Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Federfrei
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Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Federfrei (12.08.2020, 09:34)
Hallo zusammen,

ich würde gerne ein Buch veröffentlichen, dass aus einer Sammlung an Kurzgeschichten besteht.
Da ich diese Geschichten nicht selbst geschrieben habe sondern sie nur thematisch zusammenführe stellt sich mir die Frage, ob ich das ohne vorheriges Anfragen und ohne Genehmigung der Autoren überhaupt darf.

Mache ich mich damit strafbar oder reicht es, wenn ich auf die original Quellen verweise?

Vielen Dank für eure Antworten.

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mtg
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von mtg (12.08.2020, 09:44)
Die Antwort ist ganz einfach: Es gilt das Urheberrecht. Und danach sind alle Werke bis 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers geschützt, ebenfalls Bearbeitungen oder Übersetzungen – unabhängig davon, wann sie entstanden sind.

Wenn Du – als Herausgeberin – fremde Werke verwenden willst, musst Du die Genehmigung des Rechteinhabers einholen … und die ist nicht selten mit Lizenzgebühren verbunden.

Und: Ja, Du machst Dich strafbar. Urheberrechtsverletzungen werden in den letzten Jahren sehr viel strenger verfolgt als noch früher, da z. B. die Verlage Einnahmen daraus als Kompensation für Verluste in anderen Bereichen ansehen.

Bei einer Veröffentlichung bei BoD kannst Du Dich übrigens nicht darauf berufen, dass BoD den Inhalt geprüft hätte. Das passiert nämlich nur in definierten Grenzen. BoD ist nur der Dienstleister, haftbar bist immer Du. Wenn ich mich recht entsinne, steht sogar im Buchvertrag irgendwo drin, dass der Auftraggeber versichert, alle Rechte eingeholt zu haben.

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Monika K.
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Monika K. (12.08.2020, 09:46)
Matthias hat recht.
Siehe Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte:
https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/
Wenn es sich um ausländische Werke handelt, gilt das Recht des jeweiligen Landes. Auch Übersetzungen unterliegen dem Urheberrecht.

Viele Grüße
Monika
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Federfrei
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Federfrei (12.08.2020, 09:54)
Vielen lieben Dank für die schnellen Antworten!
Das habe ich mir schon gedacht...
Das würde bedeuten, dass ich nur eine Chance habe, wenn ich die Geschichten selbst überarbeite und neu interpretiere und ihnen damit meinen eigenen Wortlaut gebe, oder?

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mtg
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von mtg (12.08.2020, 10:21)
Federfrei hat geschrieben:
Das würde bedeuten, dass ich nur eine Chance habe, wenn ich die Geschichten selbst überarbeite und neu interpretiere und ihnen damit meinen eigenen Wortlaut gebe, oder?

Das ist – um mit Fontane zu sprechen – ein weites Feld. Selbstverständlich kannst Du dieselbe Thematik zu einer eigenen Geschichte verarbeiten … aber dann frage ich mich, warum Du das nicht gleich machst. Sich inspirieren zu lassen, ist nicht strafbar; wenn aber die Urgeschichte zu deutlich herausscheint, könnte man ein Plagiat vermuten.

Du kannst aber auch versuchen, die Rechte einzuholen. Da Du mit BoD sehr wahrscheinlich niemals zu einer echten Bedrohung von Veröffentlichung anderer Verlage werden wirst, könnte es sein, dass man großzügig ist. Es könnte aber auch Vorbehalte schüren. Und – Du könntest schlafende Hunde wecken. Denn so klein ist BoD wiederum auch nicht …

Es ist aber schwierig, im abstrakten Rahmen zu denken. Daher musst Du Dir die Frage stellen: Gibt es Veröffentlichungen der von Dir vorgesehenen Geschichten? Wann waren sie, in welchem Verlag – leben die Autoren noch? Kann man mit ihnen in Kontakt treten? Haben sie die kompletten Nutzungsrechte abgetreten oder gibt es Lücken?

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Monika K.
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Monika K. (12.08.2020, 11:19)
Neben der rechtlichen gibt es auch noch die moralische Seite. Ich erlebe immer wieder am Rande mit, wie Autoren haufenweise schlechte Bewertungen kassieren, weil ihr Plot (oft sogar nur zufällig) mehr oder weniger stark an einen fremden Plot erinnert. Das nur als Warnung. Im Übrigen erschließt sich mir der Sinn einer absichtlichen Nacherzählung nicht so ganz. Ich kenne das nur von Märchen, die kindgerecht und in moderner Sprache formuliert werden. Wer liest die Nacherzählung eines fremden Werks? Ich zumindest bevorzuge das Original.

Ich würde bei einer Nacherzählung auf jeden Fall den Urheber nennen. Doch selbst dann bin ich mir nicht sicher, ob das rechtlich zulässig ist. Wenn ich mir vorstelle, jemand erzählt Harry Potter nach und bietet die Bücher zum halben Preis an ... Da meldet sich bestimmt irgendwann eine Rechtsabteilung.

Darf ich fragen, warum du unbedingt fremde Geschichten veröffentlichen möchtest? Soll das ein Geschäftsmodell sein, oder gefallen sie dir so unheimlich gut?

Viele Grüße
Monika
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Federfrei (12.08.2020, 11:55)
Hey und danke nochmal für die Antworten.

Es ist ehrlich gesagt eine Mischung aus Herzenssache und dem Wunsch etwas eigenes zu starten.
Ich habe diese Geschichten gesammelt, da sie einem den Spiegel vor Augen halten und damit im Alltag weiterhelfen können.

Darauf gekommen, sie zusammenzufassen und zu veröffentlichen bin ich durch die vielen buddhistischen Bücher gekommen, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden und teils auch sehr erfolgreich sind.
Dabei sehe ich schon auch, welche Bücher erfolgreich sind und warum.
Nur diese alt indischen Geschichten zum Beispiel, die haben sich der Autoren ja oft auch nicht neu ausgedacht.
Deshalb kam meine ursprüngliche Frage mit den Rechten zur Veröffentlichung überhaupt erst auf.

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mtg
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von mtg (12.08.2020, 12:21)
Monika K. hat geschrieben:
Ich würde bei einer Nacherzählung auf jeden Fall den Urheber nennen. Doch selbst dann bin ich mir nicht sicher, ob das rechtlich zulässig ist.

Rechtlich zulässig wäre es wohl schon, aber der moralische Aspekt – der zwar nicht justiziabel ist, aber durchaus ein Geschmäckle haben kann – ist nicht zu vernachlässigen … da gebe ich Dir recht.

Ich übertrage gerade für ein Projekt alte Texte in aktuelles Deutsch. Der Autor ist zwar lange genug tot – trotzdem wird es heißen »nach XY«. Das ist man dem Inspirateur schuldig … finde ich.

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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Federfrei (12.08.2020, 12:35)
Das muss so sein, da gebe ich Dir Recht.
Ich würde mich auch nicht mit fremden Federn schmücken wollen - darum geht es mir nicht.

Viele Grüße

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Monika K.
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Monika K. (12.08.2020, 13:18)
Hallo, Matthias,

mir kamen deshalb Bedenken, weil bei einzelnen Elementen die Schöpfungshöhe ausreichen könnte, damit sie auch als Begriffe oder Namen geschützt sein könnten. Um bei meinem Beispiel von oben zu bleiben: Wenn ich Harry Potter nacherzähle, müsse ich vermutlich die Namen von Figuren oder Orten ändern, die sich die Autorin ausgedacht hat. Aber ich kenne mich mit der Materie nicht genug aus, um das beurteilen zu können.

Hallo, Federfrei,

bei altindischen Geschichten kann ich deine Idee nachvollziehen. Das würde ja in dieselbe Richtung gehen wie mein Beispiel mit den Märchen. Ich bin keine Rechtsanwältin und kann keine Rechtsberatung durchführen, aber ich könnte mir das so vorstellen: Man sucht nach einer wortgetreuen Übersetzung der Originaltexte und nimmt diese als Basis für eine Nacherzählung. Auf die Nacherzählungen anderer Autoren würde ich mich hingegen nicht stützen, da sie möglicherweise Interpretationen oder Ausschmückungen neueren Datums enthalten könnten.

Viele Grüße
Monika
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Scharfrichter
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Scharfrichter (14.08.2020, 11:02)
»Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers.«
(§ 64 Urheberrechtsgesetz)

Mehr muß man dazu nicht wissen.

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Siegfried
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Siegfried (14.08.2020, 12:36)
Monika K. hat geschrieben:
Im Übrigen erschließt sich mir der Sinn einer absichtlichen Nacherzählung nicht so ganz.


Wenn es sich um einen alten Text handelt, ist eine Nacherzählung in moderner Sprache durchaus sinnvoll. "Don Quijote" wurde 1605/1615 erstveröffentlicht und 1621 ins Deutsche übersetzt (1648 veröffentlicht). Der Wandel der Sprache in den letzten 350 Jahren könnte eine Nacherzählung durchaus begründen. Ähnliches kann für "Gullivers Reisen" (1726) gelten oder für den "Simplicissimus" von 1668/69.

Auch bei mittelalterlichen Sagen wie das "Nibelungenlied", "Tristan und Isolde" oder das "Rolandslied" würde ich mich einer Nacherzählung nicht verweigern. Ebenso bei der "Ilias" oder der "Odysee".

Fröhliche Grüße

Siegfried
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Monika K.
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Monika K. (14.08.2020, 13:07)
Siegfried, zu dem Zeitpunkt, als ich den Punkt ansprach, war noch nicht klar, um welche Texte es sich überhaupt handelt. Alte oder neue? Deshalb führte ich im selben Beitrag das Beispiel mit den Märchen an, das du beim Zitieren jedoch herausgekürzt hast. Warum auch immer. Dass es sinnvoll sein kann, alte Texte an die heutige Sprache anzupassen, zeigt bereits mein Märchenbeispiel. Hättest du es drin gelassen, wäre klar, was ich konkret meinte. Deshalb sollte man nie leichtfertig Zitate aus dem Zusammenhang reißen. Dadurch verändert sich ihre Bedeutung.

Quietschfidele Grüße
Monika
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Siegfried
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Siegfried (14.08.2020, 14:07)
Monika K. hat geschrieben:
Siegfried, zu dem Zeitpunkt, als ich den Punkt ansprach, war noch nicht klar, um welche Texte es sich überhaupt handelt. Alte oder neue? Deshalb führte ich im selben Beitrag das Beispiel mit den Märchen an, das du beim Zitieren jedoch herausgekürzt hast. Warum auch immer. Dass es sinnvoll sein kann, alte Texte an die heutige Sprache anzupassen, zeigt bereits mein Märchenbeispiel. Hättest du es drin gelassen, wäre klar, was ich konkret meinte. Deshalb sollte man nie leichtfertig Zitate aus dem Zusammenhang reißen. Dadurch verändert sich ihre Bedeutung.

Quietschfidele Grüße
Monika


okay, dann das ganze Zitat:

Monika K. hat geschrieben:
Neben der rechtlichen gibt es auch noch die moralische Seite. Ich erlebe immer wieder am Rande mit, wie Autoren haufenweise schlechte Bewertungen kassieren, weil ihr Plot (oft sogar nur zufällig) mehr oder weniger stark an einen fremden Plot erinnert. Das nur als Warnung. Im Übrigen erschließt sich mir der Sinn einer absichtlichen Nacherzählung nicht so ganz. Ich kenne das nur von Märchen, die kindgerecht und in moderner Sprache formuliert werden. Wer liest die Nacherzählung eines fremden Werks? Ich zumindest bevorzuge das Original.


Kernaussage: "... erschließt sich mir der Sinn einer absichtlichen Nacherzählung nicht. Ich kenne das nur von Märchen ..."

Mein Kommentar diente nur zur Ergänzung, dass es durchaus sinnvolle Nacherzählungen gibt - auch jenseits der Märchen bzw. ohne Beschränkung auf Märchen.

Fröhliche Grüße

Siegfried
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Re: Sammlung von Geschichten - rechtliche Grundlage?

von Monika K. (14.08.2020, 17:20)
Wenn es jetzt plötzlich nur noch darum geht, sämtliche Ausnahmen aufzuzählen, bei denen eine Nacherzählung sinnvoll ist, müssen wir, wozu auch immer, natürlich um jeden Preis Übersetzungen in die Leichte Sprache erwähnen, die auch bei neueren Werken sehr sinnvoll sind. Dafür würde ich mir jedoch ebenfalls die Erlaubnis einholen, sofern der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist. Ganz zu schweigen von Hörbüchern, bei denen der Text manchmal stark gekürzt und umgeschrieben wird, damit er verständlicher wird.

Solange es zum eigentlichen Thema keine Fragen mehr gibt, verabschiede ich mich. :lol:

Kreuzfidele Grüße
Monika

edit: Übrigens ziehe ich auch bei der Odyssee und dem Nibelungenlied eine Übersetzung, die sehr nah am Original ist, eindeutig einer Nacherzählung vor. Aber jeder, wie er mag.
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