haben, um 500 Jahre Aufklärung festlich zu würdigen.“
Der Redner will gerade mit seiner Rede fortfahren, als plötzlich die Vorhänge zerreißen und ein in der Luft schwebendes Dreieck erscheint, aus dem eine kraftvolle Stimme dringt:
„ICH erweise euch Gnade und schicke deshalb Martin Luther höchstselbst, um an euren Feierlichkeiten teilzunehmen.“
Den Zusehern stehen Münder und Augen weit offen. Der Redner torkelt vom Pult. Als nächstes zucken ein paar Blitze durch den Raum. Danach zieht vollständige Dunkelheit ein. Nach ein paar Sekunden gehen die Lichter wieder an - und am Rednerpult steht Martin Luther. Mit tiefer Stimme setzt er zu einer Ansprache an:
„So stehe ich hier und kann nicht anders. Das Laufen fällt mir nämlich noch etwas schwer nach fast 500 Jahren Aufenthalt im Grabe. Wie ich vernommen habe, findet hier eine Festsitzung zu meinen Ehren statt.“
Luther schaut sich im Raum um und fährt fort:
„Sehe ich hier Behinderte? Ihr wisst schon, dass die keine Seele haben. Ersäuft diese Teufelsgeschöpfe! Wechselbälger soll man nicht am Leben lassen. Und da in der ersten Reihe: Sind das Juden? Hat man diese Satansdiener immer noch nicht verjagt? Hat man ihre Häuser und Synagogen noch nicht angezündet? Was seid ihr für Christen?“
Die letzten Worte Luthers gehen im Tumult der nach draußen strömenden Menschen unter.
Ein geistesgegenwärtiger Kirchenvertreter hat den Feueralarm ausgelöst.

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Frohe Ostern!

von Anja neu (16.04.2017, 20:00)
"Bleibt unverzagt!"

Das Wesen der Christen ist durch Jesus nicht geprägt von Gewalt, sondern durch Leidensfähigkeit.
Und deswegen - waren und sind wir alle UNVERZAGTE MASOCHISTEN.

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