Ich Form

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Crank
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Ich Form

von Crank (29.01.2018, 21:55)
In einem Bestseller habe ich erfahren, das die Geschichte bei den 2 Protagonisten im selben Buch in der Ich Form erzählt werden.
Kann es mehr Personen geben die in der Ich Form erzählen?
Kann, wenn zum Beispiel jetzt zwei in der Ich Form erzählen, einer einfach aufhören in der Ich Form zu erzählen? UNd die andere weiter? Beispiel: Zwei unterschiedliche Orte und Personen, die sich eines Tages mal treffen. Ab diesen Zeitpunkt hört eine Person auf in der Form zu erzählen und redet ,, antwortet er´´ weiter.
Würde so etwas überhaupt gut ankommen?

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Hannelore Goos
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Re: Ich Form

von Hannelore Goos (29.01.2018, 22:08)
Hallo,

Wenn zwei verschiedene Personen jeweils aus ihrer Perspektive berichten, kann ich mir das schon vorstellen. Ich würde es dann aber durch unterschiedliche Fonts kenntlich machen, wer gerade "dran" ist, und einen dritten Font, wenn sie zusammentreffen und dann aus der Perspektive eines quasi neutralen Erzählers berichten, also nicht einen der beiden "bevorzugen".
Aber das ist nur so mein subjektives Gefühl.

Gruß
Hannelore
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mtg
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Re: Ich Form

von mtg (29.01.2018, 22:52)
Crank hat geschrieben:
In einem Bestseller habe ich erfahren…

Ich nehme an, Du hast es nicht erfahren, sondern gelesen oder festgestellt. Welcher Bestseller war es denn? Letztlich ist es (auch) immer eine Frage des Genres, wie man was löst oder lösen kann …

Man kann natürlich immer zwei Protagonisten gegenläufig berichten lassen, aber dann würde auch ich – wie Hannelore schon schrieb – mit dem Wechsel des Schriftschnitts (hier: normal, da: kursiv oder dergl.) anzeigen, wer gerade spricht. Übrigens meine ich wirklich »Schriftschnitt« … wenn mehr als zwei Fonts (Schriftarten) in einem Buch auftauchen, finde ich es schon sehr unprofessionell.

Crank
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Re: Ich Form

von Crank (29.01.2018, 23:36)
Vielen Dank, das Hilft mir etwas weiter

Der Bestseller war, Your name

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Hannelore Goos
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Re: Ich Form

von Hannelore Goos (30.01.2018, 07:43)
mtg hat geschrieben:
Man kann natürlich immer zwei Protagonisten gegenläufig berichten lassen, aber dann würde auch ich – wie Hannelore schon schrieb – mit dem Wechsel des Schriftschnitts (hier: normal, da: kursiv oder dergl.) anzeigen, wer gerade spricht. Übrigens meine ich wirklich »Schriftschnitt« … wenn mehr als zwei Fonts (Schriftarten) in einem Buch auftauchen, finde ich es schon sehr unprofessionell.


Das ist wohl eher eine Glaubensfrage. Ich finde mehr als die Auszeichnung einzelner Wörter in kursiv unprofessionell.

Gruß
Hannelore
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Monika K.
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Re: Ich Form

von Monika K. (30.01.2018, 11:36)
Ich habe schon einmal an anderer Stelle gefragt, was mit zwei verschiedenen Schriftarten passiert, wenn ein Leser bei seinem E-Book-Reader die Schriftart verstellt. Eine Antwort bekam ich dort nicht. Dafür taucht der Tipp immer wieder auf.

Es gibt Bücher, in denen mit Kursiv- oder Fettdruck gearbeitet wird. Ob das auf Dauer lesefreundlich ist, kann ich nicht beurteilen, da ich noch keines ganz gelesen habe. Ich erinnere mich lediglich an verschiedene Schriftfarben. Ich glaube, das war bei der Unendlichen Geschichte so gelöst. Allerdings ist dort die Zielgruppe jung. Erfahrenen Lesern kann man meiner Meinung nach etwas mehr zutrauen und auf stilistische Mittel zurückgreifen. Damit riskiert man natürlich, dass einzelne Leser überfordert werden, aber die merken vielleicht auch nicht den Unterschied zwischen den Schriftarten oder zwischen fett und kursiv. Wenn man da bei seiner Zielgruppe Bedenken hat, sollte man sich auf eine Perspektive beschränken.

Perspektivwechsel sind nicht ungewöhnlich und können hervorragend funktionieren, wenn ein Autor sein Handwerk beherrscht. Ich würde es nicht wagen, zwei Ich-Erzähler auf die Leser loszulassen, weil ich zu wenig Erfahrung habe, aber prinzipiell spricht nichts dagegen. Ein guter Autor kann das mit stilistischen Mitteln lösen. Das Mindeste, was man braucht, ist eine optische Trennung. Es muss nicht bei jedem Perspektivwechsel ein neues Kapitel beginnen, aber eine Leerzeile zwischen den Absätzen ist das Mindeste, was man setzen sollte. (Dabei ist es hilfreich, Leerzeilen an anderer Stelle nicht inflationär einzusetzen.) Was ich auch schon gesehen habe (und momentan selbst einsetze), sind die Sternchen oder kleinen Symbole, wie man sie aus englischsprachiger Literatur kennt. Die sind umstritten. Manche Buchsatzexperten hassen sie wie die Pest, aber sie schaffen, wenn man davor und danach eine Leerzeile setzt eine schöne Trennung zwischen den Absätzen, die ins Auge sticht. Der Leser erwartet an der Stelle, dass sich etwas grundlegend verändert und nicht nur ein Zeitsprung oder Ortswechsel stattfindet, was normalerweise mit einer Leerzeile markiert wird.

Zu den oben erwähnten stilistischen Mitteln gehört z.B., nach jedem Perspektivwechsel den aktuellen Erzähler zügig auftreten zu lassen oder zumindest etwas, das auf ihn hinweist: sein Haus, sein Auto, sein Pferd ... Dadurch kann sich der Leser in die aktuelle Perspektive hineindenken. Wenn man eine Perspektive in der ersten Person und die andere in der dritten Person erzählt, kann allein das "ich" bereits ein klarer Hinweis sein, wer gerade dran ist. Deshalb ist es einfacher, wenn man nur einen Ich-Erzähler agieren lässt.

Viele Grüße
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Hannelore Goos
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Re: Ich Form

von Hannelore Goos (30.01.2018, 12:02)
Monika K. hat geschrieben:
Ich habe schon einmal an anderer Stelle gefragt, was mit zwei verschiedenen Schriftarten passiert, wenn ein Leser bei seinem E-Book-Reader die Schriftart verstellt. Eine Antwort bekam ich dort nicht. Dafür taucht der Tipp immer wieder auf.


Im Buch "At Elder Shrines" wurden zwei verschiedene Fonts für Text und Zitat verwendet. Im E-Buch (epub von BoD) ist alles in einer einheitlichen Schriftart (die man demzufolge auf dem E-Book-Reader verändert kann).
E-Books sind in gestalterischer Hinsicht sehr viel beschränkter als gedruckte Bücher.

Gruß
Hannelore
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Monika K.
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Re: Ich Form

von Monika K. (30.01.2018, 12:21)
Hannelore Goos hat geschrieben:
Monika K. hat geschrieben:
Ich habe schon einmal an anderer Stelle gefragt, was mit zwei verschiedenen Schriftarten passiert, wenn ein Leser bei seinem E-Book-Reader die Schriftart verstellt. Eine Antwort bekam ich dort nicht. Dafür taucht der Tipp immer wieder auf.


Im Buch "At Elder Shrines" wurden zwei verschiedene Fonts für Text und Zitat verwendet. Im E-Buch (epub von BoD) ist alles in einer einheitlichen Schriftart (die man demzufolge auf dem E-Book-Reader verändert kann).
E-Books sind in gestalterischer Hinsicht sehr viel beschränkter als gedruckte Bücher.

Gruß
Hannelore


Das bestätigt meine Vermutung. Darauf solltest du aber hinweisen, wenn du zur Verwendung von zwei Schriftarten rätst, da viele Autoren ihre Bücher zusätzlich als E-Book veröffentlichen und gerade Belletristik sehr gern als E-Book gekauft wird. Wenn ein Autor die Perspektive einzig und allein über die Schriftart kennzeichnet, wird er beim E-Book Schiffbruch erleiden und sollte sich zumindest auf Print beschränken oder eben doch einen Teil kursiv setzen, wie Matthias vorgeschlagen hat.

Kannst du uns ein Belletristikwerk nennen, bei dem zwei verschiedene Schriftarten verwendet werden, um die Erzählperspektiven voneinander abzugrenzen? Ich würde gern mal einen Blick hineinwerfen.

Gruß,
Monika
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Hannelore Goos
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Re: Ich Form

von Hannelore Goos (30.01.2018, 15:16)
Monika K. hat geschrieben:
Kannst du uns ein Belletristikwerk nennen, bei dem zwei verschiedene Schriftarten verwendet werden, um die Erzählperspektiven voneinander abzugrenzen? Ich würde gern mal einen Blick hineinwerfen.


Antonio Cuoco: Phantastische römische Mythologie.

Es ist ein Fantasy-Buch, in dem Cuoco einen "Narrator" (Lucius Manlius Donatus) erzählen lässt, der die "verlorengegangenen Mythen" der Römer rezitiert und mit Kommentaren versieht. Beides ist erfunden, die Mythen mehr oder weniger aus Überlieferungsresten extrapoliert, hat aber nichts mit Vergil, Ovid u.Co. zu tun.
Der Narrator rezitiert die ihm überlieferten Texte in einem Font, macht dazu Kommentare zu seiner Gegenwart (um 200 v. Chr.) , die in einem anderen Font gesetzt sind. Im gleichen (zweiten) Font ist auch die Rahmenhandlung, die die aktuelle Entdeckung der Texte beschreibt. Im Prinzip hat das Buch also drei Ebenen. Nur die Rezitationen des Narrators sind in einer eigenen Schriftart.

Leider habe ich nirgends einen Blick ins Buch gefunden, das Buch gibt es auch nicht als E-Book.

Gruß
Hannelore
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Monika K.
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Re: Ich Form

von Monika K. (30.01.2018, 16:48)
Vielen Dank!
Schade, dass man nicht hineinschauen kann. Kaufen will ich es mir eigentlich nicht, weil es nicht so mein Genre ist. Dass es das nicht als E-Book gibt, liegt vermutlich an den oben genannten Gründen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Romanaufbau in einer einzigen Schriftart funktionieren würde. Da müsste man vermutlich zusätzlich mit Jahreszahlen oder Zwischenüberschriften arbeiten. Das sind ebenfalls stilistische Mittel, mit denen man solche Abgrenzungen vornehmen kann. Sie eignen sich jedoch nicht für jedes Genre, da sie schnell zu nüchtern wirken und den Leser aus der Handlung reißen können.

Gruß
Monika
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Bärentante
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Re: Ich Form

von Bärentante (31.01.2018, 13:27)
Habe mal einen Blick ins Buch geworfen. Die Ich-Beschreibung des Mädchens wird im Flattersatz linksbündig angezeigt, die des Jungen im Flattersatz rechtsbündig. In beiden gibt es Passagen in Fett- und Kursivdruck, deren Einsatz sich mir nicht wirklich erschließt.

Insgesamt schon eine interessante Sache, wenn man eine Geschichte in dieser doppelten Ich-Form-Beobachtungsweise durchzieht. Aber sicher nicht einfach.

Crank hat geschrieben:
In einem Bestseller habe ich erfahren, das die Geschichte bei den 2 Protagonisten im selben Buch in der Ich Form erzählt werden.
Würde so etwas überhaupt gut ankommen?


Deine Frage beantwortest Du Dir doch schon selbst. Wenn es ein Bestseller ist, kommt es gut an. :wink:
Liebe Grüße
Christel

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Hannelore Goos
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Re: Ich Form

von Hannelore Goos (31.01.2018, 15:55)
Bärentante hat geschrieben:
Habe mal einen Blick ins Buch geworfen.


In welches Buch?

Gruß
Hannelore
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Monika K.
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Re: Ich Form

von Monika K. (31.01.2018, 18:01)
Hannelore Goos hat geschrieben:
Bärentante hat geschrieben:
Habe mal einen Blick ins Buch geworfen.


In welches Buch?

Gruß
Hannelore

In das, um das es in diesem Thread ursprünglich geht.

Gruß
Monika
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Re: Ich Form

von DuaneHanson (19.04.2020, 13:57)
Monika K. hat geschrieben:
Perspektivwechsel sind nicht ungewöhnlich und können hervorragend funktionieren, wenn ein Autor sein Handwerk beherrscht. Ich würde es nicht wagen, zwei Ich-Erzähler auf die Leser loszulassen, weil ich zu wenig Erfahrung habe, aber prinzipiell spricht nichts dagegen.


Jodi Picoult in (Beim Leben meiner Schwester) konnte das meisterhaft. Und das mit fünf oder mehr Leutchen. Sie macht es mit Kapiteln und sie habe ich mir auch zum Vorbild genommen. Da mir viel wichtiger ist, was in den Köpfen der Leute vorgeht als die Handlung an sich, kann ich auch gleich den Ich-Erzähler nehmen. Ist mir lieber, als die Krücke des Allwissenden. Wenn man es schafft, authentisch zu wirken, ist der Effekt toll. Wenn man es nicht schafft, weil eh alles wie der Autor klingt, ist es mörderpeinlich und unprofessionell.

Außerdem ist es reizvoll, weil der jeweilige Erzähler, die jeweilige Erzählerin eben nicht alles weiß. Das eröffnet dem Autor viel mehr Möglichkeiten. So kann ich Motivationen der einzelnen Leutchen besser begründen und sie handeln stringenter oder es wird klar warum, wenn sie es nicht tun.
Meine Geschichten sind besser befriedigend als gut.

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