Vertrag bei BOD?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Rontrus
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Re:

von Rontrus (25.02.2008, 18:01)
Hallo Hawepe,
„missverständlich formuliert“ ist höflich umschrieben. Es ist einmal ausdrücklich von Exklusivrechten die Rede, ein anderes Mal – ebenso ausdrücklich – davon, dass es genau diese nicht gebe.

Und wer, bitte, kann sich erlauben, nicht auf der Erfüllung eines Vertrages zu bestehen? Dazu sind Verträge da (ich habe den anderen Thread auch gelesen, aber um diesen Punkt ging es dabei nicht ganz).
Natürlich kann ich mich der Verpflichtungen eines Vertrages immer entledigen, wenn ich die Ausstiegsklausel befolge und eine eventuelle Konventionalstrafe in Kauf nehme. Nichts anderes sind diese 299 Euro.

Also sollte BoD klar und deutlich sagen: „Die Rechte liegen für mindestens fünf Jahre bei uns. Das lässt sich nur durch vorzeitige Vertragskündigung ändern. Und die kostet 299 Euro.“

Und BoD sollte nicht sagen, dass es keinerlei Exklusivrechte halte, wenn genau davon im Vertrag ausdrücklich die Rede ist.

Was wäre auch, wie du ganz richtig schreibst, daran so schlimm? Die Bedingungen selbst sind ja durchaus akzeptabel. Nur ihre Darstellung ist es nicht.

Gruß von Rontrus

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jola
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Re:

von jola (25.02.2008, 22:05)
Hallo Rontrus,

es geht im BoD-Vertrag doch nur um die Nutzungs- und Verbreitungsrechte. Nicht jedoch um die Verwertungsrechte, die man bei einem Verlag normalerweise als Autor dem Verlag abtreten muß.

Mit anderen Worten, bei einem "normalen" Verlagsvertrag bekommt der Verlag wirklich die "Exklusivrechte" an Deinem Werk und Du hast zumeist nicht mal ein Mitspracherecht am Titel, an der Aufmachung und Ausstattung Deines Buches. Und Du hast kein Mitspracherecht, wenn der Verlag verschiedene Ausgaben publizieren oder wenn das Büchl nicht so gut läuft, die ganze Auflage verramschen will. Hinzu kommt, dass man für die Dauer des Vertrages bei keinem anderen Verlag ein Buch zu einem ähnlichen Thema publizieren darf. Das nenne ich "Knebelvertrag" und "Exklusivrecht".

lg,
jola

Rontrus
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Re:

von Rontrus (26.02.2008, 08:44)
Hallo Jola,
ich sehe da wenige wichtige Unterschiede. BoD-Titel werden wohl eher selten auf einer Kaffeetasse „verwertet“. Es geht um die einfache Frage: Wer darf das Buch drucken, und wer darf es sonst noch? BoD sichert sich hier, wie jeder normale Verlag, ein Alleinrecht: Andere dürfen es nicht drucken (während der Vertragsdauer). Das ist ganz klar exklusiv, und es ist ja auch in Ordnung.
Wenn aber BoD anderswo sagt: „Wir haben keine Exklusivrechte auf Ihr Werk“, dann ist das einfach nicht richtig. Tritt also Verlag XY an mich heran und möchte meinen unsterblichen Erguss auch drucken, dann darf ich eben nicht zugreifen, wie BoD es irreführend empfiehlt.
Von einem Knebelvertrag habe ich nicht gesprochen. Ich möchte nochmal klarstellen: Ich habe nichts gegen die Konditionen selbst.

Gruß,
Rontrus

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SandraR
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Re:

von SandraR (26.02.2008, 09:09)
Nochmals Du darfst bei einem anderen Verlag drucken und zwar nach bezahlung von 299 Euro. Dies darfst Du bei keinem Verlag durch eine so geringe Abschlagszahlung. Den letztlich ist BoD kein Verlag sondern eine Druckerei. Stell Dir vor, die Autorin Harry Potter haette nach einem Jahr den Verlag wechseln wollen, Du glaubst wohl selber nicht dies waere mit 299 Euro zu bewerkstelligen gewesen.
Deswegen ist alles absolut korrekt, Du kannst einen Bestseller schreiben und zu einem kommerziellen Verlag wechseln fuer lediglich 299 Euro, eben weil BoD nicht die Verwertungsrechte hat.
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hwg
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Re:

von hwg (26.02.2008, 09:56)
Also, wenn ich die ganzen Beiträge über Vertragsregelungen lese, kann ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

Ich veröffentliche jetzt seit 1960 regelmäßig, aber einen Vertrag habe ich noch nie unterschrieben. Ganz nach der Devise: Hier Typoskript, danach Druck, dann Honorar.

Damit bin ich bis jetzt ganz gut "gefahren". Allerdings halte ich die üblichen Regeln im Verlagswesen auch ein, Ich erachte das als Selbstverständlichkeit - und "mein" Verleger sieht das offensichtlich ebenso. Und so soll's (bei mir jedenfalls) auch bleiben. :D

Rontrus
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Re:

von Rontrus (26.02.2008, 10:19)
Sandra,
drücke ich mich wirklich so missverständlich aus? Die Konditionen von BoD sind mir vollkommen klar, und ich habe nichts an ihnen auszusetzen. Ich kritisiere aber die irreführende Darstellung dieser Konditionen. Darum sind die Bedingungen anderer Verlage hier uninteressant. Ich kenne den Standardautorenvertrag.
Ich glaube, der typische BoD-Autor – und ich zähle mich dazu, obwohl ich schon in einem normalen Verlag veröffentlicht habe – hat ein Druckerzeugnis vor Augen und verschwendet an andere Verwertungsarten besser keinen Gedanken.
Er veröffentlicht also bei BoD selbst und hofft, ein Verlag klingelt eines Tages an der Tür und sagt: „Wow, dein Buch hat mich echt umgehauen. Das möchte ich auch drucken!“

Der Autor will nun verständlicherweise wissen, was er im Rahmen seines BoD-Vertrages tun kann. Und genau für solche Fragen gibt es die BoD-Seite:

http://www.bod.de/index.php?id=565

Dort steht schwarz auf weiß, dass BoD keine Exklusivrechte halte und der Autor freudig zugreifen dürfe. Ist es wirklich Auslegungssache, was Exklusivrechte sind?

Es geht nicht um Konditionen und ob sie moderat oder unerhört sind. Es geht um widersprüchliche BoD-Aussagen: nicht nur ein bisschen, sondern eklatant widersprüchliche.

Sehe wirklich nur ich das so?

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ChrisK
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Re:

von ChrisK (26.02.2008, 11:04)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Also, wenn ich die ganzen Beiträge über Vertragsregelungen lese, kann ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

Ich veröffentliche jetzt seit 1960 regelmäßig, aber einen Vertrag habe ich noch nie unterschrieben. Ganz nach der Devise: Hier Typoskript, danach Druck, dann Honorar.

Damit bin ich bis jetzt ganz gut "gefahren". Allerdings halte ich die üblichen Regeln im Verlagswesen auch ein, Ich erachte das als Selbstverständlichkeit - und "mein" Verleger sieht das offensichtlich ebenso. Und so soll's (bei mir jedenfalls) auch bleiben. :D


Das ist ja wirklich schön für dich, dass es bei dir und deinem Verleger über Jahrzehnte hinweg so gut klappt. Aber findest du nicht, dass ein derartiger Beitrag mit dem Tenor "Verträge braucht's nicht unbedingt" in einem Forum, dass von zahlreichen Newcomern in einer an Haifischen nicht gerade armen Branche besucht wird, einen Tick deplaziert ist?
Gruß
Chris

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SandraR
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Re:

von SandraR (26.02.2008, 11:15)
Dort steht schwarz auf weiss, Du bezahlst 299 Euro wenn fuenf Jahre noch nicht vergangen sind und gehst zum anderen Verlag. Mit diesen 299 Euro zahlst Du sozusagen die Druckkosten. Letztlich ist BoD nicht im eigentlichen Sinne ein Verlag, sondern ein Druck und Vertriebsanbieter. Bei einem VErlag kommst Du mit dieser Summe aus keinem Vertrag schon garnicht falls es ein Bestseller ist. Somit bleiben die Verwertungsrechte bei Dir, den man muss als Verlag mit Dir und nicht mit BoD einen neuen Vertrag machen. Du darfst die Rechte selber an einen fremdsprachigen Verlag verkaufen (was bei einem normalen Verlag nicht erlaubt waere) etc.etc.etc. einzig 299 Euro musst Du zahlen, wenn Du mit dem gleichen Buch das bei BoD erschienen ist zu Random House willst.
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hwg
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Re:

von hwg (26.02.2008, 11:15)
Hallo Chris!

Deplatziert? Wahrscheinlich hast Du nicht Unrecht. Ich wollte mit den Zeilen nur ausdrücken, dass man es mit den diversen Regeln hinsichtlich Weiterverwertung von irgendwelchen Autorenrechten nicht gar so übertrieben penibel nehmen sollte, wenn man in einem BoD-Unternehmen veröffentlichen will. Schließlich muss ein Buch, noch dazu eine Erstveröffentlichung, erst einmal auf den Markt kommen und Aufmerksamkeit finden, ehe tatsächlich ein anderer Verlag oder sonstiger Interessent an der Verwertung des Buchinhaltes "aufspringt".

Gruß aus der Steiermark!

Rontrus
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Re:

von Rontrus (26.02.2008, 12:03)
Hallo hwg,

dass du mit deinem ersten Posting das zweite sagen wolltest, ist mir wie ChrisK allerdings auch nicht aufgegangen.
Mit penibel meinst du vermutlich mich, und vielleicht bin ich das wirklich. Zu meiner Ehrenrettung darf ich noch mal klarstellen, dass es nicht um die Vertragsbedingungen geht.

Aber da scheine ich chinesisch zu schreiben, wie Sandras Zeilen immer wieder zeigen.

Wenn ein Bäcker in der Zutatenliste fürs Gesundheitsamt Rosinen aufführt, seine Brötchen aber mit einem Plakat „rosinenfrei“ anpreist – und man beanstandet das: Ist man dann penibel?

Dann bin ich’s wohl und weiß wirklich nicht, was ein krasser Widerspruch ist.
Und bitte: Ob Rosinen nun schlimm, gesund oder sogar lecker sind, ist hier ganz wurscht, weswegen ich in diesem Beispiel statt ihrer auch nicht etwa Geschmacksverstärker eingesetzt habe.

@Sandra:
Die 299 Euro sind eine Ausstiegsgebühr, eine Konventionalstrafe, nenn‘ es, wie du willst, aber Druckkosten sind es bestimmt nicht, denn das ist doch gerade der Witz von BOD: Wird nichts bestellt, wird nichts gedruckt.
Dieser Betrag mag dennoch seine Berechtigung haben; ich will das gern unterstellen und glaube dir auch gern, dass das vergleichsweise billig ist. Dennoch:
Auch wenn BoD kein Verlag ist, auch wenn es bei Verlagen mit den Verträgen noch restriktiver ist, es bleibt Tatsache, dass BoD für die Dauer des Vertrages die wichtigsten Rechte hält, und zwar exklusiv. Und das ist ja auch in Ordnung; ich verstehe bloß nicht, warum man das nicht konsistent aussagen kann.

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Re:

von hwg (26.02.2008, 13:03)
Guten Tag Rontrus!

Mit "penibel" habe ich niemand persönlich gemeint, deshalb auch nicht Dich. Mir fällt nur auf, nicht nur in dieser Rubrik, dass sich manche Autoren viel zu viel Sorgen um irgendwelche Vertragsklauseln machen, bevor sie überhaupt noch ein Typoskript eingereicht haben. Mein Motto: Weshalb komplizieren, wenn's dann doch einfacher geht. Ich gestehe, dass ich mit BoD-Produktionen nichts zu tun habe, deshalb auch deren Vertragsbedingungen nicht in- und auswendig kenne. Meine Meinung ist daher auf offenbar verbreitetes Unbehagen über so manche Regelungen abgezielt. Und wie's so oft sein kann - und auch in einem Beitrag bestätigt worden ist - , man sollte nicht alles, was irgendwo steht, stets "tierisch ernst" nehmen. Ausnahmen bestätigen stets irgendwelche Regeln...

In diesem Sinne:
Nichts für Ungut und herzlichen Gruß!

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SandraR
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Re:

von SandraR (26.02.2008, 13:32)
Rontrus Du kannst Dein Buch in chinesisch uebersetzen lassen und drucken lassen, das kannst Du bei einem richtigen "Verlag" nicht:)))dafuer musst Du BoD auch keine Gebuehr zahlen, deswegen bleiben juristisch die Rechte bei Dir. Dies unabhaengig einer kleinen Gebuehr bei frueherer Vertragsaufloesung. Dies ist auch keine Strafe sondern durch eine vorzeitige Beendigung des Vertrages entgeht BoD theoretisch Gewinn.
Sandra
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Rontrus
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Re:

von Rontrus (26.02.2008, 17:11)
Lieber hwg,
ich pflichte dir bei: Über Vertragsklauseln zu meckern muss man sich erst mal leisten können. Ich habe mir da bei meinem ersten Buch (das „normal“ veröffentlicht wurde) keine Illusionen gemacht und auch nicht beim zweiten (das wenigstens einen Literaturagenten gefunden hat). Auch bei BoD (oder bei jedem beliebigen BOD-Anbieter) ist mir klar, dass ich nur am kurzen Ende des Hebels stehe. Take it or leave it.

Davon abgesehen, klar: Jeder muss seine Brötchen verdienen; besonders Verlage haben es heute sehr schwer. Gegen einen Vertrag, wie BoD ihn bereithält, ist auch gar nichts zu sagen. Mein Problem ist ein anderes.
Ich habe vor, bei BoD zu veröffentlichen, und bin mit der Arbeit am Buchblock und am Umschlag schon sehr weit gediehen. Im Großen und Ganzen macht BoD einen guten Eindruck (nun ja, vielleicht haben sie auch nur ein paar fähige Webdesigner), aber dieser Eindruck wurde durch den irritierenden Widerspruch bei den Exklusivrechten empfindlich gestört.

Deshalb wollte ich in diesem Forum nachhorchen, wie das mit BoD so ist und ob noch andere Ungereimtheiten auftauchen. Wenn ich den Eindruck eines verkannten Genies erweckt habe, das sein unsterbliches Werk vor den Klauen der Profitgeier retten will, bitte ich um Nachsicht.

Beste Grüße,
Rontrus

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Re:

von Judith (27.02.2008, 00:40)
Hallo Rontrus,

ich sehe keine Ungereimtheiten, sondern alles so, wie Sandra es geschrieben hat.

Wen ich bei der Bank einen Kredit über drei Jahre zu festen Zinsen abschließe, dann aber im Lotto gewinne und den Restbetrag zwei Jahre früher bezahle, dann muss ich die entgangenen Zinsen zahlen. So ähnlich ist es mit den 299 Euro bei BoD. Sie rechnen bei ihrer Kalkulation z.B. mit der Systemgebühr und haben dann auch einen Verwaltungsaufwand, da sie das Buch bei sich (und evtl. bei Anbietern) löschen müssen. Außerdem soll es vermutlich nicht zu leicht gemacht werden, den Vertrag zu verkürzen. :wink:

Grüßle,
Judith
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hwg
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Re:

von hwg (27.02.2008, 08:50)
Guten Morgen Rontrus!

Siehst Du, wir liegen ja gar nicht so weit auseinander mit unseren Ansichten. Und auch für unseren Pool gilt das abgewandelte Sprichwort: Beim Schreiben hier kommen d' Leut' z'sammen. :lol:

Viel Erfolgl und herzlichen Gruß aus der Steiermark!

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