Von Anfang an am Ende

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Franz Sternbald
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Registriert: 19.09.2017, 11:17

Von Anfang an am Ende

von Franz Sternbald (05.02.2019, 14:06)
... Und zum Schluß noch ein paar einleitende Worte:

So fängt doch kein Buch an! Da hört sich doch alles auf!
Du, ungnädiger Leser, hast doch schon den Anfang gemacht, bist bereit, Dich auf eine unbekannte Geschichte einzulassen, und bringst Dein Urteil schon vorher mit, wie so eine Geschichte anzufangen hat.
Aber, schwupp-di-wupp, bist Du schon drin in der Geschichte, was kommt’s denn da noch auf den Anfang an.
Wie es mal ausgeht, darauf kommt’s an, und wissen worum es geht!
Wenn Dir Einer erzählt, er hätte ein Buch gelesen, fragst Du ihn auch nicht, wie es anfängt, sondern worum es geht.
Das ist oft schwierig zu sagen, worum es geht. Da liest Einer über Tage, Wochen, ein bestimmtes Buch - Ich selbst greife manchmal über Jahre hinweg immer auf ein bestimmtes Buch zurück - und wenn die Frage kommt, die noch wichtiger ist, als die nach dem Anfang, nämlich die, worum die Geschichte geht, fällt es Einem schwer das zu sagen. Dann das ratlose Gesicht, der zuweilen gequälte, ins Lächerliche abgleitende Ausdruck, selbst bei profunden Lesern: „Schwer zu sagen, .. hm!?“
In der Bahn liest Einer einen dicken Wälzer, ist damit schon fast durch, und Du fragst ihn, worum es geht, kommt garantiert Deine Frage von seinem Gesicht gespiegelt zurück. Es ist aber durchaus nichts Lächerliches dabei, sondern hat sogar was Tragisches. Sei einem ratlosen Leser gegenüber nie verächtlich. Die Meisten von uns wüßten zum Ende ihres eigenen Lebens nicht zu sagen, worum es eigentlich geht – geraten in Selbstwidersprüche, Auflehnung oder Resignation.
Wenn man einen Romanschreiber selbst fragen würde, worum es bei seiner Geschichte geht, würde dieser mit ebensolcher trotziger Reaktion aufwarten: „Sie wollen wissen worum es geht? Lesen Sie selbst – ich hätte kein Buch zu schreiben brauchen, wenn die paar Sätze eines Waschzettels allein schon genügen würden, auszudrücken, worum es geht!“
Wahrscheinlich will der Leser aber gar keine fremde unbekannte Geschichte, sondern den treffenden Ausdruck für seine eigenen Gefühle, die Aufhebung der eigenen Selbstwidersprüche, um endlich zu erfahren worum es mir eigentlich geht!
Leben Sie selbst!

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