Tick, tick... – Spannung in Büchern

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Federtänzerin
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Tick, tick... – Spannung in Büchern

von Federtänzerin (01.06.2019, 10:49)
Spannung. Spannung ist relativ. Jedoch ist es ein notwendiges Werkzeug für ein gutes Buch. Leider haben viele junge Autoren –, mich einbezogen –, so null Ahnung was Spannung angeht. Vor allem, wenn sie versuchen Horror oder Thriller zu schreiben, denken die Meisten sie müssen ein à la Saw-Filme machen und dann wird es zum Bestseller. bash:
Gut! Nun kann man davon halten, was man will. Aber Spannung ist mehr als, dass der Hauptfigur das X-Körperteil abgerissen wird. Es bedeutet Nervenkitzel! Und dazu gehört mehr als nur Blut und Ekel. sleep:
Dazu ist es noch genreabhängig! Schließlich ist es etwas anderes ob ich ein Romantik-Roman schreibe oder ein Fantasiebuch für Kinder. thumbbup
Aber man sollte auch auf die Sympathie zwischen den Figuren und den Lesern achten. Da man sich eher um Menschen die man mag sorgt als die man hasst.
Was meint ihr? Was ist euer Verhältnis zum Thema »Spannung«? Und welche Tipps würdet ihr zu diesem Thema geben? :?
Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
-Einstein

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Monika K.
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Re: Tick, tick... – Spannung in Büchern

von Monika K. (01.06.2019, 11:37)
Federtänzerin hat geschrieben:
Was meint ihr? Was ist euer Verhältnis zum Thema »Spannung«? Und welche Tipps würdet ihr zu diesem Thema geben? :?


Mein Tipp: Erst denken - dann schreiben. Je mehr Denkarbeit und echte Gefühle in einem Buch stecken, desto überzeugender kommt der Inhalt rüber. Das gilt nicht nur für die Spannung, sondern für alle Bereiche des Schreibens. Wer auf billige Effekte setzt, erhält ein billiges Ergebnis, das zwar auch sein Publikum finden, aber nicht jeden mitreißen wird. Wenn man sich jedoch in seinen Text einfühlt und darüber nachdenkt, wie man die Szene selbst empfinden würde, liefert man ein überzeugendes Werk ab, für das man sich niemals zu schämen braucht. Meiner Meinung nach kann man das Erzeugen von Gefühlen wie Angst, Spannung etc. nicht mit einer Bedienungsanleitung erlernen, sondern man muss sie selbst mitempfinden, ohne die Distanz zu den Figuren zu verlieren.

Viele Grüße
Monika
»Better a witty fool, than a foolish wit.« (Shakespeare’s »Twelfth Night«)

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Siegfried
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Re: Tick, tick... – Spannung in Büchern

von Siegfried (02.06.2019, 21:07)
Federtänzerin hat geschrieben:
Was meint ihr? Was ist euer Verhältnis zum Thema »Spannung«? Und welche Tipps würdet ihr zu diesem Thema geben?


Zunächst mal: Was ist überhaupt Spannung?

Zum einen ist Spannung nichts weiter als eine äußere Bedrohung, die den Helden / die Heldin direkt betrifft und in eine meist lebensgefährliche Situation bringt.

Zum anderen ist Spannung das Entstehen einer Frage, für die der Leser / die Leserin unbedingt eine Antwort haben will, diese aber durch Autor / Autorin immer wieder hinausgezögert wird.

In beiden Fällen muss der Held / die Heldin so sympathisch sein, dass der Leser / die Leserin mitfiebert und mitleidet. Daher stelle ich mir immer die Grundregel auf: Sei fies zu deinen Hauptfiguren! Lass sie leiden!

Um eine längere Geschichte spannend zu halten, müssen mehrere Spannungslinien bestehen, die mal parallel laufen, mal sich annähern und sogar kreuzen, mal sich voneinander entfernen. Dazu kommt das Tempo. Eine Geschichte, in der der Leser /die Leserin von eimem Spannungspunkt zum nächsten gejagt wird, ermüdet einfach nur. Tempo und Rhythmus bestimmen die Spannung. Eine ganz ruhige, harmlose Szene kann mit einem Schock- oder Überraschungselement enden (damit sind ausdrücklich nicht diese Splatter-Elemente oder Gruselfaktoren gemeint).

Leser/Leserin haben an einen erzählenden Text gewisse Erwartungen. Dabei geht es nicht um das Ziel (Polizist verhaftet Mörder), sondern um den Weg dahin (wer ist der Tote? Wer hat ein Motiv? Wer der vielen Feinde des Toten hat ihn umgebracht?). Hier ist tatsächlich der Weg das Ziel: Wie wird das Problem gelöst? Dies gilt für alle Genres.

Die klassische Dramaturgie bietet ein Gerüst, wie eine spannende Handlung aufgebaut werden kann (Betonung auf "kann").

Ein paar Hilfen, um Spannung zu erzeugen:
- Zunächst wird die heile, intakte Welt geschildert. Alles ist gut, es scheint nichts Bedrohliches zu geben. Eine Krise tritt ein, die die heile Welt aus den Angeln hebt.
- Der Held / die Heldin muss sich auf einen gefährlichen Weg begeben.
- Es tauchen Geheimnisse aus, die der Held / die Heldin nicht lösen kann (und auch Leser / Leserin können es nicht).
- In die Handlung fließen Andeutungen ein, die sich erst später als wichtig herausstellen.
- Bestimmte Sprachformen erzeugen Spannung, so Dialog, kurze Sätze, Auslassungen.
- Ganze Szenen können durch Andeutungen angekündigt werden, tauchen im Text aber gar nicht auf.
- Harte Schnitte (abrupt beendete Szenen) steigern die Spannung. Beende eine Szene, wenn der Held / die Heldin in unmittelbarer Gefahr ist (Prinzip des Cliffhangers, vom britischen Autor Thomas Hardy im Jahre 1873 entwickelt)
- Der Leser / die Leserin weiß mehr als der Held / die Heldin, der/die geradewegs in den Untergang zu marschieren scheint (Technik, die Hitchcock oft in seinen Filmen benutzt hat: Der Zuschauer / die Zuschauerin weiß, dass an einem bestimmten Ort der Mörder wartet - der Held / die Heldin nicht).

Wenn du studieren willst, wie Spannung funktioniert, schau dir zwei Filme an und finde heraus, wie die Drehbuchautoren Spannung erzeugen:

Film 1
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (mit Harrison Ford und Sean Connery)

Film 2
Kopfgeld - Einer wird bezahlen (mit Mel Gibson)

Beide Filme eignen sich hervorragend, um die Funktion der Dramaturgie zu studieren.

Ansonsten lesen, lesen, lesen, um herauszufinden, warum eine Szene spannend und eine andere Szene völlig unspannend ist.

Hope this helps! cheezygrin
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