Aus Kienpergs Zeit

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Thomas von Kienperg
Beiträge: 28
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Aus Kienpergs Zeit

von Thomas von Kienperg (07.04.2018, 20:44)
Inspiriert von Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“

Was achten wir der Tage
sind wir an Jahren jung! –
doch fliehen sie, und werden
uns zur Erinnerung.
Drum eh’ sie ganz versinken
in der Vergangenheit
will ich noch einmal singen
ein Lied aus Kienpergs Zeit!

Mag man mich einen heißen
der in der Welt nichts gilt
und ob man auch gleich Träumer
und Taugenichts mich schilt:
ich wende sehnsuchtstrunken
nach rückwärts meinen Blick
und wie durch Zauber kehrt mir
die alte Zeit zurück!

Ich seh’ im grünen Tale
an eines Bächleins Rand
mein Elternhaus jetzt wieder
wo meine Wiege stand;
seh’ Vater, Mutter vor mir,
noch beide jugendlich,
als ihnen Last und Mühe
noch nicht den Scheitel blich.

Den Vater seh’ ich klimmen,
ein wackrer Jägersmann,
auf freie Bergeshöhen
den Felsenpfad hinan.
Es schlug fürs Jägerleben
das Herz in seiner Brust
und nach dem Wild zu streben
galt ihm die höchste Lust!

Die Mutter seh’ im Garten,
in Stube, Flur und Haus
ich der Geschäfte warten
mit Fleiß, tagein, tagaus;
in ihrer blanken Schürze
gar still und lobesam
als damals mancher Gast noch
zur Sommerfrische kam.

In meiner kleinen Kammer
da hatt’ ich stets bei Nacht
den Heimchen zuzuhören
das Fenster aufgemacht.
Sie brachten mir manch Ständchen
bis selig ich entschlief
und morgens früh vom Kirschbaum
gar süß die Amsel rief.

Des Brunnens helles Plätschern
war mir so wohlbekannt
das durch das offne Fenster
den Weg ins Bettchen fand.
Ich sah die Sterne funkeln
am blauen Himmelzelt
und hörte das Gezirpe
der Grillen her vom Feld.

Wie es mich nach der Schule
stets in das Freie zog
sodaß mein ledern Ränzlein
gleich in die Ecke flog.
Da gab es kaum noch Fernsehn
das heut’ die Trägen ruft
und nicht Computerspiele
in dumpfer Stubenluft!

Ich seh’ die hohen Berge
im Sonnenglanz vor mir
und rings im stillen Kreise
das traute Waldrevier;
das kleine Bächlein, das sich
durch Blumenauen wand
und schon vor langen Jahren
durch Menschenwerk verschwand.

Ich sehe die Gespielen
der holden Kinderzeit
Hans, Grete und Sabinchen,
Marie und Adelheid.
Wir tanzten Ringelreihen
und spielten Blindekuh
und fiel wer in den Graben,
so lachten wir dazu.

Sieh dort die Blumenwiese
umschwebt vom Schmetterling
wo ich von Nachbars Suse
den ersten Kuß empfing;
und wir am blauen Himmel
in zärtlichem Umfahn
inmitten bunter Blumen
die Wolken ziehen sahn.

In meines Oheims Mühle
am kühlen Waldesbach
da wurden die Gefühle
der ersten Liebe wach;
sooft dort im Geheimen
halb ernst und halb im Spiel
gar manches Lederhöschen
und manches Schürzchen fiel!

Wir kletterten auf Bäume
so hoch wie Babels Turm
wir fingen, um zu fischen
gar manchen Regenwurm.
Und wurden wir vom Förster
auch manchesmal erwischt
so hatten wir doch selten
im Trüben nur gefischt!

Wir schlugen uns mit Schwertern
aus Holz vom Haselstrauch
wir stahlen heimlich Äpfel
und Nachbars Kirschen auch;
mit Vaters altem Fahrrad
das klapperte vor Rost
ging’s ohne Helm dahin wie
als mit der Extrapost!

An Weihnacht lag die Landschaft
oft metertief verschneit,
da war ein rechter Winter
so selten nicht wie heut’;
ein arger Schwerenöter,
wer da vorm Ofen blieb
wo es uns in das Freie
in hellen Haufen trieb.

Wir bauten manchen Schneemann
fürwahr, man glaubt es kaum
der länger noch gewesen
als je ein Weberbaum;
wir brausten mit den Schlitten
zu Tal in wilder Fahrt
und auch mit Schneeballschlachten
ward weidlich nicht gespart.

Da setzte es nun freilich
wenn man zu wild verfuhr
zuweilen wohl die ein o-
-der andere Blessur.
Indes geschah es niemals
daß man in Hysterie
sogleich nach Ambulanzen
und nach dem Doktor schrie.

Wohl gab es unter Nachbarn
auch damals manchen Streit
doch war man zu verzeihen
dem Nächsten stets bereit.
Man rief nach Advokaten
und Richtern nicht sogleich
und löste seine Händel
im häuslichen Bereich.

Man setzte unter Fremden
sich noch an einen Tisch
und schwieg nicht wie die Götzen
so stumm als wie ein Fisch.
Man pflegte unter Menschen
noch Konversation
es gab ja damals noch kein
mobiles Telefon!

Da ward in weiter Runde
kein Klingelton gehört
der heut’ sogar in Kirchen
und in Theatern stört;
man hätte die Gewohnheit
genannt wohl lasterhaft
mit der man auf sein Smartphone
wie in Hypnose gafft!

Da gab es noch kein Facebook
und keinen Genderwahn,
wir sah’n statt schlechten Filmen
Kaleidoskope an.
Man trieb mit ernsten Dingen
nicht billig seinen Spott,
wir schrieben Liebesbriefe
und glaubten noch an Gott!

Die Zeit hat sich gewandelt
und so der Mensch mit ihr
er folgt jetzt eben einer
ganz eigenen Manier.
Die alten Ideale
verlacht er süffisant:
Wie sollt’ er sie vermissen
da er sie nie gekannt?!

Im Überflusse schwelgt er
und will noch immer mehr,
wie ist so voll sein Magen
und doch sein Herz so leer!
Er dringt mit Riesenschritten
in neue Sphären vor
und kriegt doch niemals wieder
was er dadurch verlor!

Mit jedem Augenblicke
verringert sich der Kreis
der aus der Welt von gestern
euch zu erzählen weiß;
und liegt der Letzt’ begraben
der diese Welt noch sah
dann sagt euch dieses Liedchen
wie Kienpergs Zeit einst war!
Thomas von Kienperg - "Le dernier chevalier véritable du romantisme"!

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ricochet
Beiträge: 821
Registriert: 13.12.2009, 16:58
Wohnort: Graz

Re: Aus Kienpergs Zeit

von ricochet (10.04.2018, 12:09)
Hallo Thomas,

sorry, aber das ist purer Retro-Kitsch. Du führst die Sprache einer Zeit, die vorbei ist.

LG

rico
Texte mit Pfiff.

hugo-wolff
Beiträge: 302
Registriert: 20.11.2012, 15:30

Re: Aus Kienpergs Zeit

von hugo-wolff (11.04.2018, 01:54)
Hallo Rico!

Widerspruch zu Deinem 2. Satz:
Sprache ist zeitlos.

Hugo

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