Die Jahreszeiten/ Die Taube/ Schriftstellerei - 3 Gedichte

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hwg
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Re:

von hwg (13.02.2008, 10:18)
Nunja, wenn ich diese Diskussion hier verfolge, kommen mir schon arge Zweifel. Einerseits lebt unsere Sprache (auch) von Regeln. Diese zu kennen und anzuwenden, ist das "Handwerk" eines jeden Autors. Und ohne Handwerk geht halt vieles nicht (außer man will den Pfusch :lol: ).
Andererseits hat das Durchbrechen von Regeln schon unsterbliche Literatur hervorgebracht, gerade in der Lyrik. Ich vergleiche manche Gedichte mit Free-Jazz. Allerdings ist diese Musik, so wie manch andere auch, für mich intellektuell nicht fassbar - entweder sie "packt" mich gefühlsmäßig, oder ich wende mich schaudernd ab. An Herkömmliches gewöhnt man sich ja rasch, an Neues heranzugehen, erfordert hin und wieder Ausdauer... :lol:

mtg

Re:

von mtg (13.02.2008, 10:45)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
An Herkömmliches gewöhnt man sich ja rasch, an Neues heranzugehen, erfordert hin und wieder Ausdauer...

... und manchmal (sehr oft) den Mut und das Durchsetzungsvermögen gegen alle diejenigen, die sich an althergebrachten Erkenntnissen geradezu festklammern ("das war immer schon so, das bleibt so und wird auch nicht geändert").

Beste Grüße
Matthias

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Apegon
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Re:

von Apegon (13.02.2008, 12:07)
Mir scheint, du hast noch nie ein Germanistikseminar von innen gesehen.

Stimmt. Weiß nicht, bin ich jetzt ein Aussätziger, weil ich das nicht getan habe ?
Aber meine Lebensgefährtin ist Dozentin für Germanistik.Daher lernte ich auch schnell die deutsche Sprache.

@ hwg : ein sehr guter Vergleich. Doch wie begannen wir in der Menschheit zu musizieren ? Wie zu Schreiben ? Wie etwas zu erschaffen ?
Stand am Anfag gar eine Uni, dann erst der Schreiber und Künstler ?
Irgendwo und irgendwie muss es ja begonnen haben.

Aber ich gebe Ihnen volkommen Recht, entweder es trifft mich oder nicht. Aber das hat nichts mit Regeln und Gebote zu tun, sondern mit Gefühlen !

Eine inspirative Kunst ist das Schreiben, eine ultimative Antwort auf Seele und Geist, ähnlich als würde man den antiken assyrischen oder babylonischen Bildhauer fragen wollen, ist jene Statue gemeißelt aus Verstand, oder aber aus Talent, wofür man dich einst aussuchte?!
Und Talent hat man oder aber nicht.
Dies zu erlernen ist eine schöne Sache und man kann vielleicht Erfolge verzeichnen. Schön, wenn man ein Leitfaden hat.
Aber ein Talent ist mehr als das, mehr als die Norm und Diktat der gesetzten Vorschriften.
Ray Charles erlernte nie die Noten, sondern der blinde Mann spielte einfach !
Oder etwa Fariduddin Attar, der über 114 Werke schrieb, darunter"Die Vogelgespräche" (einfach nur fantastisch)- er war ein einfacher Bauernjunge, der nie eine Schule besuchte.
Was verbindet den beiden Männer - Talent.

Ein Gedicht zu schreiben, erlernt man nicht, kopiert man nicht, regelt man nicht, sondern es kommt, wie es kommt, alles andere wäre eines unter tausenden.

"Mtg" machte eben eine sehr treffende Aussage.

hwg
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Re:

von hwg (13.02.2008, 12:13)
Hallo Apegon!

Hier im Forum duzen wir uns untereinander. Einverstanden?

Deine Überlegungen gleichen in etwa den meinigen. Trotzdem:
Die Einhaltung gewisser Regeln, welche ja im Laufe von Jahr-
zehnten "gewachsen" sind, erleichtern dem Konsumenten,
jedenfalls auf die Literatur bezogen, das Verständnis.
Das Brechen von Regeln wird nun einmal von den meisten
Lesern als Unvermögen klassifiziert.
Und wir Autoren sind (und wollen) ja von der Wertschätzung der
Leser "abhängig" (sein), besonders dann, wenn man das Schreiben
zum Broterwerb erwählt hat. Ich bin so einer - deshalb richte ich
mich auch an (gewisse) Regeln. Diese wissentlich zu umgehen, über-
lasse ich selbst ernannten oder echten Genies... :lol: .

Weasel

Re:

von Weasel (13.02.2008, 12:17)
ich denke, sich stur an Regel zu halten, macht die Kunst kaputt, bzw schränkt sie ein und macht alle Werke gleich.

Sich aber komplett von allen regeln zu lösen, erfordert viel geschick, um es dem gemeinen Leser trotzdem so rüberzubringen, dass er es nicht nur begreift, sonder auch akzeptiert...

mtg

Re:

von mtg (13.02.2008, 12:18)
Apegon:
Für jedes Wort, für jede Zeile, für jede Aussage: thumbbup thumbbup thumbbup

Beste Grüße
Matthias

mtg

Re:

von mtg (13.02.2008, 12:21)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Das Brechen von Regeln wird nun einmal von den meisten Lesern als Unvermögen klassifiziert.

Hans, das halte ich für eine gewagte Aussage. Denn wenn Du das auf andere Bereiche der Künste überträgst, gäbe es kein experimentelles Theater oder Tanztheater (mit einer jeweiligen Fangemeinde dahinter), wäre Karl-Heinz Stockhausen als unbekannter Mann gestorben, hätte sich das Filmgenre nicht weiterentwickelt ... und wir würden uns heute noch parfümieren statt uns zu waschen. :?

Beste Grüße
Matthias

hwg
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Re:

von hwg (13.02.2008, 12:27)
Klar, Du sagst es ja. Aber Du wirst mir auch zustimmen, dass manche dieser Künste ein "Minderheitenprogramm" sind. Und viele "unserer"
Autoren träumen ja davon, einen "Bestseller" zu fabrizieren... :lol:
Als Kunstkonsument gehöre ich sicher zur Minderheit, als Autor will ich
aber möglichst viele Leser erreichen. Und viele heißt für mich, eben für diese zu schreiben - und nicht für "Feinschmecker" oder "Kritikerpäpste".

mtg

Re:

von mtg (13.02.2008, 12:36)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Und viele heißt für mich, eben für diese zu schreiben - und nicht für "Feinschmecker" oder "Kritikerpäpste".

D'accord - aber vermische mir nicht (angebliches) "Unvermögen" (auf Seiten des Autors) und "Unverständnis" (auf Seiten des Lesers). Es gibt doch die viel besser passenden - und genutzten - Plaketten "Mainstream" und "Nische" ... und beides kann nebeneinander bestehen - und alles dazwischen auch...

Matthias

Weasel

Re:

von Weasel (13.02.2008, 12:38)
@hwg:
Mhhh...dass heißt, du passt dich mit dem, was du schreibst, immer deinem Publikum an. Wenn jetzt also sage ich mal alle plötzlich nur noch Erotikromane lesen wollen würden, würdest du auch nur noch Erotikromane schreiben?

Also ich schreibe, so wie ich es für gut halte und über dass, was mich berührt und beschäftigt. Ob es dann sonst noch irgendjemanden interessiert, sehe ich dann im Nachhinein...aber das ist für mich zweitrangig. Während der ganzen zeit, in der ich an meinem Roman tüftel, habe ich mir zum Beispiel noch nie gedacht: "Oh, dass solltest du umschreiben, mir gefällts zwar, aber das wird die Masse sicher nicht mögen."

Aber, gut, du sagst ja, du verdienst dein Geld damit? KLar, dann bist du natürlich deutlich abhängiger vom Erfolg deiner Werke als ich als Freizeit-Möchtegern-Autor

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (13.02.2008, 12:45)
Ich denke auch, man muss Regeln durchrbechen und Neues schaffen, um unsterblich zu werden. Meistens ist es dann so, dass das Werk zerrissen wird und man dann aber später Ruhm erntet. Deswegen sollte man meiner Meinung nach erst einmal versuchen so zu schreiben, wie es einem gefällt.
Ich liebe diese Welt nicht. Ich liebe sie ganz entschieden nicht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, widert mich an. (Houellebecq)

hwg
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Re:

von hwg (13.02.2008, 12:45)
@ Matthias: Bin völlig damit einverstanden. Ich spüre "Nischen" gern auf, schreibe jedoch (hoffentlich) für ein Massenpublikum... :lol:

@ Weasel: Die obige Antwort gilt auch für Dich. Ja, ich w i l l
möglist viele Leser erreichen (und fühle mich wohl dabei).
Ich sehe mich ja nicht als "Dichter", sondern als Gebrauchsautor
(für viele Zwecke, auch für Leser von Erotikgeschichten, wenn's
sein muss). :lol: Überdies, ich verwende hauptsächlich Pseudo-
nyme, weil's der Verlag so haben will.

mtg

Re:

von mtg (13.02.2008, 12:46)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
@ Matthias: Bin völlig damit einverstanden. Ich spüre "Nischen" gern auf, schreibe jedoch (hoffentlich) für ein Massenpublikum... :lol:

Hans - das ist der richtige Kampfgeist cheezygrin

hwg
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Re:

von hwg (13.02.2008, 12:48)
Das mit dem "Ruhm" ist ja, wie Du auch weißt, eine zwiespältige Sache.
Heute ist ja bald ein jeder, der irgendein Liedchen trällert, schon ein "Star". :lol:

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DerToteDichter
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Re:

von DerToteDichter (13.02.2008, 12:49)
Ja das stimmt. Ich meinte ja jetzt auch einen Ruhm wie ihn Thomas Bernhard, Ginsberg oder Rimbaud haben, also so eine Art Insider Ruhm.
Ich liebe diese Welt nicht. Ich liebe sie ganz entschieden nicht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, widert mich an. (Houellebecq)

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