Sternbald - de profundis

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Franz Sternbald
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Sternbald - de profundis

von Franz Sternbald (28.01.2019, 10:48)
de profundis

Die Bemerkung, ich würde ja nur Bücher schreiben, die sonst keiner lese, trifft die Sache nicht in ihrem Wesen. Tatsächlich lese ich wohl Bücher, die sonst keiner liest – schreiben tue ich hingegen nur Bücher, die sonst keiner schreibt.
Eine Ergründung des Umstandes, daß der Zuspruch kaum selbst von den Menschen zu erwarten ist, die Einem persönlich sogar gewogen sind, lohnt nicht der Mühe. Es ist eine ebenso unüberbrückbare Kluft zwischen Person und Werk, wie zwischen dem Propheten und seiner Heimat. Entscheidend aber ist zuletzt die Bestätigung gerade durch die Zeit, gegen die man eigentlich geschrieben hat.
(Anm.: An der Spitzenposition der ungelesensten Bücher rangiert übrigens Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“, noch vor Hegels „Phänomenologie des Geistes“, und Heideggers „Sein und Zeit“)

Der Erfolg eines Buchtitels hängt wesentlich von der Professionalität seiner Promotion ab!
Daran glaube ich nicht. Würde der meine von Herolden mit Pauken im Land ausgerufen, und mit leuchtenden Lettern in die Wolken projiziert
- sie erachteten’s für eitel Torheit.
Kassandra wurde ja nicht gescholten für das was sie warnte (das hätte eine Beschäftigung mit ihren Aussagen vorausgesetzt)
– sondern daß sie warnte (weil es die Geschäfte störte)

Der Erfolg eines Buchttitels hängt wesentlich vom sprachlichen Niveau ab!
Daran glaube ich nicht. Von den Fachsprachen, etwa der math. Analysis und der theo. Physik, oder der Steuerbescheide und AGBs zu unserem Lebenslauf, einmal abgesehen, ist es nämlich die Güte des Sprachlichen überhaupt, die der Akzeptanz durch ein breiteres Publikum im Wege steht. Es sind immer schon die Wenigsten, die den beschwerlich gewundenen Pfad hinauf zu neuen Aussichten zu gehen bereit sind, wenn allerlei Vehikel bereit stehen, das Publikum bequem zur Restauration auf das Plateau der platten Ansichten zu tragen. Welche ist nun die angemessene Sprache zu vermitteln, daß die Sichtweisen so grundverschieden sind?

Der Erfolg eines Buchtitels hängt wesentlich von der Qualität seines Stoffes ab!
Daran glaube ich nicht. Von Schopenhauers Hauptwerk konnten zunächst nur knapp 100 Exemplare verkauft werden, bevor es für 30 Jahre(!) eingestampft worden ist. Von Nietzsches ‚Zarathustra’ hätte es beinahe nur der erste Teil in den Handel geschafft. Der Verlag weigerte sich schlicht, die anderen drei Teile überhaupt noch herauszugeben.
Ein hier nicht näher zu bezeichnendes Werk im Bereich der erotischen Literatur, hat es hingegen schon zu Lebzeiten der Autorin bis zur 12. Auflage, jeweils im Umfang einiger Tausend Exemplare, gebracht.
Karl Kraus rief einst in der „Fackel“ zu Spenden auf für die Dichter Georg Trakl und Else Lasker-Schüler, zur Linderung ihrer ärgsten Not. Dies in einer Zeit, als Operetten-Librettisten ein Vermögen verdienten.
Heut’ geh’ ich in’s Maxim! da bin ich sehr intim;)
ich kenn’ dort alle Damen, bei ihrem Kosenamen ...
"


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Franz Hose
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Re: Sternbald - de profundis

von Franz Hose (28.01.2019, 13:18)
Warum hier in Autorenportraits?

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Franz Sternbald
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Re: Sternbald - de profundis

von Franz Sternbald (30.01.2019, 10:34)
Jemand hat, aus jüngst gegebenen Anlaß, keck zu bemerken gegeben:
Der Erfolg eines Buchtitels hänge wesentlich von seinem Buchtitel ab!
Das würde immerhin beispielhaft belegbar mit dem „Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal“, das wohl mittlerweile zu den meist ungelesensten Werken des Autors Jean Paul (Richter) gehört. Mit der Erzählung des „Leben des Quintus Fixlein“ vermochte es Jean Paul gleichfalls nicht aus dem Schatten der übermächtigen Dioskuren seiner Zeit, Goethe und Schiller, herauszutreten. Welches Lektorat würde heute zudem den Titelvorschlag „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei“, selbst von einem Jean Paul ungeändert durchgehen lassen.
Es ist daran zu denken, die Liste der ungelesensten Bücher selbst einmal als Buch herauszugeben. Dürfte sie dann überhaupt selbst darin Anspruch auf einen Listenplatz erheben – ein mengentheoretisches Problem von nicht geringem Gewicht. Denn kann die Menge aller Mengen von bestimmter Qualität, ein Element ihrer selbst sein ..?
Aber siehe da, selbst die ganz großen Ungelesenen fehlen nicht! Wer unter Euch je Goethes „Wilhelm Meister“ ganz gelesen, und Schillers „Wallenstein“ vollständig bewältigt (wo er nicht mal am Theater vollständig inszeniert wird), der werfe den ersten Widerspruch ein!
Weder Spinoza noch Pascal aber, oder Mainländer noch Weininger, bräuchten um ihre Ränge zu bangen, denn kein erotischer Librettist vermöchte es, auch nur entfernt an sie heranzurücken. Er fände ohnedies keine Aufnahme – notorisch zu erfolgreich!

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