Beim Hinausgehen

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mtg
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Re:

von mtg (11.10.2016, 11:31)
Peter-Pitsch hat geschrieben:
Ich denke, in dem Kontext erscheint ihm die Banalität des Lebens als eine "zu einfache" Komponente, da sie - ihm zufolge - das dramatische Moment relativiert.

Danke, Peter, dass Du darauf noch einmal eingehst. Das ist exakt mein Gedanke gewesen.

Das Vermischen von Inhalten (Demenz und die daraus folgende »Entwürdigung« des betroffenen Menschen) und einem zufälligen Bild (das mit dem vorgenannten Inhalt nicht mehr als eine zeitliche Koinzidenz gemeinsam hat) relativiert meiner Meinung nach – und um nichts anderes handelt es sich hierbei – das »dramatische Moment« (um Dich zu zitieren) tatsächlich. Ohne Deine Erklärung hätte ich die Schaufensterpuppen in einem inhaltlichen Zusammenhang und damit in einer Steigerung der »Entwürdigung« gesehen.

Hier zeigen sich die potenziellen Unterschiede in der Intention des Verfassers und der Rezeption eines von vielen Lesern. Eine unterschiedliche Auffassung zu haben, ist IMHO nichts Ehrenrühriges. Hat allerdings auch mit PR-Arbeit nix zu tun …

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Peter-Pitsch
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Re:

von Peter-Pitsch (11.10.2016, 11:47)
Dennoch standen die Puppen im altmodischen Fummel nicht zufällig an eben jener Stelle.

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mtg
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Re:

von mtg (11.10.2016, 11:49)
Peter-Pitsch hat geschrieben:
Dennoch standen die Puppen im altmodischen Fummel nicht zufällig an eben jener Stelle.

Das kann ich nicht beurteilen – ich war ja nicht vor Ort. Aber ohne Deine Erklärung hatte ich mir eben »einen eigenen Reim« darauf gemacht.

:-)

Und damit bin ich dann raus.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (11.10.2016, 11:50)
Wer sich noch an den Deutschunterricht seiner Schulzeit erinnern kann, weiß, dass es bei einer Gedichtinterpretation kein "richtig" oder "falsch" gibt. Sofern man seine Auslegung mit Textstellen ausreichend und nachvollziehbar belegen kann, kann man eine erstaunliche Vielfalt von Aussagen in ein Gedicht hineininterpretieren. Deshalb mag ich solche Gedichte sehr, die einen großen Interpretationsspielraum zulassen, ohne nichtssagend zu sein, und lese gern die Gedanken, die andere Leser zu einem Gedicht äußern.

Gruß,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

(Übersetzung: Besser ein weiser Narr, als ein närrischer Weiser.)

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (11.10.2016, 11:54)
Schade, Peter, dass du das nachträgliche Ausbügeln so einfach akzeptierst. Der Begriff "zu einfach" bzw. die Äußerung von den "meisten Antworten auf komplexe Fragen, auf die man am seltensten kommt" bezieht sich zwangsläufig auf Werk und Autor, denn die ursprünglichen Zeilen von dir sind ja nicht vom Himmel gefallen.

Im Übrigen ist offensichtlich, wer hier dein Gedicht als Erster für mit ihm nicht zusammenhängende Zwecke benutzen wollte. Während ich mich in meinem Anfangskommentar ausschließlich mit dem Gedicht befasst habe, wird von mtg als unmittelbare Reaktion darauf die angeblich höhere eigene Kompetenz ins Spiel gebracht. So etwas nennt man Sticheln und Stänkern.

Arno Abendschön
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

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Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (11.10.2016, 12:13)
Monika, du weißt ganz gut, dass es hier nicht um Interpretationsmöglichkeiten ging, sondern um persönliche Animositäten. Wenn mtg sich "noch ganz anderer Bilder" rühmt, "die anderen Lesern offensichtlich nicht erschließbar sind", dann war das natürlich auf mich gemünzt. Er kann gar nicht wissen, zu welchen Assoziationen ein anderer gekommen ist. Es ging nur darum, sich selbst zu erhöhen, um den anderen herabzusetzen.

Diese unwürdigen Spielchen laufen hier ja schon länger. Schade, dass die Wirkung des Gedichts so verdunkelt wird.

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Peter-Pitsch
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Re:

von Peter-Pitsch (11.10.2016, 12:32)
Schade, Peter, dass du das nachträgliche Ausbügeln so einfach akzeptierst. Der Begriff "zu einfach" bzw. die Äußerung von den "meisten Antworten auf komplexe Fragen, auf die man am seltensten kommt" bezieht sich zwangsläufig auf Werk und Autor, denn die ursprünglichen Zeilen von dir sind ja nicht vom Himmel gefallen.


Das habe ich nicht, Arno. Für mich ist nichts so "einfach" oder belanglos in diesem Zusammenhang, deshalb benutzte ich diesen Begriff ja mit voller Absicht im hinzugefügten Text:

Ich erinnere mich gut an jenen Tag: die nachvollziehbare, doch entwürdigende Behandlung der gebrechlichen Insassen seitens des Pflegepersonals, eines Personals, das es seinerseits alles andere als einfach hat. Es klingt wie ein Klischee, festzustellen, dass alte Menschen wie kleine Kinder behandelt werden. Und auch diese Umschreibung macht es sich zu einfach; Kindern wird eher mit Zuneigung, Verständnis und Geduld begegnet. Wie empfand die an Demenz erkrankte, halb blinde Frau (die zwischendurch Momente der Klarheit aufwies) den Aufzug im Speisesaal inmitten der würdelosen Warterei auf den Tod? Zu meiner Schwester sagte sie einmal: ''Ja, Ramona, so ist das, wenn man zu alt wird ..."

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (11.10.2016, 12:58)
Arno Abendschön hat geschrieben:
Monika, du weißt ganz gut, dass es hier nicht um Interpretationsmöglichkeiten ging, sondern um persönliche Animositäten.


Nein, das weiß ich nicht. Du scheinst wohl besser zu wissen, was ich weiß, als ich selbst. :shock::

Monika
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Peter-Pitsch
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Re:

von Peter-Pitsch (11.10.2016, 13:17)
Deshalb mag ich solche Gedichte sehr, die einen großen Interpretationsspielraum zulassen, ohne nichtssagend zu sein, und lese gern die Gedanken, die andere Leser zu einem Gedicht äußern.


Danke, Monika.

Die symbolische Inbezugnahme der Schaufensterpuppen in meinem Gedicht beruht ebenso wenig auf einen Zufall wie deren Platzierung.
Die Wirkung des Beschriebenen wird nicht geschmälert aufgrund der Bezüge zu dem wirklichen, greifbaren Szenario; auch nicht die Imagination des Verfassers.

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Re:

von Arno Abendschön (11.10.2016, 16:28)
Ach, Monika, als ob es nicht seit langem hier eine Endlos-Schleife von Streit und persönlicher Anmache geben würde, mit immer denselben Akteuren! Das kann dir nicht gänzlich entfallen sein, denn du warst ja selbst nicht selten daran beteiligt. mtg hat mit seinem Ausfall mal wieder eine Chance gesehen, mir eins überzubraten - und ich habe mich gewehrt. Genau das ist der Hintergrund, den du sehr wohl kennst. Die zwei Puppen im Gedicht von Peter sind nur ein zufälliger Anlass.

Gleichwohl hat's das kleine Werk nicht verdient, dass sein Inhalt dadurch in den Schatten gestellt wird. Ich würde es vorziehen, die Debatte über Persönliches nun zu beenden.

Arno Abendschön
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buehne44
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Re:

von buehne44 (11.10.2016, 22:29)
Ein wunderbarer, berührender, schmerzlicher Text!
LG Gerda
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Tanztheater in der Schule
Irrfahrten - Auf den Spuren des Odysseus
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Nimm Platz! -Bankgeschichten aus Bremen
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Peter-Pitsch
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Re:

von Peter-Pitsch (12.10.2016, 00:36)
Danke Gerda!

Und nachträglich meinen Dank an Hugo für den Kommentar. Ich habe dich nicht übersehen. War nur abgelenkt ...

Gute Nacht!
Peter

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Peter-Pitsch
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Außerhalb

von Peter-Pitsch (26.12.2016, 15:06)
Außerhalb

Wie Würmer
die sich durch
Verfinsterung
winden, höhlt
ein Netzwerk
schwarz verästelt
das Bewusstsein
aus und saugt
ein transparentes
Leben hinein.

Jemand denkt
dass ich nichts
mehr mit mir
verbinden kann,
kleiner werde
weniger, fort,
doch woher
rührt er
dieser Sog,
wenn nicht von
außerhalb ...?

hugo-wolff
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Re:

von hugo-wolff (26.12.2016, 22:05)
Des Strudels
letzter Seufzer
wird dich hinüber tragen,
wo Neues wartet.
Wo Licht den Ästen
und den Wurzeln
wieder Leben schenkt.

Komm bunt hinüber!
Hugo

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