Neue DSVGO betrifft alle Autoren/Autorinnen ...

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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BenWeb
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Neue DSVGO betrifft alle Autoren/Autorinnen ...

von BenWeb (03.06.2018, 19:28)
... zumindest die mit einer eigenen Webseite! Hier gibt es schon mal im BoD Blog ein paar Hinweise dazu: https://www.bod.de/fingerprint/wissen/d ... erordnung/


Prima, dass hier mal etwas zu dem Thema erschienen ist. Trotzdem bleibt da noch einiges an Fragen offen. book:
Erstaunlicherweise finde ich weder hier noch im Forum Fragen oder Hinweise zur neuen Datenschutzverordnung seitens der Autoren. (Außer im letzten Artikel, der sich aber mehr auf die Blogger bezieht)

Ob es bei den meisten Autoren/Autorinnen noch nicht angekommen ist? Wenn ich es richtig verstehe, müsste doch jeder, der einen Verkaufs-Link auf seiner Seite präsentiert, betroffen sein. Meine Frage wäre z.B., ob ich nun mit BoD einen Vertrag abschließen muss, wenn ich einen entsprechenden Link zu BoD einfügen will?
Meine Seitenverantwortliche hat übrigens meine Webseite komplett aus dem Verkehr gezogen, weil sie sich zurzeit damit überfordert fühlt und außerdem von ersten Abmahnungen erfahren hat.

Jetzt überlege ich, ob die Seiten, auf denen ich ebenfalls als Autor aktiv bin, wie zum Beispiel bei Google+, Facebook oder WordPress - so weiterlaufen dürfen. In diesem Fall, so hat mir jemand glaubwürdig versichert, wäre ich ja gar nicht von der neuen DSGVO betroffen, sondern nur die entsprechenden Plattform- Anbieter …


LG Ben

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Siegfried
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Re: Neue DSVGO betrifft alle Autoren/Autorinnen ...

von Siegfried (04.06.2018, 00:52)
BenWeb hat geschrieben:
Wenn ich es richtig verstehe, müsste doch jeder, der einen Verkaufs-Link auf seiner Seite präsentiert, betroffen sein.


Korrekt.
Ebenso jeder, der in irgendeiner Weise Kontakt zu seinen Lesern hält, etwa in Form eine Online-Formulars, wo jemand dich unter Angabe einer E-Mail-Adresse anschreiben kann. Oder wenn du so etwas wie einen Newsletter herausgibst und ihn per E-Mail an irgendwelche Leute verschickst.

In dem Moment, wo du als Autor per E-Mail Kontakt zu anderen Personen hast, fällst du unter die Regelung der DSGVO.

Du musst als erstes herausfinden, was und wo du personenbezogene Daten speicherst. Wenn das rein privat ist, kannst du die DSGVO vergessen. Wird es in irgendeiner Weise geschäftlich bzw. öffentlich, hast du die DSGVO am Hals. Personengebundene Daten sind z. B. Name, Anschrift, E-Mail-Adresse, Autokennzeichen, Bild, physiologische, psychologische, genetische, wirtschaftliche Kennzeichen. Also alles, was einen Rückschluss auf eine einzelne Person zulässt. Darunter fällt auch - und jetzt wird es gemein - die IP-Adresse des Rechners, von dem du eine E-Mail bekommen hast. Siehe Artikel 4, Abs. 1 DSGVO

Die IP-Adresse wird von deinem Provider automatisch gespeichert. Wenn das kein reiner E-Mail-Provider ist, wie web.de, gmx.de, freenet.de usw, sondern ein Provider, der auch deine Webseite hostet, brauchst du ganz dringend einen "Auftragsverarbeitungsvertrag"(AVV), der regelt, dass dein Provider für dich Daten verarbeiten darf. Und deshalb E-Mails aufbewahrt und IP-Adressen speichert (die meisten Provider stellen auch Auswertungen über den Traffic auf deiner Webseite zur Verfügung). Siehe Artikel 28 DSGVO.

Verarbeitest du Daten auf deinem Rechner? Verarbeiten ist das Speichern, Ordnen, Übertragen, Auslesen, Abfragen, Analysieren usw. von personenbezogenen Daten. Siehe Artikel 4, Abs. 2 DSGVO. Wenn du das machst, brauchst du ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" (VVT). Siehe Artikel 30, Abs. 1 und 2 DSGVO. Das ist eine penible Aufstellung, was für Daten du speicherst und was du damit machst. Dafür gibt es inzwischen Vordrucke. Die von BoD im Hilfetext genannte Einschränkung, eine solches VVT sei nicht notwendig für Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern, ist heftig umstritten. In Art. 30, Abs. 5 heißt es u. a. "die Verarbeitung erfolgt nicht nur gelegentlich" (dann muss ein VVT geführt werden). Was "gelegentlich" ist, steht nicht in der DSGVO. Wenn man z. B. seine E-Mails mit Outlook, Thunderbird oder Notes abholt, werden die E-Mail-Adresse der Absender sofort gespeichert. Geschieht das zwei, drei, vier Mal pro Woche, ist das dann wohl keine "gelegentliche" Datenverarbeitung. Zu dem Thema habe ich am Dienstag einen Termin mit einem Datenschutzbeauftragten.

Auf jeden Fall benötigt man eine neue Datenschutzerklärung (DSE) auf der Webseite, die den Bedingungen der DSGVO entspricht. Dafür gibt es im Internet inzwischen passende Generatoren. Aber: In dieser Datenschutzerklärung muss jeder Kontakt, der zu fremden Unternehmen führt, die ihrerseits wiederum personenbezogene Daten verarbeiten, aufgeführt sein. Wer also irgendwelche Werkzeuge von Facebook, Google oder sonstwem benutzt, muss die in der DSE aufführen. Insbesondere Webseitenbeteiber, die mit Content-Management-Systemen arbeiten, sind da in großer Gefahr. WordPress o. ä. stellt z. B. automatisch eine Verbindung her zu GoogleFonts (kostenlose Fonts für die Webseite). Oftmals bekommt der Webseitenbetreiber gar nicht mit, dass GoogleFonts eingebunden wird (steckt in irgendeinem Modul von WordPress in Form einer CSS-Datei). Inzwischen hat es die ersten Abmahnungen gegeben, weil GoogleFonts nicht in der DSE erwähnt wurde. Bingo! WhatsApp geht auf keinen Fall mehr, da WhatsApp aktuell nicht DSGVO-konform ist. Also Finger weg von WhatsApp! Viele Handwerksunternehmen sind am Rotieren! Wenn man Bilder veröffentlicht, z. B. von einer Messe, benötigt man die ausdrückliche, also schriftliche Zustimmung, dass die abgebildeten Personen mit einer Veröffentlichung einverstanden sind.

BenWeb hat geschrieben:
Meine Seitenverantwortliche hat übrigens meine Webseite komplett aus dem Verkehr gezogen, weil sie sich zurzeit damit überfordert fühlt und außerdem von ersten Abmahnungen erfahren hat.


Schlau! Die ersten Abmahnungen tragen übrigens das Datum 25.05.2018 - also das Datum, an dem die DSGVO in Kraft getreten ist.

BenWeb hat geschrieben:
Jetzt überlege ich, ob die Seiten, auf denen ich ebenfalls als Autor aktiv bin, wie zum Beispiel bei Google+, Facebook oder WordPress - so weiterlaufen dürfen. In diesem Fall, so hat mir jemand glaubwürdig versichert, wäre ich ja gar nicht von der neuen DSGVO betroffen, sondern nur die entsprechenden Plattform- Anbieter …


Schön wär's. Dann dürfte WhatsApp ja auch anstandslos benutzt werden. Ist aber nicht. Du bist letztlich dafür verantwortlich, was dort jeweils veröffentlicht wird. Sobald es um personenbezogene Daten geht, stehst du dafür rechtlich gerade. Du brauchst auch hier einen AVV von deinem Datenverarbeiter.

Wer Details wissen will zur DSGVO:

a) Die DSGVO unbedingt durchlesen
b) Beratung bei einem IT-Anwalt einholen
c) sich mit einem Datenschutzbeauftragten unterhalten
d) beten, dass wegen der schwammigen DSGVO möglichst bald erste Gerichtsurteile gefällt werden

Nur mal als Fußnote: Wenn du auf einer Messe bist und von jemandem eine Visitenkarte erhältst, z. B. von einem Autorenkollegen und -kollegin, müsstest du rein theoretisch (und DSGVO-konform) einen Zettel unterschreiben lassen, damit du die personenbezogenen Daten auf der Visitenkarte auf deinem PC speichern darfst. Klingt völlig blöd, ist aber so.

Dies alles ist keine Rechtsberatung, sondern nur eine Zusammenfassung der Erfahrungen, die ich mit der Umsetzung der DSGVO in den letzten vier Monaten gemacht habe.

Ich verkrümel mich dann mal wieder, bevor die üblichen Leute mich zu beschimpfen beginnen. :roll:
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

hugo-wolff
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Re: Neue DSVGO betrifft alle Autoren/Autorinnen ...

von hugo-wolff (05.06.2018, 02:13)
Siegfried schrieb:

Ich verkrümel mich dann mal wieder, bevor die üblichen Leute mich zu beschimpfen beginnen.


Hugo denkt:

Da solltest Du eigentlich drüber stehen.

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BenWeb
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Re: Neue DSVGO betrifft alle Autoren/Autorinnen ...

von BenWeb (06.06.2018, 14:05)
Hallo Siegfried, danke dir für deine ausführliche Rückmeldung! thanks:

Grundsätzlich verarbeite ich so gut wie keine Daten, habe natürlich aber schon mal das ein oder andere Buch versendet und dann die Adressen der Kunden benötigt.

Mein Provider ist t-online. Muss ich mit denen nun einen AVV Vertrag über Datennutzung abschließen? Und mit facebook, google + und wordpress ebenso? Klingt doch verückt ... :roll:

Und wieso kann man haftbar gemacht werden, wenn man z.B. wordpress nutzt, aber deren Technik und weitere Verästelungen zu anderen Firmen/Anbietern (GoogleFonts sagt mir zum Beispiel gar nichts) nicht durchschaut. Man kann doch nicht erwarten, dass ich alle versteckten Verbindungen erkennen kann, oder? Dann müsste doch eigentlich wordpress mir eine entsprechende DSE zur Verfügung stellen...

Die Alternative, die ich sehe: alle Seiten aufgeben. Als Selfpublisher habe ich (mit meinen zwei Romanen "Papa-Probetraining" und "Harti Hoppel blickt durch") bislang ein paar hundert Exemplare verkauft, um aus den roten Zahlen zu kommen, müssten es aber noch ca. 50.000 Exemplare mehr sein. So gesehen sind auch meine Internetauftritte kein großes Geschäft, sondern mehr ein Service und ein bisschen gute Unterhaltung für meine Follower. Sollte ich da noch viele Stunden Zeit und einige hundert Euro investieren, nur um eine sehr merkwürdige neue DSV umzusetzen ...? cry::

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