Zwischen Großstadt und Dschungel

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ricochet
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Zwischen Großstadt und Dschungel

von ricochet (15.05.2017, 13:02)
Ich arbeite zurzeit mit einer Kollegin an zwei Essays, die sich mit dem Thema Mensch und Umwelt befassen. Dazu haben wir folgendes Cover (siehe Anhang) konzipiert.
Was haltet ihr davon?

rico
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mtg
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von mtg (15.05.2017, 13:49)
Hallo Rico,

wenn ich ehrlich bin: Es gefällt mir alleine schon aus graphischen Gründen nicht. Es wirkt zusammengestoppelt, es zeigt keine innere Verbindung. Die Tatsache, dass ein Cover Vorder- und Rückseite umfasst, enthebt den Designer nicht davon, es trotzdem als ein Ganzes zu sehen. Hier gibt es zwei Ideen, die vermischt werden, obgleich sie sich widersprechen. Zudem ist der Titel ausgesprochen schwer lesbar – und der Klappentext »Weiß auf Farbverlauf« fast schon ein »No-Go«, trotz Kontur oder Schatten..

Ich weiß zwar nicht, was die ÖBB auf dem Cover verloren hat :-) – aber die Vorderseite ist ausgesprochen stark in der Verbindung von Stadtgebäude und Dschungel. Allerdings dominiert mir der Dschungel zu sehr das Motiv … es ist keine »Zwischen«-Darstellung, wie der Titel aussagt, sondern eine Überwucherung des Stadtraums. Belasst es also bei diesem einen Motiv (-> Rückseitenbild raus) und zieht das Grün als Grundfarbe bis auf die Rückseite – dann wird es stimmig. Das Zauberwort heißt »Reduktion«.

Wenn ich mit diesen Vorlagen arbeiten würde, wäre das Motiv der Vorderseite übrigens mit Anschnitt, d.h. vollflächig – und Titel und Autoren würde in einem darüber gelegten weißen Feld stehen. Der derzeitige Bruch (Motiv/weiße Fläche) hat etwas »Fachbuchartiges« und »Uninspiriertes«.

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Monika K.
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von Monika K. (15.05.2017, 14:59)
Hallo Rico,

da ich keine Expertin für Coverdesign bin, antworte ich aus Sicht einer Leserin, die in einem Buchladen über dieses Buch stolpert. Matthias' Beitrag lese ich anschließend und schildere jetzt unbeeinflusst meinen Eindruck.

Auf den ersten Blick sah ich den Dschungel, der mich an Natur und Abenteuer denken ließ. Erst auf den zweiten Blick bemerkte ich die schwarzen Konturen. Das kann daran liegen, dass ich hier gerade am Laptop arbeite und keinen vernünftigen Bildschirm habe. Vielleicht wirken die Linien beim fertigen Buch intensiver. Aber wenn wirklich ein zweiter Blick nötig ist, könnte das zu spät sein, und ich bin als Kunde schon weitergegangen. Ich finde die Idee der Vermischung der Konturen mit dem Dschungelfoto jedenfalls ganz große Klasse, aber ich habe den Eindruck, dass man das Cover etwas länger betrachten muss, als es ein Kunde beim Stöbern vielleicht tut. Vielleicht könnte man das ändern, indem man das Gebäude nicht mit schwarzen Strichen, sondern mit grauen zeichnet, die nicht so zurücktreten. Zu diesem Problem trägt auch die Wahl der Farbe Weiß als Hintergrund für den Buchtitel bei. Ich weiß nicht, ob es jedem so geht, aber helle Flächen ziehen meinen Blick auf sich und lenken von dunkleren Flächen ab. Ich würde mir eine der dunkleren Grünschattierungen des Fotos als Hintergrund auswählen, die mit dem Foto eine Einheit bildet, um den Blick auf das Foto zu lenken. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Die Rückseite macht mich ratlos, sage ich jetzt einfach mal ganz ehrlich. Wenn das ein Symbol ist, das mit dem Thema zu tun hat, dann kann ich nicht genug um die Ecke denken, um es zu erkennen. Farblich passt es nicht zur Vorderseite, und auch der Stil ist ein ganz anderer. Ich hätte die Rückseite entweder einfarbig und passend zur Coverabbildung gestaltet, oder hätte die Idee des Covers aufgegriffen und einen Ausschnitt des Dschungels vergrößert oder denselben Dschungel mit einer anderen Gebäudekontur gezeigt.

Die Idee finde ich also wirklich sehr gut, aber ich würde es etwas anders umsetzen. Das ist natürlich alles nur mein persönlicher Eindruck als Leserin.

Viele Grüße,
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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ricochet
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von ricochet (16.05.2017, 20:39)
@ mtg,

danke für deine Rückmeldungen. Im einzelnen:

1. Die von dir festgestellte Widersprüchlichkeit ist gewollt, weil sie zum Text passt. Dennoch werden wir versuchen, durch eine Abbildung (z. B. einer Wiese) am unteren Rand, die sich gleichmäßig über Vorder- und Hinterseite zieht, eine übergreifende Klammer zu finden. Dann sollte der Effekt abgefedert sein.

2. Dass Grafiken bei solchen Gelegenheiten abfallend erstellt werden, ist mir durchaus bekannt, spielt hier aber keine Rolle. Das Buch wird gebunden verlegt und das alles spielt sich im unsichtbaren Bereich auf der Innenseite ab. Trotzdem ist das natürlich nicht ganz sauber. Stört mich ehrlich gesagt auch ein wenig; zumindest kränkt es meine Eitelkeit. Ich denke, ich mach mich noch einmal drüber.

3. Das Problem mit weißer Schrift auf Farbverlauf ist mir grundsätzlich ebenfalls bekannt. Ich hoffte, hier mit der schwarzen Kontur entgegenzuwirken. Wenn ich das Fun-Exemplar in der Hand halte, werde ich beurteilen, ob wir das ändern müssen. Solche Feinheiten lassen sich auf einem Monitor schwer beurteilen.

4. Der Dschungel ist in der Tat sehr stark da. Hier werde ich mit meiner Kollegin konferieren müssen. Die ist wieder so stolz auf das Foto, immerhin hat sie es geschossen ... Aber ich denke, den inneren Bereich kreisförmig heller zu machen, damit die Konturen des ÖBB-Betriebsgebäudes stärker heraustreten, wäre eine überlegenswerter Ansatz.

5. Das Gebäude wurde gewählt, weil es viel Geometrie (gerade Linien, Winkel, Rechtecke, usw.) transportiert und damit den Kontrapunkt zur Wildheit der Natur liefert. Es hätte freilich ein anderes Gebäude auch sein können, aber weil ich gerade dieses Foto zur Verfügung hatte ...

6. Die von dir angedachte weiße Fläche mit Titel und Autorennamen findet sich bei uns unter dem Motiv. Das mag vielleicht etwas uninspiriert oder sagen wir lieber: sachlich wirken, hat aber mit dem Wiedererkennungseffekt zu tun, der uns in diesem Falle wichtiger ist. Alle meine Bücher sind in dieser Aufmachung verlegt. Das passt einmal etwas mehr, dann wieder etwas weniger. Wir leben mit dieser Wirkung.


@ Monika,

ja, die Konturen des Gebäudes müssen besser zur Geltung kommen (siehe oben). Wegen der Rückseite suchen wir bereits nach einer Alternative, die sich nicht so mit der Vorderseite schlägt. Es bleibt zwar unsere Absicht, eine abstrakte Abbildung zu wählen, weil der Fokus hier auf dem Text liegen soll, nicht bei der Grafik, aber wenn diese in weniger auffälligen Grün-Tönen gehalten wäre, wäre es wahrscheinlich auch gut. Dein Lob betreffend der grundsätzlichen Konzeption freut uns natürlich.

Auch dir ein Dankeschön für die eingehende, sachliche Beschäftigung mit unserem Cover. Mtg und du haben bewiesen, dass dieses Forum funktionieren kann. Ich finde das cool …


rico
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mtg
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von mtg (16.05.2017, 20:46)
ricochet hat geschrieben:
die Konturen des ÖBB-Betriebsgebäudes

Dürft Ihr denn überhaupt das Logo verwenden? Da bestehen Markenrechte …

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Monika K.
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von Monika K. (16.05.2017, 21:32)
Gern geschehen, Rico.
Matthias' Bedenken wegen des Logos halte ich für berechtigt, obwohl ich mich mit dem Markenrecht nicht auskenne. Zum österreichischen Urheberrecht kann ich auch nichts sagen. Bei moderner Architektur sollte man jedoch besser prüfen, ob man eventuell Rechte des Architekten verletzt. Ob das Bild im Zweifelsfall genug eigene Leistung enthält, um als eigenständiges Kunstwerk geschützt zu sein, kann ich dabei überhaupt nicht beurteilen, weil ich diesbezügliche Diskussionen nicht so verfolge. Ich wollte es nur mal ansprechen.

Viele Grüße,
Monika
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sommerwind
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von sommerwind (18.05.2017, 23:48)
Ich fange mit was Positivem an: Ich mag die grundsätzliche Idee! Also das mit der Natur verwobene Gebäude. Ich würde dabei allerdings auch auf das ÖBB-Logo verzichten.
Das Cover sollte insgesamt, also auch die Rückseite, eine einheitliche Ästhetik aufweisen. Und ich würde die Schrift weniger prägnant gestalten. Die springt aktuell sehr ins Auge, so dass ich zB den Hintergrund erst auf den zweiten Blick wahrgenommen habe.

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ricochet
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von ricochet (20.05.2017, 09:11)
Also wegen des ÖBB-Logos mache ich mir weniger Sorgen. Vom echten Logo ist diese Bearbeitung ja meilenweit entfernt. Abgesehen davon genießen öffentliche Institutionen weit weniger Schutz als Privatleute. Sonst dürfte auch niemand z. B. das Parlament fotografieren. Ich hätte keine Hemmungen, z. B. folgendes zu schreiben: "Ich saß in einem Waggon der ÖBB und schlürfte eine Coca-Cola. Durch das Fenster beobachtete ich einen Caterpillar der ASFINAG bei Ausbesserungsarbeiten auf der Autobahn." Wichtig ist nur, dass keine böswillige Nachrede, Verleumdung, keine Unterstellung eines strafrechtlichen Tatbestandes, kein Akt der Geschäfstsschädigung oder Ähnliches damit verbunden ist. Aber in harmlosen Zusammenhängen ...


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mtg
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von mtg (20.05.2017, 09:48)
ricochet hat geschrieben:
"Ich saß in einem Waggon der ÖBB und schlürfte eine Coca-Cola.

Das ist unstrittig möglich. Aber ein Logo – für das die ÖBB mit Sicherheit nicht nur die Bild-, sondern auch die Wortrechte hält (die Darstellung ist so deutlich, dass sogar ich als Deutscher es erkannt habe) – ist in diesem Zusammenhang (Buchcover) ein Eingriff ins Markenrecht und der Versuch, aus der Bekanntheit des Logos Kapital für einen eigenen Gewinn zu ziehen.

Im deutschen Recht sieht das so aus:

Grundsätzlich kann der Inhaber einer Marke kann nach § 14 Abs. 2, Abs. 4 und Abs. 5 MarkenG vom unberechtigten Verwender Unterlassung der Markennutzung verlangen, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:
ein mit der Marke identisches oder ähnliches Zeichen wird

durch einen Dritten
ohne Zustimmung
im geschäftlichen Verkehr
markenmäßig verwendet

Bei einer rein privaten Verwendung einer Marke kann also niemals eine Verletzung vorliegen.

Quelle: http://www.it-recht-kanzlei.de/verwendu ... namen.html

Aber ist ein Buch eine »rein private Verwednung«? Nein, da Du mit dem Verkauf Geld verdienst.

Lt. EuGH ist entscheidend, „ob die Marke zur Unterscheidung von Waren oder Dienstleistungen als solchen eines bestimmten Unternehmens, also als Marke, benutzt wird, oder ob die Benutzung zu anderen Zwecken erfolgt“ (Urteil vom 23.02.1999, Rs. C-63/97).

Quelle: http://www.it-recht-kanzlei.de/verwendu ... namen.html

Mach Dich lieber mal klug. Markenrechtsverletzungen werden schnell vielstellig … oder ist das in Österreich egal?

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ricochet
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von ricochet (20.05.2017, 10:19)
Hallo mtg,


ich verstehe deine Bedenken, will man doch auf der sicheren Seite sein. Aber es heißt (auf der von dir selbst zitierten Website):

"Knackpunkt ist die „markenmäßige Verwendung“ eines Zeichens. Nach dem BGH (vgl. Urteil vom 25.01.2007, Az. I ZR 22/04) liegt diese vor, wenn die Bezeichnung „im Rahmen des Produktabsatzes jedenfalls auch der Unterscheidung der Ware eines Unternehmens von denen anderer dient“ (sogenannte Herkunftsfunktion).

Nach dem EuGH ist entscheidend, „ob die Marke zur Unterscheidung von Waren oder Dienstleistungen als solchen eines bestimmten Unternehmens, also als Marke, benutzt wird, oder ob die Benutzung zu anderen Zwecken erfolgt“ (Urteil vom 23.02.1999, Rs. C-63/97).

Liegt keine markenmäßige Verwendung vor, wird oftmals von einer erlaubten bloßen Markennennung gesprochen."

Hier liegt wohl eine dekorative Verwendung vor (siehe selbe Seite). Die ist ungefährlich:

"Erlaubte Verwendung von Marken

Fremde Marken dürfen immer dann verwendet werden, wenn sie nicht als Herkunftshinweis eingesetzt werden. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Marke
- rein dekorativ
- redaktionell oder
- vergleichend
eingesetzt wird.
III. Fazit

Problematisch ist die Nutzung einer fremden Marke immer dann, wenn diese – oftmals durch eine verbesserte Position in Google & Co. – dazu genutzt wird den eigenen Absatz anzukurbeln. Kein Verstoß wird begangen, wenn die fremde Marke nicht als Herkunftshinweis missbraucht wird, sondern lediglich rein beschreibend genutzt wird."


LG


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mtg
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Re: Zwischen Großstadt und Dschungel

von mtg (20.05.2017, 11:59)
Es ist letztlich Deine Entscheidung. Ich wollte nur meine Bedenken äußern, da ich in Markenstreitigkeiten schon so einige Erfahrung gesammelt habe. Allerdings war ich nie der Beklagte … ;-)

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