Kurzer Textauszug. Ich bitte um Eure Meinung

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seifenstein
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Kurzer Textauszug. Ich bitte um Eure Meinung

von seifenstein (29.11.2017, 14:16)
Ich würde mich darüber sehr freuen, wenn Ihr mir kurz Eure sehr wertvolle Meinung hierzu hinterlässt

Vielen Dank im voraus!

Freundliche Grüße, Friedrich


Ilse riet mir ein gutes Buch zu lesen.
Aber welches? Ich hatte ja schon alle durch. Jedes Buch aus meiner Sammlung las ich mindestens schon drei Mal.
Da kam mir der Gedanke, mal wieder in meine alten Tagebücher hineinzusehen.
Dazu begab ich mich in mein kleines Schlafzimmer, in dem sich abgesehen von meinem Einzelbett mit Nachtkästchen, nur ein großer fünftüriger Kleiderschrank aus Mahagoni Holz befand.
Ich öffnete ihn, und suchte nach dem allerersten Tagebuch.
Nach einer Weile des herumkramen fand ich es.
Es sah schon sehr alt und vergilbt aus. Vorsichtig trug ich es zum Nachtkästchen, und legte es behutsam ab.
Nachdem ich meinen schneeweißen Bademantel über meine Schultern zu Boden gleiten ließ, und mich unter meine dicke Daunendecke kuschelte, begann ich darin zu lesen.

30.10.2004 Liebes Tagebuch!

Worüber soll ich dir schreiben? Was soll, kann oder darf ich dir Tag für Tag anvertrauen?
Mein Arzt und Freund riet mir, an dich zu schreiben.
Vor dir alle Hemmungen und Ängste abzulegen, und mich dir Tag für Tag uneingeschränkt zu öffnen.
Ich soll dich wie einen Brief betrachten, den ich an eine gute Freundin schreibe.
Also werde ich dir von meinen Träumen, Wünschen und Hoffnungen erzählen. Aber auch von meiner düsteren Vergangenheit.
Da ich dich aber nicht als eine Freundin ohne Namen betrachten möchte, werde ich für dich einen suchen. Einen, der so wie meiner Hoffnung bedeutet. Ja du hörst richtig, mein Name bedeutet Hoffnung, und ist russisch, französischer Herkunft.
Constanze ist lateinisch und bedeutet die Beständige, die Hoffnungsvolle. So werde ich dich ab sofort nennen.
Liebe Constanze, verzeih mir wenn ich mich nicht so blumig literarisch wie eine Schriftstellerin ausdrücke. Aber ich verspüre trotzdem den tiefen Wunsch in mir, dir alles zu erzählen.
Wir haben bald Mitternacht, daher muss ich mich beeilen, um diesen Eintrag nicht umdatieren zu müssen.
Mein Lebensgefährte half mir heute morgen mit dem Umzug, in meine neue Wohnung. Besser ausgedrückt, delegierte er lediglich die Männer der Umzugsfirma, auf seine dominant widerliche Art.
Warum half er mir beim Umzug? Meine liebe Constanze.
Das fragst du mich?
Ach so du weißt es ja nicht.
Wir haben uns ja getrennt. Wir hielten es gerade mal ein knappes Jahr miteinander aus. Zu unterschiedlich waren unsere Interessen und Lebensansichten gewesen.
Der ausschlaggebende Punkt für unsere Trennung war aber der, dass er ständig, egal zu welcher Tageszeit wie ein wildes Tier über mich herfiel. Dazu schleifte er mich an meinen langen Haaren ins Schlafzimmer.
Was danach kam, kannst du dir sicher vorstellen, und wie schrecklich es für mich war.
Doch möchte ich dich nicht schon im ersten Brief damit belasten.
Gerne erzähle ich dir ein andermal davon.
Doch etwas möchte ich dir noch heute verraten.
Jetzt, wo ich in dieser neuen Wohnung ganz für mich alleine bin, fühle ich mich zum ersten Mal vor meinem Ex in Sicherheit.

Diesen, den allerersten Eintrag schrieb ich vor fast dreizehn Jahren.
Ich erinnerte mich sehr genau an diesen Tag, es war jener, an dem ich meinen Exfreund das letzte Mal sah.
Seither nahm ich dessen Namen nie wieder in meinen Mund.
Selbst vor Ilse verschwieg ich ihn all die ganzen Jahre über.
Ich warf einen Blick auf den am Nachtkästchen stehenden Wecker.
Es war fast elf Uhr. Ich überlegte kurz, ob ich weiter lesen, oder mich zuerst um die Wäsche kümmern sollte.
Doch war meine Neugierde vor dem zweiten Eintrag viel größer als mein Pflichtgefühl.
Also verschob ich die Hausarbeit auf später, und las gemütlich weiter.

31.10.2004 Liebe Constanze! Heute ist Halloween, und ich bin schon sehr gespannt darauf, wie viele Kinder es sein werden, die an meiner Tür um Süßigkeiten läuten. In meiner alten Wohnung waren es gut ein Dutzend.
Aber hier ist alles so neu für mich.
Selbst meinen Nachbarn habe ich mich noch nicht vorgestellt.
Ich hoffe, dass sie jetzt keine schlechte Meinung von mir haben. Oder mich gar als eine unhöfliche Person betrachten.
Du siehst liebe Constanze, ich mache mir wie üblich wieder viel zu viele Gedanken darüber, wie andere über mich denken, anstatt mich nur um mich selbst zu kümmern, wie es mir mein Arzt riet.
Warum fragst du?
Natürlich habe ich daran gedacht, für die Kinder Süßigkeiten zu besorgen. Ich habe sie mir doch liefern lassen.

greendesert@web.de
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Re: Kurzer Textauszug. Ich bitte um Eure Meinung

von greendesert@web.de (01.03.2018, 10:39)
Guten Morgen,

Ich habe den Text wirklich aufmerksam gelesen und konnte mich sofort hineinversetzen. Mich würde wirklich interessieren wie es weiter geht. Wirklich gut geschrieben ;-)

Liebe Grüße,

Ramona

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